„Ohne das Kino braucht niemand ein Filmförderungsgesetz“

von am 11.09.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Kulturpolitik, Medienförderung, Medienpolitik, Medienwirtschaft

„Ohne das Kino braucht niemand ein Filmförderungsgesetz“
Dr. Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino, Geschäftsführer der Yorck-Kino GmbH in Berlin und der Programmkino Ost GmbH in Dresden

Kinobetreiber mahnen überfällige Strukturdebatte über Ziele und Mittel der Filmförderung an

11.09.2020. Interview mit Dr. Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino, Geschäftsführer der Yorck-Kino GmbH in Berlin und der Programmkino Ost GmbH in Dresden

„Wir erleben einen ganz schwierigen Kreislauf. Verleiher halten Filme zurück, reduzieren das Marketingbudget, das wirkt sich natürlich auf den Umfang der Berichterstattung aus“, so schildert Dr. Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino, die gegenwärtige Situation der Filmtheaterbetreiber. Am schlimmsten sei es, wenn, wie in manchen Zeitungen geschehen, Veranstaltungshinweise wohlmöglich dauerhaft verschwänden. Im Arthousemarkt sei es frühzeitig gelungen, sich auf einen gemeinsamen Termin für die Wiedereröffnung zu verständigen. Der Start war den Umständen entsprechend positiv. Auf Dauer benötigen aber auch die kleineren Kinos zugkräftige Filme mit großen Marketingbudgets. Das habe man stark im August gespürt, der nicht nur aufgrund des Hochsommers sehr frustrierend war. Man beobachte seit langem mit großer Sorge, so Bräuer, dass gerade Kinos, die wenige Säle haben oder nicht zum Bundesstart beliefert werden, mit Bezugsbedingungen konfrontiert sind, die ihnen das Leben schwer machen. Dies gefährdet die Programmvielfalt und erschwert den Zugang unabhängiger Verleiher zum Kinomarkt. Zur Debatte um Kinostarts von Netflix-Filmen erklärt der Betreiber mehrerer Filmtheater: „Die Kinos waren und sind für jeden guten Film offen und wir sehen, dass sich der Produktionsmarkt verändert. Entscheidend ist, dass bestimmte Bedingungen eingehalten und sie fair behandelt werden.“

medienpolitik.net: Herr Bräuer, in der Corona-Epidemie erklärt sich nahezu jede Branche für „systemrelevant“. Auch Martin Moszkowicz hat das Kino als „systemrelevant“ bezeichnet. Was macht aus Ihrer Sicht das Kino systemrelevant?

Bräuer: Kino ist ein Kulturort und, so wie wir Kino verstehen, ein elementarer Diskursraum in unserer Gesellschaft. Kultur ist kein Luxusgut, sondern die Hefe im Teig der Gesellschaft. Gerade in Krisenzeiten ist Kunst und die kritische Auseinandersetzung für eine freie, demokratische Gemeinschaft wichtiger denn je. Im Kino lachen, weinen und staunen wir, sitzen in einem abgedunkelten Raum mit Fremden, die für zwei Stunden unsere Leinwand-Komplizen werden. Wir begegnen auf vielfältige Weise Menschen und ihren Schicksalen, vor allem aber begegnen wir uns selbst. Niemand schaut einen Film, ohne sich auch immer selbst zu betrachten, unsere Biografie, unsere Werte und Wünsche. Kino lässt uns immer auch unsere Gewissheiten hinterfragen, gibt uns neue Einsichten und lässt uns fremde Kulturen entdecken.

Ganz wunderbar brachte dies Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei seinem Besuch während der Corona-bedingte Schließung im Kino International auf den Punkt: „Gerade in diesen Tagen haben wir gespürt, wie viel es uns bedeutet, Kunst und Kultur gemeinsam und unmittelbar zu erleben – im Kino, im Theater, im Konzertsaal. Kunst und Kultur sind für uns unverzichtbar. Sie sind, in einem sehr buchstäblichen Sinn, Lebensmittel. Wir haben in den letzten vielleicht nicht auf Filme verzichten müssen, aber aufs Kino. Und vielleicht ist doch Vielen im Lande klargeworden, das die heimatliche Couch das Kino nicht ersetzen kann. Vielleicht ist auch deutlich geworden, mehr als je, Kino ist Kultur. Wir brauchen Kultur, weil Kultur uns den Blick in eine Welt ermöglicht, die wir allein durch Information auch nicht vollständig erschließen. Kino ist eben auch Emotion, schafft Vielfalt und Empathie, alles das ist unverzichtbar, auch für eine lebendige Demokratie.“

medienpolitik.net: Die Kulturstaatsministerin Monika Grütters hat die Fördermittel für das Zukunftsprogramm Kino I um fünf Millionen Euro erhöht. Insgesamt wird somit das Budget dieser auf Arthouse-Kinos und kleinere Kinos im ländlichen Raum abzielenden Unterstützungsmaßnahme von 17 auf gesamt 22 Millionen Euro für das laufende Jahr aufgestockt. Wie dringend ist diese Erhöhung für die kleineren Kinos?

Bräuer: Vorweg muss man schicken, dass das Zukunftsprogramm Kino I in der Woche vor der Schließung der Kinos startete. Die Kinoverbände haben sich seit Langem dafür eingesetzt, weil die Erlösstrukturen der traditionellen Kinos im ländlichen Raum sowie der Filmkunsttheater mit ihrem hohen gesellschaftlichen und kulturellen Engagement nicht ausreichen, um elementare Modernisierungsmaßnahmen allein zu stemmen. Das heißt Notwendigkeit, Wirkung und Nachhaltigkeit der Förderung wurden schon vor der Corona-Pandemie umfassend diskutiert. Die Schließung der Kinos bot nun die Möglichkeit, die Zwangspause für dringend erforderliche Modernisierungen zu nutzen. Zu dem schon bestehenden Investitionsbedarf kamen nun Corona-bedingte Maßnahmen hinzu, insbesondere um die Sicherheit zu steigern, zum Beispiel durch bessere Lüftungsanlagen oder den Ausbau der Möglichkeiten zum Online-Ticketkauf und damit der besonderen Kontaktverfolgung. Nach unserer Kenntnis übersteigen die beantragten Summen für das Zukunftsprogramm I schon jetzt das ursprünglich angesetzte Budget, sodass die Kulturstaatsministerin mit der Aufstockung die Bedienung aller bestehenden Förderanträge ermöglicht. Das ist ein gutes Zeichen. Zeigt es doch die Erforderlichkeit und den Erfolg des Programms. Allerdings stecken wir am Anfang, die Kinos müssen weiter investieren, auch um im digitalen Zeitalter wettbewerbsfähig zu bleiben. Wichtig ist, dass der Bund auch im kommenden Jahr 80 Prozent der Maßnahmen finanziert, denn den Kinos fehlen Rücklagen mehr als zuvor.

„Wir brauchen mehr Professionalisierung und Diversität in unserem Markt.“

medienpolitik.net: Mit dem Zukunftsprogramm Kino II stehen damit mehr als 60 Millionen Euro bereit. Reicht das aus um die Verluste, die den Kinos durch die Corona-Pandemie entstanden sind, auszugleichen? 

Bräuer: Nein. Auch das Zukunftsprogramm II ist ein reines Investitionsprogramm und richtet sich nicht an Filmkunsttheater. Noch immer wütet die Corona-Pandemie und wir müssen davon ausgehen, dass wir noch über längere Zeit nur unter hohen Sicherheitsauflagen werden öffnen können und viele Menschen sehr vorsichtig sein werden. Auch weil nach unserer Einschätzung noch zu undifferenziert vor dem Besuch von Veranstaltungen in Innenräumen gewarnt wird. Zugleich verstehen wir Filmkunsttheater uns als kulturellen Ort in der lokalen Gemeinschaft. Seit dem 2. Juli spielen wir wieder flächendeckend. Wir können nicht geschlossen bleiben, sondern müssen auch und gerade jetzt unser Bestes geben, also genauso viele Filme und Events wie vor der Krise anbieten. Der Aufwand ist höher, der mögliche Ertrag schon angesichts der geforderten Distanz deutlich niedriger. Die Arthousekinos nehmen also Verluste in Kauf, um die kulturelle Grundversorgung sicherzustellen. Es geht daher nicht nur um Fixkosten, es geht ganz im Sinne der Funktion von Kultur als Lebensmittel auch um die Gewährleistung einer herausragenden Programm- und Marketingarbeit. Dies geht nicht ohne Förderung, zumal Rücklagen, wo überhaupt vorhanden, längst verbraucht sind. Das Programm Neustart Kultur der Kulturstaatsministerin bietet dazu gute Anknüpfungspunkte, ebenso die in den meisten Ländern deutlich erhöhten Kinoprogrammpreise, die wir so sicher auch in 2021 noch einmal benötigen.

medienpolitik.net: Es war viel darüber zu lesen, dass der Start von US-Blockbustern verschoben worden ist und die großen Kinos darunter gelitten und teilweise erst jetzt mit dem Start von „Tenet“ eröffnet haben. Lief der Start der kleineren Kinos ebenfalls so schleppend an? Fehlen ihren Kinos auch die erforderlichen attraktiven Filme?

Bräuer: Im Arthousemarkt ist es uns frühzeitig gelungen, uns auf einen gemeinsamen Termin für die Wiedereröffnung zu verständigen. Das hat geholfen, dass auch die Verleiher ihre Filme planen konnten und gerade quirlige Arthousedistributoren ihre Chance nutzten. Der Start war dementsprechend den Umständen entsprechend positiv. Auch für Filme wie „Undine“. Auf Dauer brauchen aber natürlich auch wir zugkräftige Filme mit großen Marketingbudgets. Das haben wir ganz stark im August gespürt, der nicht nur aufgrund des Hochsommers sehr frustrierend war. Ohne Film hat Kino nie funktioniert und ohne Marketing haben Filme nie funktioniert – keine neue Erkenntnis. Mit „Tenet“ hat nun die Warner bewiesen, dass Kino auch jetzt geht. Wir hoffen, dass dies nun auch andere Verleiher motiviert, mit uns in die Vollen zu gehen. Für den Arthousemarkt schwierig bleibt natürlich insbesondere der Ausfall des Filmfestivals in Cannes – die noch immer prominenteste Vitrine für Filmkunst. Gut, dass das Festival in Venedig gerade stattfindet. Doch auch hier sieht man, dass der Neustart nicht einfach ist. Im vollen Programm unserer Filmkunstmesse Leipzig sind dennoch viele spannende Filme, auf die wir uns freuen. Zu wünschen wäre, dass diese in der Herausbringung hinreichend gefördert werden, um die Defizite zu kompensieren.

medienpolitik.net: Wie kooperativ und flexibel sind die Filmverleiher in diesen Tagen gegenüber den Arthouse-Kinos und kleinere Kinos?

Bräuer: Generell arbeiten wir mit den Verleihern kooperativ zusammen und sprechen unterschiedliche Auffassungen auch an. Gleichwohl beobachten wir seit Langem mit großer Sorge, dass gerade für Kinos, die wenige Säle haben oder nicht zum Bundesstart beliefert werden, mit Bezugsbedingungen konfrontiert sind, die ihnen das Leben schwer machen. Dies gefährdet die Programmvielfalt und erschwert den Zugang unabhängiger Verleiher zum Kinomarkt. Hier brauchen wir dringend faire Lösungen für Kinos mit bis zu drei, vier Leinwänden, zumal davon auszugehen ist, dass mit der Corona-Pandemie die Marktmachtkonzentration weiter beschleunigt wird. Der frühere Programmkinostatus wäre ein geeigneter Anknüpfungspunkt. Generell müssen wir auf der Hut sein, damit in diesem Zuge nicht marktbeherrschende Stellungen missbraucht oder wettbewerbsbeschränkende Vereinbarungen auf nationaler, europäischer oder globaler Ebene getroffen werden.

„Die Arthousekinos nehmen Verluste in Kauf, um die kulturelle Grundversorgung sicherzustellen.“

medienpolitik.net: Der Bund hat der FFA für die Verleih- und Vertriebsförderung elf Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Wie sollte dieses Geld eingesetzt werden? 

Bräuer: Aktuell ist die Filmherausbringung mit erhöhten Risiken verbunden. Das Geld sollte daher für die Filmstarts in den kommenden Monaten verwendet werden, um damit dazu beizutragen, Filme und Kino in der öffentlichen Aufmerksamkeit zu halten.

medienpolitik.net: Haben Sie Verständnis für Produzenten, auch aus Deutschland, wenn Kinofilme aktuell an Streaming-Plattformen verkauft werden?

Bräuer: Natürlich kann es uns wirtschaftlich wie in unserer Mission für das gemeinsame kulturelle Erleben nicht gefallen, wenn Qualitätsproduktionen die verdiente Kinoerstauswertung verweigert wird. Generell zeigt aber gerade auch die Corona-bedingte Schließzeit, dass Arthouse-Filme, die direkt auf Streamingplattformen gehen, nicht sichtbar sind. Das Kino ist unverändert deren Herzkammer, erst dort und die mit dem Start begleitende mediale Berichterstattung, schafft den gesellschaftlichen Mehrwert und ermöglicht die wirtschaftliche Veredelung. Sterben die Arthousekinos, stirbt eine ganze Kunstform.

medienpolitik.net: Erhöht sich damit nicht auch der Druck, das Auswertungsfenster in Deutschland zu verkleinern? Wir stehen ja vor einer kleinen Novellierung des FFG…

Bräuer: Den Druck auf die Auswertungsfenster kennen wir. Aber worum geht es dabei wirklich? Nicht um das Publikum, sondern die Verteilung von Erlösen! Doch wie gesagt: Kino ist Kulturort und bietet die Chance für Vielfalt. Auf den Streamingplattformen dominieren hingegen, auch wenn hier produziert, amerikanisierte Erzählstrukturen für den Weltmarkt.Wenn ein Film für das Kino sein soll, muss er eine reguläre Auswertung in Filmtheatern erfahren. Das ist unsere Definition. Nicht jeder sieht es so, aber wenn man ein lebendiges Kino haben will, gibt es keine andere Wahl. Nur wenn wir das Kino als Entität betrachten und es schützen, wird es auch überleben. Ohne das Kino braucht auch niemand ein Filmförderungsgesetz. Daher sehe ich durchaus ein gemeinsames Engagement für das Kino.

medienpolitik.net: Netflix ist zunehmend bei Filmfestivals präsent und erhöht die Zahl der Kinofilmproduktionen Haben die Kinobetreiber inzwischen das Kriegsbeil mit Neflix begraben? Oder bestehen immer noch bedenken Kinofilme, die von Netflix finanziert worden sind, in deutschen Kinos zu zeigen?

Bräuer: Die Kinos waren und sind für jeden guten Film offen und wir sehen, dass sich der Produktionsmarkt verändert. Entscheidend ist, dass bestimmte Bedingungen eingehalten und sie fair behandelt werden. Und Schon vor der Corona-Pandemie war ich bei der Arthouse Convergence in den USA auch mit der Firma mit dem großen N in Kontakt.

„Wir brauchen eine holistische Strategie für den europäischen Film, wir müssen horizontal, vertikal und international die Zusammenarbeit stärken.

medienpolitik.net: Ich habe den Eindruck, dass auch nach der Wiedereröffnung vieler Filmtheater, das Kino im Bewusstsein der Bürger als Freizeit- und Kulturort im Moment nicht relevant ist. In Zeitungen sind die Veranstaltungshinweise teilweise verschwunden, es gibt wenige Filmrezensionen in den Medien. Wie kann diese Relevanz wieder erhöht werden?

Bräuer: Wir erleben einen ganz schwierigen Kreislauf. Verleiher halten Filme zurück, reduzieren das Marketingbudget, das wirkt sich natürlich auf den Umfang der Berichterstattung aus. Am schlimmsten, wenn, wie in manchen Zeitungen geschehen, Veranstaltungshinweise wohlmöglich dauerhaft verschwinden. Dass Filmkritiker bei uns verzweifelt bei uns anrufen, und fragen, worüber sie den berichten sollen, ist nun aber zum Glück vorbei. Ganz entscheidend scheint mir aber noch ein anderer Fakt: Noch immer wird ganz stark und generell vor Innenräumen gewarnt. Selbst viele aus unserer Branche waren aus einem unsicheren Gefühl heraus noch nicht wieder im Kino. Das belastet, das nimmt Freude, die der Kinobesuch doch tatsächlich sein soll. Dabei haben wir Kinos große Anstrengungen unternommen, um unsere Orte noch sicherer zu machen. Neben der Organisation des Publikumsverkehrs zählte dazu auch, unsere Lüftungsanlagen auf den maximalen Frischluftanteil umzustellen – das heißt in den meisten Fällen auf 100 % Frischluft. Wir stehen mit der Charité in Kontakt und es gibt keine Indizien, dass sich Kinos oder Theater als Superspreader-Orte eignen. Dies bisherigen empirischen Erkenntnisse sind eindeutig. Das müssen wir besser kommunizieren, vor allem wäre es wünschenswert, wenn sich die Politik wie bei der Luftfahrt auch hinter uns stellen würde.

medienpolitik.net: Was unternehmen die kleineren Kinos, um sich bei ihren Besuchern in Erinnerung zu rufen und neue Besucher zu interessieren?

Bräuer: Am stärksten hat uns Filmkunstkinos sicherlich geholfen, dass wir auch während der Schließzeit so intensiv mit unserem Publikum im Kontakt geblieben sind. Hier hat uns die gesamte Palette der digitalen Kundenkommunikation geholfen. Denn genau im direkten Austausch lag immer unsere Stärke, hier gilt es nun, unsere Kompetenzen und Möglichkeiten weiterzuentwickeln. Vor allem dürfen wir nicht nachlassen und müssen auf unsere Programme, aber auch unsere Sicherheitsmaßnahmen verweisen. Entscheidend ist nun aber, dass wir über Neustart Kultur dazu in die Lage versetzt werden, diese Aktivitäten auch aufrechterhalten können.

medienpolitik.net: Wird die Corona-Pandemie zu einer Konsolidierung des Kinomarktes in Deutschland führen, wie ja die Spanische Grippe vor 100 Jahren auch zur Schließung vieler Kinos geführt hat?

Bräuer: Wir befinden uns in einem Ausnahmezustand, dessen Ende bis auf Weiteres nicht absehbar ist. Die Corona- Pandemie wütet weiter, der wichtigste Filmmarkt der Welt in den USA ist weiter teilweise lahmgelegt, ein Impfstoff ist nicht absehbar und Fallzahlen werden in den kommenden Monaten mal sinken und mal wieder steigen. Die Filmwirtschaft befindet sich europaweit in freiem Fall. Klar ist nur, dass nach Bewältigung der Corona-Pandemie die Filmwelt eine andere sein wird. Vermutlich wissen wir frühestens Mitte nächsten Jahres, wie sich der Markt verändert hat, wie stark die Marktmonopolisierung vorangeschritten ist und wer die lange Durststrecke nicht überwunden hat oder massiv geschwächt aus ihr hervorgeht. Schon vor der aktuellen Krise hat die Machtkonzentration auf allen Ebenen der Filmbranche besorgniserregende Ausmaße angenommen. Die höchste Priorität aller Beteiligten muss daher sein, den Aufprall zu mildern und den Markt zu retten. Neben einer kurzfristigen Strategie, die darauf gerichtet sein muss die Kulturorte und erforderliche Infrastruktur zu erhalten, ist jetzt die Zeit, mittels qualitativer wie quantitativer Analysen die Basis für die jetzt schon überfällige Strukturdebatte über Ziele und Mittel der Filmförderung zu schaffen. Klar ist: Wir brauchen eine holistische Strategie für den europäischen Film, wir müssen horizontal, vertikal und international die Zusammenarbeit stärken, wir brauchen mehr Professionalisierung und Diversität in unserem Markt.

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