Medienförderung

Ausfallfonds II gestartet: Mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten

Ausfallfonds II gestartet: Mehr Sicherheit in unsicheren Zeiten

von am 04.01.2021

Der Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanael Liminski, hat maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Hilfsfonds für Produzenten

04.01.2021. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Seit heute können Produzenten Hilfen aus dem von den Ländern und TV-Sendern aufgesetzten Ausfallfonds II für TV- und Streamingproduktionen beantragen. Rückwirkend zum 1. November 2020 erhalten Produktionsunternehmen für den Zeitraum der Dreharbeiten eine finanzielle Unterstützung durch diesen Fonds, wenn sie aufgrund einer Corona-bedingten Produktionsstörung einen finanziellen Schaden erleiden und eine übliche Versicherung keine Absicherung gewährt. Am 17. Dezember hatte die Staatskanzlei in NRW über diese Vereinbarung informiert und die Richtlinie veröffentlich. Die monatelangen Verhandlungen sind so letztendlich für die Filmwirtschaft zu einem positiven Abschluss gekommen. Bereits am 11. September war der Ausfallfonds I über 50 Millionen Euro des Bundes gestartet, der aber nur Kinoproduktionen und High-End-Serien im Blick hat. Der TV-Fonds soll endlich auch die etwa 80 Prozent des Produktionsvolumens der deutschen Filmwirtschaft insgesamt absichern. Damit stehen der Filmwirtschaft Hilfsinstrumente zur Verfügung, über die keine andere der Corona-gepeinigten Kulturbranchen verfügt.

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„Das rechnet sich nur für  prestigeträchtige Mainstreamfilme“

„Das rechnet sich nur für prestigeträchtige Mainstreamfilme“

von am 19.11.2020

Streamingplattformen sind für Arthouse-Filme keine Alternative zum Kino

19.11.2020 Interview mit Jakob D. Weydemann, Produzent, Geschäftsführer Weydemann Bros. GmbH

Der Kinofilm „Systemsprenger“ vom Produzenten Weydemann Bros. war die Spielfilmentdeckung des vergangenen Jahres und wurde achtmal mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr hat das Team um die Gebrüder Weydemann auch unter erschwerten Corona-Bedingungen zwei Filme fertig gestellt. Wann Sie allerdings auf der großen Leinwand zu sehen sind, sei ungewiss. Für Jakob D. Weydemann ist es essentiell wichtig, dass die Filme schnell ins Kino kommen, denn die Realisierung eines Nachfolgeprojektes hänge unter anderem wesentlich vom Erfolg des vorherigen Projektes ab. Risikofonds des Bundes verschaffe endlich „die notwendige Sicherheit“. Die Branche sei im Sommer in der schizophrenen Situation, gewesen, dass es Hygienekonzepte sowohl für die Dreharbeiten als auch für Kinos gab und dennoch viele Produktionsfirmen nicht gedreht hätten, weil das Risiko eines Abbruchs für sie zu groß war. Seine Arthousefilme kurzfristig auf ein Streamingportal zu stellen, halte er für problematisch, da alle Finanzierungspartner zustimmen müssten. Das würde sich nur für große prestigeträchtige Mainstreamfilme und in Einzelfällen rechnen.

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„Wir können nur mit den Mitteln fördern, die wir haben“

„Wir können nur mit den Mitteln fördern, die wir haben“

von am 18.11.2020

FFA-Präsident fordert von der EU-Kommission Übergangslösung, um Förderlücke bei MEDIA-Programm zu verhindern

18.11.2020. Interview mit Prof. Dr. h.c. Bernd Neumann, Präsident der Filmförderungsanstalt (FFA)

Das EU-MEDIA-Programm ist der Kern der grenzüberschreitenden europäischen Zusammenarbeit im Filmbereich, so Bernd Neumann in einem medienpolitik.net-Interview Davon profitiere auch die „immer internationaler ausgerichtete deutsche Filmwirtschaft in erheblichen Maße“. Durch den Streit über den EU-Haushalt für die Jahre 2021 bis 2027 ist auch dieses Programm, das Ende 2020 ausläuft, gefährdet. Der Präsident der Filmförderungsanstalt fordert deshalb von der Kommission eine Übergangslösung, um eine Förderlücke zu vermeiden. Das EU-Programm Creative Europe, von dem MEDIA ein Unterprogramm ist, soll von knapp 1,46 Mrd. Euro auf 2,2 Mrd. Euro steigen. Gerade in Pandemiezeiten wie jetzt, sei eine „Forcierung grenzüberschreitender Aktivitäten“ wichtig betont der ehemalige Kulturstaatsminister. Nach seiner Auffassung seien die Auswirkungen auf die Kinos coronabedingt gravierend. Er befürchte, dass der FFA in diesem und im nächsten Jahren ungefähr ein Drittel der Einnahmen fehlen werde. Die Filmabgabe der Kinos könnte mehr oder weniger komplett ausfallen. Zwar werde auch die Filmabgabe der Videoabrufdienste steigen, allerdings könnte damit der Rückgang bei der Filmabgabe der Kinos nicht ausgeglichen werden. Durch eine Sonderzuweisung durch Kulturstaatsministerin Monika Grütters müsse die FFA dennoch die Filmförderung wahrscheinlich nicht reduzieren.
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Noch nie war Vielfaltssicherung so wichtig wie jetzt

Noch nie war Vielfaltssicherung so wichtig wie jetzt

von am 16.11.2020

Ein Medienpolitischer Ausblick

16.11.2020. Von Dr. Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg

Eine wesentliche Grundlage der Demokratie ist der Schutz der Meinungsfreiheit. Den Medien kommt im Meinungsbildungsprozess eine besondere Bedeutung zu. Seriöse Informationen klären auf, bieten Orientierung und ordnen ein. In diesem Jahr hat uns die Corona-Pandemie die besondere Bedeutung unserer Medienlandschaft und deren Systemrelevanz nachdrücklich vor Augen geführt. Unsere Studie „Corona-Krise: Chance oder Gefahr“ für die Medienvielfaltüber das Informationsverhalten der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland während der Corona-Pandemie zeigt, dass das Informationsbedürfnis mit Beginn der Pandemie über alle Mediengattungen hinweg deutlich zugenommen hat. Vier von fünf Personen gaben an, dass es ihnen wichtig oder sehr wichtig sei, Informationen über die Corona-Krise aus ihrem Wohnort oder ihrer direkten Umgebung zu bekommen. Gerade der lokale Rundfunk hat in der Krisenzeit mit der Aufrechterhaltung seiner Angebote während des Lockdowns dieses Informationsbedürfnis gestillt. Gleichzeitig mussten die privaten Rundfunkveranstalter infolge der Corona-Krise hohe und zum Teil existenzbedrohende Umsatzeinbrüche hinnehmen.
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„Ein Ausfallfonds ist für zahlreiche Produzenten existentiell“

„Ein Ausfallfonds ist für zahlreiche Produzenten existentiell“

von am 09.11.2020

Viele Fernsehproduktion können nur mit großen Risiko und höherem Aufwand realisiert werden

09.11.2020.Interview mit Barbara Thielen, Produzentin, Geschäftsführerin Ziegler Film Köln

Das Risiko für Filmproduzenten, Dreharbeiten abzubrechen oder unterbrechen zu müssen ist mit steigenden Corona-Infektionszahlen wieder größer geworden. Doch selbst, wenn am Set gearbeitet werden kann, ist von „planmäßig“ keine Rede. Wie Barbara Thielen, Geschäftsführerin Ziegler Film Köln in einem medienpolitik.net-Interview schildert, waren die Drehpläne von einem Tag auf den anderen, Makulatur. „Das vergangene halbe Jahr war dreimal so anstrengend, wie üblicherweise: Die Planung, inklusive Schauspieler, Technik, Location usw. musste in kurzer Zeit neu erstellt werden und die Hygienekonzepte waren zu erarbeiten.“ Über die veränderten finanziellen Konditionen, einschließlich eines Ausgleichs für die zusätzlichen Kosten, wurde parallel mit den Sendern verhandelt. Aus Sorge vor einer möglichen Durchseuchung am Drehort werden bei ihren Produktionen, zu denen die TV-Serien „Lena Lorenz“ und der „Amsterdam Krimi“ gehören, alle Teammitglieder getestet. Ein Ausfallfonds für Fernsehproduktionen sei, so Thielen, für viele mittelständische Produktionsfirmen „existentiell“, denn die meisten hätten keine große Eigenkapitaldecke, die es ihnen erlaube, Projektausfälle und zusätzliche Kosten selbst zu schultern.

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Drastischer Gewinneinbruch bei den Kinos

Drastischer Gewinneinbruch bei den Kinos

von am 20.10.2020

Studie: Finanzielle Auswirkungen von Covid-19 auf die deutsche Kinowirtschaft

20.10.2020. Den Kinobetreibern droht für das Jahr 2020 eine erwartete Reduzierung des Gewinns vor Steuern von rund 300 bis 400 Mio. Euro im Vergleich zum Durchschnittsfall. Das ergibt sich aus einer Analyse der Auswirkungen von Covid-19 auf die Kosten und Einnahmen der Kinos der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC im Auftrag der Filmförderungsanstalt FFA.
Der Untersuchung liegt die Annahme zugrunde, dass aufgrund der Abstandsregeln nur 20 Prozent der Sitzplätze genutzt werden können, wodurch insbesondere am Wochenende weniger Tickets verkauft als nachgefragt werden. Zudem haben die Verfasser zwei Szenarien bestimmt: In Szenario 2 gehen sie davon aus, dass im Verlauf des Jahres besonders attraktive Filmstarts weiter verschoben werden und es dadurch zu einem Besuchsaufkommen von nur noch 50 Prozent im Dezember kommt. Im Gegensatz dazu betrachtet Szenario 1 die Bedeutung von internationalen Blockbuster-Starts für den Kinomarkt: Würden diese, wie im Sommer geplant, nicht weiter verschoben, läge der Filmbesuch im Dezember bei 80 Prozent des Durchschnittsbesuchs. Beide Szenarien setzen allerdings voraus, dass es nicht erneut zu einer flächendeckenden Schließung der Kinos kommt.
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Pressemedien in der Subventionsfalle?

Pressemedien in der Subventionsfalle?

von am 12.10.2020

Förderung von Printverlagen: 220 Millionen Euro für Zeitungen und Zeitschriften weiterhin umstritten

12.10.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Ähnlich wie für andere Medienbranchen, wie der Filmwirtschaft oder privaten Rundfunkveranstaltern wurden auch für die Verlage vom Deutschen Bundestag Corona-Hilfsmaßnahmen beschlossen. Der Haushaltsausschuss hatte im Juli den für das Jahr 2020 ursprünglich vorgesehenen Förderbetrag für die Zustellung der gedruckten, bzw. verkauften Exemplare der drei Print-Gattungen von 40 auf 20 Millionen Euro reduziert. Stattdessen wurde eine Förderung in Höhe von 200 Millionen Euro „für die digitale Transformation des Verlagswesens zur Förderung des Absatzes und der Verbreitung von Abonnementzeitungen, Zeitschriften und Anzeigenblättern“ auf den Weg gebracht. Der Schwerpunkt einer Förderung müsse nach Ansicht des Haushaltsausschusses auf eine zügige Transformation ins Digitale gelegt werden. Das Bundeswirtschaftsministerium wurde beauftragt ein Förderkonzept zu erstellen. Im August fand eine Anhörung im Wirtschaftsministerium von Vertretern der drei betroffenen Printgattungen statt. Ein Konzept liegt bis heute nicht vor. Damit ist fraglich, ob die Hilfsmittel für die Corona-Pandemie in diesem Jahr die Verlage noch erreichen.
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„Wir sind noch weit vom Vor-Corona-Niveau entfernt“

„Wir sind noch weit vom Vor-Corona-Niveau entfernt“

von am 29.09.2020

Die Hälfte der technischen Betriebe der Filmwirtschaft rechnet mit Umsatzeinbußen von ca. 40 Prozent

29.09.2020. Interview mit Stefan Hoff, Vorstandsvorsitzender des Verbands Technischer Betriebe für Film & Fernsehen (VTFF)

In einer Live-Online-Befragung während der virtuellen Mitgliederversammlung des VTFF haben die Mitglieder ihre Einschätzungen zu den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie angegeben. Fast die Hälfte der VTFF-Mitglieder erwarten für das Jahr 2020 Umsatzeinbußen von um die 40 Prozent, ein Drittel rechnet mit 11-25 Prozent und weniger als ein Viertel hofft, ohne größere negative Auswirkungen durch die Krise zu kommen. Die Hauptursache für die Einbußen sind weniger Aufträge, wovon über 60 Prozent der Mitglieder betroffen sind. Zusätzlich wird über die Hälfte der Unternehmen von erhöhtem Aufwand für Corona-Schutzmaßnahmen belastet. Außerdem stellt ein Viertel eine niedrigere Bezahlung als vor der Krise fest. Insgesamt erwarten daher zwei Drittel der Mitglieder, dass sie sich verändern oder gar verkleinern müssen. Um überhaupt noch weitermachen zu können, sind die staatlichen Corona-Hilfen für die meisten Unternehmen unerlässlich: über 90 Prozent der Mitglieder nehmen Kurzarbeitergeld in Anspruch, etwa die Hälfte hat zusätzliche Kredite aufgenommen, fast ein Drittel beantragt Überbrückungshilfe und ein Drittel erhält Zuschüsse und sonstigen Förderungen.
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„Die Filmwirtschaft wird großen Schaden nehmen“

„Die Filmwirtschaft wird großen Schaden nehmen“

von am 18.09.2020

Kinobetreiber sehen die Zukunft der Kinos angesichts geringer Besucherzahlen weiter gefährdet

18.09.20. Anlässlich der 20. Filmkunstmesse Leipzig, bei der zum ersten Mal seit langem über 700 Kinobetreiber, Filmverleiher und Filmschaffende aus ganz Deutschland zusammenkommen, tritt die Kinobranche für eine Veränderung der coronabedingten Hygieneregeln in den deutschen Kinos ein. In einer Erklärung heißt es: „Wir bitten die Verantwortlichen in der Politik, mit den Abstandsregeln die Grundlage für die Wiederbelebung des Kinomarkts in Deutschland mit seinen über 1.400 mittelständischen Betrieben zu schaffen. Andernfalls wird die Filmwirtschaft insgesamt großen Schaden nehmen. Die mittelständischen deutschen und europäischen Produzenten und Verleiher werden von Algorythmus-getriebenen Großproduktionen verdrängt und die kulturelle Vielfalt bleibt auf der Strecke.“ Die Bundesländer Sachsen und Nordrhein-Westfalen hätten eine solche Regelung umgesetzt. Auch in vielen unserer Nachbarländer gelten diese Abstandsregelungen. Ebenso verliefen die Festspiele in Salzburg ohne Zwischenfälle. Es sei kein einziger Fall weltweit bekannt, in dem sich jemand im Kino infiziert hätte. „Es müsse allen Beteiligten klar sein, dass auch mit einer Auslastung um 50 Prozent noch kein wirtschaftlicher Kinobetrieb möglich ist“, so der Vorsitzende der AG Kino – Gilde Christian Bräuer.
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Ein Signal des Aufbruchs und der Hoffnung

Ein Signal des Aufbruchs und der Hoffnung

von am 17.09.2020

Kinos erhalten 155 Millionen Euro Corona-Hilfe von der Bundesregierung

17.09.2020. Von Prof. Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien

Gerade mal ein gutes halbes Jahr ist seit der Berlinale vergangen – und doch fühlt es sich an, als lebten wir in einem anderen Zeitalter. Die 70. Jubiläumsausgabe der Berlinale war das letzte Filmfestival, das vor dem Lockdown gerade noch so wie geplant stattfinden konnte – mit viel Glück ohne Corona-Infektionen. Hunderte Menschen Sessel an Sessel, vereint in der wundervollen Weltentrücktheit eines dunklen Kinosaals: Das wäre wenig später undenkbar gewesen. Und das ist es in dieser Form leider bis heute. Umso mehr freue ich mich, dass die 20. Jubiläumsausgabe der Filmkunstmesse Leipzig, unterstützt mit Mitteln aus meinem Kulturetat, live und mit Publikum stattfinden kann – als erste öffentliche Veranstaltung für die deutsche Kino- und Verleihbranche nach dem Lockdown. Im Corona-Jahr 2020 ist diese Woche im Zeichen der Filmkunst weit mehr als ein Fest für Cineasten und eine Feier der bundesweit bedeutendsten Messe für die Filmkunstkinos und -verleiher. Es ist ein Signal des Aufbruchs und der Hoffnung, dass es nach einem niederschmetternden Halbjahr nun allmählich wieder aufwärts geht.
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