„k3d setzt sich für bessere Rahmenbedingungen und mehr Rechtssicherheit ein“

von am 02.11.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Gesellschaftspolitik, Kreativwirtschaft, Kulturpolitik, Medienordnung, Medienpolitik, Medienwirtschaft, Plattformen und Aggregatoren, Urheberrecht

„k3d setzt sich für bessere Rahmenbedingungen und mehr Rechtssicherheit ein“
Daniela Beaujean, VAUNET, Dr. Florian Drücke, Bundesverband Musikindustrie

Neues Bündnis der Kultur- und Kreativwirtschaft fordert in der Bundesregierung „hochrangige Anlaufstelle“ für die Branche

02.11.2021. Interview mit Daniela Beaujean, Geschäftsführerin des Verbandes Privater Medien (VAUNET) und Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie

Führende privatwirtschaftliche Interessenvertretungen aus den Bereichen Bücher und Mode, Journalismus, Musik, Games, TV, Radio und Film, Kulturveranstaltungen, Galerien, Architektur und Design haben sich zur „Koalition Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland (k3d)“ als offenes Bündnis zusammengeschlossen. Es will zukünftig gegenüber der Politik Dialogpartner und Impulsgeber für die gemeinsamen Interessen der Branche sein und die Relevanz dieses Wirtschaftszweigs stärker in der Öffentlichkeit vermitteln. Dabei entwickele und vertrete k3d übergeordnete Positionen, Stellungnahmen und Forderungen zu kultur-, medien- und wirtschaftspolitischen Fragestellungen, so Daniela Beaujean, Geschäftsführerin VAUNET. Es sei deutlich geworden, dass die Öffentlichkeit die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Gänze nicht kenne oder unterschätze. Das Bündnis fordert unter anderem, erläutert Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, „eine hochrangige Anlaufstelle in der neuen Bundesregierung“ und damit eine Klärung der Zuständigkeiten für die Belange der Kultur- und Kreativwirtschaft.

medienpolitik.net: Mit der Koalition Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland (k3d) hat sich ein neues branchenweites Bündnis formiert – wie kam es dazu?

Drücke: Die Kultur- und Kreativwirtschaft war in vielen Bereichen besonders hart von den Folgen der Pandemie betroffen. In so einer Situation steigen der Austausch und der Bedarf nach gemeinsamem Vorgehen. Wir haben in dieser Phase festgestellt, dass im politischen Berlin eine zentrale Stelle fehlt, die sich für uns zuständig fühlt, die die Leistungen und Potenziale unserer Branche versteht und fördert und sich in diesem Verständnis mit anderen Regulierungsebenen in den Ländern oder Brüssel koordiniert. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass wir unsererseits als einer der relevantesten Wirtschaftszweige in Deutschland gegenüber der Politik nur Gesprächspartner auf Ebenen der einzelnen Branchenverbände innerhalb unseres Wirtschaftszweigs anbieten können. Und schließlich ist sehr deutlich geworden, dass die Öffentlichkeit die Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft in Gänze nicht kennt oder unterschätzt. Wir stehen in Deutschland für eine Bruttowertschöpfung von 106 Milliarden Euro im Jahr und haben 2019 3,1 Prozent zur volkswirtschaftlichen Gesamtleistung beigetragen. Damit ist die Branche nach der Automobilindustrie und dem Maschinenbau der drittgrößte Wirtschaftszweig.

Daniela Beaujean: Nach dieser Analyse sind wir gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass wir etwas ändern müssen. k3d intendiert, zukünftig gegenüber der Politik auf Bundes-, Länder- und EU-Ebene kompetenter Dialogpartner und Impulsgeber für die Interessen der gesamten Branche zu sein, konkret zählen dazu die Bereiche Bücher und Mode, Journalismus, Musik, Games, TV, Radio und Film, Kulturveranstaltungen, Galerien, Architektur und Design. Unser Ziel ist es, die Relevanz der Kultur- und Kreativwirtschaft als Wirtschaftszweig und für die Gesellschaft in ihren vielfältigen Ausdrucksweisen stärker nach außen vermitteln. Dabei entwickeln und vertreten wir übergeordnete Positionen, Stellungnahmen und Forderungen zu kultur-, medien- und wirtschaftspolitischen Fragestellungen.

medienpolitik.net: Was sind die Kernforderungen von k3d?

Drücke: Ganz konkret sprechen wir uns angesichts der aktuellen Koalitionsverhandlungen für eine hochrangige Anlaufstelle in der neuen Bundesregierung aus und damit für eine Klärung der Zuständigkeiten für die Belange der Kultur- und Kreativwirtschaft, die auch unsere Potenziale z. B. als Treiber von Innovation und digitaler Transformation erkennt. Ein echter Verantwortungsbereich für die Kultur- und Kreativwirtschaft in der neuen Bundesregierung sollte die Kräfte bündeln und ein wirtschaftliches Klima schaffen, das die Kultur und Kreativwirtschaft unterstützt, gerade auch mit Blick auf eine Zeit nach der Corona-Krise Unsere Branche ist durch das Spannungsfeld zwischen Wirtschaft und Kultur komplexer bei der Zuordnung, das macht eine Klärung aber umso notwendiger, die dann hoffentlich auch dazu führt, dass der politische Blick verständiger wird und man sich nicht nur mit den guten Zahlen der Kreativwirtschaft schmückt, sondern ihr auch zuhört, wenn es beispielsweise um die Ausgestaltung von Rahmenbedingungen geht.

Beaujean: Dies erfordert auch eine entsprechende Stärkung des Rechtsrahmens für unsere Branche als marktwirtschaftliche Notwendigkeit. Das geistige Eigentum ist der Rohstoff Europas und Schlüssel zu einer wettbewerbsfähigen Kultur- und Kreativwirtschaft. Digitale Rechte und Lizenzen sind die Säulen des Handels und der Wertschöpfung von Teilbranchen der Kultur- und Kreativwirtschaft. Zudem benötigen wir insbesondere im Verhältnis zu internationalen Gatekeeper-Plattformen gleiche und faire Wettbewerbsverhältnisse, die auch neue, werbe- und datenbasierte Geschäftsmodelle ermöglichen. k3d setzt sich für bessere Rahmenbedingungen und mehr Rechtssicherheit ein. Beides steht maßgeblich für eine optimierte Investitionssicherheit bei den Partnern von k3d. Deshalb sollte jedes Gesetzesvorhaben künftig hinsichtlich seiner Auswirkungen auf die Kultur- und Kreativwirtschaft evidenzbasiert überprüft und bei Bedarf nachjustiert werden.

„k3d versteht sich als kompetentes Sprachrohr der Schlüsselbranche für gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel.“

Wie verhält sich k3d zu anderen Initiativen der Kultur- und Kreativwirtschaft, zum Beispiel dem Deutschen Kulturrat?

Drücke: Der Deutsche Kulturrat ist der Spitzenverband der Bundeskulturverbände. Er hat seinen Fokus im Bereich der Kulturpolitik. Wir sind kein Spitzenverband mit entsprechenden Strukturen, sondern bündeln unsere gemeinsamen Interessen als eine Koalition, als ein Bündnis von führenden privatwirtschaftlichen Interessenvertretungen. Unser Schwerpunkt liegt auf der wirtschaftlichen Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft.k3d versteht sich insofern als kompetentes Sprachrohr der Schlüsselbranche für gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel.

Beaujean: Allein die innerhalb von k3d vertretenen Branchen belegen die Vielfältigkeit der Kultur- und Kreativwirtschaft. In ihrer Heterogenität liegt ihre Stärke. Uns wurde durch die Corona-Krise selbst noch einmal ins Bewusstsein gerufen, wie wir miteinander zusammenhängen, welche Wertschöpfungsketten dahinterstehen, wo unsere Schnittmengen sind. Die Kultur- und Kreativwirtschaft ist zudem Voraussetzung für die existenzsichernde und erfolgreiche Arbeit von Kreativen und Kulturschaffenden. Die Initiative k3d ist getragen von dem Verständnis, sich auch mit anderen Marktteilnehmern auszutauschen und damit situationsabhängig die Sicht der Branchenakteure in ihrer Gesamtheit zu reflektieren. Wir streben aktuell jedoch nicht an, uns detailliert zu teilbranchen-spezifischen Themen zu äußern. Hier sprechen die Verbände nach wie vor vorrangig selbst für die Interessen ihrer Mitgliedsunternehmen. Zu Einzelthemen sind dabei wie bislang auch schon, etwa im letzten Jahr zum Urheberrecht, anlassbezogen sehr spezielle Allianzen möglich.

medienpolitik.net: Welche Funktion haben Sie beide in k3d?

Beaujean: Da wir keine Verbandsstruktur haben, gibt es auch keine klassischen Verbandsfunktionen. Wir haben für die Startphase zu zweit in Abstimmung mit allen Partnern die Aufgabe in den ersten sechs Monaten übernommen, k3d zu koordinieren und dabei auch in der Öffentlichkeit und den Medien zu positionieren. Danach übernehmen andere im Sinne eines Rotationsprinzips.

medienpolitik.net: Das ist ja nicht der erste Anlauf der Branche, ihre Interessen zu bündeln, ich denke an die Deutsche Content Allianz. In welchem Verhältnis stehen Sie zu ihr?

Drücke: Zum einen ist die Deutsche Content Allianz aktuell nicht mehr aktiv. Zum anderen ist k3d in der Branchenzusammensetzung wesentlich breiter angelegt. Wir wollen die Gesamtheit des Wirtschaftszweiges der Kultur- und Kreativwirtschaft widerspiegeln, deshalb ist in k3d ein breites Spektrum unseres Wirtschaftszweiges vereint Uns ist wichtig, dass die Einzelbranchen nicht immer durch das Schlüsselloch eines Spezialproblems betrachtet werden.

„Wir wollen die Gesamtheit des Wirtschaftszweiges der Kultur- und Kreativwirtschaft widerspiegeln.“

medienpolitik.net: Mit Blick auf die Deutsche Content Allianz fällt auf, dass bei k3d der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht vertreten ist. Halten Sie die Sendeanstalten nicht für kreativ?

Drücke: k3d hat sich vor dem Hintergrund der unmittelbaren Herausforderungen der Corona-Krise formiert. Die zugehörigen Branchen, die sich durch verschiedene Einnahmequellen am Markt refinanzieren müssen, haben hier teils erhebliche bis hin zu existenzgefährdenden Umsatzrückgängen erlitten. Dies hat sie in ihrer Interessenlage und der Definition gemeinsamer Nenner geeint. Alle unsere Koalitionäre vertreten unternehmerisch tätige Teilbranchen, die mit dem unternehmerischen Risiko leben müssen, das damit einhergeht. Das gilt in dieser Form für den beitragsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk so nicht. Unabhängig davon ist unsere Struktur aber, wie bereits gesagt, offen für den Austausch mit anderen Akteuren.

medienpolitik.net: Und verraten Sir mir abschließend noch, wofür das Kürzel k3d eigentlich steht? Sie haben ja deutlich mehr als nur drei Partner?

Daniela Beaujean: Die 3 „k“ stehen für Koalition, für Kultur- und Kreativwirtschaft und damit auch für kollegial/konsensual, kreativ, kommunikativ.

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