„Der Bund hat nicht im Blick, was medienpolitisch in den Ländern passiert“

von am 10.06.2022 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Gesellschaftspolitik, Kreativwirtschaft, Medienordnung, Medienpolitik, Medienregulierung, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

„Der Bund hat nicht im Blick, was medienpolitisch in den Ländern passiert“
Tabea Rößner (Foto Stefan Kaminski) und Daniela Beaujean (Foto Markus Altmann)

Medienpolitische Porträts: Tabea Rößner und Daniela Beaujean

10.06.2022. In unserer Reihe medienpolitischer Portraits stellen wir heute zwei Frauen vor, die seit längerem ein Blick darauf haben, dass Medienpolitik Medienvielfalt und Pluralität sichern und zur Stärkung der Demokratie beitragen muss: Tabea Rößner, Mitglied des Deutschen Bundestages (B90/Grüne) und Vorsitzende des Ausschusses für Digitales und Daniela Beaujean Geschäftsführerin des VAUNET. Grundlage der Interviews waren Gespräche mit Persönlichkeiten aus Politik, Medienaufsicht, Unternehmen und Wissenschaft. Die Autoren sind Studierende des Master-Studiengangs Journalistik der TU Dortmund. Tabea Rößner ist als Journalistin Mitglied des Deutschen Bundestages. Auch wenn der Bundestag mangels eingeschränkter Gesetzgebungskompetenz nur wenig Einfluss auf die Medienpolitik hat, liegt ihr das Thema sehr am Herzen. Ideen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk modernisiert werden kann, hat sie viele. Passiert ist allerdings bislang wenig. Ein Portrait von Malina Reckordt. Daniela Beaujean ist die Geschäftsführerin von VAUNET, dem Verband privater Medien. Dennoch findet sie die Existenz öffentlich-rechtlicher Medien unentbehrlich. Findet man sie nicht am Arbeitsplatz, tummelt sich die Juristin am liebsten auf dem Tennisplatz oder noch lieber auf dem Weg zur nächsten Reise. Ein Porträt von Kathrin Wesolowski

„Bis 20 Uhr habe ich die Sendung gefahren und anschließend Wahlkampf gemacht“

Tabea Rößner: Zwischen Journalismus und Politik

Tabea Rößner ist als Journalistin Mitglied des Deutschen Bundestages. Auch wenn der Bundestag mangels eingeschränkter Gesetzgebungskompetenz nur wenig Einfluss auf die Medienpolitik hat, liegt ihr das Thema sehr am Herzen. Ideen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk modernisiert werden kann, hat sie viele. Passiert ist allerdings bislang wenig. Ein persönliches und berufliches Portrait über Tabea Rößner von Malina Reckordt.

Dass Tabea Rößner heute Politikerin ist, liegt wohl auch an ihrem Nachnamen beziehungsweise dessen Schreibweise. Rössner, Rößner, Rösner? Sie war acht Jahre alt, als ihr Bruder zur Welt kam. Bislang hatte sie ausschließlich Schwestern, dann wurde ihr Bruder geboren. Ein Grund für das Einwohnermeldeamt, bei den Eltern nach der korrekten Schreibweise des Nachnamens zu fragen – was bei ihrer und der Geburt ihrer Schwestern nie der Fall gewesen war. „Ich habe mich damals so sehr darüber aufgeregt, sodass für mich klar, dass ich meinen Namen immer behalten werde“, erzählt die 55-Jährige. Diese Situation beschreibt sie heute als ihre „erste politische Erweckung“.

Tabea Rößner ist am 7. Dezember 1966 im Münsterland zur Welt gekommen. Ihr Vater war Pfarrer und Politik spielte im Elternhaus eine wichtige Rolle. „Bei uns Zuhause am Küchentisch wurde immer viel politisch diskutiert“, erinnert sie sich. Als junges Mädchen habe sie immer den Eindruck gehabt, dass Politik hauptsächlich von „alten, Zigarren rauchenden Männer“ gemacht wird. „Warum nicht auch von Frauen?“, fragte sie sich damals. Viele Jahre später – genau gesagt seit 2009 – ist Tabea Rößner Abgeordnete im Deutschen Bundestag für Bündnis 90/Die Grünen.

Heute bezeichnet sie sich selbst als wohl „dienstälteste Medienpolitikerin in Deutschland“. Auch wenn sie in der aktuellen Wahlperiode Vorsitzende des Ausschusses für Digitales ist, hat sie die Medienpolitik nie aus den Augen verloren. Doch weil Medienpolitik überwiegend Ländersache ist, hat sie als Bundestagsabgeordnete nur bedingt Einfluss darauf, wie zum Beispiel der Medienstaatsvertrag ausgestaltet ist. „Die Bundesebene hat nicht im Blick, was es auf Landesebene bereits gibt“, kritisiert sie. Es würden eher Doppelstrukturen geschaffen, statt sich mit den Ländern abzustimmen. Ein Grund dafür, weshalb Rößner sich schon immer für eine Bund-Länder-AG stark gemacht hat. So sieht sie beim Thema Medienpolitik viele Schnittmengen mit anderen Ministerien wie dem Wirtschaftsministerium, dessen Aufgabe unter anderem die Pressefusionskontrolle ist, dem Justizministerium oder der Staatsministerin für Kultur und Medien.

Durch Zufall zu den Grünen gekommen

Eher durch Zufall ist sie als Studentin in Kontakt mit den Grünen gekommen. „Als ich meine Studienordnung abholen wollte, stand vor mir eine Frau in der Schlange, die mich spontan zu ihrem Geburtstag am nächsten Tag einlud“, erinnert sich Rößner, die sich zu der Zeit bereits für Amnesty International, die Anti-Apartheit-Bewegung und die Freiheitsbewegung engagierte. Bei der Feier habe ihr dann Joschka Fischer, ehemaliger Außenminister und Vizekanzler der Partei Bündnis 90/Die Grünen, die Tür geöffnet und die Dinge nahmen ihren Lauf. „Meine Interessen und das, wofür sich die Grünen einsetzten, passten gut zusammen“, so Rößner. Sie wurde Mitglied bei den Grünen und fing langsam an, sich politisch zu engagieren. Als junge Frau habe sie oft Formate wie „Monitor“ oder „Report“ geschaut. „Das war für mich damals wichtig, um mir eine politische Meinung zu bilden“, erzählt sie. Sie hält es daher für unerlässlich, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk Programme für junge Leute anbietet.

Nach ihrem Studium der Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaft sammelte sie erste journalistische Erfahrungen beim Hessischen Rundfunk, weshalb sie in Mainz noch ein Aufbaustudium Journalismus draufsattelte. Sie arbeitete hauptsächlich für das ZDF und wurde zum ersten Mal Mutter einer Tochter. Die Politik war in ihrem Leben etwas in den Hintergrund gerückt, bis sie bei einer Veranstaltung in Mainz die damalige dortige Sozialdezernentin Malu Dreyer traf. „Sie sprach davon, dass der Ausbau der Kinderbetreuung nicht nötig sei und ich stand damals ohne Betreuung für meine Tochter da“, erzählt sie. In diesem Moment habe für Tabea Rößner festgestanden, dass sie wieder mehr politisch aktiv werden müsse.

Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Rheinland-Pfalz

Es dauerte nicht lange, bis sie zur Landesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen in Rheinland-Pfalz gewählt wurde. Ihren Job beim ZDF kündigte sie zunächst nicht, machte aber von Beginn an transparent, dass sie in der Politik aktiv ist. „Die meisten Journalisten haben eine Parteiaffinität, ganz neutral ist man in diesem Job ja nie. Aber es war mir wichtig, das klar zu kommunizieren“, so Rößner. Doch es gestaltete sich zunehmend schwieriger, Journalismus, Politik und Familie — inzwischen war Rößner zum zweiten Mal Mutter geworden — unter einen Hut zu bekommen. Rößner entschied sich für die Politik, wurde aber schon bald enttäuscht. Im Jahr 2006 kandidierte sie für den Landtag, doch die Grünen scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Weil ihre Stelle beim ZDF bereits nachbesetzt wurde, stand sie plötzlich als alleinerziehende Mutter zweier Töchter ohne Job da. Irgendwann konnte sie beim ZDF wieder anfangen, doch der Neuanfang fiel ihr damals alles andere als leicht. „Ich wurde bei uns im Haus nach der Niederlage schon sehr gedemütigt“, berichtet sie.

Doch auch dieses Mal zog sie sich nicht lange aus der Politik zurück. In Mainz sollte nämlich ein Kohlekraftwerk gebaut werden, wogegen sich zunächst niemand engagierte. Für Rößner war es völlig unverständlich, im Jahr 2009 noch ein neues Kohlekraftwerk zu errichten. Auf ihre Initiative hin entstand eine Bewegung, die schließlich den Bau auch verhindern konnte. „Mich fragten anschließend Leute, ob ich nicht für den Bundestag kandidieren wollen würde“, erinnert sich Rößner. Sie rechnete sich damals aber keine Chancen aus, da sie auf Platz drei der Landesliste stand und bislang nur zwei Abgeordnete der Grünen in den Bundestag zogen. Dieses Mal kam es anders und Tabea Rößner gelang der Sprung in den Bundestag. Eine stressige Zeit folgte, sie pendelte zwischen Mainz und Berlin hin und her. In sitzungsfreien Wochen arbeitete sie weiterhin als Schlussredakteurin beim ZDF. „Bis 20 Uhr habe ich die Sendung gefahren, anschließend habe ich Wahlkampf gemacht.“ Inzwischen arbeitet Rößner nicht mehr als Journalistin, ihr Fokus liegt nun auf der Politik.

Medienpolitisch eine Diskussionsanstoßerin

In Bezug auf die Medienpolitik beschreibt sich Tabea Rößner eher als „Inputgeberin“ oder als „Diskussionsanstoßerin“. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk reformiert werden muss, steht für sie fest. So hat sie in der vergangenen Wahlperiode einen umfangreichen Antrag eingebracht, der unter anderem beinhaltete, eine unabhängige Kommission zu installieren. „Es muss zum Beispiel analysiert werden, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk leisten muss, wo er vorkommen muss und wie das Kommunikationsverhalten der Bevölkerung aussieht“, sagt Rößner. Wichtig sei, dass dies beispielsweise Medien- und Kommunikationswissenschaftler, Soziologen und Medienrechtler untersuchen, „denn nur die können den gordischen Knoten zerschlagen“. Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten brächten im Gegensatz dazu immer eigene Interessen mit ein und seien laut Rößner daher ungeeignet dafür. Die Politikerin findet es problematisch, dass der Rundfunkbeitrag angepasst wurde, obwohl die Modernisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks noch gar nicht abgeschlossen war. „Erst hätte der Auftrag justiert werden müssen und dann hätte der Beitrag angepasst werden können“, meint Rößner.

Apropos Finanzierung: Den Vorschlag, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk über eine Art Abo-Modell zu finanzieren, lehnt sie entschieden ab. „Es muss eine unabhängige Finanzierung geben, die dafür sorgt, dass eine gewisse Infrastruktur aufrecht erhalten werden kann“, betont die Politikerin. Grundsätzlich findet sie, dass in der Öffentlichkeit mehr über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk debattiert werden muss. „Unser Mediensystem ist ein gutes, wir müssen nur dafür kämpfen und den Leuten klarmachen, warum es so wichtig ist, es zu erhalten“, unterstreicht Rößner die Bedeutung in Bezug auf die freie Meinungsbildung. Dass Tabea Rößner kämpfen kann, hat sie in ihrem Leben schon mehrfach bewiesen. Sicherlich auch ein kleiner Kampf war es, den 5.895 Meter hohen Kilimandscharo zu besteigen. Diesen Lebenstraum hat sie sich gemeinsam mit ihren beiden Töchtern vor einigen Jahren erfüllt.

Zur Autorin: Malina Reckordt hat Wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund studiert. Nach ihrem zweijährigen Volontariat beim Mindener Tageblatt wurde sie 2018 dort als Digitalredakteurin fest angestellt. Parallel zum Job startete sie 2020 den MA-Studiengang Journalistik an der TU Dortmund.

„Medienvielfalt und Pluralismus sind meine Anliegen“

Daniela Beaujean: Leben zwischen Arbeit, Reisen und Tennis 

Daniela Beaujean ist die Geschäftsführerin von VAUNET, dem Verband privater Medien. Dennoch findet sie die Existenz öffentlich-rechtlicher Medien unentbehrlich. Findet man sie nicht am Arbeitsplatz, tummelt sich die Juristin am liebsten auf dem Tennisplatz oder noch lieber auf dem Weg zur nächsten Reise. Ein Porträt von Kathrin Wesolowski

15 Jahre für ein und denselben Verband arbeiten? Für manche mag das eintönig klingen, doch für Daniela Beaujean ist dies besonders reizvoll. „In der Medienwelt sind in den vergangenen Jahren so viele neue Themen dazugekommen, die ich mir vor 15 Jahren gar nicht hätte vorstellen können“, sagt sie im Videointerview. Social Media, die Corona-Pandemie, Video-On-Demand-Produkte, Podcasts – das sind nur einige große Themen, die sowohl die private als auch die öffentlich-rechtliche Medienwelt in den vergangenen Jahren aufgerüttelt und damit auch Daniela Beaujeans Arbeit auf Trab gehalten haben. Gerade der ständige Wandel in der Medienwelt eröffne ihr Entwicklungsperspektiven in der Arbeit als Geschäftsführerin für den Verband, erklärt sie.

VAUNET, abgleitet von den Anfangsbuchstaben „Video“ und „Audio“, ist nach eigenen Angaben europaweit die größte Interessensvertretung des privaten Rundfunks. Der Verband zählt 150 Mitglieder aus den Bereichen Fernsehen, Radio und Telemedien – und unterstützt seine Mitglieder bei regulatorischen, politischen und technologischen Fragen und Zielen. Die Geschäftsführung eines solchen Verbandes bedeutet also, große Verantwortung zu übernehmen. Und diese Verantwortung übernimmt Beaujean gern.

Wie kam es dazu? Nach ihrem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg bewarb sie sich blind beim Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation, wie VAUNET vor 2018 noch hieß. Als Elternzeitvertretung wurde sie damals eingestellt, arbeitete in Berlin und Brüssel – und blieb. Seit 2020 hat Beaujean die Geschäftsführung mit Frank Giersberg im Tandem inne. Die Arbeit teilen zu können, bezeichnet sie als gewissen Luxus: „So habe ich die Möglichkeit, auch noch vielen inhaltlichen Themen nachzukommen, die ich nicht missen möchte.“

Etwas mit Medien?

Die Themenvorlieben Beaujeans sind vielfältig. Stets hält sie die Augen für diverse Interessensfelder und Branchen außerhalb ihres Arbeitsbereichs offen. Sie ist beispielsweise gern im Austausch mit Menschen aus Kultur, Musik und Film. Seit die Pandemie es wieder erlaubt, möchte sie auch privat wieder mehr in Ausstellungen gehen oder auch mal wieder einen Film im Kino ansehen. Wie nebenbei erzählt Beaujean zudem, dass sie Mitglied in der Filmförderanstalt ist oder auch Mitglied im Vorstand des Verbands Europäischer Radios (AER). Gestresst von all ihren Verpflichtungen wirkt sie dabei nicht – offen, locker und lässig sitzt sie in einer blau-grün-blau gemusterten Bluse während des Videointerviews vor ihrer Webcam.

Daniela Beaujeans Interessen sind breit – und da wundert es einen auch nicht, dass sie während ihres Studiums der Rechtswissenschaften noch gar nicht wusste, in welche Richtung es beruflich gehen sollte. „Ich hatte durchaus auch mal die Idee, das Studium als Basis für eine spätere journalistische Tätigkeit zu nutzen“, erinnert sich Beaujean im Interview. Dann kam es doch anders. Für sie sei es spannender, eine rechtliche Lösung von Problemen anzustreben, als sie journalistisch darzustellen.

Berufliche Highlights: Auslandsaufenthalte

Für ihr juristisches Referendariat verschlug es Beaujean nach Brüssel in die Landesvertretung Bayerns. Dort arbeitete sie im Referat für Medien und Kommunikation. Der Aufenthalt in Brüssel legte auch den Grundstein für Beaujeans Leidenschaft, an der Schnittstelle von nationalen und europäischen Themen zu arbeiten. Gerade die Zeit in Brüssel und ein Erasmusjahr an der Université de Rennes in Frankreich zählen zu den Highlights ihrer juristischen Ausbildungszeit. „Ich hatte schon immer eine Vorliebe für das internationale und europäische Recht und deswegen habe ich unter anderem dieses Auslandsjahr in Frankreich und meine Wahlstation in Belgien gemacht“, erklärt sie.

Und auch privat schlägt Beaujeans Herz höher, wenn es um das Ausland geht. Wenn sie über das Reisen spricht, glänzen ihre Augen und ihr Lächeln steckt an. Wenn sie mehr Zeit hätte, würde sie gern die Welt bereisen. Südafrika, die USA, Israel – das seien nur einige Länder auf ihrer Liste. Und auch beim Reisen lernt sie gern dazu – zuletzt frischte sie ihre Sprachkenntnisse in Spanien auf.

Private Medien bewiesen in der Pandemie ihre Qualität

Doch gerade die Pandemie ließ das Reisen nicht zu – und spannte die Geschäftsführerin des Verbands privater Medien beruflich besonders ein. Private Medien standen finanziell sehr unter Druck. „Je kleiner und lokaler ein Medium ist, desto gravierender waren natürlich die Probleme bei den Werbeeinnahmen“, erklärt Beaujean. Trotzdem hätten die privaten Medien in der Pandemie ihre Qualität bewiesen. „Ich war sehr angetan von der Flexibilität der Programme“, betont sie im Interview. Die Programmmacher hätten besonders darauf geachtet, gerade auch die junge Zielgruppe mit Informationen und Nachrichten zu erreichen – und auch die Unterhaltungsshows hätten dazu beigetragen, in der harten Zeit etwas abschalten zu können. Abschalten kann Beaujean nicht nur vor dem Fernseher. Im Sommer spielt sie Tennis, im Winter rast sie Skipisten herunter. Dieser Ausgleich zum Bürojob ist ihr wichtig.

Flache Hierarchien, Transparenz und Flexibilität

Daniela Beaujean ist eine Führungskraft, die „extrem stolz“ auf ihr Team ist. „Es hat mich die ganze Coronazeit über Wasser gehalten, dass ich ein wirklich verlässliches und motiviertes Team habe“, sagt sie. Ihr liegen flache Hierarchien, ein transparentes Miteinander und Flexibilität besonders am Herzen. Flexibel und modern zeigt sich Beaujean auch, wenn es um die Frage „Home Office oder Office?“ geht. „Home Office habe ich gern, wenn ich mal meine Ruhe brauche, um eine Position zu schreiben“, erklärt sie. Dennoch lauere hier die Gefahr, dass die Grenzen zwischen Wohnen und Arbeiten sehr fließend seien. Zum Arbeiten sei sie deswegen lieber im Büro. „Dann habe ich auch das Glück, dem einen oder anderen Kollegen über den Weg zu laufen.“ Das sieht man auch während des Videointerviews, das Daniela Beaujean in ihrem verglasten Büro führt. Immer wieder sind Kolleginnen und Kollegen hinter der Glasscheibe zu sehen.

Existenzberichtigung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Beaujean arbeitet gern fernab des Schreibtischs. Ein perfekter Arbeitstag beinhaltet für sie auch eine Dienstreise. Diese Flexibilität schätzt sie auch bei Journalistinnen und Journalisten privater Medien. „Ich bewundere es jeden Tag, wie Reporterinnen und Reporter zu dem Krieg in der Ukraine live gehen und die Menschen mit Informationen versorgen“, sagt sie beispielsweise. Sie findet, dass die privaten Medien genau diesen Weg weitergehen sollten und sie gute Vermittler von gesellschaftsrelevanten Themen und Nachhaltigkeit seien. Angesprochen auf den Konkurrenzkampf zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien sagt Beaujean klar, dass es ein duales Rundfunksystem geben müsse. Immer wieder fordern kritische Stimmen die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – doch davon hätte keiner etwas, sagt die Geschäftsführerin von VAUNET. Medienvielfalt und Pluralismus seien ihr ein Anliegen.

Gleichberechtigung im Beruf

Wichtig ist Daniela Beaujean auch die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Beruf. „Ich finde, dass Frauen manchmal auch einfach effizienter und zielorientierter sind“, sagt sie schmunzelnd. Sie selbst habe Glück in ihrem beruflichen Werdegang gehabt. „Ich bin unter mindestens zwei Frauen im Verband groß geworden und habe auch sonst von der Geschäftsführung nie einen Nachteil erfahren, im Gegenteil“, erklärt Beaujean. Gerade bei der Teamführung sollte man einfach Vertrauen in Frauen haben. Damit es mehr Frauen als Führungskräfte gibt, müsse es aber auch ein Umdenken geben, was die Vereinbarkeit von Beruf und Familie angehe. Beaujean selbst hat keine Kinder, bekomme aber von ihren Kolleginnen gespiegelt, wie man im Beruf mehr auf die Bedürfnisse von Familien eingehen könne – und findet das auch essenziell. Sagt ihr eine Kollegin, dass eine Telefonkonferenz um 17 oder 18 Uhr ungünstig wäre, da sie ihre Kinder aus der Kindertagesstätte abholen müsse, ist es für Beaujean wichtig, verständnisvoll zu reagieren. Und auch im Bereich der Bezahlung müsse man alle Geschlechter gleich und fair behandeln. Nur so könne man Frauen und auch Männer, die familiär eingespannt seien, auf dem Weg zu Führungspositionen unterstützen und eine Karriere ermöglichen.

Beaujean hat viele Qualitäten, es gibt aber auch Fähigkeiten, die sie gern erlernen würde. „Ich wäre gern etwas musikalischer und künstlerisch begabter.“ Daniela Beaujean sieht sich selbst eher als nüchternen Typ, der sich lieber auf dem Sportplatz tummelt. Ihre Fähigkeiten im Zeichnen oder Musizieren seien dagegen deutlich ausbaufähig. Eigentlich würde sie in den kommenden Jahren gern ein Instrument lernen. Klavierspielen oder singen – „das macht fröhlich, das lockert einen etwas auf“.

Neben diesen Wünschen hat Daniela Beaujean aber einen noch viel größeren privaten Wunsch, wie sie im Videointerview zugibt. Den würden bislang nicht einmal ihre Kolleginnen und Kollegen kennen. „So ein Sabbatical wäre schon nicht schlecht“, sagt Beaujean lachend. Ob es dazu kommt, ist allerdings offen.

Zur Autorin: Kathrin Wesolowski arbeitet als freie Journalistin, Videoreporterin und Faktencheckerin. Ihre Schwerpunkte sind gesellschaftliche und politische Themen im internationalen Kontext. Sie recherchierte bereits in diversen Ländern wie Mexiko, Myanmar und Georgien. Zeitgleich studiert sie den Journalistik Master an der TU Dortmund.

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