Filmwirtschaft

Für eine lebendige Dokumentarfilmkultur

Für eine lebendige Dokumentarfilmkultur

von am 20.01.2020

Die AG Dokumentarfilm wird 40

20.01.2020. Von Thomas Frickel, Vorsitzender und Geschäftsführer, Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm e.V. / AG DOK

„Das Fernsehen hat den Dokumentarfilm zum bebilderten Journalismus degradiert, für das Kommerzkino ist er erst recht nicht existent. Dieser Entwicklung wollen wir nicht mehr tatenlos zusehen. Deshalb schließen wir uns in der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm zusammen. Was wir brauchen, ist eine lebendige Dokumentarfilmkultur!“ Sätze aus der Gründungs-Erklärung der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm vom 19. September 1980. Und zugleich Sätze, die ich nach vierzig Jahren immer noch bedenkenlos unterschreiben könnte. Sie haben nichts von ihrer Aktualität verloren.
Also: alles auf Anfang? Hat sich der größte Berufsverband der deutschen Film- und Medienbranche 40 Jahre lang in einer Zeitschleife verhakt? Waren 40 Jahre AG Dokumentarfilm, waren 40 Jahre des Aufbäumens gegen die Geringschätzung des Genres und seiner Möglichkeiten nur ein nicht enden wollender Murmeltier-Tag?
Natürlich nicht. Die Geschichte der AG DOK lässt sich viel besser als Erfolgsstory erzählen.

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„Es ist sinnvoll, die öffentlich-rechtlichen Angebote zu bündeln“

„Es ist sinnvoll, die öffentlich-rechtlichen Angebote zu bündeln“

von am 09.01.2020

Die ARD will in der Mediathek mehr Exklusives anbieten. Bei der Degeto wurden dafür Mittel umgeschichtet

09.01.2020. Interview mit Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen

Im Abendprogramm – zwischen 20:00 und 23:00 Uhr – ist Das Erste im Jahr 2019 mit einem Marktanteil von 14,3 Prozent das meistgesehene Programm geworden, gefolgt vom ZDF mit 13,9 Prozent. RTL kommt auf 9,4 Prozent, SAT.1 auf 5,4 Prozent und ProSieben auf 4,7 Prozent. Bezogen auf den gesamten Sendetag entfallen die größten Teile des Fernsehkonsums auf das ZDF (13,1 %). Bei einer aktuellen Befragung des Institut Kantar „Welcher Sender insgesamt die qualitativ besten Programme anbietet“, erhielt Das Erste mit 24 Prozent die meisten Nennungen, vor dem ZDF mit 14 und RTL mit 13 Prozent. Auch wenn es um die Unverzichtbarkeit der Sender für das Publikum geht, liegt Das Erste mit 20 Prozent weit vorne. 15 Prozent der Befragten nannten RTL und 12 Prozent das ZDF. Diese gute Position will Das Erste in diesem Jahr mit einer Verstärkung seiner Mediathek durch exklusive Produktionen ausbauen. Zudem will Programmdirektor Volker Herres, wie er in einem medienpolitik.net-Gespräch erläutert, große Stoffe, die 2020 im Ersten zu sehen sein werden, vorab als ganze Serien in die Mediathek stellen. Herres geht davon aus, dass für die neuen Angebote keine zusätzlichen Mittel bereit stünden, sondern die vorhandenen Etats umgeschichtet werden müsse.

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„Qualität vor Quantität“

„Qualität vor Quantität“

von am 29.11.2019

SPD-Bundestagsfraktion fordert von VoD-Plattformen angemessenen Beitrag zur Filmförderung

29.11.2019. Interview mit Martin Rabanus, MdB, Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion

Die SPD-Bundestagsfraktion möchte mit der geplanten Novelle des Filmförderungsgesetzes (FFG) den deutschen Film als Kultur- und Wirtschaftsgut stärken sowie die Qualität und Vielfalt des deutschen Filmschaffens unterstützen. Das Gesetzgebungsverfahren startet im Frühjahr 2020, das Gesetz soll am 01.01.2022 in Kraft treten. Bis dahin plant sie einen regelmäßigen Austausch mit allen Interessengruppen um die Expertise der Branche zu nutzen. Als Basis für den Gesetzentwurf der Novelle des Filmförderungsgesetzes will die SPD-Fraktion zudem gemeinsam mit der Unionsfraktion ein Eckpunktepapier erarbeiten. Nach Auffassung des SPD-Politikers Martin Rabanus, geht es in der deutschen Förderlandschaft darum, die verschiedenen Fördertöpfe auf Bundesebene (FFA, DFFF 1 & 2, GMPF und die kulturelle Filmförderung) besser zu koordinieren und aufeinander abzustimmen. „In diesem Zusammenhang“, so der Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion, „müssen wir auch darüber diskutieren, ob sich die FFA auf Kernaufgaben reduzieren sollte und wenn ja, welche Aufgaben ihren Kern bilden.“ Rabanus sprach sich auch dafür aus, das „Zukunftsprogramm Kino“ deutlich aufzustocken.

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„Wir brauchen mehr Klasse statt Masse“

„Wir brauchen mehr Klasse statt Masse“

von am 20.11.2019

Debatte um FFG-Novelle: Fördermittel umschichten

20.11.2019. Interview mit Yvonne Magwas, MdB, filmpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat sich in dieser Legislaturperiode bereits mehrfach mit der Filmwirtschaft befasst. So diskutierten kürzlich die Medienpolitiker dieser Fraktion bei einem Expertengespräch über die anstehende Novelle des Filmförderungsgesetzes. Die Koalitionsfraktionen wollen ein Eckpunktepapier erarbeiten, das die Basis für den Gesetzentwurf zur Novellierung des Filmförderungsgesetzes dienen soll. In einem Interview mit medienpolitik.net betonte Yvonne Magwas, filmpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, dass die Branche an gemeinsamen Lösungen interessiert sei, so wurde bei dem Expertengespräch u.a. angekündigt, sich intern zum zukünftigen Verhältnis von Produktions- und Herausbringungsförderung zu einigen. Für die Hebung der Qualität des deutschen Films benötige man, so Magwas, nicht mehr Geld, sondern eine bessere Verteilung der ohnehin gut gefüllten Fördertöpfe. Dafür müsse man „natürlich auch an anderen Stellschrauben drehen, z.B. bei der Gewinnbeteiligung der Produzenten am Film.“
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„Im Netz treffen Dokfilme auf ein jüngeres Publikum“

„Im Netz treffen Dokfilme auf ein jüngeres Publikum“

von am 19.11.2019

MDR wünscht sich mehr Vorschläge für investigative Dokfilme von den Produzenten

19.11.2019. Interview mit Dr. Katja Wildermuth, Programmdirektorin des MDR für Kultur und Wissen sowie die Jungen Angebote des MDR und MDR JUMP

Der Dokumentarfilm-Wettbewerb der ARD, „Top of the Docs“, zieht von Berlin nach Leipzig und gesellt sich ab 2020 zu dem dortigen Filmfest im Herbst. Während des Dokumentarfilm-Festivals DOK Leipzig sollen künftig die Kandidaten präsentiert und der Sieger verkündet werden. 2020 wird der Preisträger letztmalig bei der Berlinale in Berlin bekanntgegeben. An dem Wettbewerb „Top of de Docs“ sind die Landesrundfunkanstalten der ARD beteiligt. Sie übernehmen Produktionskosten in Höhe von 250.000 Euro. Außerdem gibt es für den ausgewählten Film einen Sendeplatz im Ersten. Sie sehen, der Stellenwert von Dokumentarfilmen ist bei uns plattformübergreifend hoch und nachhaltig. Wie Dr. Katja Wildermuth, Programmdirektorin des MDR, in einem Interview mit medienpolitik.net betont, sei der Stellenwert von Dokumentarfilmen beim MDR „plattformübergreifend hoch und nachhaltig“. Sie wünsche sich jedoch noch mehr Vorschläge für investigative Dokumentarfilme. „Denn aus meiner Sicht ist der Dokfilm als Genre geradezu prädestiniert, die aktuellen Themen unserer Zeit kritisch aufzugreifen.“
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Eine Hauptrolle für das Kino

Eine Hauptrolle für das Kino

von am 18.10.2019

Im 1. Quartal 2020 soll das Zukunftsprogramm Kino starten

18.10.2019. Von Prof. Monika Grütters, CDU, Staatsministerin für Kultur und Medien

Nach den ein wenig unbefriedigenden Umsatz- und Besucherzahlen des Kinojahres 2018 und der - sagen wir es mal vorsichtig - nicht immer optimistisch stimmenden Berichterstattung dazu in den Feuilletons freuen wir, die wir mit Filmpolitik und Filmförderung zu tun haben, uns doch nach diesen goldenen Oktobertagen ausnahmsweise mal über einen herbstlichen Wetterbericht. Ausgedehnte Tiefdruckgebiete mit nasskaltem Schauerwetter verheißen in der Regel ja gut gefüllte Kinosäle. Und wenn das Kinoprogramm dann auch noch mit fesselnden Geschichten und außergewöhnlichen Leinwanderlebnissen aufwartet, wenn über Filme kontrovers diskutiert wird, dann dürfte das Gemeinschaftserlebnis Kino deutlich verlockender sein als der einsame Serienkonsum auf der heimischen Couch. Genau das jedenfalls muss unser Ziel sein, eine Hauptrolle für das Kino, wenn es um Filmgenuss geht!

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„Unsere Fiction-Highlights werden weiterhin linear und non-linear angeboten“

„Unsere Fiction-Highlights werden weiterhin linear und non-linear angeboten“

von am 15.10.2019

ZDF: Längere Verweildauer in der Mediathek bereits ab nächstem Jahr

15.10.2019. Interview mit Dr. Thomas Bellut, Intendant des ZDF

Das ZDF will mehr Inhalte ausschließlich im Internet zeigen und seine Sendungen außerdem länger im Netz zur Verfügung stellen. Das ermöglicht das im Mai in Kraft getretene Telemediengesetz. Für die Änderungen des Telemedienkonzepts des ZDF muss ein Drei-Stufen-Test durchgeführt werden. Das ZDF will in der Mediathek künftig auch Videos anbieten, die keinen Bezug zu linear ausgestrahlten Sendungen aufweisen. So könnten beispielsweise in den Bereichen Kultur und Wissenschaft mit Online-Only-Inhalten eigenständige Rubriken geschaffen werden, oder aktuelle Nachrichteninhalte im Internet zur Verfügung gestellt werden. Auch bei der Sportberichterstattung und dem Kinderprogramm möchte das ZDF seine Aktivitäten im Netz ausbauen. Die Sieben-Tage-Frist, die für die meisten Mediathek-Inhalte gilt, soll abgeschafft werden. So sollen fiktionale Inhalte ein Jahr abrufbar sein. Allerdings, so ZDF-Intendant Dr. Thomas Bellut, werde die lineare Verbreitung noch lange Zeit die wichtigste Säule des ZDF bleiben. „Veränderungen bei der Mediennutzung sehen wir vor allem bei den jüngeren Menschen.“
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„Disruptive Geschäftsmodelle nicht mit Avantgarde verwechseln“

„Disruptive Geschäftsmodelle nicht mit Avantgarde verwechseln“

von am 07.10.2019

Branche erwartet weitere Konsolidierung der Filmwirtschaft

07.10.2019. Fragen an Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein und Erwin M. Schmidt, Geschäftsführer, Produzentenverband e.V.

Unter dem Motto "2024 – Produzieren für Kino, Streaming und TV" trafen sich Ende September Produzenten, Kreative und filmpolitische Akteure zur ersten "Explorer Konferenz" in der Hamburger Kunsthalle. Der Kongress beleuchtete neue Trends und analysierte die Herausforderungen und Chancen des aktuellen Umbruchs in der Filmbranche. Die Explorer Konferenz war eingebettet in das FILMFEST HAMBURG, das vom 26. September bis 5. Oktober 2019 in der Stadt lief. Nach Auffassung von Helge Albers, Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, wird sich die Frage nach den Geschäftsmodellen im Bereich der Independents „noch mehr als bisher in den Vordergrund schieben und da kann es für verschiedene Produzenten durchaus unterschiedliche Ansätze geben. Die Konzentrationstendenzen, die wir schon seit einer Zeit sehen, werden sich fortsetzen.“ Erwin M. Schmidt, Produzentenverband, geht davon aus, dass die Technologie eine immer größere Rolle spielen werde. Mit ihrer Hilfe werden sich Zielgruppen leichter ansprechen und bedienen lassen, sie müssen im Umkehrschluss aber auch entsprechend bedient werden, weil sie sich sonst abwenden.“ Vor allem Produzenten seien gefordert, viel stärker an Zielgruppen zu denken und zielorientiert für sie zu produzieren.
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„Die Kinos müssen den Zeitgeist besser erfassen“

„Die Kinos müssen den Zeitgeist besser erfassen“

von am 23.09.2019

Neue HDF-Kino-Chefin fordert mehr Förderung und Sicherung der Exklusivität der Kinos

23.09.2019. Interview mit Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino

Seit August ist Christine Berg neue Vorstandsvorsitzende des HDF Kino, des größten Interessenverbandes der Kinobetreiber. Christine Berg, die zuletzt seit 2012 als stellvertretender Vorstand der FFA für den gesamten Förderbereich verantwortlich zeichnete war davor unter anderem Geschäftsführerin der Gesellschaft zur Förderung audiovisueller Werke in Schleswig-Holstein (MSH) und Intendantin der Nordischen Filmtage Lübeck. In einem ausführlichen Gespräch mit medienpolitik.net beschreibt sie die aktuelle Situation der Kinos und erläutert die dringendsten Aufgaben, vor denen der Verband steht. Im Zusammenhang mit der Novellierung des FFG formuliert sie drei wichtige Ziele: „Erstens muss der Fokus des FFG ganz klar weiterhin auf dem Kinofilm liegen. Zweitens muss die Exklusivität der Kinos gewährleistet bleiben, damit alle nachfolgenden Auswertungsstufen davon profitieren können. Das Kino veredelt den Film. Das wissen auch Streamingdienste wie Netflix. Warum hätten sie auf einmal so ein Interesse ihre Filme – zumindest kurzfristig – in den Kinos zu zeigen? Wir sehen das natürlich auch als eine Anerkennung für die Arbeit der Kinobetreiber*innen. Drittens muss die Kinoförderung reformiert werden und dafür muss das FFG die Rahmenbedingungen schaffen.“
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„Vom entspannt zurücklegen sind wir weit entfernt“

„Vom entspannt zurücklegen sind wir weit entfernt“

von am 16.09.2019

Situation der Kinos ein wenig besser als 2018, Kinoförderung muss dennoch dringend erhöht werden

16.09.2019. Interview mit Dr. Christian Bräuer Vorstandsvorsitzender der AG Kino

In Leipzig beginnt heute die 19. Filmkunstmesse, eine Veranstaltung der AG Kino – Gilde. Die Filmkunstmesse Leipzig ist ein europaweit einzigartiges Forum für den partnerschaftlichen Austausch zwischen Kinobetreibern, Verleihern und Fachleuten aus der Arthouse-Branche. Sie bietet eine Plattform, auf der Fachleute weit vor Bundesstart Filme sichten, über Marketing und Potential der einzelnen Filme diskutieren und gemeinsam in Seminaren, Workshops und Diskussionsrunden Strategien für die Zukunft der Filmkunst entwickeln. Mit 72 Filmen zeigt die Filmkunstmesse wieder einen großartigen Querschnitt durch das deutsche, europäische und unabhängige amerikanische Kino. Zu jedem der Filme findet in Form von moderierten Gesprächen über Marktpositionierung, Zielgruppenorientierung und Marketingstrategien ein ausgiebiger Austausch zwischen allen Beteiligten statt. Zur Eröffnung wird die Komödie von Richard Linklater „Bernadette“ gezeigt. Fragen an Dr. Christian Bräuer, Vorstandsvorsitzender der AG Kino und selbst Kinobetreiber, zur aktuellen Situation der Kinos, zu den Besucherzahlen, dem Zukunftsfonds Kino, dem Filmangebot und dem Marketing für kleinere Kinos. Das Fazit von Dr. Christian Bräuer: „Untergangsszenarien sind daher ebenso unangebracht, wie die strukturellen Marktveränderungen, denen wir Kinos uns stellen müssen, zu ignorieren.“
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