Filmwirtschaft

„Die Bedrohung für die Produktionslandschaft ist existentiell“

„Die Bedrohung für die Produktionslandschaft ist existentiell“

von am 18.03.2020

Die Sender sollen ungenutzte KEF-Mittel für Unterstützung der Produzenten einsetzen

18.03.2020. Interview mit Marco Mehlitz, Vorstandsmitglied des Produzentenverbandes, Produzent und Geschäftsführer von Lago Film

ARD und ZDF haben beschlossen, dass für alle Auftragsproduktionen die geschlossenen Verträge fortgelten und diese fertig gestellt werden sollen. Kommt es zu Drehverschiebungen und entstehen dadurch Kosten, werden sich die ARD-Sender und das ZDF an den nachgewiesenen Mehrkosten mit 50 Prozent beteiligen. In einem medienpolitik.net-Interview bezeichnet Marco Mehlitz, Produzent und Geschäftsführer von Lago Film, die Bedrohung für die Produktionslandschaft als „existentiell“. „Der Überlebenskampf einzelner Branchenteilnehmer darf jedoch nicht dazu führen, dass Solidarität und Zusammenhalt untereinander aufgegeben werden. Die Film- und Fernsehbranche und insgesamt die Kultur- und Kreativwirtschaft können nur überleben, wenn alle Beteiligten weitestgehend unbeschadet aus der Krise finden“, so das Vorstandsmitglied des Produzentenverbandes. Mehlitz fordert eine schnelle, unbürokratische und flexible Hilfe für alle Betroffenen durch Förderungen und Sender. Es müsse alles denkbar sein, was Linderung bringt und zu einer Schadensminderung führt. Das Angebot von ARD und ZDF, bei Auftragsproduktionen 50 Prozent der Mehrkosten zu tragen, sei nicht ausreichend, da die Produktionsunternehmen die anderen 50 Prozent schwerlich selber tragen können. Die Sender könnten für die Übernahme der Mehrkosten z.B. in umfassender Höhe auf ungenutzten KEF-Mittel zurückgreifen.
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„Viele Kinos haben Sorgen vor der Insolvenz“

„Viele Kinos haben Sorgen vor der Insolvenz“

von am 17.03.2020

Schließung der Kinos führt jede Woche zu Verlusten von 17 Millionen Euro

17.03.2020. Interview mit Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF KINO e.V.

„Eine flächendeckende Schließung aller Filmtheater in Deutschland wird für die Kinos jede Woche zu Verlusten in Höhe von 17 Millionen Euro führen“, erläuterte Christine Berg, in einem medienpolitik.net-Interview. Der Einbruch der Wochenendzahlen gab darauf bereits einen bitteren Vorgeschmack und wies für die Top 20 ein Minus von 75 Prozent im Vergleich zur Vorwoche auf. „Die Verluste“, so Berg „werden aufgrund der unabsehbaren Einschränkungen kaum aufholbar sein. Ein Gebot der Stunde sei es für die Kinobetreiber, die zahlreichen Mitarbeiter möglichst weiter zu beschäftigen. Viele Mitglieder hätten berechtigte Sorgen vor der Insolvenz, denn Kinos seien äußerst kostenintensive Immobilien, die auf regelmäßige Einkommen angewiesen seien, beschreibt die Vorstandsvorsitzende des Kinoverbands die aktuelle Situation. Angesichts der dramatisch wachsenden Auswirkungen der Corona-Krise auf die Filmwirtschaft hat die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) ein Soforthilfe-Paket der Politik gefordert. So werden Liquiditätsbeihilfen zum Beispiel über die KfW gefordert, die ein Sofortprogramm für die Kultur- und Kreativwirtschaft aufgelegt soll. Analog zum europäischen Garantiefonds soll zudem ein Ausfallrisikofonds für die zwischenfinanzierenden Banken eingerichtet werden. Hier müssen auch die Versicherungswirtschaft und die Sender in die Pflicht genommen werden.
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„Revolutionen sehen anders aus“

„Revolutionen sehen anders aus“

von am 10.03.2020

Kontroverse Diskussion, wie der deutsche Film besser werden kann

10.03.2020. Interview mit Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH)

Das Drama "Es gibt kein Böses" des im Iran festgehaltenen Wahlhamburgers Mohammad Rasoulof wurde bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären gekürt. Der Film wurde von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein gefördert. In "Es gibt kein Böses" geht der Regisseur in vier Episoden der Frage nach, inwieweit Menschen in einer autoritären Herrschaft für ihr Handeln selbst verantwortlich sind, ganz gleich, was sie anderen antun. Deutscher Produzent ist die Hamburger Cosmopol Film. Insgesamt war Hamburg mit 18 geförderten Filmen bei der 70. Berlinale vertreten. Wie Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein gegenüber medienpolitik.net betont, sei der aktuelle Ruf nach einer Verknappung deutscher Filme in Zeiten der Plattformökonomie, fragmentierter Finanzierungsmärkte und digitaler Herstellungs- und Auswertungsmöglichkeiten eher rückwärtsgewandt. Aktuell verdienen die meisten Produzenten erst in der Produktionsphase ihr Geld. Das führe dazu, dass viele aus wirtschaftlichen Zwängen heraus zu früh anfangen müssen, ihre Filme produzieren. Die FFHSH will die Antragssteller in die Lage versetzen, ihre Stoffe auszuentwickeln - oder, wenn nötig, auch die Entscheidung zu treffen, Stoffe fallen zu lassen.
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„Den Mittelstand in den Fokus der Förderung stellen“

„Den Mittelstand in den Fokus der Förderung stellen“

von am 09.03.2020

Bund und Länder starten „Zukunftsprogramm Kino“

09.03.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur www.medienpolitik.net.

Im Koalitionsprogramm der der CDU/CSU/SPD- Bundesregierung wurde im März 2018 ein „Zukunftsprogramm Kino“ vereinbart, das heute gestartet ist. Nach der erfolgreichen Digitalisierung aller Kinos, die 2015 abgeschlossen werden konnte und die der Bund, die FFA und die Länder mit ca. 60 Millionen Euro gefördert hatte, wurde von den Kinoverbänden auf die Fortführung der Kinoförderung gedrängt. Der HDF Kino hatte von 2018 bis 2023 den Investitionsbedarf der deutschen Kinos bei mindestens 900 Millionen Euro gesehen. Auf das Jahr bezogen sind das 180 Millionen Euro, wovon 2/3 von den Kinos selber gedeckt werden können. Insgesamt beträgt das Defizit also 300 Millionen Euro. Die beiden Kinoverbände hatten deshalb bis 2023 150 Millionen Euro an Förderung angemahnt. Die jetzt beschlossenen Mittel von 17 Millionen Euro für 2020 stellen also nur einen Bruchteil der von den Kinos geforderten Unterstützung dar. Wie hoch die Summen für 2021 – 2023 ausfallen wird steht zudem noch nicht fest.
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„Mehr Abgabegerechtigkeit zwischen den Akteuren“

„Mehr Abgabegerechtigkeit zwischen den Akteuren“

von am 26.02.2020

Fraktionen von CDU/CSU und SPD des Deutschen Bundestages wollen mit der FFG-Novelle die Erlössituation der Produzenten verbessern

26.02.2020. Fragen an Elisabeth Motschmann, MdB, Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien und Martin Rabanus, MdB, Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion

Kurz vor der Berlinale haben CDU/CSU- und SPD-Fraktion des deutschen Bundestages ein gemeinsames Eckpunktepapier für die Novellierung des Filmförderungsgesetzes vorgelegt. Darin sprechen sich die beiden Regierungsfraktionen für eine moderate Abgabeerhöhung aus, um das Abgabeaufkommen der FFA als wichtigster Bundesförderung stabil zu halten. Durch Veränderungen bei der Gewinnaufteilung wollen sie die Erlössituation der Produzenten verbessern. Zudem sollen die Drehbuchförderung und vor allem in der Drehbuchfortentwicklung ausgebaut werden. Die FFA soll außerdem mehr Mittel für die Filmherausbringung bereitstellen und es soll am exklusiven Auswertungsfenster für die Kinos festgehalten werden. Bei Verstößen gegen die Einhaltung von sozialen Standards bei den Arbeitsbedingungen der Filmschaffenden am Set sollen künftig auch Sanktionen möglich sein.
In ihrer Rede auf dem Produzententag am 20. Februar hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters viele der Überlegungen aufgegriffen. Fragen an Elisabeth Motschmann, Kultur und medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Martin Rabanus, Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion zu ihren Vorschlägen.

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„Es gibt weiterhin zu wenige gute deutsche Filme“

„Es gibt weiterhin zu wenige gute deutsche Filme“

von am 24.02.2020

Der Bund erhöht Gesamtsumme der Förderungen auf rund 210 Millionen Euro

24.02.2020. Von Prof. Monika Grütters, CDU, Staatsministerin für Kultur und Medien

„Der Kinomarkt hat sich in Deutschland gegenüber dem negativen Ausnahmejahr leicht 2018 erholt“, stellte Kulturstaatsministerin Monika Grütters beim deutschen Produzententag fest. „Es ist zwar gut, dass der Anteil der deutschen Filme im vergangenen Kinojahr wieder bei über 20 Prozent lag. Es sollte aber dennoch möglich sein, wieder frühere Werte von 25 Prozent oder mehr zu erreichen.“ Die Staatsministerin kündigte an, nach der Berlinale einen Diskussionsentwurf für das ab 2022 geltende Filmförderungsgesetz vorzulegen. „Es gibt weiterhin zu wenige gute deutsche Filme“, sagte sie. Bund und Länder hätten 2019 über 450 Millionen Euro für die Filmförderung ausgegeben, davon rund 336 Millionen allein für Produktion und Entwicklung. „Am Geld fehlt es also nicht“, so Grütters. „Es muss mehr für die Entwicklung getan und auf dem Weg vom guten Drehbuch zum fertigen Film nachjustiert werden. Wir brauchen zusätzliche Anstrengungen bei Vertrieb und Marketing. Autorinnen und Autoren, Produzentinnen und Produzenten benötigen mehr Luft für Kreativität. Diesen Freiraum soll eine neue Projektentwicklungsförderung ermöglichen.“

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„Der qualitätsvolle deutsche Kinofilm braucht eine breitere Unterstützung“

„Der qualitätsvolle deutsche Kinofilm braucht eine breitere Unterstützung“

von am 17.02.2020

Filmverleiher fordern, dass BKM - FFA- und DFF-Förderung gleichermaßen justiert werden

17.02.2020. Interview mit Johannes Klingsporn, Geschäftsführer des VdF e.V. - Verband der Filmverleiher e.V.

In einem Interview mit medienpolitik.net betont Johannes Klingsporn, Geschäftsführer des VdF, dass die Verleiher gemeinsam mit den Produzentenverbänden die Erlössituation der Produzenten „bei erfolgreichen Kinofilmen“ verbessern wollen. Die Gesprächsrunden der letzten Wochen hätten gezeigt, dass im Bereich der Kinofilmproduktion ein Mechanismus gesucht werde, der die Produzenten im Erfolgsfall früher an den Erlösen aus der Verwertung des Films partizipieren lasse. Dazu schlagen die Verleiher vor, die Verleihförderung neu zu gestalten. „Die Tilgung dieser Förderung soll nicht wie bisher zu 100 Prozent an den Förderer, sondern zu 50 Prozent an den Produzenten und zu 50 Prozent an den Förderer erfolgen.“ Ein zwingender Erlöskorridor – wie im Eckpunktepapier der CDU/CSU und SPD-Bundestagsfraktionen angeregt - wird abgelehnt. „Er würde das Risiko-Investment der Verleiher deutlich reduzieren und zu sinkenden Besucher- und Umsatzzahlen deutscher Filme führen“, erläutert der VdF-Geschäftsführer. Zugleich kritisieren die Verleiher das rückläufige Engagement der öffentlich-rechtlichen Sender bei Kinoproduktionen sowie deren Blockade eines Auswertungen über Pay-TV und S-VoD.
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„Die deutsche Filmwirtschaft sichern“

„Die deutsche Filmwirtschaft sichern“

von am 13.02.2020

Gemeinsamer Vorschlag der CDU/CSU und SPD-Bundestagsfraktionen zur Novellierung des FFG

13.02.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur Medienpolitik.net

Das ist ein Novum in der jahrzehntelangen Förderung des deutschen Films und der über 50-jährigen Geschichte des Filmförderungsgesetzes: Erstmals legen die Fraktionen einer Regierungskoalition einen gemeinsamen Vorschlag für die Novellierung des FFG vor. In dem Eckpunktepapier wollen die Fraktionen von CDU/CSU und SPD des Deutschen Bundestages nach eigenen Worten die deutsche Filmwirtschaft sichern und den deutschen Film als Wirtschafts- und Kulturgut stärken. Die Umsetzung dieses Konzeptes setzt an mehreren Stellen eine einvernehmliche Einigung innerhalb der Branche voraus. Das scheint nach den in den letzten Tagen öffentlich ausgetragenen Kontroversen aber schwierig.
Die Koalitionsfraktionen verfolgen, wie es in einer gemeinsamen Pressmeldung heißt, zwei filmpolitische Ziele: Sie setzen sich für die Hebung der Qualität des deutschen Films ein, um den Erfolg beim Publikum zu erhöhen. Außerdem wollen sie den Etat der Filmförderungsanstalt (FFA) in Höhe von rund 50 Millionen Euro sichern helfen.
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Die Dissonanzen in der Filmbranche werden größer

Die Dissonanzen in der Filmbranche werden größer

von am 11.02.2020

Verleiher halten „Zwangskorridor“ bei Erlösen aus Kinofilmen für nicht verfassungsgerecht

11.02.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur www.medienpolitik.net

Die Einigkeit scheint vorbei, die Dissonanzen werden größer: Es geht um Zukunftsperspektiven, um Fördermittel, um Geschäftsmodelle und auch um die Zukunft des deutschen Films. Wir sind mitten in der Debatte um die Novellierung des FFG. Haben im vergangenen Jahr alle Beteiligten noch erklärt, man wolle gemeinsam nach Lösungen suchen, wie der deutsche Film erfolgreicher werden, wie er mehr Zuschauer erreichen und wie davon alle Seiten also Produzenten, Verleiher, Kinos und natürlich auch die Besucher profitieren können. Man war sich verbal einig, dass die produzierten Filme ein größeres Budget benötigen, die Drehbücher mehr Zeit und eine bessere Qualität erfordern, dass das Marketing verbessert und personalisiert werden müsse und die Kino modernsten Standard aufweisen sollten. Das alles zusammen würde mehr Geld, mehr Fördermittel bedeuten. Nur eine Umverteilung würde zulasten eines Gliedes in der Produktions- und Verwertungskette gehen. Zudem hat eine FFA-Studie ergeben, dass die Einnahmen der Filmförderungsanstalt mittelfristig sinken können. Damit droht möglicherweise sogar weniger Geld anstatt mehr. Also preschten im Januar die Produzentenverbände vor und forderten eine Neuregelung der Erlösverteilung bei Kinofilmen zwischen Produzenten und Kreativen sowie Verleihern. Jetzt zogen AG Verleih und der Verband der Filmverleiher in einem offenen Brief nach.

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„Wir brauchen einen konzertierten Vorschlag aus der Branche“

„Wir brauchen einen konzertierten Vorschlag aus der Branche“

von am 04.02.2020

Bayern erwartet eine Neujustierung der Filmförderung des Bundes

04.02.2020. Interview mit Judith Gerlach, Bayerischen Staatsministerin für Digitales

In einem Interview mit Medienpolitik.net fordert Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Digitales und auch für die Entwicklung der Filmwirtschaft sowie für Games und innovative audiovisuelle Formate zuständig, von der Filmbranche „einen konzertierten Vorschlag“ für die Stärkung des deutschen Films vorzulegen. Angesichts divergierender Positionen, die von Produzenten, Verleihern und Kinobetreibern in den letzten Tagen im Zusammenhang mit der Debatte zur Novellierung des FFG geäußert worden sind, ist das ein deutlicher Appell zu mehr Einigkeit. Eigentlich sehe sie einen großen Konsens bei allen Beteiligten, Kinobetreibern, Produzenten und Verleihern, dass in Deutschland insgesamt zu viele und zu oft unterfinanzierte, nicht ausreichend entwickelte Stoffe ins Kino kämen, betont die Ministerin. „Besser ausgestattete Kinoproduktionen“, wie oft gefordert, benötigten längere Entwicklungsvorläufe, Produktionsfinanzierung, aber auch ein ausreichendes Marketing-Budget. Judith Gerlach bekräftigt, dass die „großen Instrumente der Förderung im Bund nach den Entwicklungen der vergangenen Jahre“ neu justiert und besser strukturiert werden müssten. Die Länderförderungen würden sich dann automatisch diesem System anpassen.
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