Den Filmstandort Deutschland für Investitionen attraktiver machen

von am 08.10.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Medienförderung, Medienwirtschaft

Den Filmstandort Deutschland für Investitionen attraktiver machen
Christian Sommer, Präsident der SPIO

SPIO: Was die nächste Bundesregierung in der Filmpolitik anpacken muss

08.10.2021. Von Christian Sommer, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO)

Noch ist nicht abzusehen, wie sich die Bundesregierung personell und strukturell in Sachen Kultur- und Kreativwirtschaft aufstellen wird. Klar ist, dass die radikalen Marktveränderungen für die Filmwirtschaft grundsätzliche Zukunftsfragen aufwerfen. Branche und Politik sind gefragt, gemeinsame Antworten zu suchen. Ein zentrales Anliegen der Filmwirtschaft ist es, innerhalb des Bundes aber auch in Abstimmung mit den Ländern besser aufeinander abgestimmte Strukturen zu schaffen. Als einer der Initiativverbände der neuen Koalition der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland (k3d) wollen wir, dass die Belange der Kultur- und Kreativwirtschaft strukturierter in der Regierungsarbeit und besonders im Zusammenspiel des Bundes mit den Ländern abgebildet werden.

Wichtige Anliegen der Filmwirtschaft kann der Bund nicht alleine regulieren, sondern muss sich mit den Ländern ins Benehmen setzen oder ist gar auf ihre Initiative als Gesetzgeber angewiesen. Zu diesen Aufgabenfeldern gehören alle sich aus der Fortentwicklung des Medienstaatsvertrages resultierenden Fragestellungen, einschließlich des Jugendmedienschutzes.  Nicht zuletzt ist für Änderungen im Steuersystem und in Fragen des Ineinandergreifens der Förderinstrumente eine bessere Verzahnung und Abstimmung zwischen Bund und Länder notwendig. Letzteres ist auch eine der Lehren aus den Corona-Pandemie. Eine effizientere Abstimmung stärkt zusätzlich die Position Deutschlands in Europa. Die Digitalisierung hat viele Herstellungs- und Vertriebsstrukturen in der Kultur- und Kreativwirtschaft verändert – nicht erst seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Europäische Kommission sprach in diesem Zusammenhang gerne von den Silos, die es aufzubrechen gilt, und nährte damit die Vorstellung, dass ein Film genauso hergestellt und nachgefragt wird, wie die Gebrauchsartikel des täglichen Lebens. Sie verkennt damit die wesentliche Doppelbedeutung des Films als Kultur- und Wirtschaftsgut.

Wir sind auf der einen Seite technischer und künstlerischer Innovationstreiber, visualisieren die digitalen und realen Welten. Für Innovationen braucht es Investitionen, und Investitionen brauchen eine verlässliche Kalkulationsgrundlage. Und dabei geht es nicht um den Schutz eines Geschäftsmodells, sondern um den Schutz einer Vielzahl von Geschäftsmodellen, die nicht zuletzt die Grundlage bieten, um Monopolstrukturen zu verhindern.  Als Kulturgut haben wir zudem eine gesellschaftliche Relevanz. Meinungen und Informationen werden in einem immer größeren Ausmaß durch Bilder und Filme transportiert. Sie prägen unsere Vorstellungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die technische und künstlerische Innovationskraft der Filmwirtschaft zu stärken, kommt also sowohl dem Wirtschafts- als auch dem Kulturgut Film zugute. Aus dieser Erkenntnis ergeben sich die nachfolgenden Weichenstellungen für die nächsten Jahre:

„Die technische und künstlerische Innovationskraft der Filmwirtschaft zu stärken, kommt sowohl dem Wirtschafts- als auch dem Kulturgut Film zugute.“

Weichenstellung 1: Investitionen anregen

Als Wachstumsmarkt und Zukunftsbranche muss der Filmstandort Deutschland für Investitionen attraktiver werden. Das Versprechen des FFG-Verlängerungsgesetzes, grundsätzlich über das Fördersystem nachzudenken, sollte daher im Koalitionsvertrag verankert werden. Sachgerecht ist hier ein Prüfauftrag, wie das bestehende Fördersystem ergänzt und welche zusätzlichen Investitionsanreize gesetzt werden können. Besonders wichtig ist eine steuerrechtliche Regelung vorzusehen, die nationale und internationale Koproduktionen weiterhin ermöglicht.

Weichenstellung 2: Eigenkapitalbasis stärken

Die Coronakrise hat die ohnehin schwache Eigenkapitalausstattung der mittelständisch geprägten Filmwirtschaft verschärft. Insbesondere im Produktions- und Dienstleistungsbereich müssen die Rahmenbedingungen für eine Stärkung des Eigenkapitals verbessert werden. Die Kinos und Verleiher müssen in die Lage versetzt werden, weiter zu investieren, damit Kulturorte in unseren Innenstädten und im ländlichen Raum erhalten bleiben und gute Filme ihr Publikum finden. Für die Eigenkapitalbasis der Unternehmen sind auch Lizenzrechte von großer Bedeutung. Das Abschmelzen von Exklusivrechten zugunsten von gesetzlichen Vergütungsansprüchen muss aufgehalten werden, der Erschöpfungsgrundsatz darf nicht auf digitale Nutzungen ausgeweitet werden. 

Weichenstellung 3: Vielfalt erhalten

Die Vielfalt – vom Einzelunternehmen bis zum Global Player, von Arthouse bis Popcornkino, von Doku bis Horror, vom Kinofilm bis zur Streaming-Serie – ist eine Stärke unserer Branche. Die SPIO steht schon mit ihrer Geschichte für ein Miteinander der deutschen Filmwirtschaft mit starken amerikanischen Partnern. Die Weiterentwicklung der Steuer- und Fördersysteme muss immer im Blick haben, dass die ausgelösten Investitionen der lokalen Filmwirtschaft zugutekommen. Hierfür braucht es klare Kriterien, die Unabhängigkeit und Vielfalt stärken und nationale wie internationale Player gleichermaßen in die Verantwortung nehmen.

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