Journalismus

„Eine öffentliche Förderung kann nur eine Stützung der Infrastruktur bedeuten“

„Eine öffentliche Förderung kann nur eine Stützung der Infrastruktur bedeuten“

von am 04.08.2021

In der Pandemie konnten mehr Kunden für hochwertigen, kostenpflichtigen, digitalen Journalismus gewonnen werden als zuvor

04.08.2021. Interview mit Christian Eggert, Leiter Verlagswirtschaft des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV)

Die Vertriebsumsätze der Tageszeitungen stiegen im vergangenen Jahr hauptsächlich durch Preiserhöhungen um fünf Prozent auf 4,23 Milliarden Euro. Ihre Anzeigenerlöse gingen jedoch um 17,4 Prozent auf 1,48 Milliarden Euro zurück. Insgesamt verloren die Verlage mit 5,71 Milliarden Euro knapp zwei Prozent an Umsatz. Auch im längerfristigen Vergleich zeigt sich, dass die Regionalverlage rückläufige Anzeigenumsätze zumindest weitgehend durch eine Steigerung der Vertriebserlöse ausgleichen konnten. Die überregionalen Zeitungen steigerten ihre Gesamtumsätze um ein Prozent auf 539 Millionen Euro. Nach Auffassung von Christian Eggert, Leiter Verlagswirtschaft des BDZV habe sich das Geschäftsmodell der Zeitungsverlage als krisenfest erwiesen: Die Zahl der Print-Leser habe sich, verglichen mit der Entwicklung in den Vorjahren, stabilisiert, die Zahl der neuen Kunden für digitalen Journalismus steige. Stabile Vertriebsumsätze konnten den zeitweiligen Einbruch bei den Anzeigen und Beilagen abfedern. Eine öffentliche Zeitungsförderung, so Eggert, könne immer nur eine Stützung der Infrastruktur bedeuten, gleichsam eine Demokratieverstärkung in der Fläche. Grundsätzlich sei das Geschäftsmodell jedes Verlags in Deutschland darauf ausgerichtet, wirtschaftlich aus eigener Kraft zu bestehen, schon um die publizistische Unabhängigkeit zu bewahren.

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„Kooperationen sind die Regel, nicht die Ausnahme“

„Kooperationen sind die Regel, nicht die Ausnahme“

von am 29.07.2021

„Zeit für Local Heroes“: Dokumentarisches Gemeinschaftsprojekt von Bayerischem Rundfunk und Rundfunk Berlin-Brandenburg

29.07.2021. Interview mit Dr. Jan Schulte-Kellinghaus, Programmdirektor des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb)

Der rbb und der Bayerische Rundfunk haben am Montag ein crossmediales Doku-Projekt zu kommunalpolitischen Themen gestartet. Über ein halbes Jahr hinweg begleiten Autoren und Reporter des beider ARD-Anstalten politische Akteurinnen und Akteure an ganz unterschiedlichen Orten in Deutschland und tauchen ein in die Themen und Konflikte vor Ort. Das crossmediale Doku-Projekt „Zeit für Local Heroes“ stellt das Engagement dieser Menschen in den Mittelpunkt und wirft Schlaglichter auf politische Entscheidungsprozesse vor Ort. Die dokumentarischen Beobachtungen dieser "Helden der Demokratie" münden in einer großen TV-Dokumentation im Ersten und einer Podcast-Reihe von radioeins und Bayern 2 im Rahmen der ARD-Themenwoche „Stadt. Land. Wandel.“ im November dieses Jahres. Zudem gibt es einen eigens gestalteten Instagram-Kanal „Zeit.fuer.LOCAL.HEROES“.
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Tageszeitungen sind immer schwieriger zu finanzieren

Tageszeitungen sind immer schwieriger zu finanzieren

von am 28.07.2021

BDZV: Zur wirtschaftlichen Lage der deutschen Zeitungen

28.07.2021. Branchenbeitrag 2021 von Dr. Dieter Keller (Text) und Christian Eggert (Statistik)

Journalistisch und wirtschaftlich war und ist die Corona-Pandemie für die Zeitungsverlage eine große Herausforderung. Publizistisch haben sie sich 2020 bewährt: Die Zeitungen konnten mehr als drei Millionen zusätzliche Leserinnen und Leser pro Woche gewinnen. Fast 60 Millionen Deutsche ab 14 Jahren lesen regelmäßig die gedruckte Zeitung oder nutzen mindestens wöchentlich ein digitales Zeitungsangebot. Der Zugewinn gelang mit digitalen Angeboten, die 63 Prozent wöchentlich ansehen, während 56 Prozent regelmäßig die gedruckte Zeitung lesen, ergab eine große Befragung von über 30.000 Bundesbürgern.
Das zeigt das Spannungsfeld, in dem die Zeitungsverlage unverändert stehen: Sie gelten gerade in einer schweren Krise als vertrauenswürdige Informationsquelle. Doch es fällt immer schwerer, dies zu finanzieren: Digitale Wege gewinnen an Erfolg, tragen sich aber noch nicht eigenständig. Die gedruckte Zeitung bleibt die Basis, auch wenn die Auflagen sinken und der bundesweite Vertrieb immer größere Probleme bereitet.
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„Der Programmauftrag gilt auch für ältere Zielgruppen“

„Der Programmauftrag gilt auch für ältere Zielgruppen“

von am 26.07.2021

Kritik an geplanten Programmänderungen im Ersten hält an

26.07.2021. Interview mit Prof. Dr. sc. pol. Erika Bock-Rosenthal, Vorsitzende des Initiativkreises öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Köln

Es gab in den vergangenen Tagen von verschiedenen Interessensgruppen und Verbänden Kritik an Überlegungen der neuen ARD-Programmdirektorin Christine Strobl, die Programmstruktur des Ersten zu verändern. Zu den Kritikern gehört auch der Initiativkreis öffentlich-rechtlicher Rundfunk Köln. So appellieren die Mitglieder an die ARD, die Pläne der Verlegung des Weltspiegels und der
Reduzierung der Auslandsberichterstattung fallen zu lassen. Wörtlich heißt es in dem Schreiben:
„Dabei handelt es sich nicht um einfache Programmentscheidungen sondern um die Gefährdung von journalistischen Rahmenbedingungen für die Zukunft. In der Epidemie ist uns allen deutlich vor Augen geführt worden, wie sehr wir auf die internationale Vernetzung angewiesen sind. Die Globalisierung wird sich nicht zurückdrehen lassen. Und der europäische Zusammenhalt muss immer wieder neu diskutiert und gestaltet werden. Die Auslandsberichterstattung im Zuge des digitalen Umbaus zurück zu fahren ist daher nicht sinnvoll.“ Dem Initiativkreis, der 1994 gegründet worden ist, gehören unter anderem emeritierte Professoren, ehemalige Mitarbeiter des WDR und Mitglieder des WDR-Rundfunkrates an. Fragen zum Appell an Prof. Dr. sc. pol. Erika Bock-Rosenthal, Vorsitzende des Initiativkreises.

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Regionale Tageszeitungen sind „Local Hero“

Regionale Tageszeitungen sind „Local Hero“

von am 22.07.2021

Die regionale Tageszeitung wird als kompetenter und glaubwürdiger Medienkanal angesehen

22.07.2021. Die regionale Tageszeitung hat ihren festen Platz in der Mediennutzung der Menschen, wird intensiv gelesen und gezielt als Kaufimpulsgeber genutzt. Die Nutzung der regionalen Tageszeitung steigt leicht an (+ 3 Prozent im Jahresvergleich). Treiber sind E-Paper- und Digital-Nutzung. 72 Prozent der Befragten finden, dass die regionale Tageszeitung von allen Medien am besten weiß, was in der Region passiert. Ein Fünftel der Print-Leser schaut sich Anzeigen ihrer regionalen Tageszeitung ganz bewusst an. 68 Prozent der Regional-Tageszeitungs-Leser wiederum nutzen regelmäßig Beilagen. Die regionale Tageszeitung wird als der kompetenteste (54 Prozent), glaubwürdigste (54 Prozent), engagierteste (47 Prozent) und objektivste Medienkanal (41 Prozent) angesehen. 72 Prozent der Befragten finden, dass die regionale Tageszeitung von allen Medien am besten weiß, was in der Region passiert.
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Vertrauen in Nachrichtenmedien gestiegen

Vertrauen in Nachrichtenmedien gestiegen

von am 30.06.2021

Fast die Hälfte der Internetnutzer erhält Falschinformationen zum Coronavirus

30.06.2021. Fast die Hälfte der erwachsenen Onliner in Deutschland (46 %) gibt an, innerhalb einer Woche falsche oder irreführende Informationen zu Covid-19 gesehen zu haben. Die größten Sorgen, auf Falschinformationen zum Coronavirus zu treffen, bestehen gegenüber Facebook (28 %) und Messenger-Apps (14 %) sowie gegenüber Aktivistinnen und Aktivisten als Absender (31 %). Journalistische Akteure spielen dabei aus Sicht der Befragten nur eine äußerst geringe Rolle (6 %). Das sind Ergebnisse des Reuters Institute Digital News Report 2021, dessen deutsche Teilstudie vom Leibniz-Institut für Medienforschung in Hamburg durchgeführt wurde. Insgesamt basiert die Studie auf 92.372 Befragten aus 46 Ländern auf sechs Kontinenten.
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„Eine Subvention der Zustellung gedruckter Zeitungen ist nicht funktional“

„Eine Subvention der Zustellung gedruckter Zeitungen ist nicht funktional“

von am 25.05.2021

Der Journalismus in Deutschland benötigt eine systematische Innovationspolitik

25.05.2021. Interview mit Jun.-Prof. Dr. Christopher Buschow, Juniorprofessor für „Organisation und vernetzte Medien“ Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar

Als Ende April die Bundesregierung die geplante Presseförderung absagte, bekam die Debatte über das Für und Wider dieser Hilfe für den Journalismus einen neuen Schub. Die FAZ, schrieb von einem Schock für die Verlage und keinem guten Tag für die Pressefreiheit. „Ein guter Tag für die Pressefreiheit wäre es, hätte sich die Bundesregierung eine faire Presseförderung einfallen lassen, die niemanden benachteiligt“, so die Zeitung. Bereiteis im September 2020 hatten Jun.-Prof. Dr. Christopher Buschow und Prof. Dr. Christian-Mathias Wellbrock (Universität zu Köln) in einem Gutachten festgestellt, dass die beste Hilfe für den professionellen Journalismus eine Innovationsförderung wäre. Die Wissenschaftler hatten eine erhebliche Finanzierungslücke für Innovationen im Journalismus ausgemacht: Während private Mittel für Neugründungen und einzelne Medienschaffende kaum verfügbar sind investieren etablierte Verlage ihre Innovationsbudgets offenbar schwerpunktmäßig in digitalen Geschäftsfeldern abseits des Journalismus. Angesichts dieses Finanzierungsproblems ist die direkte finanzielle Unterstützung von journalistischer Innovation durch die öffentliche Hand geboten. Fragen an Christopher Buschow zum Scheitern der Presseförderung und den Schlussfolgerungen.
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„Journalismusförderung ist und bleibt ein Spiel mit dem Feuer“

„Journalismusförderung ist und bleibt ein Spiel mit dem Feuer“

von am 19.05.2021

Lokale Zeitungsverlage fordern: Bei einer Förderung, kein Einfluss auf Inhalte und den Tendenzschutz

19.05.2021. Interview mit Martin Wieske, Geschäftsführer, Verband Deutscher Lokalzeitungen

Wissenschaftler des Mainzer Medieninstituts halten in einem Gutachten eine staatliche Förderung von lokal- und regionaljournalistischen Angeboten für möglich. So wäre beispielsweise eine Bundesförderung durch einen Innovationsfonds und einer Produktionsunterstützung verfassungsrechtlich grundsätzlich unbedenklich. Eine schwerpunktmäßige Ausrichtung auf den wirtschaftlichen Wettbewerb sei dafür jedoch die Bedingung. Anlass für das Gutachten im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen waren die gescheiterten Pläne der Bundesregierung für eine einmalige Presseförderung in Höhe von 220 Millionen Euro. Aufgrund rechtlicher Bedenken wird sie vom Bundeswirtschaftsministerium nun nicht realisiert. Die angespannte Corona-Situation und die Verteuerung der Zustellkosten, hätten die Zeitungen an die Belastungsgrenze gebracht, so Martin Wieske, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Lokalzeitungen. „Wir benötigen daher dringend eine Förderung der Zustellung“, so Wieske. „Journalismusförderung ist und bleibt ein Spiel mit dem Feuer. Die Unabhängigkeit der Presse ist ein unschätzbares und einzigartiges Gut. Hier hat der Staat im Grundsatz nichts zu verloren“, betont der Verbandschef der Lokalzeitungen. Finanzielle Einmalhilfen, wie in der Studie vorgeschlagen, würden auch im Nonprofitbereich und im Bereich der reinen Onlinemedien nicht dazu beitragen, dauerhaft hochwertigen Journalismus anzubieten.
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Intermediäre mit wachsendem Einfluss auf die Meinungsbildung

Intermediäre mit wachsendem Einfluss auf die Meinungsbildung

von am 06.05.2021

Reflexionen zur Meinungsfreiheit im digitalen Medienraum

06.05.2021. Von Dr. Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) und Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK)

Informationen als öffentliches Gut. Das Motto des diesjährigen Internationalen Tages der Pressefreiheit, der sich gerade zum dreißigsten Mal jährt, ist wohlüberlegt. In einer Zeit der verwirrenden Fülle an verfügbaren medialen Inhalten in unserer von Krisen geschüttelten Welt regen die Vereinten Nationen damit zur Reflektion an, welche Bedingungen zur Förderung eines freien Zugangs zu verlässlichen und vertrauenswürdigen Informationen nötig sind. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, aus diesem Anlass den Blick auf den Regulierungsrahmen der Medienanstalten zu lenken und darzustellen, welchen Beitrag die Medienanstalten in Deutschland für die Meinungsvielfalt in unserer digitalen Medienwelt leisten.

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Die Hälfte der Jugendlichen ist nicht an News interessiert

Die Hälfte der Jugendlichen ist nicht an News interessiert

von am 29.04.2021

UseTheNews-Studie: Jugendlichen fehlt bei Nachrichten oft der Bezug zur Lebenswirklichkeit

29.04.2021. Eine bundesweite Studie offenbart eine tiefe Informationskluft in der nachwachsenden Generation: Die Hälfte der Jugendlichen hält es nicht für wichtig, sich über Neuigkeiten und aktuelle Ereignisse zu informieren. Sie sind zugleich deutlich schlechter informiert als ihre Altersgenossen, die regelmäßig auch journalistische Nachrichtenquellen nutzen. Journalistische Angebote sind allerdings nur noch eine von vielen genutzten Informationsquellen. Zu diesen Ergebnissen kommt die #UseTheNews-Studie „Nachrichtennutzung und Nachrichtenkompetenz im digitalen Zeitalter“, initiiert von dpa und der Hamburger Behörde für Kultur und Medien. Durchgeführt wurde die Studie vom Leibniz-Institut für Medienforschung. Die Hälfte der Jugendlichen und jungen Erwachsenen hält es nicht für wichtig, sich über Neuigkeiten und aktuelle Ereignisse zu informieren. Bei journalistischen Nachrichten fehlt ihnen oft der Bezug zu ihrem persönlichen Alltag. Das sagen beispielsweise in der Altersgruppe der 14- bis 17-Jährigen mehr als zwei Drittel der Nicht-Journalistisch Informationsorientierten (67 Prozent). In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen sind es etwas weniger (59 Prozent). Aber auch bei den Journalistisch Informationsorientierten – also den Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die den stärksten Bezug zu klassischen Medien haben – ist der Wert in beiden Altersgruppen mit jeweils knapp 40 Prozent vergleichsweise hoch.
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