Das Kino ist wieder da

von am 19.05.2022 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Filmwirtschaft, Kreativwirtschaft, Medienförderung, Medienordnung, Medienwirtschaft

Das Kino ist wieder da
Christine Berg, Vorstand HDF KINO, auf dem Kongress Kino 22

Kinobranche fordert auf Kongress in Baden-Baden weitere finanzielle Unterstützung durch die Politik

19.05.2022. Nach drei Tagen geht heute der Kinokongress in Baden-Baden zu Ende. Die Branche widmete sich in zahlreichen Panels, Workshops und Präsentationen den Zukunftsthemen der Kinos. Die Themen reichen von ordnungspolitischen Fragen wie die künftige Regelung der Kinoauswertung, über Anforderungen an das Produkt deutscher Kinofilm und wie sein Marktanteil gesteigert werden kann, bis hin zur Entwicklung neuer operativer Standards, z.B. im Bereich Nachhaltigkeit. Mit insgesamt 900 akkreditierten Messebesuchern, über 40 Speakern, elf Filmverleihern, die ihr Jahresprogramm präsentieren, sowie über 75 Ausstellern ist die KINO 22 in ihrer 50-jährigen Geschichte eine der bisher größten Veranstaltungen und bewegt sich wieder auf dem Niveau von 2019. Christine Berg, Vorstand HDF KINO, betonte in ihrer Eröffnungsrede sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen, vor der die Branche nach zwei Jahren Pandemie stünde. Aber auch die Politik müsse ihre finanzielle Unterstützung fortsetzen.

Christine Berg, Vorstand HDF KINO, betonte auf dem Kongress, dass für die Kinobranche die Herausforderungen nach zwei Jahren Pandemie enorm seien.  Aber die Krise habe die Branche zusammengeschweißt. „Gemeinsam stellen wir uns der Verantwortung, den Begegnungs- und Kulturort Kino weiterzuentwickeln und zukunftsfähig zu gestalten. Denn wir sind davon überzeugt: Gerade in Zeiten der gesellschaftlichen Transformation und des strukturellen Wandels benötigen wir mehr denn je Gemeinschaftserlebnisse wie im Kino – überall und für jeden zugänglich. Eine herausragende Bedeutung messe ich in diesem Zusammenhang dem deutschen Film zu. Der Aufwind für die Kinos wird unter anderem auch davon abhängen, dass wir sein Potenzial künftig noch besser heben“, sagte Berg.

Nach zwei herausfordernden und anstrengenden Jahren für die gesamte Branche sei dieses Zusammentreffen in Baden-Baden ein Startschuss, „um uns jetzt nicht mehr jeden Tag mit Hygieneauflagen, Flickenteppichen oder Hotspotregelungen zu beschäftigen, sondern mit dem, was die Branche ausmache und nach vorne bringe: Ein starkes Kino.“

Tolle Filme, technische Innovationen und spannende Konzepte sollen die Besucher mit viel Herzblut jeden Tag aufs Neue begeistern und von vom Geschäftsmodell Kino überzeugen. „Wir sind wieder da und packen die Herausforderungen gemeinsam an.“

„Das Zukunftsprogramm Kino muss nicht nur aufgestockt, sondern ausgeweitet werden.“

Auch wenn man jetzt vor allem nach vorne schaue, müsse man sich natürlich weiterhin mit den wirtschaftlichen Folgen der letzten zwei Jahre auseinandersetzen. Es sei kein Geheimnis, dass der Neustart ohne weitere Unterstützung seitens der Politik nicht zu stemmen sei. Der Kostendruck und der Investitionsstau seien hoch. Der Vorstand des HDF KINO fordert deshalb „eine verlässliche Kinoförderung“, die alle Kinos unterstütze. Das Zukunftsprogramm Kino müsse nicht nur aufgestockt, sondern ausgeweitet werden. Zudem benötige das Kino den besonderen Film. Wichtig sei, dass die großen Produktionen – auch die der Streamingdienste – den Weg auf die Leinwand fänden und nicht direkt im Wohnzimmer landeten. Wenn sie auf der großen Leinwand seien, müssten sie dort auch ausreichend lange exklusiv zu sehen sein.

Auf der kürzlich stattgefundenen CinemaCon in Las Vegas war zu hören, welche Leuchtturmfunktion der Abspielort Kino auch in Zukunft haben werde. Sehr klar habe Martin Moszkowicz, Vorsitzender des Vorstandes der Constantin Film AG, dabei auf die Wichtigkeit des deutschen Kinofilms für die deutschen Filmtheater hingewiesen. Um den wirtschaftlichen Erfolg der deutschen Kinos langfristig zu sichern, müsse es einen größeren Markanteil an erfolgreichen deutschen Produktionen geben. Dies sei auch eine der wichtigsten Forderungen in der aktuellen Stellungnahme des HDF zur Novellierung des FFG, so Berg. „Die Zeit des Experimentierens scheint dem Ende entgegenzugehen. Das Kino ist immer noch der Goldstandard.“ Die größte Herausforderung für die Kinos bestünde jedoch darin, das Publikum zurückzugewinnen.

Die Kinobetreiber müssten sich anstrengen, um jede einzelne Besucherin und jeden einzelnen Besucher zurück in die Häuser zu holen. Dabei solle eine deutschlandweite Kinokampnage helfen, die in Kürze starten werde. Entscheidend für den Erfolg der Kampagne sei, die bundesweite Steuerung mit den Aktivitäten der einzelnen Häuser zu vernetzen, um dadurch die Sichtbarkeit und die Wirkung der Kampagne um ein Vielfaches zu steigern, sagte Christine Berg abschließend.

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