Kulturpolitik

„Wir sind entsetzt“

„Wir sind entsetzt“

von am 26.11.2020

Über 500 Künstler appellieren: Spielt das Urheberrecht nicht gegen uns aus!

26.11.2020. Es ist nicht alltäglich, dass sich Künstler in großer Zahl orchestriert in die aktuelle Politik einmischen. Bei der Diskussion um eine neue EU-Urheberrechtsrichtlinie im vergangenen Jahr waren ihre Stimmen nur sehr verhalten zu hören. Jetzt bei der Umsetzung dieser europaweiten Vereinbarung in deutsches Recht artikulieren sie ihre Interessen deutlicher. So haben sich 576 Künstler mit einem Brief an Regierungspolitiker und Bundestagsabgeordnete gewandt und darin den Referentenentwurf des Bundesjustizministeriums zur Urheberrechtsreform kritisiert. So heißt es in dem Brief, dass sie auf dem einzigen nicht eingeschränkten Markt immer noch keine angemessene Vergütung für ihre Werke erhielten. „Unsere Hoffnung war, dass die Umsetzung der DSM-Richtlinie diese Situation verbessern würde.“ Die Künstler, vor allem aus dem Musikbusiness, prangern in dem Schreiben einen „Raubbau an der DSM-Richtlinie“ an und bezeichnen die Ausnahmen mit der neu geplanten Schranke des § 6 UrhDaG-E „in Teilen so hanebüchen europarechtswidrig“. Die Pläne aus dem Bundesjustizministerium würden die europäische Richtlinie verwässern und die Position der Kreativen weiter schwächen. Zu den Unterzeichnern gehören Künstler wie die Berliner Philharmoniker, Herbert Grönemeyer, die Toten Hosen und Tim Bendzko.
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„Dafür braucht es Mut und Unabhängigkeit“

„Dafür braucht es Mut und Unabhängigkeit“

von am 25.11.2020

ZDF-Intendant sieht ARTE als Plattform für den kulturellen Diskurs in Europa

25.11.2020. Interview mit Dr. Thomas Bellut, Intendant des ZDF

ARTE gehört zu den TV-Gewinnern dieses Jahres. Lag der Sender-Marktanteil in den letzten Jahren immer um 1,1 Prozent beim Gesamtpublikum, so wurde dieser Wert im 1. Halbjahr 2020 mit 1,2 bis 1,3 Prozent überschritten, was einer Steigerung von 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In Frankreich stieg der Marktanteil sogar von 2,5 Prozent auf 2,8 Prozent. Auch bei den 14- bis 49-Jährigen konnte der Sender an Akzeptanz gewinnen. Für Dr. Thomas Bellut, ZDF-Intendant und stellvertretender Vorsitzender der Gesellschafterversammlung von ARTE Deutschland verfüge der deutsch-französische Kultursender bei der digitalen Nutzung über beste Voraussetzungen, um einen Beitrag beim Aufbau einer europäischen Öffentlichkeit leisten zu können: „Mit deutlich über einer Milliarde Videostreams pro Jahr ist ARTE schon jetzt eine starke europäische Online-Plattform.“ Es gäbe großes Potential in den Bereichen Information, Dokumentation, Geschichte und europäische Fiktion. Der Gemeinschaftssender könnte sich damit zu einer Plattform für den kulturellen Austausch, für kultivierte Information und den Diskurs in Europa weiterentwickeln. Seine deutsch-französische Gründungs-DNA müsste aber erhalten bleiben, betont Bellut.
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„Das rechnet sich nur für  prestigeträchtige Mainstreamfilme“

„Das rechnet sich nur für prestigeträchtige Mainstreamfilme“

von am 19.11.2020

Streamingplattformen sind für Arthouse-Filme keine Alternative zum Kino

19.11.2020 Interview mit Jakob D. Weydemann, Produzent, Geschäftsführer Weydemann Bros. GmbH

Der Kinofilm „Systemsprenger“ vom Produzenten Weydemann Bros. war die Spielfilmentdeckung des vergangenen Jahres und wurde achtmal mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr hat das Team um die Gebrüder Weydemann auch unter erschwerten Corona-Bedingungen zwei Filme fertig gestellt. Wann Sie allerdings auf der großen Leinwand zu sehen sind, sei ungewiss. Für Jakob D. Weydemann ist es essentiell wichtig, dass die Filme schnell ins Kino kommen, denn die Realisierung eines Nachfolgeprojektes hänge unter anderem wesentlich vom Erfolg des vorherigen Projektes ab. Risikofonds des Bundes verschaffe endlich „die notwendige Sicherheit“. Die Branche sei im Sommer in der schizophrenen Situation, gewesen, dass es Hygienekonzepte sowohl für die Dreharbeiten als auch für Kinos gab und dennoch viele Produktionsfirmen nicht gedreht hätten, weil das Risiko eines Abbruchs für sie zu groß war. Seine Arthousefilme kurzfristig auf ein Streamingportal zu stellen, halte er für problematisch, da alle Finanzierungspartner zustimmen müssten. Das würde sich nur für große prestigeträchtige Mainstreamfilme und in Einzelfällen rechnen.

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„Wir können nur mit den Mitteln fördern, die wir haben“

„Wir können nur mit den Mitteln fördern, die wir haben“

von am 18.11.2020

FFA-Präsident fordert von der EU-Kommission Übergangslösung, um Förderlücke bei MEDIA-Programm zu verhindern

18.11.2020. Interview mit Prof. Dr. h.c. Bernd Neumann, Präsident der Filmförderungsanstalt (FFA)

Das EU-MEDIA-Programm ist der Kern der grenzüberschreitenden europäischen Zusammenarbeit im Filmbereich, so Bernd Neumann in einem medienpolitik.net-Interview Davon profitiere auch die „immer internationaler ausgerichtete deutsche Filmwirtschaft in erheblichen Maße“. Durch den Streit über den EU-Haushalt für die Jahre 2021 bis 2027 ist auch dieses Programm, das Ende 2020 ausläuft, gefährdet. Der Präsident der Filmförderungsanstalt fordert deshalb von der Kommission eine Übergangslösung, um eine Förderlücke zu vermeiden. Das EU-Programm Creative Europe, von dem MEDIA ein Unterprogramm ist, soll von knapp 1,46 Mrd. Euro auf 2,2 Mrd. Euro steigen. Gerade in Pandemiezeiten wie jetzt, sei eine „Forcierung grenzüberschreitender Aktivitäten“ wichtig betont der ehemalige Kulturstaatsminister. Nach seiner Auffassung seien die Auswirkungen auf die Kinos coronabedingt gravierend. Er befürchte, dass der FFA in diesem und im nächsten Jahren ungefähr ein Drittel der Einnahmen fehlen werde. Die Filmabgabe der Kinos könnte mehr oder weniger komplett ausfallen. Zwar werde auch die Filmabgabe der Videoabrufdienste steigen, allerdings könnte damit der Rückgang bei der Filmabgabe der Kinos nicht ausgeglichen werden. Durch eine Sonderzuweisung durch Kulturstaatsministerin Monika Grütters müsse die FFA dennoch die Filmförderung wahrscheinlich nicht reduzieren.
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„Für die deutsche Kinobranche der Supergau“

„Für die deutsche Kinobranche der Supergau“

von am 06.11.2020

Schließung der Kinos bedroht die Verwertungskette der Filmwirtschaft insgesamt

06.11.2020. Interview mit Dr. Thoma Negele, Präsident der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO)

„Über 50 Prozent der Gesamtumsätze der Filmbranche weltweit gingen vor der Pandemie auf das Konto der Kinos. Die angeordnete Schließung hat die wichtigste Verwertungsstufe stillgelegt. Damit entfallen sämtliche Refinanzierungsmöglichkeiten für Produktion, Verleih und natürlich die Einnahmen für die Kinos“, analysiert Dr. Thoma Negele, Präsident der SPIO, die aktuelle Schließung der Kinos. Dadurch sei eine Wettbewerbsverzerrung zugunsten der Digitalverwerter entstanden. Gegenwärtig werde sogar darüber spekuliert, ob die Rechte am neuen "James Bond"-Film an Netflix und Amazon gehen könnten. Dies wäre für die deutsche Kinobranche der Supergau, betont Negele. Der SPIO-Präsident appelliert an die Politik die Filmwirtschaft „ganzheitlich“ zu betrachten. Die Kinobranche brauche ein dauerhaftes Corona-Konzept, das ermöglicht, die Kinos mit einer Sitzplatzkapazität von mindestens 50 Prozent zu betreiben und diese nicht mehr schließen zu müssen. Ziel müsse es sein, dass die Firmen wirtschaftlich arbeiten können und eine gewisse Planungssicherheit erlangen. Dann rentiere sich auch die Produktion und der Verleih wieder, ansonsten drohe eine massive Schieflage der Filmförderung.
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Es geht um harte Verantwortung

Es geht um harte Verantwortung

von am 05.11.2020

Referentenentwurf zur EU-Urheberrechtsrichtlinie verstößt teilweise gegen europäisches und internationales Urheberrecht

05.11.2020. Von Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie

Zwischen der Jahrtausendwende und dem Jahr 2013 bestand unsere Branchenrealität in einer anhaltenden Talfahrt. Im Wesentlichen bekanntlich ausgelöst durch das Auftauchen der sogenannten Musiktauschbörse Napster. Als erste Branche wurde die Musikindustrie von einem Orkan namens Digitalisierung einmal vollständig durchgepustet, ist erst erschrocken, hat sich dann kräftig geschüttelt und den neuen Bedingungen und Anforderungen einer digitalen Wirtschaft gestellt. Seit 2013 geht es wieder bergauf. Warum? Weil bezahltes Audio-Streaming für Nutzerinnen und Nutzer ein sehr attraktives Angebot ist. Mehrere Jahre in Folge hat Premium-Audio-Streaming den Weltmarkt zwischen 2015 und 2019 wieder in die Gewinnzone getrieben, in Deutschland wuchs der Umsatz 2019 um mehr als 8 Prozent. Und sogar in Corona-Zeiten sind zwar die monatlichen Ausgaben für Musik in fast allen Formaten zurückgegangen, nur die Streaming-Ausgaben sind der gerade erschienenen Ausgabe der Musiknutzungsstudie zufolge weiter gestiegen, um 22 Prozent! Mit 29 Prozent bleibt kostenpflichtiges Streaming auch hinsichtlich der Nutzerreichweite auf konstant hohem Niveau.

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Drastischer Gewinneinbruch bei den Kinos

Drastischer Gewinneinbruch bei den Kinos

von am 20.10.2020

Studie: Finanzielle Auswirkungen von Covid-19 auf die deutsche Kinowirtschaft

20.10.2020. Den Kinobetreibern droht für das Jahr 2020 eine erwartete Reduzierung des Gewinns vor Steuern von rund 300 bis 400 Mio. Euro im Vergleich zum Durchschnittsfall. Das ergibt sich aus einer Analyse der Auswirkungen von Covid-19 auf die Kosten und Einnahmen der Kinos der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC im Auftrag der Filmförderungsanstalt FFA.
Der Untersuchung liegt die Annahme zugrunde, dass aufgrund der Abstandsregeln nur 20 Prozent der Sitzplätze genutzt werden können, wodurch insbesondere am Wochenende weniger Tickets verkauft als nachgefragt werden. Zudem haben die Verfasser zwei Szenarien bestimmt: In Szenario 2 gehen sie davon aus, dass im Verlauf des Jahres besonders attraktive Filmstarts weiter verschoben werden und es dadurch zu einem Besuchsaufkommen von nur noch 50 Prozent im Dezember kommt. Im Gegensatz dazu betrachtet Szenario 1 die Bedeutung von internationalen Blockbuster-Starts für den Kinomarkt: Würden diese, wie im Sommer geplant, nicht weiter verschoben, läge der Filmbesuch im Dezember bei 80 Prozent des Durchschnittsbesuchs. Beide Szenarien setzen allerdings voraus, dass es nicht erneut zu einer flächendeckenden Schließung der Kinos kommt.
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„Das Kino ist als Zugpferd für das Recoupement nicht ersetzbar“

„Das Kino ist als Zugpferd für das Recoupement nicht ersetzbar“

von am 07.10.2020

Kinobetreiber wollen über das exklusive Kino-Auswertungsfenster verhandeln

07.10.2020. Interview mit Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HdF Kino

„Anhand der aktuellen Erfahrungen mit den während Corona ins Netz abgewanderten Filmen scheint es sich zu bestätigen, dass diese in ihren Gewinnmargen keineswegs an eine reguläre Kinoauswertung heranreichen“, betont HdF-Kino-Vorstand Chistine Berg in einem medienpolitik.net-Gespräch. Vielmehr würden die alternativen Auswertungsversuche belegen, dass Kino besonders bei hochpreisigen Produktionen innerhalb der Auswertungskaskade als Zugpferd für das Recoupement nicht ersetzbar sei. Erst die Aufmerksamkeit durch das Kino „veredelt“ einen großen Film und verschaffe ihm auch den Schub für die weitere Verwertung.
Dennoch dürften die Kinobetreiber nicht in Protektionismus verfallen und die Augen vor aktuellen Entwicklungen rund um neue Distributionswege verschließen. Das Ziel müsse es sein, die Veränderungen in den Auswertungsstrategien der Studios und Plattformen aktiv mitzugestalten. Für den Gesamtmarkt müssten deshalb „zentrale Eckpunkte für verschiedene Release-Szenarien“ verhandelt werden. In dem Gespräch fordert Berg eine größere Solidarität innerhalb der Filmbranche ein: „Nur mit starken deutschen Filmen können wir eine größere Unabhängigkeit erreichen. Aber wir haben es alle versäumt, uns - auch gegenüber der Politik - gegenseitig zu unterstützen.“
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„Wir sind noch weit vom Vor-Corona-Niveau entfernt“

„Wir sind noch weit vom Vor-Corona-Niveau entfernt“

von am 29.09.2020

Die Hälfte der technischen Betriebe der Filmwirtschaft rechnet mit Umsatzeinbußen von ca. 40 Prozent

29.09.2020. Interview mit Stefan Hoff, Vorstandsvorsitzender des Verbands Technischer Betriebe für Film & Fernsehen (VTFF)

In einer Live-Online-Befragung während der virtuellen Mitgliederversammlung des VTFF haben die Mitglieder ihre Einschätzungen zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie angegeben. Fast die Hälfte der VTFF-Mitglieder erwarten für das Jahr 2020 Umsatzeinbußen von um die 40 Prozent, ein Drittel rechnet mit 11-25 Prozent und weniger als ein Viertel hofft, ohne größere negative Auswirkungen durch die Krise zu kommen. Die Hauptursache für die Einbußen sind weniger Aufträge, wovon über 60 Prozent der Mitglieder betroffen sind. Zusätzlich wird über die Hälfte der Unternehmen von erhöhtem Aufwand für Corona-Schutzmaßnahmen belastet. Außerdem stellt ein Viertel eine niedrigere Bezahlung als vor der Krise fest. Insgesamt erwarten daher zwei Drittel der Mitglieder, dass sie sich verändern oder gar verkleinern müssen. Um überhaupt noch weitermachen zu können, sind die staatlichen Corona-Hilfen für die meisten Unternehmen unerlässlich: über 90 Prozent der Mitglieder nehmen Kurzarbeitergeld in Anspruch, etwa die Hälfte hat zusätzliche Kredite aufgenommen, fast ein Drittel beantragt Überbrückungshilfe und ein Drittel erhält Zuschüsse und sonstigen Förderungen.
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„Wir müssen über Dein Lügen reden“

„Wir müssen über Dein Lügen reden“

von am 28.09.2020

Ein offener Brief von WARP5 an Julia Reda

28.09.2020. Stellen Sie sich vor Attila Hildmann hätte sich mit seinem Corona-Narrativ in der Öffentlichkeit und in den Medien durchgesetzt, und dürfte nun aufgrund des öffentlichen Drucks großen Einfluss auf die Strategie des Gesundheitsministeriums und deren Gesundheitspolitik nehmen. Er darf sogar Gesetzestexte mitgestalten und erklären. In der deutschen Umsetzung der EU Urheberrechtsrichtlinie ist gerade genau das passiert. Fünf Musiker und Musikmanager (WARP 5) haben einen offenen Brief an das ehemalige Mitglied der Piratenpartei Julia Reda geschrieben. Von 2010 bis 2012 war sie Bundesvorsitzende der Jungen Piraten. Mit Gründung der Young Pirates of Europe im August 2013 wurde sie deren erste Vorsitzende. Von 2014 bis 2019 gehörte sie dem Europäischen Parlament an, Fraktion Grüne/EFA. 2014 bestimmte der Rechtsausschuss des Europaparlaments Reda zur Berichterstatterin für die Evaluation der Umsetzung der Urheberrechtsrichtlinie von 2001, der sogenannten „InfoSoc-Richtlinie“. Hier gehörte sie zu den lautstärksten Gegnern der 2019 beschlossenen EU-Urheberrechtsnovelle.

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