Medienförderung

„Streaming und Fernsehen dürfen den Kinofilm nicht verwässern“

„Streaming und Fernsehen dürfen den Kinofilm nicht verwässern“

von am 02.02.2023

Verbänden und Institutionen der Filmwirtschaft fordern radikale Änderung der Filmförderung

02.02.2023. Die „Initiative Zukunft Kino und Film“ schlägt in einer Erklärung ein „grundsätzlich verändertes deutsches Filmfördersystem“ vor. Dabei geht es vor allem um den Kinofilm, dessen Förderung im FFG neu geregelt werden soll. Der Initiative gehören neun Verbänden und Institutionen der Filmbranche an: AG Animationsfilm, AG Kurzfilm, Bundesverband kommunale Filmarbeit, Bundesverband Regie, Crew United, Hauptverband Cinephilie, Verband der deutschen Filmkritik Sowie Zukunft deutscher Film. Drei Leitgedanken, so die Autoren, tragen dieses Papier: Die Filmkultur soll sich durch eine größere Vielfalt auszeichnen „sowohl eine Vielfalt der Herkünfte, der beteiligten Menschen vor und hinter der Kamera als auch eine Vielfalt der Stoffe, der Dramaturgien, der Längen, Formate und Gattungen sowie der Asthetiken.“ Die künstlerischen und wirtschaftlichen Kriterien der Förderung sollen „unzweideutig“ voneinander unterschieden werden. Bei der Bewertung und Entscheidung über Förderanträge sollen diese Kriterien „nicht gegen einander ausgespielt“ werden können. Bei der Förderung von Kinofilmen sollten zudem Einflüsse durch Fernsehsender und Streaming-Dienste auf ein Minimum begrenzt werden. „Sie dürfen den Kinofilm nicht verwässern.“
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„Wir müssen in Europa Grundsätze von Medienvielfalt verankern“

„Wir müssen in Europa Grundsätze von Medienvielfalt verankern“

von am 31.01.2023

Produzenten und Rundfunkveranstalter wollen ihre Interessen in Brüssel stärker durchsetzen

31.01.2023. Fragen an Björn Böhning, Geschäftsführer der Produzentenallianz und Prof. Dr. Stephan Ory, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR)

„Die EU hat ein wichtiges Signal gesendet – Deutschland muss die Chance nun ergreifen“, sagt Björn Böhning, Geschäftsführer der Produzentenallianz mit Blick auf Investitionsverpflichtungen von Plattformen in die Filmwirtschaft in anderen EU-Staaten. Gerade in Deutschland herrsche ein Missverhältnis zwischen den weltweiten Programminvestitionen der global operierenden On-Demand-Dienste und deren in Deutschland investierten Programmausgaben. Deutschland müsse dem Beispiel Frankreichs mit der dort bereits geltenden Investitionsverpflichtung folgen, wonach 25 Prozent des Umsatzes in die Herstellung europäischer audiovisueller Werke durch überwiegend unabhängige Produktionsfirmen investiert werden müssten. Beim European Media Freedom Act (EMFA), so Stephan Ory, Geschäftsführer der APR, stehe viel für die mitgliedsstaatliche Medienordnung auf dem Spiel. Ob Fundamentalopposition angesichts der laufenden Entwicklungen in Brüssel am Ende sinnvoll sei, darf bezweifelt werden. Es wird darum gehen, Grundsätze von Medienvielfalt zu verankern und der mitgliedsstaatlichen Umsetzung weitesten Raum zu eröffnen, um gewachsene Strukturen gerade im lokalen und regionalen Bereich nicht zu beschädigen.
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„Auch die Medienpolitik ist volatil geworden“

„Auch die Medienpolitik ist volatil geworden“

von am 25.01.2023

Verlage fordern zuverlässige und faire Rahmenbedingungen, die ein ökonomisch erfolgreiches, verlegerisches Handeln möglich machen

25.01.2023. Fragen an Sigrun Albert, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV)

Nachrichtenmedien leisten einen wesentlichen Beitrag zum Erhalt der Meinungs- und Pressefreiheit, zur Diskussionskultur und damit zur Stärkung unserer Demokratie, sagt Sigrun Albert, Hauptgeschäftsführerin des BDZV. Zu den medienpolitischen Themen für 2023 zählt sie faire Wettbewerbsbedingungen im Zusammenspiel mit den internationalen Plattformen sowie
fairen Wettbewerbsbedingungen im Zusammenspiel mit den öffentlich-rechtlichen Medien, insbesondere deren digitalen Textangeboten. Die Grundlagen einer wirtschaftlich starken Presse sollten bei allen politischen Entscheidungen (z.B. im Datenschutz oder bei der Regulierung von Werbung) berücksichtigt werden. Das betreffe auch Vorhaben der EU wie den European Media Freedom Act. Die bereits geltenden Gesetze wirkten sich bereits heute „teilweise erheblich“ auf die Mitglieder aus, auch von den geplanten Gesetzen sei das zu erwarten.
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„Budgets für deutsche Kinofilme sind seit Jahren rückläufig“

„Budgets für deutsche Kinofilme sind seit Jahren rückläufig“

von am 24.01.2023

Filmwirtschaft sieht weiter wirtschaftliche Risiken und hofft auf ein Filmförderungsgesetz, das die unterschiedlichen Interessen ausbalanciert

24.01.2023. Fragen an Christian Sommer, Präsident der SPIO (Spitzenorganisation der Filmwirtschaft)

Viele Unternehmen der Filmwirtschaft hätten ihre finanziellen Rücklagen und ihr Eigenkapital aufgebraucht. Trotz guter Auftragslage im Produktionsbereich seien die Gewinnmargen und Renditen in den letzten Jahren aufgrund von Kostensteigerungen und Erlöseinbußen rückläufig, beschreibt SPIO-Präsident Christian Sommer die Lage. Gleichzeitig sei zu beobachten, dass die Budgets für deutsche Kinofilme seit Jahren rückläufig seien und sich Kinofilme in Deutschland kaum noch finanzieren ließen. Beide Entwicklungen führten zu einer Verschärfung des Konzentrationsprozesses innerhalb der Filmwirtschaft. Es sei zu hoffen, so Sommer, dass in der Diskussion um das neue Filmförderungsgesetz Investitionsverpflichtungen, Rechterückbehalte und steuerbasierte Fördermodelle nicht gegeneinander ausgespielt werden. Kalkulierbarkeit und Planbarkeit der finanziellen und steuerlichen Rahmenbedingungen seien für die Filmwirtschaft aufgrund der langen Produktionsdauer von Filmen ausschlaggebend.
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„Notgedrungen ist die Presseförderung auch 2023 für Zeitschriften ein herausragendes Thema“

„Notgedrungen ist die Presseförderung auch 2023 für Zeitschriften ein herausragendes Thema“

von am 19.01.2023

Medienpolitische Probleme der Zeitschriftenmedien in Brüssel und Berlin: Presseförderung, Datenschutz, Medienfreiheitsgesetz und Digitalmonopole

19.01.2023. Von Prof. Dr. Christoph Fiedler, Geschäftsführer Europa- und Medienpolitik, Medienverband der freien Presse (MVFP), Chairman Legal Affairs EMMA European Magazine Media Association

medienpolitik.net hat mehrere Medienverbände nach den wichtigsten medienpolitischen Themen für dieses Jahr befragt. Zwei Themen dominieren die Agenda: Zum einen die Auswirkungen und Konsequenzen aus der höheren Inflation sowie gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise und zum anderen der immer größere Einfluss der EU auf die nationale Medienpolitik. Beide Problembereiche zwingen die Länder und den Bund zum Handeln, so die Verbände. Für Prof. Dr. Christoph Fiedler, Geschäftsführer Europa- und Medienpolitik, Medienverband der freien Presse (MVFP), steigt die Bedeutung der Brüsseler Politik im Zuge der fortlaufenden Machtausdehnung der EU. Selbst die Presseförderung habe eine europapolitische Komponente, da sie von der Kommission gebilligt werden muss. Eine diskriminierungsfreie Förderung, insbesondere auch der Zeitschriften, sei dringend notwendig, sagt Fiedler. Während die Zeitschriftenverlage die hohen Kosten des digitalen Wandels trotz schmerzhafter Einbußen noch tragen könnten, seien die in keiner Weise beeinflussbaren Kostensteigerungen insbesondere für Papier, Druck und anderweitig nötige Energie sowie Postzustellung zu viel.
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Für das Kino die Zukunft gestalten

Für das Kino die Zukunft gestalten

von am 18.01.2023

Das FFG muss auf die Veränderung der Märkte im Sinne des Kinos reagieren

18.01.2023. Von Johannes Klingsporn

Wenn es nicht gelingt, höher budgetierte deutsche Kinofilme kontinuierlich herzustellen und zu verwerten, hat das Kino in der Fläche keine Zukunft. Wir brauchen einen Masterplan, der die besonderen Herausforderungen bei der Finanzierung und Refinanzierung der Herstellung und Vermarktung antizipiert und konkrete Vorschläge unterbreitet und dabei auch nicht davor zurückschreckt, die bestehenden Projekt-Kommissions-Strukturen grundsätzlich in Frage zu stellen. Auch in den nächsten Jahren wird es keine eindeutige Antwort auf die Frage geben, ob Streaming die Kaskaden Auswertung von Kinofilmen ersetzt oder ob Streaming Pay TV oder Free TV zu Nischenmärkte pulverisiert oder nicht. Die Märkte für Filmnutzungen werden absehbar – im Hinblick auf FFG-Laufzeiten – volatil und unwägbar bleiben. Deshalb muss das FFG jetzt mit anderen Schwerpunkten und ergänzt um weitere Förderinstrumente jenseits des FFG umgesetzt werden.

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„Ein ‚Reformkonvent‘ könnte wichtige Impulse für den politischen Entscheidungsprozess setzen.“

„Ein ‚Reformkonvent‘ könnte wichtige Impulse für den politischen Entscheidungsprozess setzen.“

von am 10.01.2023

NRW erwartet Reformen der Sender für Beitragsstabilität über 2024 hinaus

10.01.2023. Fragen an Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei in NRW und Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien

Nach Auffassung von Nathanael Liminski, Chef der Staatskanzlei in NRW, befindet sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht erst seit den Vorfällen beim RBB in der Krise. Wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk in der heutigen digitalen Welt neu erfunden würde, sähe er sicher nicht so aus wie aktuell, sagt der NRW-Medienminister. Über die seit 2017 betriebenen Strukturreformen der ARD hinaus seien eine noch stärkere Harmonisierung und Standardisierung der Produktionslandschaft wie auch eine engere Zusammenarbeit im programmlichen Bereich unerlässlich. Die Konkretisierung struktureller Reformen, könnte zur Beitragsstabilität in der nächsten Beitragsperiode beitragen. Liminski unterstützt den Vorschlag des WDR-Intendanten Tom Buhrow zur Berufung eines Expertengremiums. Ein solcher „Reformkonvent“ könnte auf der Grundlage eines klaren Mandats wichtige Impulse für den zukünftigen politischen Entscheidungsprozess setzen. Sachverstand, Unabhängigkeit und eine Expertise, die unterschiedliche Perspektiven vereint, wären geeignet, Akzeptanz zu erzeugen und ausgetretene Denkpfade zu verlassen.
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„Wir brauchen konkrete Vorschläge“

„Wir brauchen konkrete Vorschläge“

von am 04.01.2023

Bayerischer Medienminister mahnt die Anstalten, Pläne für Strukturreformen zu unterbreiten

04.01.2023. Fragen an Dr. Florian Herrmann, Leiter der Staatskanzlei und Staatsminister für Bundesangelegenheiten und Medien Bayerns

Die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehört zu den Schwerpunkten Bayerischer Medienpolitik. Gegenüber medienpolitik.net betont Dr. Florian Herrmann, Chef der Bayerischen Staatskanzlei, dass es das Ziel der Länder sei, mithilfe eines Reformkonzepts, den Rundfunkbeitrag stabil zu halten. So sollen die Vorteile und die Vielfalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bewahrt, aber Mehrfachstrukturen zusammengeführt und sichergestellt werden, dass alle Bevölkerungsgruppen ein passendes Angebot finden. Es sei nicht klar, so Herrmann, „wie Parlamente auf die denkbare Empfehlung einer Erhöhung des Rundfunkbeitrags, und sei es auch nur zum Inflationsausgleich, reagieren würden“.
Auf der Agenda der Münchner Staatskanzlei für 2023 stehen zudem Veränderungen am Entwurf des European Media Freedom Acts („EMFA“), die Förderung der lokalen und regionale Radio- und TV-Sender sowie die Verbesserung der Medienkompetenz Jugendlicher. „Wir stehen fest an der Seite der bayerischen (Medien-) Unternehmen und setzen uns weiterhin für den Erhalt der einzigartigen Medienvielfalt in Bayern ein“, sagt der Medienminister.
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Wachsende Sorge um die Meinungsfreiheit

Wachsende Sorge um die Meinungsfreiheit

von am 20.12.2022

Ein medienpolitischer Jahresrückblick auf 2022

20.12.2022. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Die Sicherung der Medien- und Meinungsfreiheit gehörte zu den prägenden Themen des Medienjahres 2022. Das Jahr begann medienpolitisch mit einer Debatte über den negativen Einfluss demokratiefeindlicher Propaganda und endet mit der Sorge, ob diese wichtigen Stützen der Demokratie durch die Änderung von Besitzverhältnissen und Geschäftsmodellen bei sozialen Netzwerken gefährdet sein könnten. Nach Chaos, Entlassungen und der Abmeldung prominenter Nutzer, hat Elon Musk nun die Nutzer entscheiden lassen, ob er weiter Chef von Twitter bleiben soll. Ob er dem Abwahlvotum folgt, ist fraglich. Und kurz vor Jahresende hat Berlusconis MediaForEurope (MFE) ihre Übernahmeabsichten von ProSiebenSat.1 bekräftigt. Beruhigend ist das alles nicht. Doch die Regulierung der sozialen Netzwerke ist das eine, das noch dazu wegen der damit verbundenen Konsequenzen manchmal fragwürdig ist. Ebenso wichtig ist die Unterstützung der nach journalistischem Standard arbeitenden Medien. Hier haben der Bund und die Länder 2022 nicht viel erreicht: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bedarf einer tiefgreifenden Reform, der Vertrieb von Zeitungen und Zeitschriften muss endlich alimentiert werden und die lokalen Medien müssen mehr gefördert werden, als es die Landesmedienanstalten mit ihren schmalen Budgets vermögen.
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„Wir sehen die Verlängerung des FFG um ein weiteres Jahr mit großen Sorgen“

„Wir sehen die Verlängerung des FFG um ein weiteres Jahr mit großen Sorgen“

von am 24.11.2022

Filmbranche erwartet, dass die Vorbereitung der großen Novellierung umgehend in Gang gesetzt wird

24.11.2022. Fragen an SPIO, AG Kino, HdF Kino, Bitkom, VdF, FFF Bayern und BKM

Der deutschen Filmwirtschaft stehen gegenwärtig mehr als 450 Mio. Euro Fördermittel durch die Filmförderungsanstalt (FFA) und Steuermittel des Bundes und der Länder zur Verfügung. Das Fördervolumen ist auch im internationalen Vergleich beachtlich, doch durch den Flickenteppich unterschiedlicher Förderinstrumente und -maßstäbe ist es weniger effektiv als in anderen Ländern. Vor allem die Zersplitterung der Geldmittel, zu geringe Budgets für deutsche Filme, eine unzureichende Orientierung an veränderter Mediennutzung und im Umbruch befindlicher Marktverhältnisse sowie eine mangelnde internationale Wettbewerbsfähigkeit werden von Branchenvertretern seit Jahren kritisiert. In Österreich wird ab 1. Januar 2023 ein neues automatisiertes System der Filmförderung eingeführt. Damit wird eine einfachere und transparente Neuordnung des Filmfördersystems umgesetzt. Ein zuschussbasiertes und ungedeckeltes Modell wie das österreichische könnte auch ein Vorbild für Deutschland sein. Medienpolitik.net hat Branchenverbände und Institutionen der Filmwirtschaft gefragt, wie sie die Verschiebung der FFG-Reform um ein Jahr bewerten und welche Erwartungen sie an eine "grundlegende Reform“ haben.
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