Verlagsbranche an der Spitze der Digitalisierungsoffensive in der Wirtschaft

von am 08.11.2021 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Journalismus, Medienwirtschaft, Medienwissenschaft, Verlage

Verlagsbranche an der Spitze der Digitalisierungsoffensive in der Wirtschaft

08.11.2021. Zeitschriftenverlage setzen auf Reader Revenue, Nachhaltigkeit und Prozess-Optimierung

Die Zeitschriftenverlage haben die gewaltigen Herausforderungen seit Beginn der Corona-Krise Anfang 2020 in weiten Teilen erfolgreich gemeistert und arbeiten derzeit intensiv daran, ihr Unternehmen, ihre Geschäftsfelder und ihre Arbeitsweisen zukunftsfest neu auszurichten. Dies zeigt die aktuelle „Verlagsstudie 2021: Aufbruch mit Reader Revenue – Innovationen, Strategien, Prioritäten“ des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in Zusammenarbeit mit KPMG und der Ludwig-Maximilians-Universität München, die auf der Befragung von 102 Verlagshäusern basiert. Die strategischen Handlungsfelder mit höchster Priorität sind danach die Optimierung von Prozessen und Arbeitsabläufen (82 Prozent), die Verbesserung der Innovationsfähigkeit (77 Prozent) und die Optimierung der hauseigenen IT-Infrastruktur (75 Prozent). Ein Jahr zuvor wurde die strategische Priorität dieser Felder in den Verlagen mit 70, 66 bzw. 53 Prozent noch deutlich niedriger eingeschätzt. „Die krisenerprobte Verlagsbranche befindet sich mitten in der Transformation der Geschäftsfelder und liegt an der Spitze der Digitalisierungsoffensive in der Wirtschaft“, so Lutz Drüge, Geschäftsführer Print und Digitale Medien im VDZ.

Executive Summary

Digitaler durch die Coronapandemie

Der Digitalisierungsprozess hat sich in der Verlagsbranche durch die Coronapandemie weiter beschleunigt. Die Mehrheit der befragten Verlage hat die Krise für Digitalisierungsprojekte genutzt und das Onlinegeschäft ausgebaut. Die negativen Auswirkungen der Coronapandemie auf das Verlagsgeschäft konnten abgefedert werden. Die verschiedenen Krisenmaßnahmen haben sich bewährt.

Alles bleibt anders

Die Verlage erleben eine Rückkehr zur Normalität. Gleichzeitig werden sich bestimmte Dinge jedoch nachhaltig verändern: Die Digitalisierung beschleunigt sich, die Technologiedurchdringung in der Branche steigt, das Anzeigengeschäft bleibt volatil, Geschäftsreisen werden reduziert und viele Verlage werden die Flexibilität ihrer Strukturen, Prozesse und Arbeitszeiten erhöhen. Verlage profitieren von gestiegener Nachfrage. Die Mehrheit der befragten Verlage berichtet, dass die Nachfrage nach Verlagsinhalten in der Coronazeit gestiegen ist. Sorgfältig recherchierter Content ist in Krisenzeiten wichtig und wird honoriert.

Steigerung des Reader Revenue als strategisches Ziel

Für über 70 Prozent der befragten Verlage ist die Steigerung des Reader Revenue ein strategisches Ziel. Dafür setzen Verlage verschiedene Maßnahmen ein. Im Vordergrund stehen die Erweiterung des Content­Angebots, die Verbesserung der Kundenerfahrung („User Experience“) und ein besseres Kundenverständnis. Benutzerfreundlichkeit und „guter Content“ erhöhen die Zahlungsbereitschaft. Wachsender Reader Revenue ist abhängig von der Zahlungsbereitschaft der Leserinnen und Leser. Dabei sind vor allem zwei Faktoren wichtig: Neben der Benutzerfreundlichkeit (insbesondere einfache Bestell­ und Bezahlprozesse) hat auch die Art, Ausrichtung und Substanz der Verlags­angebote einen großen Einfluss auf die Zahlungsbereitschaft der Kundinnen und Kunden.

Keine strategischen Umbrüche

Insgesamt werden die strategischen Prioritäten des letzten Jahres bestätigt. Wie im Vorjahr hat für die meisten Verlage die Optimierung von Prozessen und Arbeitsabläufen hohe oder höchste Priorität. Es folgen die Verbesserung der Innovationsfähigkeit und die Optimierung der IT-Infrastruktur. Weitere wichtige Handlungsfelder sind Personalthemen sowie der Auf- und Ausbau von Paid Content.

Megatrends: Demografischer Wandel, Nachhaltigkeit und New Work

Die Coronapandemie ist weiterhin ein beherrschendes Thema. Ebenfalls bedeutsam sind Megatrends, die mittel­ bis langfristig einen großen Einfluss auf Wirtschaft und Gesellschaft haben. Aus Sicht der Verlage sind der demografische Wandel, Nachhaltigkeit und „New Work“ (also die Veränderung von Arbeitseinstellungen und Arbeitsbedingungen) besonders wichtige Trends, die die Branche beeinflussen. Cyber Security hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich an Bedeutung gewonnen.

Fazit und Handlungsfelder

Auf Megatrends frühzeitig reagieren

Megatrends haben langfristig große Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft. Auch die Verlagsbranche wird davon beeinflusst. Diese Trends sollten kontinuierlich beobachtet und in ihren Folgen für das eigene Geschäft analysiert werden. Das Risiko besteht darin, Trends zu unterschätzen und die nötigen Anpassungsschritte zu spät einzuleiten. So sollten Verlage sowohl über Nachhaltigkeit berichten als auch eigene Nachhaltigkeitsaktivitäten verstärken. Produkte und Vertriebsmaßnahmen sollten den demografischen Wandel berücksichtigen, die Arbeitsbedingungen sollten flexibilisiert und Sicherheitsrisiken adressiert werden.

Kosten­ und Effizienzvorteile durch optimierte Prozesse

Die Optimierung von Strukturen und Arbeitsabläufen hat bei den meisten Verlagen weiterhin sehr hohe Priorität. Die Coronakrise hat Anlass gegeben, die hauseigene IT-Infrastruktur zu überarbeiten. Derartige Optimierungsprozesse sollten konsequent umgesetzt werden. Von den Vorteilen modernisierter IT­Systeme sowie schlanker und flexibler Prozesse profitieren die Verlage nachhaltig. Auch die (Teil­)Automatisierung von standardisierten Arbeitsabläufen kann hier wichtige Effizienzvorteile bringen.

Wachstum durch den Ausbau des Onlinegeschäfts und Diversifikation

Während der Coronapandemie haben viele Verlage ihr Onlinegeschäft weiter ausgebaut (nicht nur mit digitalen Inhalten, sondern auch mit Webinaren und E­Commerce). Diesen Weg gilt es fortzusetzen. Ergänzend sollte die Diversifikation weiter vorangetrieben werden – sei es die Diversifikation der Content­Angebote (z. B. Produktion von Bewegtbildern) oder die Diversifikation der Geschäftsfelder (z. B. Ausbau des Eventgeschäfts oder der Bildungsangebote).

Kundenverständnis erweitern

Die Steigerung von Reader Revenue sorgt ebenfalls für Wachstum und es ist ein geeignetes Mittel, um sich unabhängiger von volatilen Werbeeinnahmen oder Content-Distributoren aufzustellen. Ein zentraler Erfolgsfaktor für die Steigerung direkter Kundenerlöse ist ein besseres und erweitertes Kundenverständnis. Die Sammlung und Auswertung von Kundendaten hilft bei der passgenauen Ausrichtung der Verlagsangebote an die Kundschaft. Je passgenauer das Angebot, desto größer die Zahlungsbereitschaft.

Customer Experience verbessern

Ein weiterer wichtiger Faktor zur Steigerung des Reader Revenue ist das Kundenerlebnis – also die Erfahrungen, die die Kundinnen und Kunden bei der Interaktion mit den Unternehmen an verschiedenen Kontaktpunkten machen. Dazu gehört beispielsweise der Kundenservice, aber auch ein einfacher Bestell­ und Bezahlprozess. Je angenehmer und besser die Customer Experience, desto stärker die Kundenbindung und desto größer die Zahlungsbereitschaft.

Keine Scheu vor Personalisierung

Viele Verlage stehen einer Personalisierung von Inhalten skeptisch gegenüber. Dennoch handelt es sich dabei um ein geeignetes Mittel, um das Verlagsangebot attraktiver zu machen, sich im Wettbewerb zu differenzieren und insbesondere jüngere Generationen anzusprechen, die personalisierte Angebote und Empfehlungen von Social-Media-Diensten oder Streaming-Plattformen gewohnt sind. Zudem könnte auf diese Weise das Werbegeschäft gestärkt werden, da Werbung personalisiert ausgespielt werden kann.

https://www.vdz.de/nachricht/artikel/strategische-wachstumsziele-zeitschriftenverlage-setzen-auf-reader-revenue-nachhaltigkeit-und-proz/

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