Relevanz der Intermediäre für die Meinungsbildung steigt weiter

von am 27.10.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Internet, Journalismus, Medienordnung, Medienpolitik, Medienregulierung, Medienwissenschaft, Netzpolitik, Plattformen und Aggregatoren, Regulierung, Social Media, Studie

Relevanz der Intermediäre für die Meinungsbildung steigt weiter

Neue Studie „Intermediäre und Meinungsbildung“ der Medienanstalten

27.10.2021. Seit Jahren belegen die Ergebnisse der Studie „Intermediäre und Meinungsbildung“ der Medienanstalten die zunehmende Relevanz von Angeboten wie Google, Facebook & Co. Der fünfte Vielfaltsbericht bekräftigt diese Entwicklung. Mehr als 46 Prozent der Personen ab 14 Jahren in Deutschland informieren sich an einem Durchschnittstag, indem sie die Medienintermediäre nicht nur als Kontakthersteller nutzen, sondern auch Informationen direkt auf den Diensten wahrnehmen. Mit einem Plus von 44 Prozent gegenüber 2019 zeigt die Informationsnutzung über Medienintermediäre sogar einen deutlich stärkeren Zuwachs als die Informationsnutzung über die crossmedialen Angebote klassischer Medien und das Internet gesamt (38% bzw. 36%). Am häufigsten kommen Suchmaschinen zu informierenden Zwecken zum Einsatz. Googles Suchmaschine liegt in allen Altersgruppen an erster Stelle mit 32,7 Prozent, gefolgt von YouTube, das sich mit einer informierenden Tagesreichweite von 12,1 Prozent erstmals knapp vor Facebook mit 11,9 Prozent platziert.

„Die Sicherung von Medienvielfalt auch im digitalen Raum ist unverzichtbar für unsere Demokratie. Dabei tragen Medienintermediäre als Torwächter für Informationen gegenüber der Gesellschaft Verantwortung für bestimmte Entscheidungen mit potenziellen Auswirkungen auf die Meinungsvielfalt. Vor diesem Hintergrund ist es richtig, Medienintermediäre unter dem Gesichtspunkt des Schutzes der Meinungsvielfalt regulatorisch in den Fokus zu nehmen. Der Medienstaatsvertrag spielt hier mit den Regelungen zur Transparenz von Suchalgorithmen und zur Diskriminierungsfreiheit für journalistisch-redaktionelle Inhalte eine Vorreiterrolle. Aufgrund der klar medienrechtlich, und zwar die Meinungsvielfalt sichernden Ausrichtung der Regulierung, steht diese selbständig neben den aktuellen Gesetzesinitiativen auf europäischer Ebene,“ betont Dr. Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) mit Blick auf die aktuellen Diskussionen in Brüssel zum Digital Services Act und Digital Media Act.

Informierende Mediennutzung auch gegen Ende der Corona Krise überdurchschnittlich

Die informierende Mediennutzung in Deutschland ist weiterhin überdurchschnittlich. 89 Prozent der Personen in Deutschland haben sich gestern im TV, Internet, Radio, in Tageszeitungen oder in Zeitschriften über das Zeitgeschehen informiert. Die höchste informierende Tagesreichweite verzeichnet nach wie vor das Fernsehen (56%), gefolgt vom Internet (53 %) und Radio, das von gut 47 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren täglich genutzt wird, um sich über das Zeitgeschehen zu informieren.

„Bei mehr als jeder vierten Person ab 14 Jahren in Deutschland führt der Weg zu den Online-Infoquellen über Medienintermediäre.“

Nutzungsschub des Internets bei der informierenden Nutzung

Das Internet erfährt im Corona-Jahr 2020 den größten „Nutzungsschub“ und wächst weiter. Um 14 Prozentpunkte ist seine informierende Tagesreichweite seit 2019 gestiegen. Der Abstand zum „Info-Leitmedium“ Fernsehen schrumpft auf 2,9 Prozentpunkte. Nach dem subjektiv wichtigsten Informationsmedium gefragt, ist das Internet das am häufigsten genannte Informationsmedium (38,1%). Einen Teil der wachsenden Bedeutung als Informationsquelle verdankt das Internet der crossmedialen Nutzung klassischer Medienangebote. Für 2020 ist ein pandemiebedingter Nutzungsschub erkennbar. Aktuell informiert sich deutlich mehr als ein Drittel der Bevölkerung ab 14 Jahren in Deutschland pro Tag über die Onlineangebote klassischer Medien (37,4%). Das sind 26,5 Mio. Personen ab 14 Jahren. Die Tagesreichweite von Intermediären steigt auf hohem Niveau weiterhin an – und das bei allen Angeboten / Diensten. Sieben von zehn Personen ab 14 Jahren in Deutschland nutzen täglich Intermediäre. Sechs von zehn Personen nutzen täglich WhatsApp (60%) und / oder Google (60%), über ein Drittel YouTube (35%), fast jeder Vierte Facebook (23%) und gut jeder Fünfte Instagram (22%).

Intermediäre entscheiden mit, welche Informationen Nutzende im Internet sehen

Fast jeder Zweite (46% / 33 Mio. Personen) ab 14 Jahren nutzt täglich Suchmaschinen, soziale Netzwerke und Instant-Messenger-Dienste, um sich über das Zeitgeschehen zu informieren. Google ist in allen Altersklassen meistgenutzter Intermediär, gefolgt von YouTube, Facebook und Instagram. Bei den Jüngeren spielen Intermediäre eine noch wichtigere Rolle für die Information. Für Drei Viertel (75%) der 14 bis 29-Jährigen bestimmen Medienintermediäre mit, welche Informationen zum Zeitgeschehen aus Deutschland und der Welt im Internet wahrgenommen werden. Instagram belegt mittlerweile die zweite Position hinter Google bei der informierenden Nutzung. YouTube und Facebook folgen auf Rang 3 und 4. Die Nutzung von Intermediären ist klar altersabhängig: Mehr als neun von zehn (95%) der 14-29-Jährigen nutzen täglich Intermediäre, aber auch bei den über 50-Jährigen ist es schon jeder Zweite (51%). Größere Unterschiede zeigen sich bei Sozialen Netzwerken und Videoportalen und geringere Unterschiede bei Suchmaschinen und Messenger-Diensten.

Intermediäre sind wichtige Gatekeeper und Kontakthersteller für Informationsangebote

Bei mittlerweile mehr als jedem Vierten ab 14 Jahren in Deutschland führt der Weg zu den Online-Infoquellen über Medienintermediäre (27,9%). Eine herausragende Rolle als Kontakthersteller spielen dabei Suchmaschinen. Rund jeder Zweite, der die Webangebote klassischer Medien oder originäre Onlineangebote als Infoquelle nutzt, gelangt aktuell über eine Suchmaschine dorthin. Das entspricht weit mehr als einem Fünftel der Bevölkerung ab 14 Jahren (22,3%). Intermediäre spielen eine zentrale Rolle bei der Information über das Zeitgeschehen. Google ist dafür in allen Altersklassen meistgenutzter Intermediär, gefolgt von YouTube, Facebook und Instagram. Besonders ausgeprägt ist die informierende Nutzung von Intermediären unter den Jüngeren.

Die Studie „Intermediäre und Meinungsbildung“ finden Sie unter: https://www.die-medienanstalten.de/themen/forschung/intermediaere-und-meinungsbildung

Der fünfte Vielfaltsbericht steht auf der Webseite der Medienanstalten zum Download bereit: https://www.die-medienanstalten.de/publikationen/vielfaltsbericht/vielfaltsbericht-der-medienanstalten-2021

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