Förderung zahlt sich aus

von am 01.04.2022 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Medienwirtschaft, Medienwissenschaft, Studie

Förderung zahlt sich aus

Nordrhein-Westfalen baut seine Position als führender TV-Standort in Deutschland weiter aus

01.04.2022. Nordrhein-Westfalen liegt beim Produktionsvolumen im TV-Bereich weiterhin an der Spitze: 2020 entstanden nahezu die Hälfte (46 Prozent) der 720.000 deutschlandweit produzierten Programmminuten in Nordrhein-Westfalen. Das ist ein Ergebnis der Studie „Film- und Fernsehproduktion in Nordrhein-Westfalen im Vergleich zu anderen Bundesländern 2019 und 2020“. Die aktuelle Studie folgt auf die seit 1998 bisher vom Formatt-Institut in Dortmund durchgeführte Untersuchung. Wie in den Studien zuvor wurde auch diesmal – durch Prof. Dr. Klaus Goldhammer und Prof. Dr. Oliver Castendyk – das Volumen deutscher Produktionsunternehmen in Minuten erfasst. Enthalten sind neben TV-Produktionen, die den größten Anteil ausmachen, auch Kinofilme sowie Inhalte für Streaming-Plattformen. 2020 wurden insgesamt rund 720.000 Programmminuten produziert, ein Rückgang gegenüber 2019 (746.000 Minuten) und 2018 (771.000). Nordrhein-Westfalen konnte als einziges Bundesland in den Jahren 2019 / 2020 sein Produktionsvolumen trotz der Corona-Pandemie steigern – von 317.255 Minuten in 2019 auf 327.615 Minuten in 2020.

Der Grund für diese Steigerung ist vor allem der sehr starke Entertainment-Bereich mit beliebten TV-Shows, Comedy-Formaten und Soaps, der Nordrhein-Westfalen seit Jahren auszeichnet. Diese Formate waren gerade zu Beginn der Pandemie 2020 stark nachgefragt. Von allen erfassten Entertainment-Produktionen in Deutschland entstanden 2020 fast zwei Drittel (61 Prozent) in Nordrhein-Westfalen. Erstmals wurden im Rahmen der Studie auch die von deutschen Unternehmen für Streaming-Dienste produzierten Inhalte systematisch ermittelt. 2020 wurden insgesamt 58 Produktionen mit 10.669 Minuten erfasst, 2019 insgesamt 31 Produktionen mit 7.702 Minuten. In Nordrhein-Westfalen wurden 2020 anteilig am Volumen mit 3.680 Minuten die meisten Video-on-Demand-Inhalte produziert, gefolgt von Bayern und Berlin. Damit entstand mehr als ein Drittel des gesamten deutschen VOD-Volumens in Nordrhein-Westfalen.

NRW-Medienstaatssekretär Nathanael Liminski: „Allen Widrigkeiten der Pandemie zum Trotz steht Nordrhein-Westfalen als Fernsehstandort Nummer eins sehr gut da. Unser Land konnte das Produktionsvolumen, vor allem im TV-Entertainmentbereich, sogar deutlich ausbauen. Doch nicht nur in diesem Segment spielt Nordrhein-Westfalen in der ersten Liga: Auch im Bereich Streaming wurden bei uns die meisten Inhalte produziert. Seit 2017 hat die Landesregierung die Fördermittel für die Film- und Medienbranche auf mehr als 17 Millionen Euro erhöht und damit fast verdoppelt. Die Ergebnisse der Studie bekräftigen, dass sich das auszahlt.“

Zusammenfassung der Studie

Die Studie erfasst den Output deutscher Produktionsunternehmen 2019 und 2020. Sie setzt damit die Langzeituntersuchung des FORMATT-Instituts fort. Die Erhebung erfasst das komplette, in diesen Jahren im TV und auf VOD erstmals ausgestrahlte Produktionsvolumen bzw. in diesen Jahren gedrehte Kinofilme in Minuten Mit dem Ziel der Kontinuität wird der methodische Ansatz fortgeführt. Output wird in Minuten, nicht in Euro gemessen, da eine Vollerhebung von Umsätzen mangels verfügbarer Daten nicht möglich ist. Der Ansatz führt dazu, dass serielle Daytime-Programme ein viel stärkeres Gewicht erhalten als teure Prime-Time-Programme, die weniger Minuten aber mehr Umsatz generieren.

Produktionsunternehmen und Produktionsvolumen

Die Zahl der 2019 und 2020 aktiven Produktionsunternehmen ist gegenüber den Vorjahren um etwa 20 Prozent auf 736 Unternehmen gesunken. Gleichzeitig ist das produzierte Volumen pro Produktionsfirma gestiegen. Insgesamt wurde 2020 in Deutschland ein Volumen von rund 720.000 Programmminuten produziert. Mit rund 691.000 Minuten machen die TV-Auftragsproduktionen (96 Prozent) den größten Teil aus. Dieser Output ist für TV und Kino seit 2018 – auch Corona-bedingt – zurückgegangen, das Volumen der Produktionen für VOD- Anbieter deutlich gewachsen.

Auftragsproduktionen

Der Rückgang der TV-Auftragsproduktionen von 2018 auf 2020 um ca. 10 Prozent betrifft nicht alle Genres: So ist das Genre Entertainment von 2015 bis 2020 um ca. 22 Prozent gewachsen. Die Gründe dafür sind vielfältig und sowohl marktbedingt als auch methodisch. Die Verteilung des TV-Auftragsvolumens zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern ist fast gleichgeblieben: 58 Prozent private Sender, 42 Prozent Landesrundfunkanstalten, Degeto und ZDF. Betrachtet man einzelne Sender ist z. B. der Output für VOX und ProSieben gesunken, für RTL und ZDF gestiegen.

Regionale Verteilung

Nordrhein-Westfalen als Kernland des TV- Entertainments (Doku-Soaps, Reality, Show, Comedy etc.) profitiert davon. Im Gegensatz zu Bayern und Berlin konnte es seinen Anteil am Volumen der TV-Auftragsproduktionen etwas steigern.

„Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre schaffte es nur etwa die Hälfte der Kino-Dokumentationen auf die große Leinwand, aber nahezu alle fiktionalen Kinoproduktionen.“

Kinoproduktionen

2020 wurden 32 Prozent weniger Kinoproduktionen gedreht als 2019. Grund dafür ist die COVID- 19-Pandemie, die den Kinobereich insgesamt hart getroffen hat. Die Zahl der im Jahr 2020 noch aktiven Kinofilmproduktionsunternehmen sank in manchen Ländern auf fast die Hälfte. Berlin und Bayern waren stärker betroffen als Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Ein Vergleich von hergestellten und veröffentlichten Kinofilmen in Deutschland zeigt, dass im Durchschnitt der letzten fünf Jahre nur etwa die Hälfte der Kino-Dokumentationen ihren Weg auf die große Leinwand schafften, nahezu alle fiktionalen Kinoproduktionen.

Vod-Produktionen

Das Volumen der deutschen Produktionen für Netflix, Amazon Prime, Sky, RTL+, Joyn oder speziell hergestellt für die Mediatheken von ARD und ZDF steigt. Insgesamt ist die Minutenzahl mit rund 10.000 Minuten jedoch noch deutlich geringer als die 711.000 Minuten für das deutsche Free-TV-Angebot. Für SVOD-Anbieter (z. B. Netflix) oder AVOD-Anbieter (z. B. RTL+) hergestellte Produktionen gehören überwiegend dem Genre Fiktion an. Erst seit 2020 werden mehr Entertainment- Formate wie Comedy oder Doku-Soaps beauftragt. Davon profitiert Nordrhein- Westfalen, wo 2020 die meisten VOD-Inhalte produziert wurden.

Die Unternehmen mit dem größten Minuten-Output

Die TOP 7 der Produktionsgruppen hinsichtlich des Outputs in Minuten sind solche, die – zumindest auch – große Volumina an Daytime-Pro grammen herstellen: All3Media, Banijay, UFA, ITV Studios, Warner Bros., Constantin und Janus TV. Ein beispielhafter Vergleich für das Jahr 2017 zeigt, dass ein hohes Minutenvolumen nicht gleichbedeutend ist mit einem hohen Umsatzvolumen. So lag z. B. die All3Media-Gruppe in jenem Jahr volumenbezogen auf Platz eins, umsatzbezogen jedoch auf Platz sechs.

Marktkonzentration

Konsolidierung im globalen Produktionsmarkt, Erweiterung (z. B. Bavaria) oder Bildung neuer Produktionsgruppen (Leonine) vermitteln den Eindruck wachsender Marktkonzentration. Dennoch steigt die Konzentration nach den Studiendaten nur langsam (ca. ein Prozent pro Jahr). 62 Prozent des Produktionsvolumens in Minuten wird von Unternehmen hergestellt, die Produktionsgruppen angehören (horizontale Konzentration), die Hälfte von solchen, die mit TV-Sendern verflochten sind. Rund ein Fünftel der Produktionen werden von TV-Sendern an mit ihnen verflochtene Firmen gegeben (vertikale Konzentration).

Die Beauftragung von Tochterunternehmen und von verflochtenen Unternehmen ist bei der RTL-Gruppe am höchsten und bei ProSiebenSat.1 am geringsten sowie bei der ARD höher als beim ZDF, wobei der Anteil beim ZDF gestiegen ist. Verwandte Produktionsfirmen werden deutlich mehr mit (potenziell lukrativeren) seriellen Fiktion-Formaten beauftragt als nicht verflochtene.

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