„Für Medienpolitik muss man einen langen Atem haben“

von am 25.05.2022 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Gesellschaftspolitik, Kreativwirtschaft, Medienpolitik, Medienwirtschaft

„Für Medienpolitik muss man einen langen Atem haben“

Medienpolitische Portraits: Dirk Schrödter und Claus Grewenig

25.05.22 Medienpolitik.net setzt seine Reihe medienpolitischer Portraits mit Beiträgen über Dirk Schrödter, Chef der Staatskanzlei in Schleswig-Holstein und Claus Grewenig, Chief Corporate Affairs Officer RTL Deutschland und Vorstandsvorsitzender des privaten Medienverbands Vaunet, fort. Alle 16 Porträts sind im Frühjahr 2022 entstanden. Grundlage hierfür waren Interviews mit Persönlichkeiten aus Politik, Medienaufsicht, Unternehmen und Wissenschaft. Die Autoren sind Studierende des Master-Studiengangs Journalistik der TU Dortmund. Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hätte sich Dirk Schrödter (CDU) nicht vorstellen können, im Bereich der Medienpolitik zu arbeiten. Doch als der 43-Jährige Chef der Staatskanzlei von Schleswig-Holstein wurde, fiel das Thema plötzlich in seinen Aufgabenbereich. Inzwischen macht es ihm „richtig Spaß“. Claus Grewenigs zwei große Leidenschaften beginnen mit M: Musik und Medien. Er ist Chief Corporate Affairs Officer RTL Deutschland und sagt: Jetzt sei die spannendste Zeit für die Medien seit der Einführung des privaten Rundfunks Mitte der 80er Jahre. Ein Portrait über Claus Grewenig von Jonas Nitsch.

Medienpolitik aus Zufall

Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hätte sich Dirk Schrödter (CDU) nicht vorstellen können, im Bereich der Medienpolitik zu arbeiten. Doch als der 43-Jährige Chef der Staatskanzlei von Schleswig-Holstein wurde, fiel das Thema plötzlich in seinen Aufgabenbereich. Inzwischen macht es ihm „richtig Spaß“.

Dirk Schrödter überlegt am Ende eines langen Arbeitstages ein wenig. Dann kommt ihm dieser Besuch in der Kindertagesstätte in den Sinn, die das Land Schleswig-Holstein ausgezeichnet hatte. Die Kinder dort hatten sich mit Trickfilmen beschäftigt. Anhand des Märchens Rotkäppchen sollten sie lernen, dass unterschiedliche Kameraperspektiven eine unterschiedliche Wirkung auf die Zuschauer erzielen können. Dass dies auf den ersten Blick vielleicht nicht revolutionär aussehen mag, ist auch dem Chef der Staatskanzlei des nördlichsten Bundeslandes bewusst. Aber zeige es ihm eben, wie aus einfachen Mitteln doch eine gewisse Wirkung erzielt werden kann, um die Medienkompetenz von kleinen Kindern zu verbessern.

Medienkompetenz ist ein Thema, das Schrödter antreibt. Denn die Zeiten haben sich so rasant verändert. „Menschen zu mündigen Medienbürgern machen, die sich bewusst sind, dass Nachrichten und Informationen hinterfragt werden müssen und dass sie immer einen kritischen Blick darauf haben müssen. Daran mitzuwirken, erfüllt mich ein Stück weit mit Stolz, weil es für unser gesellschaftliches Zusammenleben wichtig ist“, erklärt der 43-Jährige.

Dieses Thema betreffe schließlich alle Altersgruppen und alle Milieus. Man müsse sich im Klaren darüber sein, dass längst nicht alles, was im Netz steht, der Wahrheit entspricht. Auch, dass Algorithmen auf Plattformen, die Inhalte zur Verfügung stellen – die sozialen Netzwerke – diese vorsortieren. Schrödter ist es wichtig, seine Mitbürgerinnen und Mitbürger darauf aufmerksam zu machen.

Schrödter ist studierter Volkswirt

Seit Sommer 2017 ist Schrödter verantwortlich für die Medienpolitik des Landes Schleswig-Holstein. Hierzu wurde er etwas getrieben. „Am Anfang meiner Laufbahn hatte ich mir nicht vorstellen können, im Bereich Medienpolitik zu arbeiten“, gesteht Schrödter. Der CDU-Politiker studierte Volkswirtschaftslehre und wechselte dann in die Ministerialverwaltung. Für das Land Schleswig-Holstein beschäftigte er sich mit dem Landeshaushalt. 2017 erfolgte dann der Wechsel in die Staatskanzlei zu Ministerpräsident Daniel Günther. Als deren Chef ist er für medienpolitische Fragen zuständig. „Man erbt das Thema von seinen Vorgängern, weil Medienpolitik traditionell in den Staatskanzleien angedockt ist, und das ist auch völlig in Ordnung“, sagt Schrödter.  „Inzwischen habe ich es nicht nur schätzen, sondern auch lieben gelernt. Medienpolitik macht richtig Spaß.“

Was ist es aber, was Handball-Fan Dirk Schrödter – mit dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt spielen ja zwei Spitzenklubs direkt vor seiner Haustür hat – daran so fasziniert? Zum einen die persönliche Erfahrung. Nach eigener Aussage habe er schon immer gerne informierende Inhalte konsumiert, auch über die Nachrichten hinaus: „Denn ich will ja wissen, was in der Welt passiert. Nicht nur in der großen weiten Welt, sondern auch lokal vor der Haustür.“ Es ist aber auch der Wandel in dieser Zeit. Als Konsument merke er bei sich selbst und seinem Umfeld, wie sehr sich das Mediennutzungsverhalten in den vergangenen Jahren verändert hat, wie neue Ausspielwege hinzugekommen sind. Dazu komme diese besondere Rolle für die Gesellschaft. „Medien und insbesondere das duale Rundfunksystem sind wichtige Bestandteile unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung und leisten einen wertvollen Beitrag zum Funktionieren unserer Demokratie“, findet Schrödter. „Daran mitzuwirken und sicherzustellen, dass Meinungsvielfalt herrscht und freie Meinungsbildung möglich ist, ist das, was mich motiviert und reizt, Medienpolitik zu gestalten.“

Akzeptanz für öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist gestiegen

Um das sicherzustellen, sei der öffentlich-rechtliche Rundfunk nötig. Dieser habe sich, sagt Schrödter, während der Pandemie mit seinen Beratungs- und Informationsangeboten noch einmal stärker ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Seine Akzeptanz habe sich mit Blick auf die Gefahr von Fake News und Filterblasen während der Pandemie vergrößert. „Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der ein Gegengewicht zu Desinformation und Fake News bildet, ist so relevant für das Funktionieren unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Ich glaube, dass die Menschen dies gerade während der Pandemie gemerkt haben und daher der Beitrag für dieses Angebot auch akzeptiert wird.“

Aber müsste die Politik sich für dieses Angebot nicht noch viel stärker präsentieren? Aufklären, warum ein starker öffentlich-rechtlicher Rundfunk so wichtig für das Funktionieren einer Gesellschaft ist? Schrödter sieht das skeptisch. „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss seinen Markenkern immer selbst nach vorne stellen“, sagt er. „Wir haben nicht umsonst eine Staatsferne – und die ist auch gut so. Der Staat hat bei der Programmgestaltung nichts verloren.“

Die Digitalisierung als Chance für den regionalen Zeitungsmarkt

Schrödter hat sich mit diesem Thema in den vergangenen Monaten ausführlich beschäftigt. Bei der Novellierung des Medienstaatsvertrages war er von Anfang an beteiligt. Seine Anforderungen an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind klar: „Er muss die Menschen da abholen, wo sie sind.“ Und er führt weiter aus: „Entscheidend sind aus meiner Sicht nicht die Transportwege, sondern die Inhalte, die transportiert werden. Die sogenannte Flexibilisierung ist für mich Dreh- und Angelpunkt bei der Überarbeitung des Staatsvertrages. Wir müssen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk die Möglichkeiten geben, sich neue Wege zu erschließen, insbesondere jüngere Menschen zu erreichen. Der Weg führt weg von der Linearität hin zur Non-Linearität, die dem Nutzer und der Nutzerin Zeitsouveränität ermöglicht. Die Inhalte haben wir in einem Programmauftrag umschrieben: ein Programmangebot für alle, das Teilhabe an der Informationsgesellschaft sichert. Ich sehe die Schwerpunkte bei Information, Bildung, Kultur und Beratung.“

Natürlich spielt dabei auch die Kostenfrage eine Rolle, die in einem zweiten Schritt angegangen werden soll, wenn der Programmauftrag steht. Spätestens bis Ende des Jahres soll das der Fall sein. „Wir haben schon die Vorgabe, dass durch diese Flexibilisierung keine zusätzlichen Kosten beispielsweise durch zusätzliche Online-Angebote entstehen“, sagt Schrödter.

„Menschen schätzen lokale Nachrichten sehr wert“

Der Wandel aber bezieht sich nicht nur auf die gebührenfinanzierten Medien. Auch in Schleswig-Holstein ist das Zeitungssterben zu beobachten. Es gibt Regionen, wo nur noch eine Tageszeitung am Markt ist. Schrödter verfolgt das mit Sorge. Durch das Internet gebe es aber auch neue Möglichkeiten. Im lokalen Bereich müsse man Lösungen finden für neue Formate. „Es kann nicht darum gehen, als Staat in der Presselandschaft als Akteur mitzuwirken, das wäre gar nicht adäquat“, sagt Schrödter. „Es kann allenfalls um Unterstützungsleistungen für das Erreichen der Digitalität gehen.“ Er sei aber der festen Überzeugung, dass viele Menschen lokale Nachrichten sehr wertschätzten. „Hier geht es um ein Umdenken bei den Verlagen, die ihre Lokalität als Alleinstellungsmerkmal und Wettbewerbsfaktor entdecken müssen und weniger auf Standardisierung setzen. Es müsste investiert werden, um dieses Alleinstellungsmerkmal nach vorne zu stellen.“

Zum Autor: Christian Woop hat Journalistik mit dem Nebenfach Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund studiert. Sein Volontariat absolvierte er bei der Neuen Rhein/Ruhr Zeitung. Inzwischen arbeitet er als Redakteur in der Sportredaktion der Funke Mediengruppe. Zugleich studiert der den MA-Studiengang Journalistik an der TU Dortmund.


„Für Medienpolitik muss man einen langen Atem haben“

Claus Grewenigs zwei große Leidenschaften beginnen mit M: Musik und Medien. Er ist Chief Corporate Affairs Officer RTL Deutschland und sagt: Jetzt sei die spannendste Zeit für die Medien seit der Einführung des privaten Rundfunks Mitte der 80er Jahre. Ein Portrait über Claus Grewenig von Jonas Nitsch.

„Frische Luft zu Beginn des Tages. Einfach ein bisschen Freiraum, um sich zu sortieren und zu schauen, was steht an dem Tag so an.“ Das ist für Claus Grewenig ein tägliches Ritual geworden. Denn er braucht Organisationstalent in einem Berufsalltag, in dem es kaum Routinen gibt. Eine Vielzahl komplexer medienpolitischer Themen stehen gleichzeitig auf der Agenda. Dazu kommen Gespräche mit immer wieder wechselnden Entscheidungsträger:innen aus der Politik und Medienbranche, mal in Berlin, mal in Brüssel.

Claus Grewenig ist seit 2017 Chief Corporate Affairs Officer RTL Deutschland. Zuvor war er in leitenden Positionen für den Branchenverband der privaten audiovisuellen Medien VAUNET tätig, auch als Justiziar. Denn ursprünglich hat Grewenig Jura studiert. Dass er mit dieser Qualifikation – Juristen sind bekanntermaßen erstmal Spezialisten für das Allgemeine – am Ende in der Medienbranche gelandet ist, „war einfach eine glückliche Fügung, meine persönliche Neigung zu Medien mit einer beruflichen Perspektive verbinden zu können. Ich habe schon immer Medien jeglicher Art genutzt und eine große Begeisterung dafür gehabt. Aber über das private Nutzen hinaus hatte ich auch ein großes Interesse dafür, wie die Medienmärkte funktionieren und welche Rolle Medien in der Gesellschaft einnehmen“, sagt Grewenig. Wann immer das Studium dafür Luft ließ, nutzte Grewenig deshalb die Zeit für Praktika in den Medien. Er habe möglichst früh einen Praxiseinblick bekommen wollen. Das empfiehlt er auch angehenden Juristen, die den Wunsch haben, später in einem bestimmten Themenbereich zu  arbeiten. Auch in seinem juristischen Referendariat absolvierte er Stationen bei einem Tonträgerunternehmen, dem ZDF und einer Landesmedienanstalt.

Langjährige Laufbahn bei privaten Medien

Nach dem Studium begann Claus Grewenig seine jetzt schon langjährige Laufbahn bei den privaten Medien. 2001 startete er seine Tätigkeiten im Bereich Multimedia und Recht beim Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT heute VAUNET). Mit kurzer Unterbrechung ließ ihn seine Arbeit für den Verband nie los. Seit Februar 2022 ist er, neben seiner Hauptbeschäftigung bei RTL Deutschland, Vorstandsvorsitzender des Verbands. „Das war nicht von Anfang an klar, dass ich nur bei den privaten Medien arbeiten möchte“, sagt er. Mit der Zeit habe sich aber eine starke Identifikation damit entwickelt: „Was ich immer am privaten Rundfunk in seiner Breite sehr geschätzt habe, ist die Vielfalt sowohl im privaten Fernsehen als auch im privaten Radio.“

Dabei widerspricht Grewenig einer Rollenaufteilung, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk für Information stehe, die privaten Medien hingegen für Unterhaltung stünden. Ein Beispiel für Nachrichtenqualität beim privaten Rundfunk sei der seit Jahren erfolgreiche private Sender n-tv. In unserem dualen Rundfunksystem müssten beide Seiten nebeneinander bestehen können. Dabei gehe es nicht um ein Gegeneinander, auch wenn es Unterschiede gebe. So sei „der Vorteil im privaten Rundfunk sicherlich eine besondere Agilität, Schnelligkeit, sehr anpackendes unternehmerisches Denken, viel Kreativität und Risikobereitschaft“, sagt Grewenig.

Bei unserem Gespräch sitzt Claus Grewenig in seinem Büro. Im Videocall ist außerdem ein Mitarbeiter der Unternehmenskommunikation von RTL anwesend. Auch wenn Videocalls durch die Corona-Pandemie immer häufiger zum Einsatz kamen, ist es normalerweise nicht selbstverständlich, Grewenig in seinem Büro anzutreffen. Denn der Großteil seiner Arbeit findet nicht im RTL-Haus in Köln statt: „Es gibt viele medienpolitisch relevante Veranstaltungen und Anhörungen. Man ist in ganz Deutschland in den Bundesländern unterwegs, man ist in Brüssel unterwegs und man ist viel in Berlin. Einen klassischen Alltag gibt es deshalb nicht. Das ist aber auch das Schöne. Sonst hätte ich es auch kaum 20 Jahre ausgehalten.“ Bei der Frage, wo es denn am schönsten sei, ob in seiner Heimat aus der Kindheit, Rheinland-Pfalz und Ostfriesland, seiner aktuellen Heimat Köln oder einem der vielen anderen Orte seiner Dienstreisen, möchte sich Claus Grewenig nicht festlegen. Aber an Berlin mag er etwas ganz besonders: „Ich finde das Schöne an Berlin ist die Vielfältigkeit, dass man in einer Stadt eigentlich alles haben kann, weil es so viel Unterschiedliches in einem gibt.“

Dorthin und an die anderen Ziele seiner vielen Dienstreisen bringt ihn oft der Zug. Dabei lautet seine Devise: „Soweit es das zulässt, das WLAN nutzen.“ Die Zeit im Zug nutzt er gerne, um zu lesen oder Musik zu hören. Die Musik gehört zu einer seiner größten Leidenschaften. „Ich kann mich kaum an eine Zeit in meinem Leben erinnern, wo es keine Musik gab“, erzählt Grewenig. Dabei hat er sich breit aufgestellt, von Elektro über Indie-Rock bis hin zu Pop. Das eigene musikalische Talent sei aber noch ausbaufähig. „Ich höre sehr professionell. Ich spiele sehr unprofessionell Klavier und das ist auch schon sehr lange her“, schmunzelt er.

Neben seiner Leidenschaft für Musik nutzt Grewenig Reisezeit auch für den Konsum von Medien. Hierbei liege sein Fokus, anders als er es früher selbst vermutet hätte, vor allem auf Information. „Im Bereich Podcasts höre ich sehr gerne den Podcast von Micky Beisenherz, weil er die Möglichkeit bietet, mit einem Filter von verschiedenen Gästen verschiedene Perspektiven zu eröffnen. Das trifft etwas, was ich generell mag, die Differenzierung und die Komplexität der Dinge etwas genauer anzuschauen und dem Versuch zu widerstehen, die Welt nur schwarz oder weiß zu sehen“, erläutert Claus Grewenig.

Ein enormer Wettbewerb

Denn es sei wichtig, sich vor Augen zu führen, dass es in der Medienpolitik genauso liege. Alle Entscheidungen müssten am Ende ein Kompromiss verschiedenster Perspektiven sein. „Man muss schon oft durchatmen und sich sagen: Neu ansetzen! Weitermachen!“, sagt Grewenig. Er sei dennoch froh, gerade jetzt in der Medienpolitik tätig zu sein, „weil so viel im Markt passiert, weil im Produkt so viel passiert, weil man was ausprobieren kann. Es ist enormer Wettbewerb da und man muss Lösungen finden, wie man sich positionieren kann“, sagt er. Deshalb sind gleich mehrere Themen der Medienregulierung Baustellen für Claus Grewenig.

„Es muss noch viel mehr im Bewusstsein der Politik ankommen, dass gerade die Refinanzierungsbedingungen essentiell sind für private Medien“, sagt er. Auf nationaler Ebene werde es daher um das Thema der Refinanzierungsfreiheit und das Verhindern von Werbeverboten wie z.B. von speziell an Kinder gerichtete Lebensmittelwerbung, wie es der Koalitionsvertrag der Regierung vorzeichnet, gehen. Dazu komme die Schaffung eines fairen Wettbewerbs mit globalen Tech-Plattformen, erklärt Grewenig: „Tech und Data sind für uns genauso relevant wie für die Plattformen. Da geht es um den Zugang zu Daten, die Transparenz von Algorithmen, die Verhinderung von Bevorzugung von plattformeigenen Angeboten gegenüber anderen Angeboten im Markt und die Rahmenbedingungen für adressierbare Werbung, damit Inhalte, die Geld kosten, Investitionen in journalistische Projekte refinanziert werden können.“

Bei all diesen Baustellen brauche man einen langen Atem. Bis man konkrete Ergebnisse seines Handels sehen könne, vergingen Jahre. Wenn es schnell gehe, zwei bis drei Jahre. In der Regel seien es aber eher sieben bis acht Jahre. Wenn es dann aber endlich soweit sei, komme auch unglaublicher Stolz, daran mitgewirkt zu haben. Damit verbunden ist dementsprechend Ausdauerfähigkeit. Denn die Tage können auch öfter länger gehen. Dann starte der Tag morgens um halb acht und ende abends um halb elf. Claus Grewenig sei froh darüber, dass Vieles, womit er sich bei seiner Arbeit beschäftige, ihn auch privat interessiere. Das mache vieles angenehmer. Jedoch müsse man sich auf jeden Fall auch Freiräume schaffen, sagt er: „Ich gehe abends dann gerne noch auf Konzerte, weil das tatsächlich eine Möglichkeit bietet, Abstand zu gewinnen.“

Zum Autor: Jonas Nitsch studierte im BA Journalistik und Politikwissenschaft an der Technischen Universität Dortmund. Im Rahmen des Studiums absolvierte er ein Volontariat beim Westdeutschen Rundfunk (WDR). Neben dem Master-Studium an der TU Dortmund arbeitet er als freier Autor bei 1Live, der jungen Welle des WDR, und als Redakteur beim Campusradio eldoradio* der TU Dortmund.

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