Wandel ist immer anstrengend

von am 04.07.2022 in Aktuelle Top Themen, Archiv, Digitale Medien, Gesellschaftspolitik, Kulturpolitik, Medienordnung, Medienpolitik, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Wandel ist immer anstrengend
Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, MDR

Gemeinwohlorientiertes Kommunikationsnetzwerk soll zur die Medienadresse Nr. 1 in Deutschland werden

Von Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR)

Kein Ort. Nirgends. Dieser berühmte Roman von Christa Wolf – gleichzeitig in Ost und West erschienen – ließ sich nicht zuletzt auf die Freiheit beziehen. Auch auf die Freiheit der Medien. Als Zehntausende 1989 mutig Meinungs- und Medienfreiheit hier in Leipzig forderten, haben sie mit Sicherheit eines nicht geahnt: dass zwei Jahre nach ihren Protesten der einstige Schlachthof der Stadt zu einem Hort der publizistischen Freiheit werden würde: als Sitz des neugegründeten Mitteldeutschen Rundfunks. Seit mittlerweile 30 Jahren ist das vorher Undenkbare Realität. Der MDR ist seit seiner Gründung ein fester Ort für die Medienfreiheit. Und damit ein Forum, das Wesentliches ermöglicht: nämlich den Zugang zu unabhängigen Informationen, zu einem offenen Austausch, zu freier Meinungsbildung und zu einer produktiven Teilhabe.

Wie lebensnotwendig das ist – und gleichzeitig: wie gefährdet – das zeigt sich heute weltweit. Besonders schmerzlich derzeit bei den jegliche Kritik ausschließenden Propagandamedien in Russland. Hier im Osten Deutschlands war vor 3 Jahrzehnten klar: Nie wieder Staatsfunk. Deshalb sollte hier ein Sender entstehen, dessen Sinn und Ziel nur eines sein konnte und sollte: einer offenen Gesellschaft zu dienen. In knappster Formel: Ein MDR für alle. Und dazu ein Vorbild: als überaus innovationsfreudiger Sender. Bei dem die Freude am Neuen auch klar eine weitere Dimension hat: Der MDR will und kann Zukunft.

War das alles am Anfang genauso vorstellbar? Haben alle Beteiligten kommen sehen, wie schnell der MDR eine wichtige Säule im ARD-Verbund werden würde? Welche Phantasie unseren Gründungsintendanten Udo Reiter damals beflügelt hat, die ehemalige Handelsbörse des Schlachthofs zur zentralen Schaltstation eines nagelneuen Mitglieds der ARD zu adeln, das können wir ihn leider nicht mehr fragen. Offensichtlich ist: Er steckte den neuen Weg im Osten zielstrebig ab. So innovativ wie beharrlich, so flexibel wie nachhaltig. Und ein damals täglich wachsender Kreis von festen und freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern meisterte mit beeindruckendem Engagement, viel Pragmatismus und einer immensen Veränderungsbereitschaft den Aufbau einer neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt. Es war für mich und viele Kolleginnen und Kollegen ein großes Privileg und eine einmalige Gelegenheit diese Rundfunkanstalt mit aufzubauen und gestalten zu dürfen. Wenn ich heute in diesen Raum und auf diesen MDR blicke, erfüllt mich das gemeinsam Erreichte mit größtem Stolz und Respekt. An Herausforderungen fehlte es nicht.

Dass Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen relativ schnell zusammenfanden, um im Südosten des neuen Rundfunk-Deutschlands eine Dreiländeranstalt zu bilden, fanden nicht wenige Beobachter damals staunenswert. Dieses Grundbekenntnis ist ein herausragender Wert und auch im Nachgang eine weitsichtige Weichenstellung der Gründungsmütter und -väter in den drei Parlamenten. Unsere Dreiländeranstalt ist deshalb von Anfang an auch mehr als die Summe ihrer Teile – sie ist ein publizistisch und wirtschaftlich leistungsstarkes Medienhaus für die Menschen in Mitteldeutschland – mit dem seit 25 Jahren erfolgreichsten dritten Fernsehsehprogramm, mit täglich mehreren Millionen Hörerinnen und Hörern unserer Radioprogramme und mit mittlerweile jährlich mehreren 100 Millionen Abrufen unserer Angebote im Netz – und dazu mit hohen Vertrauenswerten.

Die erste Direktorenriege kam fast ausschließlich aus dem Westen, allerdings mit Stellvertretern – alle ausschließlich aus dem Osten. Was damals unkonventionell war, war gleichzeitig so richtig wie wichtig. Heute sind wir ein Sender mit über 80 Prozent ostdeutschen Führungskräften, der mit großem Erfolg Spitzenpersonal exportiert – erst jüngst nach Bayern. Noch erstaunlicher fanden viele damals die programmliche Balance zwischen der Annäherung an Neues und der Besinnung auf Bekanntes. Ostdeutsche Identitäten im Programm nicht beiseite zu schieben, war für uns wichtig; es war uns wichtig, Lebenshilfe in den vollkommen umgestülpten Lebensverhältnissen nicht als platt zu verachten; Orientierung zu vermitteln in einer nie gekannten Umbruchsituation: Das war in der Aufbauphase DAS Gebot der Stunde. Deshalb entstanden beispielsweise die neue Nachrichtensendung MDR Aktuell sowie Regionalmagazine für die drei Länder und es blieben Sendungen wie „Polizeiruf 110“ oder „Außenseiter – Spitzenreiter“, eine Kultsendung, die selbst gerade ihr 50-jähriges Jubiläum feiert. Tief verwurzelt in der Region, nahe an den Menschen, an ihren Themen, Problemen, Freuden und Sorgen – das wollten wir sein, mediale Heimat und verlässlicher Begleiter – das ist die Erfolgsformel des MDR von Anfang an. Ständige Veränderung gehört bis heute zum MDR. Aus den Startbedingungen heraus ist unsere Grundüberzeugung und Credo: Wir müssen und wollen uns immer wieder verändern, damit wir bleiben was wir sind: ein Vertrauensanker und relevant für alle Menschen.

„Demokratie muss auch im Internet funktionieren. Demokratie braucht alle Qualitätsmedien in unserer dualen Rundfunkordnung, wie auch die Printmedien.“

Nicht zuletzt aus unserer eigenen Erfahrung heraus, wissen wir nur zu gut, welch hohes Gut die Rundfunkfreiheit ist, und, dass es sie immer wieder zu verteidigen gilt. Wir sind froh und es ist wichtig, dass es eine lebhafte Debatte über den richtigen Weg gibt, diese freie, unabhängige und vielfältige Medienlandschaft, die wir hier aus Überzeugung leben und gestalten, zukunftsfest zu machen – und zwar in Deutschland aber auch in Europa. Zu dieser Reformdiskussion gehört die Hauptfrage, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk ein funktionierendes Gespräch der Gesellschaft mit sich selbst ermöglichen kann und das in einer Welt der entgrenzten Kommunikation und unzähliger fragmentierter Teilöffentlichkeiten. Es geht um die Grundwerte, die Zielsetzungen, die Arbeitsweisen, kurz: die Grundfesten unseres Selbstverständnisses.  

Heute, im digitalen Zeitalter des Jederzeit und überall – und zwar auf jedem Gerät – sprechen wir statt vom Programm lieber von Inhalten, wir verfolgen fein verästelte Ausspielwege, wir arbeiten mit Hybridformen, in denen Bilder, Töne, Texte ineinander übergehen. Wir haben beim MDR frühzeitig Trimedialität nicht nur auf unsere Fahnen geschrieben, sondern auch im Alltag praktiziert – und sind seit langem ein crossmedial arbeitendes Medienhaus. Dabei haben die Qualitäten unserer Inhalte, entgegen manchen Befürchtungen, nicht gelitten. Ganz im Gegenteil. Dies gehört mit zu dem publizistischen Reichtum, der am heutigen Tag von uns allen zu feiern ist und den wir, wann immer möglich, auch vor Ort, zu den Menschen, in die Regionen, tragen. In diesen Wochen sind etwa unsere Klangkörper – das MDR Sinfonieorchester, der Rundfunkchor und der MDR Kinderchor – mit dem MDR-Musiksommer wieder an 50 Orten in Mitteldeutschland unterwegs – in Kirchen, Schlössern, Parks und Industriedenkmälern – wirklich überall und das in Stadt und Land. Seit seiner Gründung versteht sich der MDR als Kulturförderer und –veranstalter. Und dass aus der tiefen Überzeugung heraus, dass Kunst und Kultur elementar waren und sind, wenn es um die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft geht.

Die Gesellschaft von morgen hat auch der KiKA in Erfurt unter Federführung des MDR fest im Blick. Mit innovativen Formaten, die Fantasie, Werteorientierung und Medienkompetenz auch bei den Kleinsten fördern. Ob KiKA-App oder Kikaninchen – was Kinder cool finden, ist für ihre Eltern längst ein fest verankertes Gütesiegel. Es ist viel Preiswürdiges in unserer Dreiländeranstalt entstanden. Nicht weniges davon war und ist dabei, was mit der Besonderheit, der großen Geschichte und den Erfahrungsschätzen unseres Sendegebietes zu tun hat; Kernland der Reformation, Weimarer Republik, die Erfahrungen zweier Diktaturen und ein tiefgreifender gesellschaftlicher Transformationsprozess in den vergangenen 30 Jahren. Viele Titel könnte und müsste ich jetzt nennen. Aus Gründen der Gerechtigkeit wäre das mehr als heikel. Auch wenn natürlich sofort „Der Turm“ als leuchtendes Beispiel einfällt. Oder beim Radio die preisgekrönte Wendekomödie „Die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle“. Grimme-Preise gibt es mittlerweile auch für unsere Netzangebote wie für das Webspezial „Das Wunder von Leipzig“ bereits 2010.

„Das Wunder von Leipzig“ ist ein Titel, den ich sofort auf Städte wie Halle, Erfurt, Magdeburg oder Dresden übertrage. Derzeit bauen wir am Wunder von Weimar. Die dort angesiedelte, von uns betreute neue Gemeinschaftseinrichtung der ARD – vernetzt mit dem ZDF und Deutschlandradio – macht in diesen Tagen mit ersten digitalen Kulturprojekten und mit einem bundesweiten Ideenwettbewerb „ARD-Creators“ zum Thema „Was verbindet unsere Gesellschaft“, auf sich aufmerksam. Es ist eine wirklich faszinierende Herausforderung für uns, die ganzheitlichen Ideen des Bauhauses in einer digitalen Welt weiterzudenken, mit der Entgrenzung klassischer Kunstsparten, neuen Einsichten und Zugängen sowie Erfahrungen durch eine Vernetzung mit Vielem und Vielen. Wunder brauchen mehr als Zauberer. Sie brauchen Entwürfe, Strategien, Pläne, Phantasie. Sie brauchen Navigatoren, Organisatoren, Träumer, Medienvisionäre – und aber auch Analytiker, die ganz nüchtern die Landschaften ringsum beobachten und genau vermessen, mit Neugier, mit Offenheit, aber auch mit gebotener Distanz und Argwohn gegenüber rein modischen Neuerungen. Wir beim MDR haben diese Vorausüberlegungen systematisch in das Zentrum unserer Arbeit gestellt. Damit alles zusammen den Markierungen Zukunft und Zukunftsfähigkeit dienen kann – um mitten in der Gesellschaft zu sein und zu bleiben und dabei die Lebenswirklichkeiten der Menschen in all ihren differenzierten Ausformungen auch spiegeln zu können; und – ganz wichtig – einen respektvollen Debattenraum schaffen – und das auch im Digitalen.

„Unsere besondere gesellschaftspolitische Verantwortung ist der Legitimationskern unserer Arbeit.“

Es kommt wohl auch nicht von ungefähr, dass an einem Ort wie diesem, wo die Medienfreiheitsrechte vor 30 Jahren von den Bürgerinnen und Bürgern erstritten wurden, alle Public-Value-Medienhäuser in Deutschland, der Schweiz und Österreich sowie wissenschaftliche Einrichtungen bereits den dritten Leipziger Impuls gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Hier geben sie alle gemeinsam tragfähige und nachhaltige Antworten, auf welchen Feldern sich öffentlich-rechtliche Medienhäuser im digitalen Zeitalter weiterentwickeln und neu denken müssen, um ihrer Verantwortung für gesellschaftlichen Zusammenhalt und einer freien Meinungsbildung für jeden gerecht werden zu können. Zum A und O gehört dafür konsequent in Inhalten zu denken und dies sofort in trimediale, in hybride Modelle zu übersetzen, auch gattungsübergreifend. Es geht darum, über früher verteidigte Tellerränder hinaus alle weiteren Möglichkeiten im Blick zu haben. Was bedeutet, das Mediale als heute immer Zusammenhängendes zu begreifen, um in diesem Rahmen wiederum ganz Eigenständiges zu gestalten. Innovation und Kreativität müssen alle an diesen Prozessen Beteiligte beflügeln. Es darf aber auch nicht an Mut und Leidenschaft fehlen, ebenso an der Bereitschaft, bekanntes Terrain zu verlassen und Ungewohntes neugierig zu erkunden und dabei Phantasieräume zu öffnen. Und dazu gehört ebenso, die immer vielfältigeren Meinungsspektren, Werthaltungen und Lebensentwürfe in offener Form medial zu vermitteln und dabei Brücken zu bauen, die den Dialog zwischen den unterschiedlichsten Bevölkerungsgruppen unterstützen. Dies alles, ganz wichtig, ohne Besserwisserei, sondern auf Augenhöhe. Und dabei ist die Vermittlung von Werten etwas Anderes als meinungsstarkes Moralisieren. Was klare eigene Positionen nicht ausschließt, sofern die unterschiedlichen Standpunkte ausreichend dargestellt sind. Fehler sind dabei menschlich und damit unvermeidlich. Allein, sie müssen auch so benannt werden. Das gehört zur Transparenz, zur Kultur der Wahrhaftigkeit. Unsere besondere gesellschaftspolitische Verantwortung ist der Legitimationskern unserer Arbeit. Die immer darin bestehen wird und muss, unsere Welt in all ihrer Vielfalt und damit auch in all ihren Widersprüchen möglichst genau darzustellen und auch mit Einordnung und Orientierungshilfe zu vermitteln. Was, wohlgemerkt, für alle Bestandteile unseres Auftrags gilt – von Kultur über Information bis zur Unterhaltung. Und genau deshalb ist unser Qualitätsmanagement im MDR gemeinwohlorientiert und tagtägliche Redaktionsaufgabe.

Das alles hat mit Glaubwürdigkeit zu tun, unserem wohl wichtigsten Kapital. Gerade in dieser Zeit, in der unzählige Informationen in immer kleineren Einheiten in Umlauf gebracht werden, nicht selten in verzerrender und vergifteter Art und häufig mit manipulativer Absicht. Demokratie muss auch im Internet funktionieren. Demokratie braucht alle Qualitätsmedien in unserer dualen Rundfunkordnung, wie auch die Printmedien. Und wir sind immer klug beraten, das uns alle einende, unseren Wert für die Demokratie, in den Vordergrund zu stellen. Für uns öffentlich-rechtliche Medien ist dies Auftrag und eine große Verantwortung zugleich, der wir uns jeden Tag aufs Neue stellen. Wenn ich ganz wagemutig bin, dann sehe ich – mit klarem Blick auf dieses übergreifende Ziel – am Horizont ein weit ausgreifendes, in jeder Hinsicht vernetztes und vernetzendes digitales Kommunikationsmodell, in der alle linearen und nonlinearen Angebote von ARD und sinnhafterweise mit ZDF und Deutschlandradio kinderleicht aufzufinden sind und das mit Empfehlungssystemen, die Vielfalt sichern und nicht einengen. Ein gemeinwohlorientiertes Kommunikationsnetzwerk – die Medienadresse Nr. 1 in Deutschland. Weil es so einzigartig in seinem Anspruch, seiner Vielfalt, seiner Anmutung und seiner Attraktivität ist und das gesellschaftliche Gespräch mit moderiert mit Wertschätzung und Respekt.

Die von den Ländern derzeit auf den Weg gebrachte Reform des öffentlich-rechtlichen Auftrags ermöglicht uns vieles und ist eine zukunftsweisende Antwort mit einem Freiheitsraum für eigenverantwortliches gemeinwohlorientiertes Handeln. Und das auch für unsere Gremien, deren zivilgesellschaftliche Aufsichtsrolle weiter gestärkt wird. All dies im Sinne der Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Systems in unserer Demokratie. Uns, dem Mitteldeutschen Rundfunk, kommt in der bundesweiten Medienlandschaft dabei auch in Zukunft eine besondere Rolle zu. Denn wir haben aus unserer Geschichte heraus zweifellos einen Erfahrungsvorsprung mit tiefgreifenden Um- und Aufbrüchen, mit Sinnsuche und Verlustängsten gleichermaßen. Auch 30 Jahre nach der deutschen Einheit bleiben widerstreitende Tendenzen und ein dauerhafter fundamentaler Veränderungsdruck – mit Polarisierungen und Spannungen. Unsere Antworten darauf sind insbesondere: Genau zuzuhören, die verschiedenartigen Lebenswirklichkeiten und die vielfältigen Lebensleistungen der Menschen bundesweit noch sichtbarer zu machen, noch mehr das Neue aus dem Alten heraus erzählen und verstärkt auf den Dialog mit und zwischen den Menschen zu setzen – als Vermittler zu den Themen der Zeit. Aber auch dort, wo nötig, Grenzen setzen, wenn Verfassungswerte verletzt und Strafrechtsnormen betroffen sind. Dieses wertvolle Wissen können und wollen wir auch weiterhin einbringen – als starke Stimme des Ostens, nicht im Sinne einer Abgrenzung, sondern mit dem selbstbewussten Anspruch zur inneren Einheit Deutschlands beizutragen und in den bundesweiten ARD-Angeboten zum Teil des bundesdeutschen „Wir“ zu machen. Beispielsweise als Analyst ostdeutscher Zeitgeschichte und Brückenbauer mit großen dokumentarischen Projekten. „Kapitalismus ohne Kapital – was der Osten anders macht“ ist ein gerade entstehendes Projekt zu der Frage, wie man hier Zukunftschancen aufbaut, ohne geerbtes Kapital und Großinvestoren. Deshalb ist der MDR auch eine Stimme des Wandels und der Zukunft.

Darüber hinaus, im internationalen Maßstab, erlaubt und fordert unsere Lage, dass wir auch eine besondere Mittlerfunktion wahrnehmen. Wir sehen uns heute mehr denn je in einer europäischen Mittlerrolle, mit dem klaren Ziel, den Blick nach Ost- und Mitteleuropa zu weiten und unsere Aufmerksamkeit noch viel stärker auch auf diesen Teil Europas zu lenken. Deswegen haben wir z.B. in der Europastadt Görlitz/Zgorzelec das erste binationale Studio der ARD eröffnet, um die Vielfalt und das Zusammenleben der Menschen in einem Grenzgebiet sichtbar zu machen. Insofern sind wir programmatisch und systematisch sogar mehr als eine Dreiländeranstalt, pflegen deshalb auch ganz bewusst unsere nachbarschaftlichen Beziehungen. Und dies an einer sensiblen Stelle, in jeder Hinsicht, nicht zuletzt historisch. In einem Europa, dessen Gemeinsamkeiten keineswegs mehr selbstverständlich sind, ist eine solche mediale Vermittlungsrolle notwendiger denn je. Seit nunmehr über 30 Jahren ist der MDR ein Alltagsmedium für kommunikative Daseinsvorsorge hier in der Region und weit darüber hinaus. Unser tagtägliches Tun ist immer auf ein Ziel gerichtet, dass alle Mühen wert ist, zum gelingenden Leben beizutragen. Für den einzelnen, für die Gesellschaft; als Grundlage für ein Leben in Selbstbestimmung, in Freiheit. Wir wissen: Wandel ist immer anstrengend.

Aus der Rede von Prof. Dr. Karola Wille „30 Jahre MDR – Die Jubiläumsfeier“ am 29.06.2022 in Leipzig

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