Privater Rundfunk

„Die Situation vieler Sender ist prekär, teilweise existenzbedrohend“

„Die Situation vieler Sender ist prekär, teilweise existenzbedrohend“

von am 30.03.2021

Private Rundfunkanbieter kritisieren fehlende wirtschaftliche Unterstützung durch den Bund

30.03.2021. Interview mit Olaf Hopp, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) und Geschäftsführer von ENERGY Deutschland

Für die privaten Radios sowie des lokalen und regionalen TV-Sender ist die wirtschaftliche Lage zu Beginn des zweiten Pandemiejahres noch schwieriger als vor einem Jahr, beim ersten Stillstand der Wirtschaft der Fall. Viele Kunden zumal in der Region haben nicht mehr genügend Liquidität, um Werbung zu schalten, auch wenn das angesichts der absehbaren stufenweisen Öffnung sinnvoll wäre. In den vergangenen Monaten sei ein großes Ungleichgewicht im dualen Rundfunksystem entstanden", so Olaf Hopp, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR). "Während die Öffentlich-Rechtlichen durch den Rundfunkbeitrag abgesichert sind, haben die Privaten mit massiven Werbeausfällen zu kämpfen. Weitere Maßnahmen von Seiten der Politik sind dringend vonnöten, um das duale System in Deutschland zu schützen und die Medienvielfalt in ihrer jetzigen Form zu erhalten."
Für den APR sei es „unverständlich“, dass der nicht ausgeschöpfte Betrag aus dem Hilfsprogramm des vergangenen Jahres nicht in das Jahr 2021 übertragen wurde und der private Rundfunk im zweiten "Hilfspaket Kultur" nicht mehr berücksichtigt werde. Hier fordert die APR dringend Nachbesserungen.
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Ineffiziente Doppelregulierung beim Jugendmedienschutz

Ineffiziente Doppelregulierung beim Jugendmedienschutz

von am 29.03.2021

Neues Jugendschutzgesetz verpasst Chance für kohärente Regulierung

29.03.2021. Von Tim Steinhauer, VAUNET, Senior Referent für Medienverantwortung und Programm

Im Juni 2016 bestand in der Bund-Länder-Kommission zur Medienkonvergenz Konsens, dass der gesetzliche Jugendmedienschutz mit materiell kohärenten Regelungen an die konvergente Medienrealität angepasst werden müsse. Knapp fünf Jahre später hat nun der Bundestag am 5. März 2021 eine Novellierung des Jugendschutzgesetzes beschlossen. Mit großer Betroffenheit, auch im wahrsten Sinne des Wortes, muss der VAUNET konstatieren, dass im Ergebnis kein kohärentes Jugendmedienschutzsystem geschaffen wurde, bei dem die Regelungen von Bund und Ländern effektiv und ohne Reibungsverluste ineinandergreifen. Im Gegenteil: Mit dem neuen Jugendschutzgesetz entsteht für journalistisch-redaktionelle Onlinemedien eine ineffiziente Doppelregulierung: Das Bundesgesetz sieht nun wie der Jugendmedienschutzstaatsvertrag der Länder inhaltsbezogene Regelungen vor, die der Inhalteregulierung von Onlinemedien dienen sollen.

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„Wir möchten produzieren statt administrieren“

„Wir möchten produzieren statt administrieren“

von am 25.03.2021

VAUNET: Beim Urheberrecht drohen Zwangskollektivierung und Einschränkungen der Vertragsfreiheit

25.03.2021. Interview mit Claus Grewenig, Vorsitzender des Fachbereichs Fernsehen und Multimedia beim VAUNET und Bereichsleiter Medienpolitik bei der Mediengruppe RTL Deutschland

Heute soll im deutschen Bundestag die erste Lesung der Urheberrechtsnovelle stattfinden. Mit ihr soll bis Juni die EU-Urheberrechtsnovelle in deutsches Recht umgesetzt werden. Der Entwurf ist auf starke Kritik von Verbände und Institutionen von Rechteinhabern verschiedener Branchen gestoßen. Zu den immer wieder geäußerten Kritikpunkten gehören eine praxisferne Ausgestaltung von Ansprüchen und Lizenzverhältnissen sowie massive Eingriffe in etablierte und zukünftige Lizenzmärkte. Vor allem die sogenannte Bagatellschranke ist von vielen Seiten scharf kritisiert worden. Die deutsche Kreativbranche befürchtet, dass sie gegenüber den globalen Mitbewerbern schlechter gestellt und dem Kreativstandort Deutschland nachhaltigen Schaden zugefügt werde. Aus der Perspektive der Sendeunternehmen und der audiovisuellen Medienunternehmen, so Claus Grewenig vom VAUNET, der zugleich Bereichsleiter bei RTL ist, sei noch kein zufriedenstellender Ausgleich zwischen Nutzern und Kreativen gefunden worden. Perspektivisch würden alle verlieren, wenn weniger kreative Inhalte produziert werden können. „Vor allem“, so Grewenig, „sind Zwangskollektivierung und Einschränkungen der Vertragsfreiheit keine Garantie für eine im Ergebnis höhere Vergütung, da der Kuchen nicht größer wird.“
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„Das Fernsehen nimmt den Wettbewerb mit Streaming-Plattformen an“

„Das Fernsehen nimmt den Wettbewerb mit Streaming-Plattformen an“

von am 17.03.2021

Der Jahrgang 2020 zeigt, welche ausdifferenzierte Bandbreite im Fernsehen möglich ist

17.03.2021. Interview mit Dr. Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts

69 Produktionen und Spezialleistungen sind für den 57. Grimme-Preis 2021 nominiert. Aus mehr als 850 Einreichungen wählten die Kommissionen in den Kategorien Information & Kultur, Fiktion, Unterhaltung und Kinder & Jugend ihre diesjährigen Favoriten aus. Die Preisträger des 57. Grimme-Preises werden am 11. Mai 2021 bekanntgegeben. Erstmals in der Geschichte des Preises gab es keine Präsenzsitzungen der Gremien, die Sichtungen erfolgen in mehreren digitalen Sitzungswochen. „Der Blick auf das Preisjahr 2020 offenbart einen kreativen Schub und zeigt, was das Fernsehen der Gegenwart leisten kann“, so Dr. Frauke Gerlach, Direktorin des Grimme-Instituts gegenüber medienpolitik.net. Das Fernsehen sei insgesamt in Bewegung und profitiere vom Trend zu Streaming-Angeboten, weil es zunehmend den Wettbewerb annehme. Wünschenswert wäre, wenn die Programmierung des linearen Fernsehens, gerade in der Primetime, überdacht und man mehr Vielfalt und unterschiedliche Blickwinkel sehen würde. Es stelle sich außerdem die Frage, welchen Nutzen die Sender haben, wenn Sie ihre Produktionen auf den Streaming Plattformen verbreiten.
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„Die großen Fragen nicht aus dem Auge verlieren“

„Die großen Fragen nicht aus dem Auge verlieren“

von am 12.03.2021

Medienanstalt Berlin-Brandenburg ist Vorreiter bei der Förderung lokaler Inhalte

12.03.2021. Interview mit Dr. Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB)

„Ich bin fest davon überzeugt, dass die Frage, ob eine Regulierung erfolgreich ist, keine Frage von Zentralisierung oder Dezentralisierung ist. Viel wichtiger ist, dass wir die nötige Power auf die Straße bringen, also genügend Ressourcen für die überregionalen Aufgaben bereitstellen“, so das Resümee von Dr. Anja Zimmer, bis 14. März 2021 Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Die Medienanstalten müssten aufpassen, sich nicht zu verzetteln und sich mit liebevoller Gründlichkeit kleinen, sicher auch wichtigen Projekten vor Ort widmen und dabei die großen Fragen aus den Augen verlieren – insbesondere auch die Frage, wie reguliert werden soll. Anja Zimmer, die auch Koordinatorin des Fachausschusses Regulierung der Medienanstalten war, hätte sich in Bezug auf den Medienstaatsvertrag, in einigen Bereichen „schlankere Verfahren und härtere Sanktionen gewünscht. Und an der einen oder anderen Stelle auch klarere Regelungen z.B. bei politischer Werbung. Regelungen sollten hier beispielsweise auch die globalen Plattformen verpflichten.“ Für einen Erfolg der Regulierungsdiskussion hält sie es, dass Intermediäre ihre Verantwortungen in einigen Bereichen besser wahrnehmen als früher.
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„Der DAB+ Erfolg in Deutschland hat viele Mütter und Väter“

„Der DAB+ Erfolg in Deutschland hat viele Mütter und Väter“

von am 11.03.2021

Stefan Raue: Kein Strategiewechsel bei DAB+

11.03.2021. Interview mit Stefan Raue, Intendant des Deutschlandradios und Vorsitzender Digitalradio Deutschland e.V.

Im umsatzstärksten Jahr seit der Einführung von DAB+ wurden in Deutschland 2020 mehr als 1,83 Mio. DAB+ Empfänger abgesetzt. Wie der HEMIX (Home Electronics Market Index) belegt, entspricht dies einem Wachstum von 15,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Umsatz mit DAB+ Radios wuchs mit 13 Prozent zweistellig: von 216 Mio. Euro in 2019 auf die aktuelle Bestmarke in Höhe von 244 Mio. Euro in 2020. Die Nutzung des digital-terrestrischen Radios hat 2020 bei der Tagesreichweite relativ um rund 50 Prozent zugelegt. Das macht DAB+ zum Radioverbreitungsweg mit dem derzeit stärksten Wachstum. In einem Gespräch mit medienpolitik.net bekräftigt Stefan Raue, Intendant des Deutschlandradios, dass die Politik weiterhin eine wichtige Rolle für die Akzeptanz von DAB+ spiele. So definiere das Digitalradio Board der Bundesregierung grundlegende Bedingungen für den beschleunigten Aus- und Aufbau von DAB+ in Deutschland. Auf Irritationen im Zusammenhang mit dem neuen RBB-Staatsvertrag angesprochen, erklärt Raue: „Wir erkennen keine Strategieänderung. Die ARD und das Deutschlandradio halten an DAB+ und der Digitalisierung der Radioprogramme fest.“ Dabei gelte ein hybrider Ansatz: DAB+ als robustes Rückgrat der Programmverbreitung und IP-Radio als Ergänzung.

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„Es wird auf allen Ebenen mit Hochdruck gearbeitet“

„Es wird auf allen Ebenen mit Hochdruck gearbeitet“

von am 24.08.2020

Hilfsgelder des Bundes für private Hörfunkanbieter noch nicht ausgezahlt

24.08.2020. Interview mit Dr. Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) und Präsident der Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg

Die Bundesregierung hatte am 4. Juni 2020 ein “Rettungs- und Zukunftspaket Kultur” in Höhe von einer Milliarde Euro auf den Weg gebracht. In diesem Rettungspaket sind Bundeshilfen in Höhe von 20 Millionen Euro für private Hörfunkveranstalter vorgesehen. Diese sind durch den Einbruch von Werbeeinnahmen schwer getroffen und haben angesichts des enormen Informationsbedarfes der Öffentlichkeit weiterhin hohe Personalkosten. Die 20-Millionen-Hilfe ergänzt einzelne Aktivitäten in den Bundesländern. Im Privatradio lagen die Umsatzrückgänge zwischen März und Mai bei 75 bis 80 Prozent pro Monat. Kleine lokale Anbieter verzeichnen Umsatzrückgänge von bis zu 90 Prozent. Auf das Gesamtjahr 2020 bezogen wird mit Umsatzrückgängen von 25 bis 30 Prozent gerechnet. Gleichzeitig ist die Rundfunkwirtschaft durch sehr hohe Fixkosten geprägt. Diese müssen in der Krise – trotz der erheblichen Corona-bedingten Umsatzausfälle – in voller Höhe getragen werden. Neben den Personalkosten stellen Verbreitungskosten einen der größten Fixkostenblöcke dar. Allerdings müssen die Sender weiterhin auf ihr Geld warten. Die Auszahlung der Mittel soll durch die Landesmedienanstalten erfolgen. Voraussetzung zur Auszahlung sei, wie Dr. Wolfgang Kreißig gegenüber medienpolitik.net betonte, eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern, die noch in Prüfung sei. Diese müsse dann noch vom Bund und den Ländern ratifiziert werden.
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„Ehrlich gesagt, finde ich das ein Unding“

„Ehrlich gesagt, finde ich das ein Unding“

von am 19.08.2020

Thüringen kritisiert Filmversicherungen, zeigt sich aber skeptisch gegenüber einem Ausfallfonds

19.08.2020. Interview mit Malte Krückels, Die Linke, Staatssekretär für Medien sowie Bevollmächtigter beim Bund des Freistaats Thüringen

Thüringens Medienstaatssekretär kritisiert gegenüber medienpolitik.net, dass die Versicherungen nicht für coronabedingte Produktionsausfälle aufkommen wollen. Allerdings ist er nicht davon überzeugt, dass der gegenwärtig favorisierten Ausfallfonds „das richtige Instrument“ sei. Die konzertierte Hilfsaktion von Bund- und Länderförderern im April und Mai, als kurzfristig eine große Zahl an Kino-Produktionen eingestellt werden musste, habe dagegen gut funktioniert. Durch die Corona-Pandemie sei die Medienvielfalt im Freistaat gefährdet, betont Malte Krückels: „Gerade durch seine spezielle Struktur ist der Medienmarkt in Thüringen eine sehr sensible Branche.“ Ziel einer staatlichen Förderung müsse es deshalb sein, pandemiebedingte Insolvenzrisiken einzelner Veranstalterinnen und Macher zu reduzieren, damit insgesamt langfristig irreparable Schäden von der Medienlandschaft abgewendet werden könnten. Thüringen hat deshalb ein Hilfs-Sonderfonds in Höhe von fünf Millionen Euro bereitgestellt. Von der 20-Millionen-Euro-Unterstützung für private Hörfunksender werden ca. 500.000 Euro nach Thüringen fließen.
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„Wir haben die Sorgen der Branche sehr ernst genommen“

„Wir haben die Sorgen der Branche sehr ernst genommen“

von am 17.08.2020

Bayern fordert TV-Sender zur Beteiligung am Ausfallfonds auf

17.08.2020. Interview mit Judith Gerlach, Bayerische Staatsministerin für Digitales

Bayern ist einer der wichtigsten Filmstandorte in Deutschland. Deshalb ist es für die Filmbranche auch über die Landesgrenzen hinaus von zentraler Bedeutung, wie Drehbuchautoren, Produzenten, Verleiher oder Kinobetreiber durch die Pandemie kommen. Die Staatsregierung hatte, wie Judith Gerlach betont, „die Film- und Kinowirtschaft bereits seit Beginn der Pandemie intensiv im Blick.“ Der Anteil des Freistaates an einem Nothilfefonds der Filmförderer von 15 Millionen Euro beträgt rund 3,4 Millionen Euro. Für die Kinos stehen 12 Millionen Euro als Anlaufhilfe nach deren Wiedereröffnung zur Verfügung. Auch die Filmtheater-Programmprämien des FFF Bayern wurden verdoppelt. Als eines von bisher vier Ländern hat die Landesregierung auch sehr schnell eine Beteiligung an einem Ausfallfonds zugesagt. „Der Ausbau des staatlichen Ausfallfonds“ so bekräftigt die Bayerische Staatsministerin für Digitales, „kann nur in enger Partnerschaft mit den TV-Sendern ermöglicht werden.“ Daher würde es Bayern begrüßen, wenn die TV-Sender eine starke Bereitschaft signalisieren würden, sich an dem Ausfallfonds zu beteiligen.
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„Wenn wir erst eine Krise benötigen, um kreativ zu sein, stimmt was nicht.“

„Wenn wir erst eine Krise benötigen, um kreativ zu sein, stimmt was nicht.“

von am 11.08.2020

RTL mit wenig Programmausfällen in der Corona-Krise und keiner Reduzierung von fiktionalen Produktionen

11.08.2020. Interview mit Jörg Graf, Geschäftsführer von RTL Television

RTL hat während der Corona-Pandemie drei tägliche Serien („Unter Uns“, „Alles was zählt“, „GZSZ“) ohne Sendeunterbrechung produziert. Das sei für ihn, so Jörg Graf „das größte Event“. „Wir wollten unbedingt vermeiden“, so der RTL-Geschäftsführer, die Wiederholungsquote massiv zu steigern.“ Man sei glücklich und stolz, dass das gemeinsam mit den Produzenten-Partnern gelungen sei, für das 2. Halbjahr und nach den Sommerferien wieder mit vielen, frischen Programmen an den Start gehen zu können. Auch geplante Event-Produktionen wie „Faking Hitler“, „König von Palma“ oder „Boris Becker“ (AT) sollen alle realisieret werden. Die einzige Frage sei, „wann können wir wo und was so produzieren, dass es verantwortbar ist und den hoch angesetzten Qualitätslevel nicht beeinträchtigt, erläutert Graf. RTL wolle seiner LocalHero-Strategie in der Krise umso mehr folgen und hier gute Inhalte maßgeschneidert für sein Publikum produzieren.

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