„Kooperationen sind die Regel, nicht die Ausnahme“

von am 29.07.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Gesellschaftspolitik, Journalismus, Kreativwirtschaft, Medienwirtschaft, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Social Media

„Kooperationen sind die Regel, nicht die Ausnahme“
Dr. Jan Schulte-Kellinghaus, Programmdirektor des rbb

„Zeit für Local Heroes“: Dokumentarisches Gemeinschaftsprojekt von Bayerischem Rundfunk und Rundfunk Berlin-Brandenburg

29.07.2021. Interview mit Dr. Jan Schulte-Kellinghaus, Programmdirektor des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb)

Der rbb und der Bayerische Rundfunk haben am Montag ein crossmediales Doku-Projekt zu kommunalpolitischen Themen gestartet. Über ein halbes Jahr hinweg begleiten Autoren und Reporter des beider ARD-Anstalten politische Akteurinnen und Akteure an ganz unterschiedlichen Orten in Deutschland und tauchen ein in die Themen und Konflikte vor Ort. Das crossmediale Doku-Projekt „Zeit für Local Heroes“ stellt das Engagement dieser Menschen in den Mittelpunkt und wirft Schlaglichter auf politische Entscheidungsprozesse vor Ort. Die dokumentarischen Beobachtungen dieser „Helden der Demokratie“ münden in einer großen TV-Dokumentation im Ersten und einer Podcast-Reihe von radioeins und Bayern 2 im Rahmen der ARD-Themenwoche „Stadt. Land. Wandel.“ im November dieses Jahres. Zudem gibt es einen eigens gestalteten Instagram-Kanal „Zeit.fuer.LOCAL.HEROES“.

medienpolitik.net: Herr Schulte-Kellinghaus, am Montag ist ein ein gemeinsames crossmediales Doku-Projekt zu regionalen Themen von rbb und Bayerischem Rundfunk gestartet. Warum ein regionales Projekt zusammen mit einer anderen ARD-Anstalt? Gibt es nicht ausreichend Themen in Berlin-Brandenburg?

Schulte-Kellinghaus: Unser Sendegebiet ist reich an Themen und Geschichten – völlig korrekt. Darüber berichten wir 24 Stunden am Tag im rbb-Fernsehen, unseren sechs Radiowellen, auf rbb24.de und in unseren Social-Media-Kanälen. Hier hat regionale Berichterstattung ihren Platz. Und dort wird sie ihn auch immer haben. „Zeit für Local Heroes“ ist allerdings kein regionales Projekt, auch wenn wir uns die Kommunalpolitik anschauen. Im Gegenteil: Wir sind bundesweit unterwegs und dokumentieren die Arbeit von Bürgermeisterinnen und Kommunalpolitikern an der „Basis der Demokratie“: Wie kämpft die Bürgermeisterin von Ostritz (Sachsen) gegen das aggressive Auftreten von Neonazis? Was bedeutet es, als erste Frau eine Großstadt wie Aachen zu regieren? Wie versucht der Stadtrat von Nürnberg, in seiner Stadt eine Verkehrswende herbeizuführen? Und wie wird man als junger Liberaler Bürgermeister in einem niedersächsischen Dorf? Die Frage nach Ähnlichkeiten und Unterschieden macht den Reiz dieses Projekts aus. Schon deshalb wäre es keine gute Idee, die Recherche auf das Gebiet einer einzigen Landesrundfunkanstalt zu beschränken.

medienpolitik.net: Ist dieses Projekt ein Modell für ähnliche Kooperationen mit ARD-Anstalten bei regionalen Themen?

Schulte-Kellinghaus: Wir machen „Zeit für Local Heroes“ nicht für unsere regionalen Kanäle, sondern für die ARD. Und wie Sie wissen, sind in der föderal organisierten ARD alle Sendungen von einzelnen oder mehreren Landesrundfunkanstalten beauftragt und finanziert. Kooperationen sind dabei die Regel, nicht die Ausnahme. Insofern handelt es sich hier auch nicht um ein Modellprojekt.

„Wir arbeiten an einer Strategie, wie wir unsere Nutzerinnen und Nutzer stärker auf unsere eigenen Online-Angebote lotsen.“

medienpolitik.net: Warum der BR?

Schulte-Kellinghaus: In diesem Fall arbeiten wir mit dem Bayerischen Rundfunk zusammen, weil die Local Heroes in einer großen TV-Dokumentation für das Erste am Montag, 8. November 2021, und einer Podcast-Reihe mündet, die Teil der diesjährigen ARD-Themenwoche sind. Die Themenwoche verantwortet der Bayerische Rundfunk. Und der rbb verantwortet das ARD-Mittagsmagazin, das seit Montag, 26. Juli eine fünfteilige Wochenserie über Local Heroes zeigt. Zudem ist die Reihe natürlich in der Mediathek abrufbar. Kurz gesagt: Auch wenn es hier um Kommunalpolitik geht, Local Heroes haben bundesweite Relevanz und sind deshalb ein Fall für die ARD und ihren bundesweiten Auftrag.

medienpolitik.net: Warum gibt es bei Instagram dafür einen eigenen Kanal?

Schulte-Kellinghaus: Wir machen Local Heroes als crossmediales Projekt, also für Radio, Fernsehen und Internet. Es gibt Nutzerinnen und Nutzer, die uns gerne in sozialen Netzwerken finden. Und für die haben wir einen Instagram-Kanal.

medienpolitik.net: Ist es nicht bedenklich, mit attraktiven öffentlich-rechtlichen Inhalten globale Netzwerke zu stärken? Die Beiträge können doch auch in der ARD-Mediathek abgerufen werden.

Schulte-Kellinghaus: Darüber denken wir in der Tat auch nach. Deshalb arbeiten wir an einer Strategie, wie wir unsere Nutzerinnen und Nutzer stärker auf unsere eigenen Online-Angebote lotsen. Leider geht das nicht von heute auf morgen.

medienpolitik.net: Ihre Intendantin hat im April gesagt: „Das Jahr 2021 steht für den Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) im Zeichen der Transformation.“ Wie ordnet sich das Projekt hier ein?

Schulte-Kellinghaus: Es geht hier um digitale Transformation, wir wollen gleichwertige Angebote für Radio, Fernsehen und Internet machen. Insofern ist ein crossmediales Projekt wie Local Heroes Teil dieser Transformation, in der sich die gesamte ARD befindet.

medienpolitik.net: Wie man liest, plant die neue ARD-Programmdirektorin eine Reduzierung der politischen Magazine, also auch von „Kontraste“ zugunsten von einer größeren Anzahl von vertiefenden Reportagen. Was halten Sie von diesem Konzept?

Schulte-Kellinghaus: Über allem steht: Es geht nicht um die Reduzierung von politischer Berichterstattung. Es geht um die Frage, wie ein zeitgemäßes Angebot aussieht, wie wir unsere Ressourcen so einsetzen, dass möglichst viele Menschen etwas davon haben. Das ist die richtige Frage. An der Antwort arbeiten wir jetzt gemeinsam in der ARD.

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