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„Fakten statt Fake News, Einordnung statt Panikmache“

„Fakten statt Fake News, Einordnung statt Panikmache“

von am 23.03.2020

ZDF arbeitet trotz Corona-Krise mit Hochdruck an neuen Unterhaltungsformaten

23.03.2020. Interview mit Dr. Norbert Himmler, Programmdirektor des ZDF

Auch das ZDF verbucht gegenwärtig bei Informationsangeboten und Unterhaltungssendungen Rekordmarken. So erreichte am Sonntag die „Terra Xpress“-Spezialausgabe rund um das Virus 3,84 Millionen Zuschauer und 13 Prozent Marktanteil. Auf 6,9 Millionen Zuschauer stieg das Interesse bei den „heute“-Nachrichten. Das entspricht 21 Prozent Marktanteil. Den Inga Lindström-Film in der Primetime sahen 5,55 Millionen Zuschauer. Auf der anderen Seite muss auch das ZDF fiktionale Produktionen abbrechen oder verschieben. Die für den 25. April 2020 geplante Show "Willkommen bei Carmen Nebel" entfällt zum Beispiel und die "Traumschiff"-Dreharbeiten pausieren. Viele Produktionen im Fiktion- und Showbereich werden nicht mehr fertig gestellt. Das wird Auswirkungen auf die ZDF-Programmplanung haben. „In angespannten Zeiten braucht es umso mehr auch Momente der Ent-Spannung“; sagt dazu Dr. Norbert Himmler, Programmdirektor des ZDF. Das ZDF arbeite deshalb sehr konzentriert und mit Hochdruck an Formen und Formaten, die auch mal ablenken, zum Schmunzeln bringen. „Die konstitutive Wirkung von Humor in Krisenzeiten nicht zu unterschätzen“, so Himmler.

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„Wir müssen dort hingehen, wo die Menschen sind“

„Wir müssen dort hingehen, wo die Menschen sind“

von am 20.03.2020

ARD erreicht in der Corona-Krise über soziale Netzwerke viele junge Nutzer

20.03.2020. Interview mit Jürgen Ebenau, Hauptabteilungsleiter Online des SWR, Leiter ARD Partnermanagement Social Media

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk baut angesichts der Coronavirus-Epidemie seine Präsenz in sozialen Netzwerken aus und erzielt damit auch eine hohe Nutzung, vor allem bei Informationssendungen wieder „Tagesschau“. Jetzt zahlt sich aus, dass ARD, ZDF und Deutschlandradio ihre Angebote über soziale Netzwerke seit Mai vergangenen Jahres, mit der Umsetzung des Telemedienstaatsvertrages systematisch ausgebaut haben.
So sind 6,6 Milliarden Video-Streams im vergangenen Jahr von offiziellen Accounts der ARD bei YouTube und Facebook abgerufen worden. Zudem nutzen User mehr als 22 Millionen Facebook- und 10,4 Millionen YouTube-Abos von ARD-Angeboten. Bei Facebook, Twitter, YouTube und Instagram wurde mehr als 300 Millionen Mal mit Kommentaren, Shares oder Likes auf die Inhalte reagiert. Mit 2,6 Millionen Followern ist die „Tagesschau“ auf Twitter der meistgefolgte deutsche News-Kanal. Auch auf Instagram liegt die „Tagesschau“ mit rund 1,4 Millionen Fans an der Spitze.
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„Die Bedrohung für die Produktionslandschaft ist existentiell“

„Die Bedrohung für die Produktionslandschaft ist existentiell“

von am 18.03.2020

Die Sender sollen ungenutzte KEF-Mittel für Unterstützung der Produzenten einsetzen

18.03.2020. Interview mit Marco Mehlitz, Vorstandsmitglied des Produzentenverbandes, Produzent und Geschäftsführer von Lago Film

ARD und ZDF haben beschlossen, dass für alle Auftragsproduktionen die geschlossenen Verträge fortgelten und diese fertig gestellt werden sollen. Kommt es zu Drehverschiebungen und entstehen dadurch Kosten, werden sich die ARD-Sender und das ZDF an den nachgewiesenen Mehrkosten mit 50 Prozent beteiligen. In einem medienpolitik.net-Interview bezeichnet Marco Mehlitz, Produzent und Geschäftsführer von Lago Film, die Bedrohung für die Produktionslandschaft als „existentiell“. „Der Überlebenskampf einzelner Branchenteilnehmer darf jedoch nicht dazu führen, dass Solidarität und Zusammenhalt untereinander aufgegeben werden. Die Film- und Fernsehbranche und insgesamt die Kultur- und Kreativwirtschaft können nur überleben, wenn alle Beteiligten weitestgehend unbeschadet aus der Krise finden“, so das Vorstandsmitglied des Produzentenverbandes. Mehlitz fordert eine schnelle, unbürokratische und flexible Hilfe für alle Betroffenen durch Förderungen und Sender. Es müsse alles denkbar sein, was Linderung bringt und zu einer Schadensminderung führt. Das Angebot von ARD und ZDF, bei Auftragsproduktionen 50 Prozent der Mehrkosten zu tragen, sei nicht ausreichend, da die Produktionsunternehmen die anderen 50 Prozent schwerlich selber tragen können. Die Sender könnten für die Übernahme der Mehrkosten z.B. in umfassender Höhe auf ungenutzten KEF-Mittel zurückgreifen.
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„Viele Kinos haben Sorgen vor der Insolvenz“

„Viele Kinos haben Sorgen vor der Insolvenz“

von am 17.03.2020

Schließung der Kinos führt jede Woche zu Verlusten von 17 Millionen Euro

17.03.2020. Interview mit Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF KINO e.V.

„Eine flächendeckende Schließung aller Filmtheater in Deutschland wird für die Kinos jede Woche zu Verlusten in Höhe von 17 Millionen Euro führen“, erläuterte Christine Berg, in einem medienpolitik.net-Interview. Der Einbruch der Wochenendzahlen gab darauf bereits einen bitteren Vorgeschmack und wies für die Top 20 ein Minus von 75 Prozent im Vergleich zur Vorwoche auf. „Die Verluste“, so Berg „werden aufgrund der unabsehbaren Einschränkungen kaum aufholbar sein. Ein Gebot der Stunde sei es für die Kinobetreiber, die zahlreichen Mitarbeiter möglichst weiter zu beschäftigen. Viele Mitglieder hätten berechtigte Sorgen vor der Insolvenz, denn Kinos seien äußerst kostenintensive Immobilien, die auf regelmäßige Einkommen angewiesen seien, beschreibt die Vorstandsvorsitzende des Kinoverbands die aktuelle Situation. Angesichts der dramatisch wachsenden Auswirkungen der Corona-Krise auf die Filmwirtschaft hat die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) ein Soforthilfe-Paket der Politik gefordert. So werden Liquiditätsbeihilfen zum Beispiel über die KfW gefordert, die ein Sofortprogramm für die Kultur- und Kreativwirtschaft aufgelegt soll. Analog zum europäischen Garantiefonds soll zudem ein Ausfallrisikofonds für die zwischenfinanzierenden Banken eingerichtet werden. Hier müssen auch die Versicherungswirtschaft und die Sender in die Pflicht genommen werden.
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„Die KEF ist essenzieller Bestandteil unserer Medienordnung“

„Die KEF ist essenzieller Bestandteil unserer Medienordnung“

von am 16.03.2020

KEF-Vorsitzender: Wenn nicht alle Landtage der Erhöhung des Rundfunkbeitrages zustimmen, bleibt es bei 17,50 Euro

16.03.2020. Interview mit Dr. Heinz Fischer-Heidlberger, Vorsitzender der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF)

Die Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder haben am vergangenen Donnerstag einer Anhebung des Rundfunkbeitrags um 86 Cent auf dann 18,36 Euro im Monat zugestimmt. Sie folgten damit einer Empfehlung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF). Sowohl Sachsen als auch Sachsen-Anhalt machten nach der Abstimmung deutlich, dass sie in einer Selbstverpflichtung der Anstalten erwarten, dass der Reformprozess fortgesetzt werde. In einem Interview mit medienpolitik.net betont Dr. Heinz Fischer-Heidlberger, Vorsitzender der KEF, dass seine Kommission „essenzieller Bestandteil unserer Medienordnung und wichtiger Garant für die Rundfunkfreiheit“ ist. Auch der 22. Bericht zeige: Die KEF arbeitet unabhängig und lasse sich politisch nicht beeinflussen. Die Ergebnisse widerlegten die theoretischen Diskussionen zur Indexierung. Die KEF müsse aktuelle Entwicklungen berücksichtigen. Aber auch die Wirtschaftlichkeitspotenziale auf der Aufwandsseite seien zu analysieren. „Die KEF“, so Dr. Heinz Fischer-Heidlberger weiter, „hat das Indexmodell immer abgelehnt, weil die Entkopplung vom tatsächlichen Finanzbedarf regelmäßig zu einer Über- oder gegebenenfalls auch Unterfinanzierung der Anstalten führen würde.“
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Jetzt sind die öffentlich-rechtlichen Sender am Zug

Jetzt sind die öffentlich-rechtlichen Sender am Zug

von am 13.03.2020

Länder stimmen für neuen Rundfunkbeitrag – Sachsen-Anhalt enthielt sich

13.03.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Er ist auf dem Weg, aber noch nicht am Ziel: Der Rundfunkbeitrag in Höhe von 18,36 Euro ab 1. Januar 2021. Die Länder haben sich gestern in der Ministerpräsidentenkonferenz darauf einstimmig verständigt. Sie folgten damit einer Empfehlung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF). „Der Beitrag ist elf Jahre lang nicht erhöht worden. Und die Regierungschefinnen und -chefs der Länder haben von den Rundfunkanstalten große Sparmaßnahmen eingefordert. Gleichzeitig stehen die öffentlich-rechtlichen Anstalten mit der digitalen Transformation und weiteren Investitionen vor großen Herausforderungen“, sagte die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, Ministerpräsidentin Malu Dreyer, im Anschluss an die Konferenz.
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Ein kohärenter Jugendmedienschutz ist nicht im Alleingang zu haben

Ein kohärenter Jugendmedienschutz ist nicht im Alleingang zu haben

von am 12.03.2020

Medienanstalten fordern Nachjustierung bei Novelle des Jugendschutzgesetzes

12.03.2020. Von Dr. Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) und Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK)

Neue Verbreitungswege für Inhalte, Plattformen mit nutzergenerierten Angeboten, vielfältige Kommunikationswege, neue Monetarisierungsstrategien und mobile Endgeräte in nahezu allen Kinderhänden: Die grundlegenden Veränderungen der Medienlandschaft sind für Anbieter und Nutzer vor allem ein Gewinn. Für Kinder und Jugendliche sind dadurch aber auch neue Risiken und für die Regulierung neue Herausforderungen entstanden. Dies macht eine Modernisierung des bisherigen Rechtsrahmens im Jugendmedienschutz dringend erforderlich. Denn bei all den positiven Aspekten von Innovation: Der Schutz von Kindern und Jugendlichen ist nicht verhandelbar. Daher unterstützen wir ohne Einschränkung das im Koalitionsvertrag festgelegte Ziel, einen modernen und kohärenten Regulierungsrahmen zu schaffen.
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Das mediale Lagerfeuer erwärmt immer weniger Zuschauer

Das mediale Lagerfeuer erwärmt immer weniger Zuschauer

von am 11.03.2020

Die privaten Fernsehsender stehen vor radikalen Veränderungen

11.03.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Vor nahezu 25 Jahren, im Dezember 1995 startete Sat.1. eine Innovation im Deutschen Fernsehen: Eine Late-Night-Show nach amerikanischem Vorbild. Als am 23. Dezember 2003 die Zusammenarbeit Harald Schmidts mit dem Privatsender endete, verfolgten 2,47 Millionen Zuschauer den Abschied des Entertainers von Sat.1. Das Entsprach einem Marktanteil von 17,6 Prozent. Doch diese Zeiten erfolgreicher Innovationen und solch hoher Marktanteile sind für das private Fernsehen längst Geschichte. Höchstens mit Fußball erreicht RTL heute im Ausnahmenfall Marktanteile von annähernd 30 Prozent. Vorbei die Zeiten, als „DSDS“ bei RTL noch Rekordquoten erzielte, vorbei die Zeiten, als Stefan Raab ProSieben in schöner Regelmäßigkeit Top-Reichweiten bescherte. 1984 startete mit Sat.1. der erste kommerzielle TV-Sender, wenig später ging RTL auf Sendung. In den 90er Jahren erreichten Sat.1, RTL & Co. mehr Zuschauer als die öffentlich-rechtlichen Sender. 2007 lag deren Marktanteil bei 56,6 Prozent, 2018 waren es noch 51,8 Prozent, Tendenz fallend. Zudem stehen hinter den Marktanteilen real weniger Zuschauer. Und das obwohl sich die Zahl privater Anbieter in den vergangenen Jahren explosionsartig vermehrt hat.

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„Den Mittelstand in den Fokus der Förderung stellen“

„Den Mittelstand in den Fokus der Förderung stellen“

von am 09.03.2020

Bund und Länder starten „Zukunftsprogramm Kino“

09.03.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur www.medienpolitik.net.

Im Koalitionsprogramm der der CDU/CSU/SPD- Bundesregierung wurde im März 2018 ein „Zukunftsprogramm Kino“ vereinbart, das heute gestartet ist. Nach der erfolgreichen Digitalisierung aller Kinos, die 2015 abgeschlossen werden konnte und die der Bund, die FFA und die Länder mit ca. 60 Millionen Euro gefördert hatte, wurde von den Kinoverbänden auf die Fortführung der Kinoförderung gedrängt. Der HDF Kino hatte von 2018 bis 2023 den Investitionsbedarf der deutschen Kinos bei mindestens 900 Millionen Euro gesehen. Auf das Jahr bezogen sind das 180 Millionen Euro, wovon 2/3 von den Kinos selber gedeckt werden können. Insgesamt beträgt das Defizit also 300 Millionen Euro. Die beiden Kinoverbände hatten deshalb bis 2023 150 Millionen Euro an Förderung angemahnt. Die jetzt beschlossenen Mittel von 17 Millionen Euro für 2020 stellen also nur einen Bruchteil der von den Kinos geforderten Unterstützung dar. Wie hoch die Summen für 2021 – 2023 ausfallen wird steht zudem noch nicht fest.
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Am Scheideweg: Politik für eine freie Presse – oder für Google und Facebook?

Am Scheideweg: Politik für eine freie Presse – oder für Google und Facebook?

von am 04.03.2020

Das Ziel des Medienstaatsvertrages, Intermediäre einer Regulierung zu unterwerfen, droht durch die Entwurfsbegründung in ihr Gegenteil verkehrt zu werden

04.03.2020. Von Dr. Harm-Randolf Döpkens, Stv. Leiter Regulierung der VG Media

Inzwischen ist es ein Gemeinplatz: Die wirtschaftliche Lage der Presse hat sich im Zuge der Digitalisierung dramatisch verschlechtert. Dies liegt auch daran, dass die Online-Geschäftsmodelle der Presseverleger von marktmächtigen Online-Plattformen behindert werden, die Inhalte der Presseverleger nutzen, ohne dafür eine angemessene Vergütung zu zahlen. Von Seiten der Politik fehlt es nicht an Lippenbekenntnissen zur Bedeutung der Presse für die demokratische Meinungsbildung. Wenn es aber um konkrete gesetzgeberische Maßnahmen geht, bleiben diese Bekenntnisse leider oft ohne Folgen. Es drängt sich im Gegenteil der Eindruck auf, dass auf Bundes- und Landesebene Politik nicht zum Schutz der Presse, sondern im Interesse von Google und Facebook gemacht wird.
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