„Für die deutsche Kinobranche der Supergau“

von am 06.11.2020 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Kulturpolitik, Medienwirtschaft, Plattformen und Aggregatoren

„Für die deutsche Kinobranche der Supergau“
Dr. Thoma Negele, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO)

Schließung der Kinos bedroht die Verwertungskette der Filmwirtschaft insgesamt

06.11.2020. Interview mit Dr. Thoma Negele, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO)

„Über 50 Prozent der Gesamtumsätze der Filmbranche weltweit gingen vor der Pandemie auf das Konto der Kinos. Die angeordnete Schließung hat die wichtigste Verwertungsstufe stillgelegt. Damit entfallen sämtliche Refinanzierungsmöglichkeiten für Produktion, Verleih und natürlich die Einnahmen für die Kinos“, analysiert Dr. Thoma Negele, Präsident der SPIO, die aktuelle Schließung der Kinos. Dadurch sei eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Digitalverwerter entstanden. Gegenwärtig werde sogar darüber spekuliert, ob die Rechte am neuen „James Bond“-Film an Netflix und Amazon gehen könnten. Dies wäre für die deutsche Kinobranche der Supergau, betont Negele. Der SPIO-Präsident appelliert an die Politik die Filmwirtschaft „ganzheitlich“ zu betrachten. Die Kinobranche brauche ein dauerhaftes Corona-Konzept, das ermöglicht, die Kinos mit einer Sitzplatzkapazität von mindestens 50 Prozent zu betreiben und diese nicht mehr schließen zu müssen. Ziel müsse es sein, dass die Firmen wirtschaftlich arbeiten können und eine gewisse Planungssicherheit erlangen. Dann rentiere sich auch die Produktion und der Verleih wieder, ansonsten drohe eine massive Schieflage der Filmförderung.

medienpolitik.net: Herr Dr. Negele, am 2. November traten die von Bundeskanzlerin Merkel und den Regierungschefinnen und -chefs der Länder beschlossenen neuen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie in Kraft. Wie schätzen Sie aus Sicht der Filmwirtschaft diese neuen Einschränkungen ein?

Negele: Es kommt jetzt darauf an, dass wir alle dazu beitragen, dass die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung erfolgreich sind und die zweite Welle rasch gestoppt werden kann. Es ist völlig klar, dass die rasant steigenden Zahlen der letzten Wochen eine Antwort erfordert haben, um unser Gesundheitssystem vor einem Zusammenbruch zu bewahren. Was uns ärgert, ist die Mentalität, dass Kultur als verzichtbarer Luxus gesehen wird. Kultur – und zuallererst Kino – ist für alle da. Gerade die Kinos haben in den letzten Monaten gezeigt, dass auch ein gemeinsames kulturelles Erlebnis in der Pandemie möglich ist. Das heißt zuallererst: Es wurde investiert in ein sicheres und unbeschwertes Kinoerlebnis. Die Umbaumaßnahmen und Hygienekonzepte haben funktioniert. Die Eintrittskarten sind personalisiert, so dass wir alle Besucher der einzelnen Vorstellungen nachverfolgen können. Deutschlandweit sind bis heute keine Infektionen im Kino bekannt. Mehrere Studien belegen das – aber die Politik ignoriert diese Erkenntnisse der letzten Monate.  Die Bundesregierung begründet die Maßnahmen insbesondere damit, dass sich immer mehr junge Leute anstecken, die, ohne selbst Symptome zu verspüren, das Virus unwissentlich übertragen. Daher gäbe es keine vermeintlich sicheren Bereiche, auch weil nur ein Viertel der Corona-Fälle klar zurückverfolgt werden kann. Aber da stelle ich mir die Frage: Was ist mit den Bereichen, von denen wir bereits wissen, dass es dort Superspreader-Events gab? Laut RKI sind die Hotspots vielfältig, aber wir wissen, dass private Feiern hier ein besonders hohes Risiko bieten. Bei Gottesdiensten übertrumpft die Religionsfreiheit das faktisch vorhandene Pandemierisiko. Die Kultur wird auf puren Verdacht hin dicht gemacht. Das ist für mich nicht sauber zu Ende gedacht.

Kultur wird als Freizeitbeschäftigung abgetan: Kinos, Opern, Veranstalter werden alle gezwungen zuzusperren. Dass es sich bei der Kreativwirtschaft um einen der wichtigsten Wirtschaftszweige handelt, mit 174,1 Mrd. Euro Umsatz im letzten Jahr, wird dabei völlig ignoriert. Für viele der über 250.000 Unternehmen und über 1,8 Mio. Beschäftigten der Branche kommt der Shutdown einem faktischen „Berufsausübungsverbot“ gleich. Diese Geringschätzung von Kultur wird mit dem Kultur-Shutdown jetzt besonders deutlich, sie war aber schon vorher zu erleben. Ich nenne Ihnen ein Beispiel aus Bayern: Da wurde eine Lagerhalle zum Bierzelt umfunktioniert. Eigentlich ein kreatives Beispiel im Umgang mit Corona: Fast 500 Plätze wurden da unter Einhaltung aller Schutzmaßnahmen genehmigt. Aber als die örtliche Kinobetreiberin eine Leinwand aufstellen wollte, um einen Film zu zeigen, wurden dafür nur noch 100 Plätze genehmigt. 500 Plätze zum gemeinsamen Biertrinken, aber nur 100, wenn im selben Raum ein Film gezeigt wird – das ist doch gaga.

medienpolitik.net: Für die Kinobetreiber ergibt sich für das Jahr 2020 eine erwartete Reduzierung des Gewinns vor Steuern von rund 300 bis 400 Mio. Euro, hat PwC berechnet. Das war vor dem neuen Lockdown. Inwieweit wird diese alarmierende Analyse durch den aktuellen Lockdown verschärft?

Negele: Wir müssen uns die Lage schonungslos vor Augen führen: Wir hatten schon eine dreimonatige Schließung. Nach dem Anlaufen seit Juli müssen wir jetzt wieder eine Vollbremsung hinlegen – diesmal in einen sogenannten „Lockdown light“. Das Ziel der Bundesregierung ist klar: Die Ansteckungszahlen sollen wieder unter 50 Personen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner sinken. In einigen Ländern hat diese Maßnahme funktioniert, wie auch bei uns im Frühjahr, aber nicht überall. Was kommt danach? Droht die Verlängerung des Lockdowns? Manche nennen da sogar den Zeitraum bis Ostern 2021. Und was passiert in den nächsten drei Jahren?

Das führt uns zur Grundsatzfrage: Ist der Lockdown der Kinofilmbranche und insbesondere der Kinos  eine geeignete und zumutbare Maßnahme, um das Ziel der Nachverfolgbarkeit der Ansteckungen dauerhaft zu erreichen? Fakt ist, dass auch ein harter Lockdown nicht garantiert, dass die Zahlen auf das angestrebte Ziel von 50 pro 100.000 Einwohnern zurückgehen. Daher müssen wir dringend auch in die andere Richtung denken: Was kann getan werden, um eine bessere Nachverfolgbarkeit zu gewährleisten: Wir sollten technologische Möglichkeiten besser nutzen, die Corona-Warn-App könnte da viel mehr leisten, die Einführung digitaler Gästebücher in den Freizeiteinrichtungen, die dem Gesundheitsamt eine digitale Nachverfolgung ermöglichen oder indem man die Gesundheitsämter personell extrem aufrüstet, um eben auch bei 100 Personen pro 100.000 Einwohnern die Nachverfolgbarkeit hinzubekommen. Daneben gibt es Technologien, welche die Ansteckungsgefahr in Innenräumen massiv senken, und schon jetzt besteht die Möglichkeit von Schnelltests.

„Die Geringschätzung der Kultur durch die Politik macht mich fassungslos“

medienpolitik.net: Kann man davon sprechen, dass die Gefahr besteht, dass der neue Lockdown, im Gegensatz zu anderen Kulturstätten das Geschäftsmodell der Kinos zerstören könnte?

Negele: Die Strukturschäden sind in Teilen schon sichtbar und mit jedem weiteren Monat werden sie deutlicher. Über 50 Prozent der Gesamtumsätze der Filmbranche weltweit gingen vor der Pandemie auf das Konto der Kinos. Die angeordnete Schließung hat die wichtigste Verwertungsstufe stillgelegt. Damit entfallen sämtliche Refinanzierungsmöglichkeiten für Produktion, Verleih und natürlich die Einnahmen für die Kinos. Dadurch ist eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Digitalverwerter entstanden. Weil die Kinos nach Wiedereröffnung nur 25 Prozent der Sitzplätze zur Verfügung hatten und damit nicht wirtschaftlich arbeiten konnten und jetzt durch den zweiten Shutdown wieder ausfallen, kam es auf Seiten der Produktion und des Verleihs bereits zu relevanten Veränderungen. Mangels Verwertungsbasis werden bereits weniger Kinofilme hergestellt. Man orientiert sich mehr in Richtung TV-Auftragsproduktion oder Serien und Filme mit Netflix und Amazon. Und auch bei Debutfilmen beobachte ich, dass diese direkt online veröffentlicht werden. Es geht sogar so weit, dass darüber spekuliert wird, ob die Rechte am neuen James Bond an Netflix und Amazon gehen könnten. Dies wäre für die deutsche Kinobranche der Supergau.

Die Kinobranche braucht ein dauerhaftes Corona-Konzept, welches der Branche ermöglicht, die Kinos mit einer Sitzplatzkapazität von mindestens 50 Prozent zu betreiben und diese nicht mehr schließen zu müssen. Ziel muss es sein, dass die Firmen wirtschaftlich arbeiten können und eine gewisse Planungssicherheit erlangen. Dann rentiert sich auch die Produktion und der Verleih wieder, ansonsten droht eine massive Schieflage der Filmförderung. Es mangelt unserer Branche ja nicht an Ideen und Ansätzen, wie wir das schaffen können. Ich möchte mit der Politik über diese Zukunftsperspektiven reden!

medienpolitik.net: Die Regierung hat finanzielle Hilfe versprochen, so sollen 75 Prozent – gemessen an den Umsätzen vor einem Jahr – der Umsatzausfälle kompensiert werden. Warum beruhigt Sie diese Zusage nicht?

Negele: Erst einmal begrüßen wir es, dass sich die neuen Unterstützungsleistungen an den Umsatzzahlen des Vorjahres orientieren und ein bestimmter Prozentsatz dieser Umsatzzahlen als pauschaler Fixkostenzuschuss gezahlt werden soll. Wir werden genau darauf achten, ob es bei dieser klaren Ansage bleibt oder nicht doch wieder umfangreiche Berechnungen und die Berücksichtigung weiterer Kosten erfolgen wird. Herr Scholz und Herr Altmaier haben ja deutlich gemacht, dass die veranschlagten 10 Mrd. Euro aus den bestehenden Hilfen gezahlt werden sollen. Das ist aus meiner Sicht auch ein Indiz dafür, dass die bisherigen Hilfen zu aufwendig zu beantragen waren oder sich nicht ausreichend an den tatsächlichen Bedürfnissen orientierten. Dann müssen wir berücksichtigen, dass es sich um Unterstützungsleistungen für einen Monat, den Monat November, handelt. Das ist und wird nicht ausreichend sein. Denn mit dem ersten Dezember werden die Besucher nicht gleich ins Kino strömen. Es braucht alleine einen mindestens vierwöchigen Vorlauf, um Filme im Kino zu platzieren, sie zu bewerben. Welche Filme im Dezember in die Kinos kommen, steht bereits jetzt fest. Doch was ist mit den Filmstarts, die für den November vorgesehen sind, sollen die ganz ausfallen, sollen die Termine nach hinten verschoben werden?  Das sind alles Fragen, die zwischen den Verleihern und Kinos geklärt werden müssen, für die es aber keine klare Entscheidungsgrundlage gibt. Deshalb ist für die Kinos diese Schließung noch viel härter als der Shutdown im Frühjahr. Da hatten manche wenigstens ein kleines Winterpolster. Jetzt brechen die kompletten Einnahmen des wichtigen Kinomonats November weg und der Dezember kann nicht geplant werden. Natürlich muss das aufgefangen werden, um auch nur eine Überlebenschance zu wahren. Das kann aber nicht eine einmalige Novemberzahlung leisten. Es geht nicht nur um die Kinos, es geht jetzt auch darum, ob es in Zukunft noch Kinofilme geben wird.

„Die Kinos sind wichtige Refinanzierer der gesamten Filmbranche. Sie sind die Spitze der Auswertungskette, die unsere gesamte Branche am Laufen hält.“

medienpolitik.net: Welche Auswirkungen hätte das für die Filmwirtschaft insgesamt?

Negele: Die Kinos sind wichtige Refinanzierer der gesamten Filmbranche. Sie sind die Spitze der Auswertungskette, die unsere gesamte Branche am Laufen hält. Was ist mit den Verleihern, die gerade echte Branchensolidarität gezeigt haben und große Filmstarts auch für den November vorbereitet haben? Sollen die bestraft werden für das hohe Risiko, das sie im Sinne der Branche eingegangen sind? Wenn die Kinos zu sind, hat das unmittelbare Folgen für alle anderen Beteiligten. Denn vom Kinostart hängt maßgeblich die Finanzierung eines Filmes ab. Das heißt, wenn ein Film nicht starten kann, bleibt ein Verleih erstmal auf seinen Investitionen in den Film sitzen, Verleih und Produktion erhalten keine Rückflüsse, die sie in neue Projekte investieren können. Verleiher und Weltvertriebe, die sich mit Minimumgarantien an neuen Projekten beteiligen, können im Moment keine neuen Verpflichtungen eingehen, weil ihre Investitionen sich weiter aufstauen und sie keine Rückflüsse erhalten. Auch bei den Produktionsunternehmen fehlt das Recoupment aus den Kinos.

Dieser Kreislauf ist unterbrochen und muss durch geeignete finanzielle Mittel wieder geschlossen werden.  Dazu reichen aber 75 Prozent eines Monatsumsatzes nicht aus. Für die Filmexporteure, die die Filme im Ausland vermarkten, ist die Lage noch schwieriger, da sie von den wichtigen ausländischen Märkten abhängen – weshalb auch die Kinoschließungen in anderen Ländern wie den USA unsere Branche hart treffen. Die Schließungsanordnung hat aber auch ganz praktische Folgen für Dreharbeiten. Öffentliche Gebäude wie Schulen stehen derzeit nicht als Motive zur Verfügung, da sie nur für den eigentlichen Zweck geöffnet werden dürfen. Ein Film wie „Fack ju Göhte“ könnte also derzeit nicht gedreht werden.  Auch gibt es große Verunsicherung, zum Beispiel was die Arbeit von Maskenbildnern angeht, denn Kosmetiksalons müssen ja auch schließen. Es ist also noch gar nicht klar, ob nicht auch mehr Dreharbeiten erneut unterbrochen werden müssen. Unabhängig davon sind alle Produktionen mit hohen Mehrkosten und dem weiterhin bestehenden Corona-Ausfallrisiko konfrontiert.  

medienpolitik.net: Bundeskulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters hat ein FFG-Verlängerungsgesetz angekündigt, das auch eine Antwort auf die Ausnahmesituation der Covid-19-Pandemie bieten soll. Kann das FFG der Filmwirtschaft bei der Bewältigung der Krise helfen?

Negele: Unsere Mitgliedsverbände haben Stellungnahmen zur geplanten Novellierung abgegeben, die leider bisher wenig Berücksichtigung fanden. Wir haben uns daher in einem Schreiben an die Politik gewendet, um auf die aus SPIO-Sicht wichtigsten Punkte nochmal hinzuweisen: Die Umsetzung der AVMD-Richtlinie sollte für mehr Transparenz genutzt werden.  Zweitens muss die Bedeutung der FFA als zentrale Brancheninstitution über die Krise hinaus gesichert werden. Und drittens müssen alle verfügbaren Instrumente im FFG zur Bewältigung der Ausnahmesituation genutzt werden.  

Der vorliegende Entwurf ist unserer Einschätzung nach die richtige Antwort auf die derzeitigen Herausforderungen, geht aber noch nicht weit genug.  Bei den Kinos ist eine flexiblere Verwendung der Referenzmittel vorgesehen. Die Möglichkeit, diese Mittel für unternehmenserhaltende Maßnahmen einzusetzen, sollte analog auch für die Verwendung von Kinoprojektmitteln geschaffen werden. Wir können es uns einfach nicht erlauben, Instrumente, die unserer Branche jetzt helfen, unangetastet zu lassen. Deshalb bin ich auch dafür, die Referenzmittel von Produktion und Verleih zu flexibilisieren – so wie das im Gesetzentwurf für die Kinos bereits vorgesehen ist. In der letzten FFG-Novelle von 2017 wurde hier leider der falsche Weg eingeschlagen: Die Mittel für unternehmenserhaltende Maßnahmen wurden gedeckelt. Dieser Deckel sollte jetzt weg, denn viele Produktionsfirmen werden in diesem Jahr auf dieses Instrument zurückgreifen müssen. Hier kann das FFG einen echten Beitrag zur Krisenbewältigung leisten.  

Darüber hinaus nimmt das FFG-Verlängerungsgesetz wichtige Anpassungen jenseits der derzeitigen Situation vor. Dass Geschlechtergerechtigkeit endlich auch im FFG verankert wird, ist überfällig. Mich treibt aber noch das Thema der geplanten Zusammensetzung des FFA-Verwaltungsrates um. Der neu zu vergebende Sitz sollte genutzt werden, um eine lange bestehende Unwucht zu beseitigen. Während bei Kino und Produktion beide Branchenverbände vertreten sind, fehlt die AG Verleih bis heute. Ich würde es daher begrüßen, wenn die berechtigte Forderung der AG Verleih nach einem Sitz umgesetzt wird. Wie oft wurde das Erfolgsbeispiel „Parasite“ in diesem Jahr zitiert? Ich finde, die die solche Filme bei uns herausbringen, sollten in der FFA mit am Tisch sitzen.

„Wir müssen uns für den Erhalt einer ausreichenden Zahl von Abspielflächen – große und kleine – einsetzen, sonst kommen keine großen Filme mehr in die deutschen Kinos.“

medienpolitik.net: Was erwarten Sie jetzt von der Politik?

Negele: Die SPIO hat seit dem Frühjahr darauf gepocht, dass in dieser Krise Wirtschaftspolitik gefragt ist. Mit der Kulturmilliarde wurde ein eigenes Programm aufgelegt, das wir vor allem dem Einsatz unserer Kulturstaatsministerin verdanken. Auf diese tatkräftige Unterstützung setzen wir auch jetzt. Ihre deutliche Wortmeldung zeigt, dass sie hier an unserer Seite steht. Jetzt geht es darum schnell, effizient und großzügig zu kompensieren und – das ist mir als SPIO-Präsident besonders wichtig: Wir dürfen dabei niemanden vergessen. Das Rettungspaket „Neustart Kultur“ war ja vor allem darauf ausgelegt, dass Kultur und die Filmbranche nach dem Einbruch im Frühjahr schnell wieder in Gang kommen. Jetzt haben wir die nächste Vollbremsung und müssen neu planen. Für uns ist klar: Es geht nicht nur um den November und es geht um Wirtschaftshilfen. Die bisherigen Hilfen aus der Kulturmilliarde haben gezeigt, dass wir auch die Unternehmen unterstützen müssen, die Dienstleistungen für die Kultur- und Kreativwirtschaft erbringen. Es geht auch um eine stärkere Berücksichtigung der vor- und nachgelagerten Märkte. Dieser Kreislauf muss wieder geschlossen werden. Anders als zuvor braucht es eine wirtschaftliche Gesamtbetrachtung. Denn es ist beispielsweise zu kurz gedacht, wenn nur kleine Kinos Unterstützung erhalten und die großen Kinos mangels finanzieller Unterstützung gegen die Wand gefahren werden. Wir müssen uns für den Erhalt einer ausreichenden Zahl von Abspielflächen – große und kleine – einsetzen, sonst kommen keine großen Filme mehr in die deutschen Kinos. Von diesen Filmen aber leben auch die kleinen Kinos. Diese ganzheitliche Betrachtung muss viel stärker berücksichtigt werden.

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