In der Krise ist nichts so wichtig wie Verlässlichkeit

von am 28.04.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Dualer Rundfunk, Hörfunk, Medienordnung, Medienpolitik, Medienwirtschaft, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Privater Rundfunk

In der Krise ist nichts so wichtig wie Verlässlichkeit
Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei in Schleswig-Holstein

Das Radio lebt und leistet einen unendlich wertvollen Beitrag zur Sicherstellung der Meinungsvielfalt

28.04.2021. Von Dirk Schrödter, CDU, Chef der Staatskanzlei in Schleswig-Holstein

Wann jemals in den letzten Jahren waren aktuelle Nachrichten so wichtig für das Zusammenleben der Gesellschaft und vertraute Stimmen über den Tag so wertvoll wie in den letzten Monaten? Das Internet ist zwar eine wunderbare Informationsquelle und soziale Netzwerke schaffen Kommunikationsräume. Aber das Vertrauen und die Vertrautheit des Radios können diese Medien nicht ersetzen. Das Radio – ein Medium, das seit Jahrzehnten immer präsent ist, uns den ganzen Tag begleitet sowie zuverlässig, aktuell, spannend und regional informiert. Radio sorgt für Medienvielfalt in Deutschland, aber auch in Schleswig-Holstein – und bekommt doch oftmals zu wenig Aufmerksamkeit! Allzu oft beschäftigen wir uns mit dem Fernsehen, den Verlagen und dem Internet und sparen das Radio aus, wenn es um die Frage geht, wie es um die Meinungsvielfalt in unserem Land steht.

Das Radio hat in seiner dualen Beschaffenheit aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern über Jahre hinweg seine Wichtigkeit für eine vielfältige Medienlandschaft und umfängliche Berichterstattung – insbesondere auch im regionalen Bereich – unter Beweis gestellt und bis heute kein Stück an Relevanz verloren. Insgesamt bereichern digitale Plattformen zwar das Angebot an Audioformaten oder Audioinhalten, das Radio an sich bleibt jedoch der stärkste Pfeiler in der Audiowelt. Hierbei ist das „Live-Radio“ das noch immer am intensivsten genutzte Medium – und dies auch gerade bei den jüngeren Menschen.[1] Zwar ist der Empfang über UKW noch immer der am weitverbreitetsten, aber auch DAB+ nimmt kontinuierlich an Fahrt auf.[2] Insbesondere in Schleswig-Holstein ist wahrzunehmen, wie DAB+ eine immer größere Rolle in der regionalen Medienlandschaft einnimmt. In Lübeck sind mehr als 40 Programme über DAB+ empfangbar, davon neun im regionalen DAB+-Multiplex. In Kiel herrscht eine vergleichbare Situation.[3]

Mit einer Tagesreichweite von 77 Prozent ist die Hörfunknutzung in Schleswig-Holstein im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich und unterstreicht seine hohe Bedeutung für die Menschen. Die Nutzung in der jüngeren Altersgruppe orientiert sich am Bundesdurchschnitt und zeigt, dass in der regionalen Berichterstattung auch hier auf das Radio gesetzt wird.[4]

Neben Unterhaltung oder Entspannung sind es insbesondere die glaubwürdigen und zuverlässigen Informationen, oft mit regionalem Bezug, die die Menschen dazu verleiten, immer wieder das Radio anzuschalten. Die Corona-Pandemie tut dem keinen Abbruch – schnelle und zuverlässige Informationen sind wichtig – gerade jetzt. Mit einer Tagesreichweite im Jahr 2020 vor dem Lockdown von insgesamt 84 Prozent hält sich die Radionutzung konstant im oberen Bereich. Auch während des Lockdowns im Jahr 2020 konnte nur ein unwesentlicher Rückgang in der Nutzung von minus 3 Prozent verzeichnet werden (81 Prozent). Hierfür waren die veränderten Tagesabläufe der Menschen während des Lockdowns ursächlich.

„Der private Rundfunk stärkt mit seinen verschiedenen Kampagnen und seiner Reichweite den Zusammenhalt im Land und sorgt gerade auch auf lokaler Ebene für ein Mehr an Meinungsvielfalt.“

Durch themenspezifische Radiosendungen oder Podcasts der Sender konnten die Sender aber eine hohe Aufmerksamkeit erzielen,[5] wie beispielsweise der Wissenschafts-Podcast mit Christian Drosten des Norddeutschen Rundfunks. Gleiches gilt für unseren nationalen Hörfunksender, dem Deutschlandradio, dem, nebenbei bemerkt, in der aktuellen Beitragsdebatte viel zu wenig Beachtung geschenkt wird. Deutschlandfunk liefert konstant informative, breit recherchierte Berichte in beständig höchster Qualität, die für unsere Meinungsvielfalt von großer Bedeutung sind. Genauso der private Rundfunk, der mit seinen verschiedenen Kampagnen und seiner Reichweite den Zusammenhalt im Land stärkt und gerade auch auf lokaler Ebene für ein Mehr an Meinungsvielfalt sorgt. Privater und öffentlich-rechtlicher Hörfunk sind und bleiben fundamentale Säulen unseres dualen Systems.

Nichtsdestotrotz leidet auch diese Branche unter den gesundheitspolitischen Bestimmungen aufgrund der Corona-Pandemie. Veranstaltungen können nicht stattfinden, Werbebuchungen besonders im regionalen und lokalen Bereich fallen aufgrund der Schließungen der Betriebe oder der Gastronomie weg. Trotz Bundes- und Landeszuschüssen ist die Lage für viele kommerzielle Sender bedrohlich. Die Wichtigkeit des Radios bleibt – zur Sicherung der Medienvielfalt, zum Zusammenhalt der Bevölkerung. Der Branche muss daher die gleiche Aufmerksamkeit zukommen wie anderen Bereichen. Denn in Krisenzeiten ist nichts so wichtig wie Verlässlichkeit. Und die bietet seit Jahren unsere Radiobranche. Dafür gilt es danke zu sagen!


[1] ARD/ZDF-Massenkommunikation Trends 2019 und ARD/ZDF-Onlinestudie 2019; 0919_Heft_9_2019.indd (ard-zdf-onlinestudie.de)

[2] MA Audio II 2020(Frühjahrserhebung bis Ende März 2020)

[3] Aussage der MA HSH

[4] MA Audio II 2020 – Sonderbericht für die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein

[5] ARD/ZDF-Massenkommunikation Langzeitstudie 2020; Media_Perspektiven_10-11_2020.indd (ard-werbung.de)

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