„ARD Plus wird fortlaufend ausgebaut“

von am 18.08.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Filmwirtschaft, Medienordnung, Medienpolitik, Medienwirtschaft, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Plattformen und Aggregatoren

„ARD Plus wird fortlaufend ausgebaut“
Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR mediagroup GmbH und der ARD Plus GmbH

ARD-Inhalte, die nicht mehr in der Mediathek stehen, können über VoD-Plattformen kostenpflichtig genutzt werden

18.08.2021. Interview mit Michael Loeb, Geschäftsführer der WDR mediagroup GmbH und der ARD Plus GmbH

Die ARD betreibt nicht nur die Mediathek, sondern mit ARD Plus und ARD Kids auch kostenpflichtige Kanäle, die gegenwärtig bei Magenta TV, Amazon und seit Februar diesen Jahres bei Apple TV kommerziell angeboten werden. Die Inhalte werden vom neu gegründeten kommerziellen Unternehmen ARD Plus GmbH, einer Tochter der WDR Mediagroup vermarktet. In den ARD Plus-Channels stünden Filme und Serien zur Verfügung, die aus rechtlichen Gründen nicht mehr in den linearen Programmen der ARD gesendet oder in die Mediathek gestellt werden dürfen. Zum einen sei die ARD in der Mediathek an bestimmte Verweildauern gebunden und darf Sendungen nur zeitlich begrenzt frei im Netz anbieten. Und zum anderen gebe es Sendungen, bei denen die Anstalten nur zeitlich begrenzt Rechte erwerben konnten – zum Beispiel, weil ein längerer Rechteerwerb finanziell nicht vertretbar sei, wie Michael Loeb Geschäftsführer der ARD Plus GmbH erläutert.  ARD Plus präsentiert TV-Filme, Serien, Dokumentationen, Shows und Comedy-Formate. Dazu zählen unter anderem das weltweit größte „Tatort“-Archiv, die bekanntesten deutschen Kinderfilme und -serien sowie Kult-Klassiker aus 70 Jahren Fernsehgeschichte. Seit November 2020 ist die ARD mit dem Kanal “ARD Plus” auch bei Amazon vertreten.

medienpolitik.net: Herr Loeb, ARD Plus ist ein SVoD-Angebot, also ein kostenpflichtiges Angebot der ARD. Warum muss der Nutzer, nach dem Rundfunkbeitrag, ein zweites Mal für Inhalte der ARD zahlen?

Loeb: Der Rundfunkbeitrag dient der Finanzierung der TV- und Hörfunkprogramme sowie der Telemedienangebote der Sender, wozu auch die ARD Mediathek zählt. Dort werden alle verfügbaren Inhalte kostenfrei angeboten. Bei ARD Plus hingegen handelt es sich um ein zusätzliches Angebot. ARD Plus fängt dort an, wo die ARD Inhalte nicht mehr in der Mediathek anbieten kann. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist die ARD rechtlich in der Mediathek an bestimmte Verweildauern gebunden und darf Sendungen nur zeitlich begrenzt frei im Netz anbieten. Und zum anderen gibt es Sendungen, bei denen die ARD nur zeitlich begrenzt Rechte erworben hat – zum Beispiel, weil ein längerer Rechteerwerb nicht zu vertretbaren Konditionen möglich war. Die ARD könnte all das jetzt in den Archiven liegen lassen – oder einen anderen im Medienstaatsvertrag vorgesehenen Weg gehen: die kommerzielle Verwertung durch rechtlich selbständige Tochterunternehmen. ARD Plus bietet also ausgewähltes Programm, wo die ARD in der Mediathek keine Rechte hat, die entsprechenden Programme zu zeigen oder es zeitlich nur begrenzt darf. Kostenpflichtig ist das Angebot, da – analog etwa dem Verkauf einer DVD – mit dem Angebot wiederum redaktionelle und technische Kosten entstehen, Rechte zu erwerben sind, Produzenten und Urheber für zusätzliche Nutzungen und letztlich auch die Sender für die von Ihnen eingebrachten Rechte zu vergüten sind. Übrigens gehört die Lizenzierung von Inhalten an Video-on-Demand-/Streaming-Plattformen im Internet bereits seit Jahren zum Tagesgeschäft der WDR mediagroup – neben der klassischen Verwertung in Form von z. B. DVDs/Blu-Rays etc. So ist auch die Lizenzierung von Programmen für die Amazon-/Apple TV-Channels durch die ARD Plus GmbH ein ganz normaler Vertriebsvorgang.

medienpolitik.net: Wie profitiert der Nutzer? Werden die Einnahmen bei der Berechnung des Beitrages berücksichtigt?

Loeb: Der Mehrwert besteht für ARD-Fans im Zugriff auf Kult-Klassiker aus 70 Jahren deutscher Fernsehgeschichte, inklusive des größten Tatort-Archivs und der beliebtesten Kinderprogramme. Alles Inhalte, die in diesem Umfang nicht mehr in der Mediathek verfügbar sind. Die von den Sendern durch die Verwertung erzielen Einnahmen werden von der KEF entsprechend den Vorgaben des Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrags als „sonstige betriebliche Erträge“ bei der Festsetzung des Rundfunkbeitrags berücksichtigt und dienen damit neben den Beitragseinnahmen der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Programmauftrags.

„ARD Plus fängt dort an, wo die ARD Inhalte nicht mehr in der Mediathek anbieten kann.“

medienpolitik.net: Für die Vergütung der Produzenten bei der Einstellung in die Mediathek ist von der KEF ein höherer Beitragsanteil berücksichtigt worden. Warum reicht das anscheinend nicht?

Loeb: Wir setzen wie eben bereits erläutert bei den Inhalten an, die in der ARD Mediathek aus den oben genannten Gründen nicht mehr zu sehen sind. Damit sind Inhalte, die aufgrund der Verweildauervorgaben nicht länger in der Mediathek angeboten werden dürfen, weiterhin für Interessierte verfügbar. Es werden bei ARD Plus auch Inhalte angeboten, bei denen für die Sender ein längerer Rechteerwerb im Rahmen der von der KEF allgemein für die Produzentenrechte anerkannten Mittel nicht finanziell vertretbar war.

medienpolitik.net: Warum wird ARD Plus über Plattformen wie Amazon oder Magenta TV vertrieben aber nicht in der ARD-Mediathek?

Loeb: Die ARD Mediathek ist ein von der ARD journalistisch-redaktionell veranlasstes und gestaltetes Telemedienangebot, das für alle Zuschauer kostenlos und frei zugänglich sein soll. Es handelt sich nicht um eine Vertriebsplattform, auf der Inhalte gegen Entgelt oder mit Werbung vertrieben werden. Die medienrechtlichen Vorgaben schließen dies auch explizit aus. Somit ist ARD Plus ein von der ARD Mediathek unabhängiges kommerzielles Angebot. Die ARD lizenziert lediglich ihren Namen, um zu signalisieren, dass bei ARD Plus hauptsächlich hochwertige Inhalte der ARD zu finden sind.

„Das Angebot wird fortlaufend ausgebaut und aktuell bietet ARD Plus bereits mehrere tausend Programmstunden verschiedenster TV-Genres.“

medienpolitik.net: Wie ist die Nachfrage? Kann sich ARD Plus auf den Plattformen behaupten?

Loeb: ARD Plus verzeichnet stetig steigende Nutzerzahlen. Das Feedback, das uns durch die Channels erreicht, ist durchweg positiv.

medienpolitik.net: Wann sind die Inhalte in der „kostenlosen“ Mediathek zu finden und ab wann in den kostenpflichtigen Channels?

Loeb: ARD Plus setzt dort an, wo die ARD Inhalte nicht mehr anbieten kann, weil sie nach den medienrechtlichen Vorgaben nur zeitlich befristet angeboten werden dürfen oder weil Rechte für die ARD Mediathek nur zeitlich befristet erworben werden konnten. Die Länge des Angebots der Inhalte in der Mediathek ist damit je nach Inhalt unterschiedlich. Viele Zuschauer haben aber ein Interesse daran, die Senderinhalte darüber hinaus nutzen zu können. Dieses Bedürfnis greift ARD Plus auf. So können die Zuschauer zum Beispiel auch nach Ablauf der Verweildauer komplette Serienstaffeln noch mal anschauen, wenn sie den Weg über ARD Plus gehen. Oder sie können in fiktionalen Archiv-Inhalten stöbern, die die ARD in ihrer Mediathek aus rechtlichen Gründen nicht mehr anbieten kann.

medienpolitik.net: Wie groß ist gegenwärtig das Angebot auf ARD Plus?

Loeb: Das Angebot wird fortlaufend ausgebaut und aktuell bietet ARD Plus bereits mehrere tausend Programmstunden verschiedenster TV-Genres.

medienpolitik.net: Für die Mediathek ist der Ausbau der personalisierten Suchfunktionen vorgesehen. Ist das auch für ARD Plus geplant?

Loeb: Das Angebot wird insgesamt stetig weiter ausgebaut und weiterentwickelt, hier wachsen wir mit unseren Usern. Eine personalisierte Suchfunktion ist momentan noch nicht in der Planung.

Auf der Website www.ardplus.de finden sich weitere Information zum Angebot ARD Plus.

Print article