Die Generation Z besser informieren

von am 01.09.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Gesellschaftspolitik, Internet, Journalismus, Kommunikationswissenschaft, Medienwirtschaft, Medienwissenschaft, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Social Media, Verlage

Die Generation Z besser informieren
Foto: SWR

#UseTheNews – Gemeinschaftsprojekt verschiedener Medienhäuser für neue Nachrichtenangebote für die unter 30-Jährigen

01.09.2021. Wie informieren sich junge Menschen in Deutschland und wie entwickelt man zeitgemäße Nachrichtenangebote für die Generation Z? Mit dem Projekt #UseTheNews gehen Medien und Medienforschung der veränderten Nachrichtennutzung auf den Grund und entwickeln neue Informationsangebote speziell für unter 30-Jährige. Das jetzt veröffentlichte Playbook liefert zu diesem Thema wertvolle Erkenntnisse und Arbeitsergebnisse. Herausgeber sind die dpa Deutsche Presse-Agentur und der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) unterstützt das Projekt.Neben Basiswissen über veränderte Einstellungen und Nutzungsgewohnheiten bietet das Playbook Inspiration und konkrete Handlungsempfehlungen für die Entwicklung neuer Nachrichtenangebote. Darüber hinaus gibt es Einblicke in den Stand einer zeitgemäßen Nachrichtenkompetenz-Vermittlung in Schulen. Im rund 150-seitigen Buch teilen über fünfzig Expertinnen und Experten ihr Wissen.

#UseTheNews – Drei Säulen für mehr Nachrichtenkompetenz

(Von Jens Petersen, Leiter Konzernkommunikation der Deutschen Presse-Agentur)

Ungefilterte, unabhängige und verlässliche Nachrichten gehören zu den Grundlagen unserer Gesellschaft. Genauso wie Strom und Wasser brauchen die Menschen Informationen, auf die sie sich verlassen können. Viele ihrer Entscheidungen basieren auf dem, was sie in den Nachrichtenmedien aufnehmen. Nachrichten sind ein Gebrauchsgut im besten Sinne.

In diesem Geist ist das Projekt #UseTheNews entstanden. Die Vermittlung und Förderung von Nachrichtenkompetenz ist in unserer digitalen Welt die Voraussetzung für eine funktionierende demokratische Öffentlichkeit. Initialzündung des Projekts war der Auftritt des ehemaligen Guardian-Chefredakteurs und Pulitzer-Preisträgers Alan Rusbridger beim scoop-camp 2019 in Hamburg. Bei der jährlich stattfindenden Innovationskonferenz für Medien wies Rusbridger auf die fundamentale Bedeutung von Fakten im Zusammenspiel mit einem gesunden Mediensystem hin. Unter dem Eindruck der Trump-Präsidentschaft und den Zweifeln vieler, vor allem junger Menschen an journalistischen Marken stellte er die Frage: „Wie kann man Vertrauen zurückgewinnen und gesündere Demokratien aufbauen?“

Im Bewusstsein, dass Rusbridgers Frage nur in einem langfristigen Prozess beantwortet werden kann, nahm das Projekt #UseTheNews unter der Führung der scoopcamp-Organisatoren dpa und Hamburger Behörde für Kultur und Medien Gestalt an. Im Mai 2020 wandten sich die Partner erstmals an die Öffentlichkeit und kündigten den Start der Initiative als ein dreisäuliges Modell an, unterstützt von Partnern aus Medienhäusern, Zivilgesellschaft und Medienforschung. Der Plan: Eine repräsentative Grundlagenstudie, ein News Literacy Lab von und mit Medienschaffen-den aus der Praxis sowie ein zu erarbeitendes News Curriculum für Schülerinnen und Schüler zahlen aufeinander aufbauend auf die Förderung von Nachrichtenkompetenz ein.

  • Die Studie

Im April 2021 veröffentlichte das Hamburger Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow- Institut (HBI) als zentraler wissenschaftlicher Projektpartner die repräsentative Untersuchung „Nachrichtennutzung und Nachrichtenkompetenz im digitalen Zeitalter“. 1.500 Menschen wurden dafür Face-to-Face befragt. Die Kernergebnisse offenbaren eine tiefe Informationskluft in der nachwachsenden Generation. Viele junge Menschen gaben zu Protokoll, dass ihnen bei journalistischen Nachrichten oft der Bezug zur eigenen Lebenswirklichkeit fehle. Daten und Erkenntnisse aus der Studie bilden das Fundament für die weitere #UseTheNews-Arbeit und fließen unmittelbar in die übrigen Projektsäulen ein.

  • Das News Literacy Lab

Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Initiativen ist #UseTheNews mit der Präsentation der Studienergebnisse nicht abgeschlossen. Im Gegenteil: Parallel zu den ersten Erkenntnissen aus Gruppendiskussionen mit Jugendlichen und jungen Menschen hat das News Literacy Lab im September 2020 seine Arbeit aufgenommen. Insgesamt mehr als 30 Medienschaffende, Entwicklungsredakteurinnen und -redakteure sowie Innovationstreberinnen und -treiber arbeiten konkret an neuen Ideen. Sie konzipieren und erproben Prototypen, mit denen junge Menschen wieder stärker an journalistische Informationsangebote herangeführt werden können. Die sieben Tracks, in denen verlags- und anstaltsübergreifend mit neuen Herangehensweisen experimentiert wird, heißen beispielsweise Sprache, Video oder auch Kollaboration. Begleitet wird das News Literacy Lab von den Journalismus-Expertinnen und -Experten der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg).

  • Zusammenarbeit mit Schulen und Bildungsträgern

Unter dem Titel Open News Education (ONE) werden Bildungsangebote, Unterrichtsmaterialien und Fortbildungen für Lehrkräfte entwickelt, um die Vermittlung von Nachrichtenkompetenz in den Schulen zu stärken. Dies ist die dritte Säule des Projekts. Durch Smartphone, Internet und soziale Netzwerke sehen sich junge Menschen einem gigantischen Informationsangebot ausgesetzt. Für das sichere Navigieren in diesem Überangebot sind Fertigkeiten für den Umgang mit News, Posts, Videos, Messages und Kommentaren elementar. Für Lernende ebenso wie für Lehrende. Es braucht die Fähigkeit, seriöse Quellen zu erkennen und zu nutzen, über ein Grundwissen zu journalistischen Arbeitsweisen zu verfügen und ein Verständnis für die Rolle des Journalismus in der Demokratie herauszubilden. Die HAW Hamburg und die Hamburger Behörde für Kultur und Medien steuern gemeinsam diesen Prozess, unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung als zentralem Projektpartner. Medienhäuser unterschiedlicher Herkunft – Verlage, öffentlich-rechtliche Sender und private Rundfunkanbieter – haben die Notwendigkeit für ein starkes Engagement bei #UseTheNews erkannt. Unter dem gemeinsamen Label treiben sie ein Thema voran, das für die Branche und für die gesamte Gesellschaft eine herausragende Bedeutung hat. Flankiert wird die weitere Ausrichtung des Projektes von einem Kuratorium aus Chefredakteurinnen und -redakteuren sowie Medienexpertinnen und -experten – angeführt von einem Lenkungsausschuss um Hamburgs Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda, Funke-Verlegerin Julia Becker, SWR-Intendant Prof. Dr. Kai Gniffke sowie dpa-CEO Peter Kropsch.

Das Projekt ist vielschichtig und komplex – alle Partnerinnen und Partner und Unterstützerinnen und Unterstützer werden einen langen Atem brauchen auf diesem Weg. #UseTheNews soll sich ausgehend von Studie und Playbook weiterentwickeln zu einem nationalen Competence Center, das valide Daten, Wissen und Konzepte bündelt. Erste Anfragen aus dem Ausland liegen bereits vor, wie #UseTheNews auch in anderen Medienmärkten durchstarten kann.

2024 ist ein entscheidender Meilenstein für #UseTheNews. Ein „Jahr der Nachricht“: 175 Jahre Wolffs Telegraphisches Bureau (die erste Nachrichtenagentur in Deutschland) und 75 Jahre dpa. Eine bundesweite Ausstellung zum Thema ist bereits in Planung. #UseTheNews ist kein Sprint, #UseTheNews ist ein Marathon, der sich über die kommenden Jahre erstrecken wird.

https://www.bdzv.de/fileadmin/content/6_Service/6-1_Presse/6-1-2_Pressemitteilungen/2021/PDFs/Playbook_Digital_D_Desktop_RZ.pdf.

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