Games-Standort Deutschland – nicht nur Zuschauer, sondern Akteur

von am 15.10.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Computer- und Videospiele Industrie, Digitale Medien, Gesellschaftspolitik, Kreativwirtschaft, Medienförderung, Medienwirtschaft

Games-Standort Deutschland – nicht nur Zuschauer, sondern Akteur
Felix Falk, Geschäftsführer, game – Verband der deutschen Games-Branche

Deutschland muss eine wichtigere Rolle beim Medium des 21. Jahrhunderts spielen

15.10.2021. Von Felix Falk, Geschäftsführer des game – Verband der deutschen Games-Branche

In der abgelaufenen Legislaturperiode ging es für die Games-Branche in Deutschland einen wichtigen Schritt nach vorn: Die Einführung der bundesweiten Games-Förderung in Höhe von jährlich 50 Millionen Euro hat auch weit über Branchenkreise aufhorchen lassen. Mittlerweile ist das Förderprogramm für die Entwicklung von Computer- und Videospielen beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur angelaufen. Im selben Hause wurde zudem eine eigenes Games-Referat eingerichtet und eine Strategie für den deutschen Games-Standort vorgestellt. Diese wichtigen Erfolge dürfen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in der Games-Politik noch viele Baustellen darauf warten, von der neuen Bundesregierung angegangen zu werden. Denn so dynamisch wie sich die globale Games-Branche entwickelt und so schwach wie Deutschland darin als Produktionsstandort noch immer ist, so wichtig ist es, die richtigen politischen Weichen zu stellen.

Wie groß der weitere Bedarf an Verbesserungen ist, zeigt unser game Branchenbarometer: Danach sieht die deutsche Games-Branche weiterhin großen Aufholbedarf hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. So sagen 56 Prozent der Unternehmen, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit „eher schlecht“ ist, rund 14 Prozent bewerten diese sogar als „schlecht“. Kein Unternehmen vergab dagegen den Wert “sehr gut”.

Es bleibt also noch viel zu tun, um Deutschland zum besten Games-Standort zu machen. Das gilt insbesondere für eines der wichtigsten Elemente der Games-Politik: die Games-Förderung. Diese ist zwar zunächst mit ausreichenden Mitteln ausgestattet worden. Die vollkommen unnötige Hängepartie hinsichtlich der Fortführung der Förderung sorgte aber insbesondere bei der internationalen Games-Branche für einige Irritationen. Erst der Bundestag hat hier für Klarheit gesorgt und für mehrere Jahre die Mittel festgeschrieben. Umso wichtiger ist es jetzt, dass die Games-Förderung langfristig verankert wird. Zudem muss das Förderprogramm den von der Politik selbst gesteckten Zielen entsprechen, die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bei der Games-Entwicklung wirklich auf ein internationales Niveau zu heben. Dafür muss das Programm unbürokratischer, planbarer und transparenter werden. Denn genau hier mangelt es laut vieler Fördernehmerinnen und Fördernehmer aktuell noch.

„Damit die Games-Förderung zu einem wirklichen Booster für den Standort werden kann, muss die nächste Bundesregierung in diesem Bereich bürokratische Bremsen lösen.“

Besonders häufig wird kritisiert, dass Prozesse und Abläufe der Spiele-Entwicklung im Förderprogramm nicht ausreichend berücksichtigt werden. Damit die Games-Förderung zu einem wirklichen Booster für den Standort werden kann, muss die nächste Bundesregierung daher auch in diesem Bereich bürokratische Bremsen lösen. Deutschland als Entwickler-Standort und Games „Made in Germany“ brauchen zudem eine gute Sichtbarkeit sowie Vernetzung hierzulande als auch international. Die Games-Strategie des Bundesverkehrsministeriums ist eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung des Standortes. Doch während sie die Herausforderungen nur beschreibt, ist die neue Regierung nun gefragt, darauf mit konkreten Antworten und Konzepten zu reagieren. Schritte wie Gründerstipendien müssen folgen, um beispielsweise Nachwuchsentwicklerinnen und -entwicklern einen guten Start zu ermöglichen.

Doch auch fernab der Games-Förderung gibt es noch einige wichtige Themenfelder: Wir müssen die Chancen von Games in der Bildung endlich besser nutzen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie groß der Aufholbedarf Deutschlands bei der digitalen Bildung ist. Und das gilt nicht nur für die Schulbildung, sondern auch in Berufsschulen, Hochschulen, in der Weiterbildung und für das lebenslange Lernen. Die Entwicklung von Games für den Unterricht muss daher gezielt gefördert und vorangetrieben werden. Medienkompetenz und Programmierkenntnisse sind elementar für die Schülerinnen und Schüler im Digitalzeitalter und müssen obligatorischer Teil des Unterrichts sein. Der Schulunterricht muss endlich in der digitalen Zeit ankommen.

„Wir müssen die Chancen von Games in der Bildung endlich besser nutzen.“

Die Vermittlung digitaler Kompetenzen ist auch in anderer Hinsicht wichtig: Denn der deutschen Games-Branche fehlen hoch spezialisierte, erfahrene Fachkräfte. Da sie in Deutschland nicht in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen, muss die Ausbildungssituation verbessert und der Zuzug dieser Fachkräfte aus dem Ausland erleichtert werden.

Ein Dauerbrenner und auch eine wichtige Aufgabe für die nächste Bundesregierung bleibt die digitale Infrastruktur: Für eine erfolgreiche Games-Entwicklung und die Millionen Spielerinnen und Spieler in Deutschland muss der Games- und Digital-Standort flächendeckend Gigabit-fähig sein. Das gilt für leistungsfähige Breitbandanschlüsse und ein starkes 5G-Netz: Deutschland muss schnell auf allen Verbreitungswegen aufholen und eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur für alle zugänglich machen. Hier wurde schon zu viel Zeit verloren. Umso wichtiger ist es, dass die weißen Flecken auf der Gigabit-Karte Deutschlands endlich verschwinden.

„Schon jetzt ist der internationale Games-Markt der größte Medienmarkt der Welt.“

Beim Esport hat sich in der vergangenen Legislaturperiode deutlich weniger getan, als es das Regierungsprogramm zunächst versprach. Zwar gab es wichtige Visa-Erleichterungen, was Deutschland als Austragungsort für Esport-Wettkämpfe gestärkt hat. Andere wichtige Themen sind dafür liegen geblieben. Vor allem müssen junge Talente unterstützt und gefördert werden. Es gilt, insbesondere die wertvolle Arbeit der Vereine mit Esport-Angebot nicht weiter zu benachteiligen, sondern sie zu fördern. Sie müssen daher in der Abgabenordnung als gemeinnützig anerkannt werden. Dabei spielt die in Deutschland so häufig diskutierte Frage, ob Esport nun eigentlich Sport sei, gar keine Rolle. Die Gemeinnützigkeit von Esport lässt sich durch die neue Bundesregierung schnell und unkompliziert umsetzen. Vielen, vor allem kleineren Vereinen, die auch Esport anbieten wollen, wäre damit sofort geholfen.

Den wichtigen Schritten in der Games-Politik in der vergangenen Legislaturperiode müssen jetzt weitere Maßnahmen folgen. Denn wir sind noch längst nicht am Ziel angekommen, die Rahmenbedingungen für die Games-Branche in Deutschland international konkurrenzfähig auszugestalten. Hierzu müssten weitere Themen angegangen werden, etwa die Verbesserung der Investitionssicherheit, digital noch fittere Sicherheitsbehörden oder ein konsistentes Jugendschutzrecht. Es muss der Anspruch Deutschlands sein, eine wichtige Rolle beim Medium des 21. Jahrhunderts zu spielen und die Potenziale von Games für Wirtschaft, digitale Innovation und Kultur auch für unser Land zu nutzen. Schon jetzt ist der internationale Games-Markt der größte Medienmarkt der Welt. Daher müssen wir weiter die Rahmenbedingungen verbessern, wenn wir hier nicht nur Zuschauer, sondern aktiver Akteur sein wollen. Eine neue Bundesregierung findet hierfür gute Voraussetzungen vor. Nur müssen sie diese Chance jetzt auch nutzen und die nächsten Schritte zügig angehen.

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