Kulturpolitik

„Kinoanbieter haben auf dem Streamingmarkt eine schwierige Zukunft“

„Kinoanbieter haben auf dem Streamingmarkt eine schwierige Zukunft“

von am 09.06.2021

Offensive der Streamingplattformen wird den Kinos schwer zu schaffen machen

09.06.2021. Interview mit Gabriel Mohr, Principal bei der Strategieberatung Arthur D. Little und Experte für die Entwicklungen in der Medienbranche

Die Unterhaltungsindustrie erlebt gewaltige Umbrüche. Auf dem US-Markt entsteht derzeit ein neuer Riese. AT&T legt sein Mediengeschäft mit dem Anbieter Discovery zusammen. Gleichzeitig wird Amazon sein Prime-Angebot mit der Übernahme von Metro-Goldwyn-Mayer weiter stärken. Es ist absehbar, dass die Streaming-Player sich in den kommenden Monaten und Jahren einen harten Kampf um Marktanteile und Kunden liefern müssen, um die eigenen Angebote bestmöglich skalieren zu können. Neben exklusiven, neuen Inhalte können auch die Archivschätze vermehrt zu Kriterien im Ringen um Kunden werden. Es scheint fraglich, welche Rolle das aufgrund der Pandemie ohnehin schon angeschlagene Kino mittelfristig noch spielen wird. Schon im letzten Jahr hatten einige Content-Anbieter die Exklusivität des Kinos untergraben, indem Inhalte exklusiv bzw. parallel zum Kinostart auch auf den eigenen Plattformen zu sehen waren. „Exklusive Premieren auf Streamingplattformen wird es nach wie vor geben, obwohl dies natürlich im Coronajahr 2020 eine einzigartige Möglichkeit war, um dem breiten Publikum trotz geschlossener Kinos neue Inhalte zu präsentieren. Gerade aufgrund des intensivierten Verteilungskampf könnte diese Strategie ein probates Mittel darstellen, sich von Konkurrenten abzugrenzen“, sagt Gabriel Mohr von der Strategieberatung Arthur D. Little.

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Die nächste Reform muss grundlegender sein

Die nächste Reform muss grundlegender sein

von am 26.05.2021

Grüne Vorschläge zur Novellierung des Filmförderungsgesetzes

26.05.2021. Von Tabea Rößner, MdB, Netz- und verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Fraktion BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN

Die Filmbranche in Deutschland ist unter Druck - nicht erst seit der Pandemie. Die Ursachen liegen nicht zuletzt in den Strukturen der Filmförderung. Turnusgemäß muss das Filmförderungsgesetz des Bundes jetzt novelliert werden. Zu einem großen Wurf ist es indes – pandemiebedingt – nicht gekommen. Vielmehr hat der Bundestag eine Mini-Novelle verabschiedet, die nur an einigen wenigen Punkten ansetzt. Problematisch ist dabei, dass zwar einige zentrale Fragen der Filmförderung adressiert werden, die Lösungen nicht zu Ende gedacht erscheinen oder erst gar nicht versucht werden.
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„Die Filmindustrie braucht das Kino“

„Die Filmindustrie braucht das Kino“

von am 18.05.2021

Fehlende strategische Planbarkeit als größtes Problem der Filmwirtschaft

18.05.2021. Interview mit Peter Dinges, Vorstand der Filmförderungsanstalt (FFA)

Für Peter Dinges, Vorstand der Filmförderungsanstalt, ist für die Filmwirtschaft gegenwärtig die fehlende Planbarkeit das größte Problem. Dazu zählten nicht nur die kurzfristigen Fragen, wann und zu welchen Bedingungen die Kinos wieder öffnen und Festivals und Märkte international wieder bei voller Kapazität liefen, sondern auch die mit der Pandemie einhergehende Verunsicherung. „Welchen tektonischen Verschiebungen sehen wir uns filmwirtschaftlich in den nächsten 1 bis 2 Jahren ausgesetzt? Welche Rolle werden die VoD-Plattformen spielen, welche die Kinos? Werden aus dieser Pandemie übermächtige, dominierende Player entstehen wie nach der Spanischen Grippe in den USA vor hundert Jahren? Und: Wer hat genügend wirtschaftliche Reserven, diese Situation überhaupt zu überstehen“, fragt Peter Dinges. Die FFA spielt bei den Corona-Hilfsmaßnahmen eine wichtige Rolle, mehr als eine halbe Milliarde Euro liefen dafür, so Dinges, über seine Einrichtung.
2020 hatte die Filmförderungsanstalt deutlich weniger Filme gefördert, bedingt auch durch verschobene Projekte. Derzeit, so der FFA-Chef, normalisierten sich Antrags- wie Förderzahlen zunehmend, so dass er nicht von einem Minus ausgehe.
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Der Kongress tanzt nicht

Der Kongress tanzt nicht

von am 17.05.2021

Kinokongress des HDF Kino debattiert existentielle Probleme der Branche

17.05.2021. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Seit gut einem halben Jahrhundert trifft sich die Filmtheater-Branche jährlich zum Kinokongress des HDF Kino, zumeist in Baden-Baden. Bisher ging es vor allem um neue Filme, innovative Technik, wirkungsvolleres Marketing und medien- und kulturpolitische Rahmenbedingungen. Seit der Corona-Pandemie hat sich die Agenda für das Kino geändert. Im vergangenen wurde der Kongress abgesagt und 2021 wird die morgen beginnende Veranstaltung digital stattfinden. Auch dieses Jahr werden wieder neue Kinofilme vorgestellt, doch die inhaltlichen Themen im zweiten Corona-Jahr betreffen vor allem existentielle Fragen: „Wie können neue Auswertungsstrategien aussehen“, „Endlich wieder Kino - Die Wiedereröffnung“, „Kino 2030: Wie sieht die Zukunft der Branche aus?“ und „Kino in Corona Zeiten“. „Wir sind in einem weiteren Pandemie-Jahr mit großen Umsatzeinbruch. Dazu kommt die Unsicherheit, welche weiteren Herausforderungen noch vor uns liegen, z.B. Beispiel, unter welchen Rahmenbedingungen wir öffnen werden oder welche Kapazität wir anbieten können“, beschreibt Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF Kino die aktuelle Situation gegenüber medienpolitik.net. „Der Kongress ‚KINO DIGITAL 2021‘ soll hier Raum für Diskussion schaffen, Chancen und Möglichkeiten für die Zukunft des Kinos aufzeigen sowie konkrete Lösungsansätze bieten“, so Berg weiter.
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„Jede Nutzung muss vergütet werden“

„Jede Nutzung muss vergütet werden“

von am 22.04.2021

Ausübende Künstler und Urheber fordern, eine Nutzung ihrer Werke untersagen zu können

22.04.2021. Interview mit Nina George, Schriftstellerin und Journalistin und Matthias Hornschuh, Komponist

Der Deutsche Bundestag diskutiert gegenwärtig die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in deutsches Recht. Bei der Anhörung des Bundestagsausschusses für Recht und Verbraucherschutz zum Thema „Änderungen im Urheberrecht“ forderte Professor Gerhard Pfennig, Sprecher der Initiative Urheberrecht eine weitere Stärkung der Positionen der Kreativen im Gesetzestext: „Die Urheber erwarteten, dass die erweiterten Nutzungsmöglichkeiten der „Uploader“ für deren private Nutzungen nicht nur sämtlich, sofern sie nicht auf vertraglicher Grundlage ermöglicht werden, angemessen vergütet werden, sondern ausschließlich im Rahmen der erforderlichen und gebotenen Grundrechtsabwägungen gewährt werden.“ Die Richtlinie muss zum 7.Juni.2021 in nationales Recht umgesetzt werden. Anlässlich des morgigen Welttags des Buches und des Urheberrechts und des Welttags des Geistigen Eigentums am 26.April sprechen wir mit Nina George, Schriftstellerin, und Matthias Hornschuh, Komponist, die sich in der Initiative Urheberrecht, die über ihre knapp 40 Organisationen rund 140.000 Urheber und ausübende Künstler vertritt, engagieren.

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Dem Missbrauch von Marktmacht vorbeugen

Dem Missbrauch von Marktmacht vorbeugen

von am 21.04.2021

AG Kino: Filmförderungsgesetz ohne Veränderungen verlängern

21.04.2021. Die AG Kino – Gilde Deutscher Filmkunsttheater, die vor allem die Interessen der Betreiber von Arthouse- und kleineren Kinos vertritt, schlägt in einer Stellungnahme eine Verlängerung des Filmförderungsgesetzes in der gültigen Fassung vor. Das würde den aktuellen Regierungsentwurf für eine kleine Novellierung, über den gegenwärtig der Bundestag berät, obsolet machen. Die aktuelle Krise und ihre noch unabsehbaren Folgen bedürften der intensiven Begleitung, so der Filmkunsttheaterverband: „Die Pandemie werde vor allem zu einer Beschleunigung der schon vor der Krise sichtbaren Tendenzen führen – gleich ob diese als Chancen oder Risiken verstanden werden. Jetzt gilt es, diese Entwicklung zu steuern. Auch wenn vieles in seiner Folgewirkung noch nicht völlig absehbar ist, ist klar, dass die Weichen für die Zukunft jetzt gestellt werden. Die Vorbereitung der Novellierung des Filmförderungsgesetzes für die Zeit nach der Krise, also für den Zeitraum ab 2024 muss daher auch schon jetzt beginnen.“ Entscheidend sei, dass bereits jetzt umfassende Marktanalysen erstellt und in den Gremien der FFA diskutiert würden, heißt es in der Stellungnahme. Zugleich unterbreitet die AG Kino Änderungsvorschläge für eine kleine Novellierung. Dazu gehören eine Neuregelung der Medienchronologie, um die Marktdynamik aufzugreifen und einen fairen Marktzugang für die unabhängigen Betriebe zu sichern, eine Präzisierung der Referenzkinoförderung sowie eine „uneingeschränkte Transparenz der Abgabezahlungen“ an die FFA.
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Die Auswertungskaskade ist Geschichte

Die Auswertungskaskade ist Geschichte

von am 20.04.2021

Verband der Filmverleiher zur kleinen FFG-Novelle: Ausfallfonds für Verleihfirmen, Abgabe auf Centerebene

20.04.2021. Die Covid-19 Pandemie trifft die Kinobranche mit voller Wucht: der Umsatzrückgang (2020 zu 2019) im Kino betrug an die 70 Prozent, vergleichbar war und ist der Rückgang für die Filmverleiher. Im ersten Quartal 2021 lag der Rückgang im Kino bei 99 Prozent; nur einige wenige Autokinos können überhaupt Filme öffentlich vorführen. Die Perspektive 2021 ist schlecht; eine halbe Milliarde Euro Box-Office Umsatz für das 1. Halbjahr 2021 kann wohl bereits abgeschrieben werden. Ob und wann die Kinos wieder bundesweit öffnen können, ist weiterhin völlig unklar. Wir hoffen auf eine Öffnungsperspektive, die evidenzbasierten Regeln folgt mit einer klaren, transparenten und bundesweiten Geltung, die dann regional nach identischen Kriterien umgesetzt wird.
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Ein klare und verlässliche Perspektive für die Film- und Kinobranche

Ein klare und verlässliche Perspektive für die Film- und Kinobranche

von am 15.04.2021

Wer Zukunft für großes Kino will, muss die deutsche Filmförderung im europäischen
Kontext reformieren

15.04.2021. Von Thomas Hacker, Medienpolitischer Sprecher der Fraktion der Freien Demokraten im Deutschen Bundestag und Obmann im Ausschuss für Kultur und Medien

Die Vorfreude auf genau diesen einen Film, der Geruch von frischem Popcorn schon an der Kasse, die Suche nach dem richtigen samtbezogenen Sitzplatz bis hin zum erlösenden Kino-Gong. Es sind diese unbeschwerten Momente, die wohl jedem Kino-Fan nach über einem Jahr Corona-Pandemie schlicht und einfach fehlen. Momente, die uns unmissverständlich zeigen, dass Kino eben weitaus mehr ist, als nur einen Film zu gucken. Die deutsche Kinowirtschaft und die bundesweit 1728 Spielstätten blicken auf ein katastrophales Jahr zurück. Und die Perspektive für dieses fortgeschrittene Jahr 2021 könnte kaum miserabler sein.
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„Sperrfristen durch Vereinbarung der Verbände regeln“

„Sperrfristen durch Vereinbarung der Verbände regeln“

von am 14.04.2021

Forderung des HDF Kino: Flexibilisierung der Sperrfristen bereits in der aktuellen Novelle berücksichtigen

14.04.2021. Interview mit Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF KINO e.V.

Der Deutsche Bundestag diskutiert gegenwärtig den Regierungsentwurf für eine Novellierung des Filmfördergesetzes (FFG), das ab 1. Januar 2022 in Kraft treten soll. Aufgrund der Corona-Pandemie gilt die Neufassung des Filmförderungsgesetzes nicht für fünf, sondern nur für zwei Jahre. Die Filmförderungsanstalt (FFA), kann Ausnahmen gewähren – zum Beispiel, wenn einzelne Förder- oder Auszahlungsvoraussetzungen aufgrund höherer Gewalt nicht erfüllt werden können. Außerdem soll die Auswertung von Filmen im Kino durch eine Online-Auswertung auf kostenpflichtigen Videoabrufdiensten ersetzt werden können. In einem Gespräch mit medienpolitik.net fordert Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF KINO, in dem Übergangsgesetz anstelle der bisher vorgesehenen sechs Monate bereits eine Flexibilisierung des exklusiven Kinoauswertungsfensters vorzusehen. Diese flexiblere Lösung, die einen geringeren Zeitraum umfassen kann, soll auf einer Vereinbarung der Branchenverbände beruhen. Zudem müsse definiert werden so Berg, was eine „maßgebliche Beteiligung“ der Kinos bei eine durch „höhere Gewalt“ bedingte Auswertung von Kinofilmen auf Streaming-Plattformen konkrete bedeute.
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„Den Künstlern wird die Herrschaft über ihre Inhalte entzogen“

„Den Künstlern wird die Herrschaft über ihre Inhalte entzogen“

von am 12.04.2021

Sonderweg Deutschlands beim Urheberrecht: Das auf europäischer Ebene Erreichte ist in Gefahr

12.04.2021. Interview mit René Houareau, Geschäftsführer Recht & Politik beim Bundesverband Musikindustrie (BVMI)

Für den heutigen Montag hat der federführende Bundestagsausschusses für Recht und Verbraucherschutz zu einer öffentlichen Anhörung eingeladen. Bei der Implementierung der EU-Urheberrechtsrichtlinie geht es neben der Neuregelung der Verantwortung der großen Plattformen um die Interessen der Urheber und ausübenden Künstler und um die Verbesserung ihrer Situation. Zu den Sachverständigen gehören Sabine Frank, Google Germany GmbH; Prof. Dr. Christian-Henner Hentsch, Technische Hochschule Köln; Dr. Eduard Hüffer, Aschendorff Medien GmbH & Co. KG, Münster, Prof. Dr. Christoph Möllers, Humboldt-Universität zu Berlin; Julia Reda, Gesellschaft für Freiheitsrechte e. V sowie Prof. Dr. Gerhard Pfennig, Initiative Urheber-recht. Nach Auffassung von René Houareau, Geschäftsführer Recht & Politik beim Bundesverband Musikindustrie, ist ein einheitlicher europäischer digitaler Binnenmarkt mit dem deutschen Entwurf für die Umsetzung der EU-Urheberrechtsrichtlinie in Gefahr. Da die Benutzungsregeln in Deutschland von denen in anderen Ländern abweichen, seien keine länderübergreifenden und plattformweiten Standards und keine länderübergreifende Portfolio-Strategien mehr möglich.
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