Medienwirtschaft

„Viele Kinos haben Sorgen vor der Insolvenz“

„Viele Kinos haben Sorgen vor der Insolvenz“

von am 17.03.2020

Schließung der Kinos führt jede Woche zu Verlusten von 17 Millionen Euro

17.03.2020. Interview mit Christine Berg, Vorstandsvorsitzende des HDF KINO e.V.

„Eine flächendeckende Schließung aller Filmtheater in Deutschland wird für die Kinos jede Woche zu Verlusten in Höhe von 17 Millionen Euro führen“, erläuterte Christine Berg, in einem medienpolitik.net-Interview. Der Einbruch der Wochenendzahlen gab darauf bereits einen bitteren Vorgeschmack und wies für die Top 20 ein Minus von 75 Prozent im Vergleich zur Vorwoche auf. „Die Verluste“, so Berg „werden aufgrund der unabsehbaren Einschränkungen kaum aufholbar sein. Ein Gebot der Stunde sei es für die Kinobetreiber, die zahlreichen Mitarbeiter möglichst weiter zu beschäftigen. Viele Mitglieder hätten berechtigte Sorgen vor der Insolvenz, denn Kinos seien äußerst kostenintensive Immobilien, die auf regelmäßige Einkommen angewiesen seien, beschreibt die Vorstandsvorsitzende des Kinoverbands die aktuelle Situation. Angesichts der dramatisch wachsenden Auswirkungen der Corona-Krise auf die Filmwirtschaft hat die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) ein Soforthilfe-Paket der Politik gefordert. So werden Liquiditätsbeihilfen zum Beispiel über die KfW gefordert, die ein Sofortprogramm für die Kultur- und Kreativwirtschaft aufgelegt soll. Analog zum europäischen Garantiefonds soll zudem ein Ausfallrisikofonds für die zwischenfinanzierenden Banken eingerichtet werden. Hier müssen auch die Versicherungswirtschaft und die Sender in die Pflicht genommen werden.
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Das mediale Lagerfeuer erwärmt immer weniger Zuschauer

Das mediale Lagerfeuer erwärmt immer weniger Zuschauer

von am 11.03.2020

Die privaten Fernsehsender stehen vor radikalen Veränderungen

11.03.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Vor nahezu 25 Jahren, im Dezember 1995 startete Sat.1. eine Innovation im Deutschen Fernsehen: Eine Late-Night-Show nach amerikanischem Vorbild. Als am 23. Dezember 2003 die Zusammenarbeit Harald Schmidts mit dem Privatsender endete, verfolgten 2,47 Millionen Zuschauer den Abschied des Entertainers von Sat.1. Das Entsprach einem Marktanteil von 17,6 Prozent. Doch diese Zeiten erfolgreicher Innovationen und solch hoher Marktanteile sind für das private Fernsehen längst Geschichte. Höchstens mit Fußball erreicht RTL heute im Ausnahmenfall Marktanteile von annähernd 30 Prozent. Vorbei die Zeiten, als „DSDS“ bei RTL noch Rekordquoten erzielte, vorbei die Zeiten, als Stefan Raab ProSieben in schöner Regelmäßigkeit Top-Reichweiten bescherte. 1984 startete mit Sat.1. der erste kommerzielle TV-Sender, wenig später ging RTL auf Sendung. In den 90er Jahren erreichten Sat.1, RTL & Co. mehr Zuschauer als die öffentlich-rechtlichen Sender. 2007 lag deren Marktanteil bei 56,6 Prozent, 2018 waren es noch 51,8 Prozent, Tendenz fallend. Zudem stehen hinter den Marktanteilen real weniger Zuschauer. Und das obwohl sich die Zahl privater Anbieter in den vergangenen Jahren explosionsartig vermehrt hat.

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„Revolutionen sehen anders aus“

„Revolutionen sehen anders aus“

von am 10.03.2020

Kontroverse Diskussion, wie der deutsche Film besser werden kann

10.03.2020. Interview mit Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH)

Das Drama "Es gibt kein Böses" des im Iran festgehaltenen Wahlhamburgers Mohammad Rasoulof wurde bei der Berlinale mit dem Goldenen Bären gekürt. Der Film wurde von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein gefördert. In "Es gibt kein Böses" geht der Regisseur in vier Episoden der Frage nach, inwieweit Menschen in einer autoritären Herrschaft für ihr Handeln selbst verantwortlich sind, ganz gleich, was sie anderen antun. Deutscher Produzent ist die Hamburger Cosmopol Film. Insgesamt war Hamburg mit 18 geförderten Filmen bei der 70. Berlinale vertreten. Wie Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein gegenüber medienpolitik.net betont, sei der aktuelle Ruf nach einer Verknappung deutscher Filme in Zeiten der Plattformökonomie, fragmentierter Finanzierungsmärkte und digitaler Herstellungs- und Auswertungsmöglichkeiten eher rückwärtsgewandt. Aktuell verdienen die meisten Produzenten erst in der Produktionsphase ihr Geld. Das führe dazu, dass viele aus wirtschaftlichen Zwängen heraus zu früh anfangen müssen, ihre Filme produzieren. Die FFHSH will die Antragssteller in die Lage versetzen, ihre Stoffe auszuentwickeln - oder, wenn nötig, auch die Entscheidung zu treffen, Stoffe fallen zu lassen.
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„Den Mittelstand in den Fokus der Förderung stellen“

„Den Mittelstand in den Fokus der Förderung stellen“

von am 09.03.2020

Bund und Länder starten „Zukunftsprogramm Kino“

09.03.2020. Von Helmut Hartung, Chefredakteur www.medienpolitik.net.

Im Koalitionsprogramm der der CDU/CSU/SPD- Bundesregierung wurde im März 2018 ein „Zukunftsprogramm Kino“ vereinbart, das heute gestartet ist. Nach der erfolgreichen Digitalisierung aller Kinos, die 2015 abgeschlossen werden konnte und die der Bund, die FFA und die Länder mit ca. 60 Millionen Euro gefördert hatte, wurde von den Kinoverbänden auf die Fortführung der Kinoförderung gedrängt. Der HDF Kino hatte von 2018 bis 2023 den Investitionsbedarf der deutschen Kinos bei mindestens 900 Millionen Euro gesehen. Auf das Jahr bezogen sind das 180 Millionen Euro, wovon 2/3 von den Kinos selber gedeckt werden können. Insgesamt beträgt das Defizit also 300 Millionen Euro. Die beiden Kinoverbände hatten deshalb bis 2023 150 Millionen Euro an Förderung angemahnt. Die jetzt beschlossenen Mittel von 17 Millionen Euro für 2020 stellen also nur einen Bruchteil der von den Kinos geforderten Unterstützung dar. Wie hoch die Summen für 2021 – 2023 ausfallen wird steht zudem noch nicht fest.
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Polarisierung beim Medienvertrauen nimmt zu

Polarisierung beim Medienvertrauen nimmt zu

von am 04.03.2020

04.03.2020. Langzeitstudie der Uni Mainz: 28 Prozent der Deutschen äußern grundsätzliches Misstrauen gegenüber Berichterstattung

Der Vorwurf bleibt, aber der Widerspruch gegen den "Lügenpresse"-Vorwurf steigt. Ob es an den Medien selbst oder an den Mediennutzern selbst liegt? Rund 28 Prozent der Bundesbürger äußern aktuell ein grundsätzliches Misstrauen gegen die Berichterstattung etablierter Medien. Das zeigen die Zahlen der am Dienstag veröffentlichten Langzeitstudie "Medienvertrauen" der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität. Dabei ist Anteil der skeptisch eingestellten Menschen 2019 im Vergleich zu 2018 um sechs Prozentpunkte angestiegen, 2017 hatte der Wert bei 17 Prozent gelegen. Auf der anderen Seite vertrauen 43 Prozent der Deutschen grundsätzlich bei wichtigen Themen. 2018 wurden 44 Prozent ermittelt, im Jahr davor 42 Prozent.
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„Der Wandel zu Digital-First ist zum Greifen nah“

„Der Wandel zu Digital-First ist zum Greifen nah“

von am 02.03.2020

Printerlöse bei den Zeitungsverlagen rückläufig – Zukunft sind digitale Bezahlmodelle

02.03.2020. Interview mit Dr. Christoph Mayer, SCHICKLER Unternehmensberatung

Wenn Online-Nutzer sich auf Nachrichtenportalen deutscher Verlagshäuser informieren wollen, müssen sie in zwei von drei Fällen bezahlen. In drei Jahren soll das nahezu überall soweit sein. Für die Redaktionen heißt das, sie arbeiten zunehmend zuerst fürs Netz, erst dann für die Zeitung. Dieses Prinzip „digital first“ gilt schon heute in fast jedem zweiten Newsroom. Mit Blick auf die bezahlten Online-Inhalte, so eine Umfrage des BDZV und des Beratungsunternehmen SCHICKLER, erwarten die Verlagsmanager in diesem Jahr ein Plus von durchschnittlich 14 Prozent. Die Erlöse im Gedruckten dürften im selben Zeitraum nicht mal um ein Prozent zurückgehen, so die Erwartungen. Auch die Prognosen für abgeschlossene Abonnements und die Einnahmen mit verkauften Werbeplätzen fallen entsprechend aus. Allerdings nehmen die meisten Häuser noch immer insgesamt weit mehr mit Print ein als mit Digitalem. Wie Dr. Christoph Mayer, SCHICKLER Unternehmensberatung in einem medienpolitik.net-Interview betont, stehen die Verlage mit ihrem Geschäftsmodell an einem historischen Punkt. „Nach Jahrhunderten der gedruckten Zeitung ist der Wandel zu Digital-First zum Greifen nah.“
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„Mehr Abgabegerechtigkeit zwischen den Akteuren“

„Mehr Abgabegerechtigkeit zwischen den Akteuren“

von am 26.02.2020

Fraktionen von CDU/CSU und SPD des Deutschen Bundestages wollen mit der FFG-Novelle die Erlössituation der Produzenten verbessern

26.02.2020. Fragen an Elisabeth Motschmann, MdB, Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien und Martin Rabanus, MdB, Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion

Kurz vor der Berlinale haben CDU/CSU- und SPD-Fraktion des deutschen Bundestages ein gemeinsames Eckpunktepapier für die Novellierung des Filmförderungsgesetzes vorgelegt. Darin sprechen sich die beiden Regierungsfraktionen für eine moderate Abgabeerhöhung aus, um das Abgabeaufkommen der FFA als wichtigster Bundesförderung stabil zu halten. Durch Veränderungen bei der Gewinnaufteilung wollen sie die Erlössituation der Produzenten verbessern. Zudem sollen die Drehbuchförderung und vor allem in der Drehbuchfortentwicklung ausgebaut werden. Die FFA soll außerdem mehr Mittel für die Filmherausbringung bereitstellen und es soll am exklusiven Auswertungsfenster für die Kinos festgehalten werden. Bei Verstößen gegen die Einhaltung von sozialen Standards bei den Arbeitsbedingungen der Filmschaffenden am Set sollen künftig auch Sanktionen möglich sein.
In ihrer Rede auf dem Produzententag am 20. Februar hat Kulturstaatsministerin Monika Grütters viele der Überlegungen aufgegriffen. Fragen an Elisabeth Motschmann, Kultur und medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und Martin Rabanus, Sprecher für Kultur und Medien der SPD-Bundestagsfraktion zu ihren Vorschlägen.

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Die Position der Urheber ist grundrechtlich geschützt

Die Position der Urheber ist grundrechtlich geschützt

von am 10.02.2020

Kreative und Kulturunternehmen müssen für die Werknutzung angemessen vergütet werden

10.02.2020. Von Gerhard Pfennig, Sprecher der Initiative Urheberrecht

Ende vergangener Woche hat die Bundestagsfraktion von Bündnis90/Die Grünen ein Fachgespräch „EU-Urheberrechtsreform – Wie soll eine nationale Umsetzung aussehen?“ durchgeführt. Zuvor hatte die Fraktion ein Gutachten des Göttinger Multimedia- und Telekommunikationsrechtlers Prof. Dr. Gerald Spindler präsentiert. Das Gutachten wirft wie Tabea Rößner, Sprecherin für Netzpolitik erklärte, bei Bündnis90/Die Grünen „starke Zweifel an der Vereinbarkeit von Artikel 17 mit EU-Grundrechten auf. Damit steht die ganze nationale Umsetzung der EU-Urheberrechts-Richtlinie auf der Kippe.“ Zugleich ermögliche die DSM-Richtlinie eine deutliche Verbesserung der Rechteinhaber gegenüber den großen Plattformen, beispielsweise YouTube. Lizensierung sei die Problemlösung. Das sei eine gute Botschaft für Kreative. Die aber nichts wert sei, wenn das Damoklesschwert der Unvereinbarkeit mit EU-Grundrechten darüber hänge, betonte Erhard Grundl, Sprecher für Kulturpolitik.
Anlässlich des Fachgesprächs hat Gerhard Pfennig, Sprecher der Initiative Urheberrecht, folgendes Statement abgegeben.
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„Es ist sinnvoll, die öffentlich-rechtlichen Angebote zu bündeln“

„Es ist sinnvoll, die öffentlich-rechtlichen Angebote zu bündeln“

von am 09.01.2020

Die ARD will in der Mediathek mehr Exklusives anbieten. Bei der Degeto wurden dafür Mittel umgeschichtet

09.01.2020. Interview mit Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen

Im Abendprogramm – zwischen 20:00 und 23:00 Uhr – ist Das Erste im Jahr 2019 mit einem Marktanteil von 14,3 Prozent das meistgesehene Programm geworden, gefolgt vom ZDF mit 13,9 Prozent. RTL kommt auf 9,4 Prozent, SAT.1 auf 5,4 Prozent und ProSieben auf 4,7 Prozent. Bezogen auf den gesamten Sendetag entfallen die größten Teile des Fernsehkonsums auf das ZDF (13,1 %). Bei einer aktuellen Befragung des Institut Kantar „Welcher Sender insgesamt die qualitativ besten Programme anbietet“, erhielt Das Erste mit 24 Prozent die meisten Nennungen, vor dem ZDF mit 14 und RTL mit 13 Prozent. Auch wenn es um die Unverzichtbarkeit der Sender für das Publikum geht, liegt Das Erste mit 20 Prozent weit vorne. 15 Prozent der Befragten nannten RTL und 12 Prozent das ZDF. Diese gute Position will Das Erste in diesem Jahr mit einer Verstärkung seiner Mediathek durch exklusive Produktionen ausbauen. Zudem will Programmdirektor Volker Herres, wie er in einem medienpolitik.net-Gespräch erläutert, große Stoffe, die 2020 im Ersten zu sehen sein werden, vorab als ganze Serien in die Mediathek stellen. Herres geht davon aus, dass für die neuen Angebote keine zusätzlichen Mittel bereit stünden, sondern die vorhandenen Etats umgeschichtet werden müsse.

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„Der Vertrag bedeutet einen echten Paradigmenwechsel“

„Der Vertrag bedeutet einen echten Paradigmenwechsel“

von am 18.12.2019

Lob von den privaten Medien, Kritik von der Internetwirtschaft am Medienstaatsvertrag

18.12.2019. Fragen an Daniela Beaujean, Mitglied der Geschäftsleitung, Justiziarin des VAUNET und ab Januar 2020 Co-Geschäftsführerin des Verbandes und Oliver J. Süme, eco-Vorstandschef

Am 5. Dezember haben die Länder erstmals dem Entwurf eines Medienstaatsvertrages ihre Zustimmung gegeben, der nicht nur die Rundfunkwelt wie die bisherigen Rundfunkstaatsverträge, sondern auch Teile der medialen Internetwelt regulieren soll. medienpolitik.net hat in den vergangenen Tagen Befürworter und Kritiker zu Wort kommen lassen. Wir beenden heute – zumindest vorerst – hier die Debatte über das bisher umfangreichste medienpolitische Projekt der Bundesländer mit Fragen an den VAUNET, dem Verband privater Medien und den eco, dem Verband der Internetwirtschaft. So sagte Daniela Beaujean, die künftige Co-Geschäftsführerin des Verbandes, es sei den Ländern hoch anzurechnen, dass sie sich intensiv mit den verschiedenen komplexen Themen befasst und dabei auch die Anliegen der audiovisuellen Inhalteindustrie einbezogen haben. „Erstmals werden neue Spielregeln für Plattformen, Intermediäre und Netzbetreiber technologieneutral und außerhalb der konventionellen Verbreitungswege definiert.“
Oliver J. Süme, eco-Vorstandschef, ist dagegen der Auffassung, dass die regulatorischen Vorgaben dafür sorgten, dass Anbieter von Benutzeroberflächen in der Darstellung der Angebote beeinträchtigt werden. „Noch dazu werden sie daran gehindert, auf Kundenwünsche zugeschnittene und wettbewerbsfähige Angebote zu entwickeln.“
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