Der digitale Radioempfang ist auf dem Vormarsch

von am 08.09.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Hörfunk, Internet, Kommunikationswissenschaft, Kreativwirtschaft, Medienpolitik, Medienwirtschaft, Rundfunk

Der digitale Radioempfang ist auf dem Vormarsch

Zahl der DAB+-Radios steigt – insbesondere Inhouse

08.09.2020. Von Dr. Simon Berghofer, Referent für Medienökonomie und Forschung in der Gemeinsamen Geschäftsstelle der Medienanstalten

Unberührt von allen Corona-Turbulenzen in diesem ungewöhnlichen Jahr setzt sich der Trend hin zur digitalen Hörfunkübertragung weiter fort. Das zeigen die Ergebnisse der im Auftrag der Medienanstalten, ARD, Deutschlandradio, Media Broadcast und Vodafone durch Kantar durchgeführten bevölkerungsrepräsentativen Befragung. Zwar sind die meisten Radios in deutschen Haushalten nach wie vor analoge UKW-Radios, ihre Zahl ist aber seit mehreren Jahren rückläufig. Zugleich gewinnt der digitale Empfang immer mehr an Bedeutung. Die Haushaltsausstattung mit DAB+ und IP-Radios sowie auch die Webradionutzung hat weiter zugelegt. Die Netto-Digitalisierungsquote erreicht mittlerweile 63 Prozent, das heißt, fast zwei Drittel der Personen ab 14 Jahren in Deutschland hören (auch) Digitalradio. In den allermeisten Haushalten führen digitale und analoge Radios eine friedliche Koexistenz, digital ist aber beliebter. Denn wenn ein digitaler Radioempfänger im Haushalt vorhanden ist, dann wird vorzugsweise damit gehört. Und es gibt auch sie schon: die „digital-only“-Radiohaushalte. Ihre Zahl ist noch gering – wächst aber stetig.

Die Zahl der Radiohaushalte bleibt auf einem konstant hohen Niveau. Mehr als 94 Prozent, d.h. mehr als neun von zehn Haushalten in Deutschland, verfügen über mindestens ein Radiogerät. Dabei dominieren noch die analogen UKW-Geräte, der Trend geht aber hin zur Neuausstattung mit digitalen Empfängern. In gut neun von zehn Haushalten finden sich nach wie vor noch analoge UKW-Radios, was auch daran liegt, dass jeder Haushalt im Durchschnitt über knapp 4 Radiogeräte verfügt – darin eingeschlossen sind alle Radios im Haus, vom analogen Radiowecker bis hin zum Duschradio. Jeder Haushalt, in dem sich noch mindestens ein gelegentlich genutzter UKW-Empfänger befindet, wird (auch) als UKW-Haushalt mitgezählt. Dennoch deutet sich im Fünfjahrestrend ein langsamer aber anhaltender Rückgang des UKW-Empfangs an. Zugleich wächst die Zahl der Haushalte, die mit mindestens einem Digitalradio ausgestattet sind. In etwa jedem vierten Haushalt in Deutschland (24 Prozent) steht ein DAB+-Empfänger. Das entspricht einer Zunahme von 7 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert, so dass die Zahl der DAB+- Haushalte bei fast 10 Millionen liegt. Der positive Trend der letzten Jahre setzt sich also fort, auch wenn das Wachstum der DAB+-Haushalte etwas geringer als im Vorjahr ausfällt. Die Haushaltsausstattung mit IP-Radiogeräten – also mit Radiogeräten, die ihr Programmsignal über das Internet empfangen – hat ebenfalls zugenommen und liegt mit 14 Prozent zwei Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Mit knapp 6 Mio. Haushalten bleibt sie aber nach wie vor deutlich hinter der Zahl der DAB+-Haushalte zurück. Sowohl bei der Ausstattung mit DAB+ als auch bei den IP-Radiogeräten sind 3,3 Mio. Hybridgeräte mitberücksichtigt, die beide Empfangstechnologien beherrschen.

Der Radioempfang über Kabel oder Satellit bleibt weitgehend stabil

Knapp 12 Prozent verfügen über einen digitalen Satellitenanschluss über den sie Radioprogramme empfangen etwas weniger als 11 Prozent der Haushalte empfangen ihr Radiosignal digital über ihren Kabelanschluss. Im Zuge der Digitalisierung der Kabelnetze wurde die analoge Hörfunkübertragung über das Kabelnetz weitgehend eingestellt – etwa zweieinhalb Prozent der Haushalte in Deutschland haben ihr Radiogerät noch an die analoge Kabelbuchse angeschlossen. Berücksichtigt man alle digitalen Empfangswege, also DAB+, IP-Radio sowie digitalen Radioempfang über Satellit und Kabel, steht in mehr als vier von zehn Haushalten ein digitales Radioempfangsgerät. Von diesen mehr als 18 Mio. digital empfangenden Haushalten haben etwa 1,3 Mio. keine analogen UKW-Radios mehr im Haus, sondern ausschließlich Zugang zu digitalem Radioempfang. Die „digital only“-Quote liegt somit bei 3,2 Prozent der Haushalte in Deutschland. Nicht berücksichtigt ist hierbei allerdings die Webradionutzung über konvergente Endgeräte wie z. B. Smartphones oder Tablets.

DAB+-Ausstattung im Ländervergleich: Bayern und Sachsen setzen sich vom Hauptfeld ab

Die Haushaltsausstattung mit DAB+-Geräten ist im Vergleich zum Vorjahr erwartungsgemäß in fast allen Bundesländern weiter angestiegen. In Relation zur Anzahl der Haushalte im Bundesland, nehmen Bayern und Sachsen die Spitzenpositionen ein. Knapp jeder dritte Haushalt in den beiden Freistaaten verfügt über ein DAB+-fähiges Radiogerät. In Baden-Württemberg, Niedersachsen und Bremen sowie dem Saarland und Rheinland-Pfalz liegt die Haushaltsausstattung mit DAB+-Empfängern knapp unter einem Viertel der Haushalte – und damit nur leicht unter dem bundesweiten Durchschnittswert. In den Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Berlin und Brandenburg verfügt etwa jeder fünfte Haushalt über ein Digitalradio mit terrestrischem Empfang.

Die stärksten Zuwächse beim Digitalradio verzeichnen Sachsen (+16 Prozent), Berlin und Brandenburg (+14 Prozent) sowie Rheinland-Pfalz und das Saarland (+13 Prozent). In absoluten Zahlen befinden sich die meisten DAB+-Haushalte erwartungsgemäß in den bevölkerungsreichen Flächenländern Bayern und Nordrhein-Westfalen, mit jeweils etwas mehr als 1,9 Mio. DAB+-Haushalten, sowie Baden-Württemberg mit etwas mehr als 1,2 Mio. DAB+-Haushalten.

Die Vorbereitungen für den zweiten bundesweiten DAB+-Multiplex laufen auf Hochtouren – ab Herbst 2020 werden nunmehr insgesamt 29 national verbreitete Hörfunkprogramme im Digitalstandard DAB+ empfangbar sein. Zugleich wurde in diesem Jahr der regionale Ausbau, z. B. in Nordrhein-Westfalen, Hamburg/Schleswig-Holstein, Brandenburg oder dem Saarland weiter vorangetrieben, so dass zahlreiche regionale Programme ihren Betrieb aufnehmen konnten oder in naher Zukunft aufnehmen werden. Aber auch auf lokaler Ebene setzt sich DAB+ in lokalen Multiplexen oder auch mithilfe des small-scale DAB+-Ansatzes, bei dem kleine Sendeanlagen mit Open-Source-Technik zum Einsatz kommen, immer weiter durch. Zuletzt hat man in Bayern im Rahmen eines Pilotprojektes erfolgreich zeigen können, wie eine Regionalisierung von DAB+-Programmen mithilfe dynamischer Rekonfiguration umgesetzt werden kann. Mit dem kontinuierlich wachsenden Programmangebot wächst auch der Anreiz, sein analoges Radio gegen ein Digitalradio zu tauschen.

Zahl der analogen Radios hat in 5 Jahren um 10 Prozent abgenommen

In einem Radiohaushalt finden sich im Durchschnitt knapp vier Radiogeräte, Autoradios mitgezählt. Die Gesamtzahl der Geräte liegt somit bei über 146 Mio. auf einem konstant hohen Niveau und ohne nennenswerte Veränderungen gegenüber dem Vorjahr. Differenziert nach Gerätetyp zeigt sich allerdings, dass die Zahl der ausschließlich analog empfangenden UKW-Radios weiterhin rückläufig ist. Ihre Zahl liegt aktuell bei etwa 125 Mio., was gut 2,5 Mio. bzw. zwei Prozent weniger als im Vorjahr entspricht. Der Rückgang ist im längerfristigen Trend bemerkenswert stabil. Seit dem Jahr 2016 hat die Zahl der UKW-Empfänger in deutschen Haushalten um etwas mehr als 14 Mio. Geräte abgenommen, ein Rückgang von zehn Prozent in fünf Jahren.

Zahl der DAB+-Radios steigt – insbesondere Inhouse

Zugleich empfangen immer mehr Radios in Deutschland digitale Programme. Die Zahl der DAB+-Empfänger ist im letzten Jahr um weitere 2 Millionen auf 16,6 Mio. angewachsen. Zugenommen hat insbesondere die Zahl der Geräte, die im Haus verwendet werden. Sie ist um gut 1,8 Mio. auf mittlerweile knapp 9,9 Mio. Geräte gestiegen, das entspricht gut 59 Prozent der DAB+-Radios in Deutschland. Bei den restlichen 6,8 Mio. DAB+- Empfängern handelt es sich um Autoradios. Ebenfalls zugenommen hat die Zahl der IP-Radios, sie liegt mit knapp 8 Millionen Geräten etwa halb so hoch wie die der DAB+-Empfänger.

DAB+ treibt den digitalen Radioempfang im Auto voran

Auch für den Radiokonsum im Auto wird digitales Radio immer wichtiger. Knapp 16 Prozent der Autoradios beherrschen mittlerweile mindestens eine digitale Empfangsart. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren lag der Anteil der Autoradios mit digitalem Empfang noch bei knappen neun Prozent. D.h. die Digitalisierungsquote im Auto ist in nur fünf Jahren um mehr als 80 Prozent gestiegen. Dabei dominiert DAB+ eindeutig. Im Auto sind in Deutschland gut 6,7 Mio. DAB+-Geräte verbaut. Dem stehen knapp 320.000 IP-Autoradios gegenüber. Hinzu kommen jeweils noch etwa 114.000 hybride Geräte, die beide digitalen Empfangstechnologien beherrschen. Der Anteil der Geräte mit IP-Empfang stagniert in den letzten Jahren folglich bei etwa ein Prozent. DAB+-fähige Geräte machen hingegen mittlerweile gut 15 Prozent aller Autoradios in Deutschland aus. Das Wachstum im Autoradiobereich ist im Vergleich zum Vorjahr etwas schwächer ausgefallen, allerdings ist ein Digitalisierungsschub in den Autos in den kommenden Jahren zu erwarten. Mit Umsetzung der Interoperabilitätsverpflichtung müssen ab Dezember alle Neuwagen mit einem digitalen Radioempfänger ausgestattet werden, was sich voraussichtlich vor allem zugunsten von DAB+-Autoradios auswirken wird.

Zahl der Digital- und Webradiohörer steigt

Analog zur Haushaltsausstattung steigt auch die Zahl der Personen mit Zugang zu mindestens einem Radio mit digitalem Empfang weiter. Gut 32 Mio. Personen ab 14 Jahren haben in Deutschland Zugriff auf ein Digitalradio. Das ist etwas weniger als die Hälfte der Bevölkerung (46 Prozent) und entspricht einer Steigerung von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Radio wird aber schon lange nicht mehr nur über Radiogeräte gehört, vielmehr spielen Smartphones, Smart-TVs und andere konvergente Endgeräte eine immer wichtigere Rolle bei der Radionutzung. Dabei nutzen Radiohörer sowohl das im Multicast verbreitete Programmangebot etablierter Sender, als auch ausschließlich über das Web verbreitete Radioprogramme. Die Zahl der Webradionutzer hat weiter angezogen und liegt bei knapp 45 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland. Differenziert nach Empfangsgerät ist die Nutzung am Smartphone mit Abstand am weitesten verbreitet. Mehr als ein Viertel der Personen ab 14 Jahren (26 Prozent) hört Webradio über das Mobiltelefon, Tendenz steigend. Mit Umsetzung der Interoperabilitätsverpflichtung müssen ab Dezember alle Neuwagen mit einem digitalen Radioempfänger ausgestattet werden, was sich voraussichtlich vor allem zugunsten von DAB+-Autoradios auswirken wird.

Etwa jeder Zehnte nutzt für den Empfang der IP-Radiostreams seinen PC oder Laptop. Zugelegt hat neben den Smartphones insbesondere die Webradionutzung über Smart TV. Knapp acht Prozent der Personen in Deutschland nutzen den Fernseher für den Webradioempfang – tatsächlich wird es durch die Vernetzung der Haushalte – Stichwort Smart Home – auch immer einfacher, unterschiedliche Geräte im Haushalt für die Radiowiedergabe anzusteuern. Apps wie der Radioplayer sind schon länger auch auf Fernsehgeräten verfügbar und können direkt am TV-Gerät oder über das Smartphone oder einen Smart Speaker angesteuert werden. Mit letzteren kann Radio aber auch direkt abgespielt werden. Sechs Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland nutzen Smart Speaker, um Webradio zu hören.

Knapp zwei Drittel der Bevölkerung empfangen digital oder hören Webradio

Fasst man alle Möglichkeiten des digitalen Radioempfangs zusammen, zeigt sich, dass zwei von drei Personen ab 14 Jahren (63 Prozent) Zugang zu einem digitalen Radioempfänger haben oder Webradio nutzen. Die Digitalisierungsquote im Hörfunk steigt damit im Bevölkerungsdurchschnitt um5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. In den jüngeren Bevölkerungssegmenten fällt die Netto-Digitalisierungsquote erwartungsgemäß höher aus. Drei von vier (75 Prozent) der unter 30-Jährigen haben Zugang zu digitalen Hörfunkangeboten oder nutzen Webradio.

Auch bei der meistgenutzten Empfangsart gewinnt der digitale Radioempfang deutlich hinzu. Nach seiner am häufigsten genutzten Radioempfangsart gefragt, nennt jeder Vierte einen digitalen Empfangsweg, das entspricht mehr als 19 Mio. Personen. Die Zahl derjenigen, die primär digital empfangen, ist damit um sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Den stärksten Zugewinn verzeichnet DAB+. Der digital-terrestrische Standard legt um mehr als drei Prozentpunkte auf 10,4 Prozent zu. Einen nur leicht schwächeren Zuwachs verzeichnet die Webradionutzung, die von 14 Prozent der Bevölkerung als meistgenutzte digitale Empfangsart bevorzugt wird. Der digitale Kabel-und Satellitenempfang ist dagegen mit zusammen gut drei Prozentpunkten abgeschlagen. Komplementär zu den Zugewinnen beim digitalen Radioempfang als meistgenutzte Radioempfangsart hat die analoge UKW-Übertragung Einbußen hinnehmen müssen und liegt nunmehr bei knappen 64 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland, das sind knapp fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Betrachtet man die Entwicklung im Detail, zeigt sich, dass die stärksten Veränderungen bei den Präferenzen für eine analoge oder digitale Empfangsart bei den sogenannten Mid-Agern zu finden ist. In der Alterskohorte der 30 bis 49-Jährigen sinkt die Nutzung des analogen UKW-Radios als meistgenutzte Empfangsart deutlich um mehr als acht Prozentpunkte – der digitale Empfang steigt gleichzeitig sogar um gut zehn Prozentpunkte. In dieser Altersgruppe nennen zudem jeweils 50 Prozent mehr als im letzten Jahr Webradio oder DAB+ als die am häufigsten genutzte Empfangsart.

DAB+ überholt UKW erstmals als meistgenutzte Empfangsart Digitalradiohaushalten

Ein detaillierter Blick lohnt sich auch auf die DAB+- Haushalte, also solche Haushalte, die über mindestens einen digital-terrestrischen Radioempfänger verfügen. Hier dominiert der digitale Radioempfang ebenfalls deutlich. Weit mehr als die Hälfte (59 Prozent) der Personen in DAB+-Haushalten geben eine digitale Empfangsmöglichkeit als meistgenutzte Empfangsart an. Mehr als vier von zehn Personen (41 Prozent) nutzen vorzugsweise ihr DAB+-Radio, knapp 16 Prozent nennen Webradio als meistgenutzte Empfangsart. Damit überholt DAB+ den UKW-Empfang erstmals als meistgenutzte Empfangsart in Haushalten mit digitalterrestrischem Radioempfang. Angetrieben wird diese Entwicklung ebenfalls von den Mid-Agern. In DAB+-Haushalten liegt DAB+ vor allem bei den 30 bis 49-Jährigen deutlich vor UKW als meistgenutzter Weg zum Radioempfang, fast die Hälfte (48 Prozent) dieser Altersgruppe nutzt vorzugsweise ihr DAB+-Radiogerät. Zum Vergleich: UKW-Radio wird von lediglich etwas mehr als einem Viertel der Mid-Ager genannt (28 Prozent).

Fazit

Die Digitalisierung des Hörfunks ist weiterhin auf Kurs. Die Zahl der Haushalte mit ausschließlich analogem Radioempfang sinkt, genauso wie die Zahl der analogen Radiogeräte insgesamt. Der digitale Radioempfang ist damit weiter auf dem Vormarsch. Auch bei der meistgenutzten Empfangsart gewinnt der digitale Radioempfang deutlich hinzu. Nach seiner am häufigsten genutzten Radioempfangsart gefragt, nennt jeder Vierte einen digitalen Empfangsweg, das entspricht mehr als 19 Mio. Personen. Die Zahl derjenigen, die primär digital empfangen, ist damit um 6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Den stärksten Zugewinn verzeichnet DAB+. Der digital-terrestrische Standard legt um mehr als drei Prozentpunkte auf 10,4 Prozent zu. Einen nur leicht schwächeren Zuwachs verzeichnet die Webradionutzung, die von 14 Prozent der Bevölkerung als meistgenutzte digitale Empfangsart bevorzugt wird. Der digitale Kabel- und Satellitenempfang ist dagegen mit zusammen gut drei Prozentpunkten abgeschlagen. Komplementär zu den Zugewinnen beim digitalen Radioempfang als meistgenutzte Radioempfangsart hat die analoge UKW-Übertragung Einbußen hinnehmen müssen und liegt nunmehr bei knappen 64 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland, das sind knapp fünf Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Betrachtet man die Entwicklung im Detail, zeigt sich, dass die stärksten Veränderungen bei den Präferenzen für eine analoge oder digitale Empfangsart bei den sogenannten Mid-Agern zu finden ist. In der Alterskohorte der 30 bis 49-Jährigen sinkt die Nutzung des analogen UKW-Radios als meistgenutzte Empfangsart deutlich um mehr als acht Prozentpunkte – der digitale Empfang steigt gleichzeitig sogar um gut zehn Prozentpunkte. In dieser Altersgruppe nennen zudem jeweils 50 Prozent mehr als im letzten Jahr Webradio oder DAB+ als die am häufigsten genutzte Empfangsart. digital-terrestrische Standard einen starken Attraktivitätsschub erhalten. Das über DAB+ empfangbare Programmangebot mit nationaler Reichweite wird sich schlagartig mehr als verdoppeln, und die potenzielle technische Reichweite des zweiten nationalen Multiplex von etwa 67 Mio. Personen bundesweit macht Investitionen in die Zukunft des Digitalradios auch für die Radiosender immer attraktiver.

Die geplante Programmbelegung des zweiten bundesweiten Multiplex zeigt deutlich, dass mit DAB+ sowohl auf ein massenattraktives Programm als auch auf spezielle Programmnischen gesetzt werden kann – und das dient letztlich vor allem der Programmvielfalt. So wird neben etablierten Sendermarken ab Herbst beispielsweise auch ein Comedy- und ein Heimwerkerprogramm bundesweit zu hören sein. Neben den national verbreiteten Programmen, sind für die Hörer insbesondere auch die zahlreichen regionalen und lokalen Programmangebote von großer Bedeutung, die entweder im Simulcast oder exklusiv auf DAB+ verbreitet werden. Auch hier stehen die Zeichen auf Ausbau: zum einen steigern die neuen regionalen Multiplexe das Programmangebot und die Attraktivität von DAB+ – aber auch die Erfolge bei der regionalisierten Ausspielung durch dynamische Rekonfiguration, erhöhen die Vielfalt im lokalen Programm und zeigen, dass DAB+ technisch noch nicht ausgereizt ist.

Aber nicht nur die Hörer interessieren sich immer mehr für den digital-terrestrischen Standard. Auch die Radio- und Werbewirtschaft sieht zu, dass sie den Anschluss an die Entwicklungen im digitalen Hörfunkmarkt nicht verliert. Sowohl die Hörer als auch der Radiomarkt bereiten sich also auf den anstehenden Umbruch auf dem Hörfunkmarkt vor. Damit sind sie gut beraten. Wie die Ergebnisse der aktuellen Erhebung verdeutlichen, befindet sich die digitale Hörfunkübertragung und DAB+ weiterhin auf Wachstumskurs. Mit Inkrafttreten der Interoperabilitätsverpflichtung ab Dezember 2020 wird die digitale Hörfunkübertragung einen weiteren Schub erfahren. DAB+ wird wesentlich von dieser Entwicklung profitieren. Bleibt letztlich nur noch die Frage, wie lange man sich das nebeneinander unterschiedlicher terrestrischer Übertragungstechnologien noch leisten will – gerade die Corona-Krise hat gezeigt, wie empfindlich der Hörfunkmarkt auf die wirtschaftliche Gesamtlage reagiert und welchen Anteil die analogen Übertragungskosten an den Fixkosten der Radiosender haben.

Dieser Beitrag ist im Original im Digitalisierungsbericht Audio 2020 der Medienanstalten erschienen.

Den vollständigen Artikel, einschließlich aller Grafiken und Abbildungen, finden Sie unter: https://www.die-medienanstalten.de/publikationen/digitalisierungsbericht-audio/digitalisierungsbericht-audio-2020

Den kompletten Chartbericht zur Erhebung finden Sie hier: https://www.die-medienanstalten.de/themen/forschung/studie-zum-digitalisierungsbericht-audio-1

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