Social Media

Medienintermediäre nur schwer zu durchschauen

Medienintermediäre nur schwer zu durchschauen

von am 25.07.2022

Mehr Transparenz zur Funktionsweise von Google, YouTube, Instagram & Co. erforderlich

25.07.2022. Eine Studie der Medienanstalten zur Wahrnehmung von Transparenzangaben bei Medienintermediären zeigt erheblichen Nachbesserungsbedarf. Transparenz im Netz bedeutet für Nutzerinnen und Nutzer auch, dass sie nachvollziehen können, warum ihnen bestimmte Inhalte auf Ergebnisseiten von Suchmaschinen- oder Video-Plattformen angezeigt werden. Über 80 Prozent der Befragten einer Studie der Medienanstalten sind an solchen Informationen interessiert. Allerdings sind die gesetzlich vorgeschriebenen Transparenzangaben bei den untersuchten Medienintermediären Google, YouTube und Instagram nicht leicht zu finden. Auch bei der Verständlichkeit der Angaben ergibt sich auf Basis der Studienergebnisse für die Medienanstalten Nachbesserungsbedarf.

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„Im World Wild West braucht’s einen Sheriff“

„Im World Wild West braucht’s einen Sheriff“

von am 22.07.2022

Medienpolitisches Portrait: Dr. Tobias Schmid

22.07.2022. Medienpolitik.net setzt seine Reihe medienpolitischer Portraits mit einem Beitrag über Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW und Europabeauftragter der Direktorenkonferenz der Medienanstalten fort. Alle Porträts sind im Frühjahr 2022 entstanden. Grundlage hierfür waren Interviews mit Persönlichkeiten aus Politik, Medienaufsicht, Unternehmen und Wissenschaft. Die Autoren sind Studierende des Master-Studiengangs Journalistik der TU Dortmund. Sie verfügen durch studienintegrierte Volontariate bereits über journalistische Praxis und arbeiten größtenteils studienbegleitend für verschiedene Medien. Entstanden sind die Texte im Rahmen des Seminars „Aktuelle medienpolitische Entwicklungen“, das von Prof. Dr. Tobias Gostomzyk, Professur für Medienrecht an der TU Dortmund, begleitet wurde. Tobias Schmid sieht hinsichtlich der Digitalisierung im Wesentlichen drei große Probleme: die Verbreitung von Hass, das Problem der Desinformation und der an vielen Stellen noch fehlende Schutz von Minderjährigen. Die Verantwortung liegt für ihn vor allem beim Gesetzgeber. Lisa Koenig hat sich mit dem Juristen unterhalten.

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Der Dysfunktionalität sozialer Medien nicht tatenlos zusehen

Der Dysfunktionalität sozialer Medien nicht tatenlos zusehen

von am 11.07.2022

Grundrechte und soziale Medien – Primat der Meinungsfreiheit oder Gewährleistung einer dienenden Medienfreiheit?

11.07.2022. Von Prof. Dr. Christoph Wagner, Rechtsanwalt, Berlin

Die empirischen Untersuchungen der Landesmedienanstalten zeigen Jahr für Jahr, wie rasant die Nutzung sozialer Medien im Vergleich zu herkömmlichen Massenmedien wächst. Jüngere Menschen bis etwa 40 Jahren beziehen ihre Nachrichten und Informationsinhalte heute primär über soziale Medien und nur nachrangig über linearen Rundfunk oder Zeitungen. Nur bei den über 60-Jährigen überwiegt der klassische Fernsehempfang noch deutlich, sonst liegen soziale Medien und Fernsehnutzung fast gleichauf. Ausgehend von der rasant wachsenden Bedeutung sozialer Medien für den öffentlichen Meinungsbildungsprozess zeichnet der Beitrag ihre Wirkungsweise nach, bevor sich aus einer knappen grundrechtlichen Einordung schließlich konkreter Handlungsbedarf für den Gesetzgeber ableiten lässt.
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„Verbindliche Leitlinien für öffentlich-rechtlichen Journalismus in sozialen Netzwerken festlegen“

„Verbindliche Leitlinien für öffentlich-rechtlichen Journalismus in sozialen Netzwerken festlegen“

von am 08.06.2022

Journalismus in sozialen Netzwerken - ARD und ZDF im Bann der Algorithmen?

08.06.2022. Um alle Teile der Bevölkerung journalistisch zu erreichen und mit Informationen zu versorgen sind soziale Netzwerke für die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland unverzichtbar geworden. Dazu sind die Anstalten auch durch den Medienstaatsvertrag legitimiert. Ein Auftrag der durch die aktuelle Novelle noch verstärkt wird. Im Bestreben, auf den privaten Plattformen hohe Reichweiten journalistischer Angebote zu erzielen, orientieren sich ARD und ZDF auch an den algorithmischen Funktionsweisen der Netzwerke – und gefährden dadurch potentiell die Qualität ihrer Arbeit und stellen ihre Unabhängigkeit in Frage. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Otto Brenner Stiftung über „Journalismus in sozialen Netzwerken“. Der Journalist und Medienwissenschaftler Henning Eichler hat dafür alle Formate der öffentlich-rechtlichen Anbieter in Deutschland erfasst, die für die privaten Plattformen optimierter Journalismus sind. Zusätzlich führte Eichler Interviews mit 18 Personen aus den verantwortlichen Redaktionen und dem Management der Sender zur Frage, ob sich „ARD und ZDF im Bann der Algorithmen“ – so der Untertitel der Arbeit – befinden.
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„Vertrauen erzeugt man durch Offenheit“

„Vertrauen erzeugt man durch Offenheit“

von am 23.05.2022

60 Prozent der erwachsenen Bevölkerung hält den Journalismus für glaubwürdig und nur 10 Prozent für nicht glaubwürdig

23.05.2022. Interview mit Prof. Dr. Michael Steinbrecher, Professur für Fernseh- und crossmedialen Journalismus an der TU Dortmund

Der Journalismus stehe vor der Herausforderung, sich häufig auf den kurzfristigen wirtschaftlichen Erfolg fokussieren zu müssen, ohne mittel- und langfristig seine Integrität und Glaubwürdigkeit zu gefährden, sagt Prof. Dr. Michael Steinbrecher von der TU Dortmund. Im Online-Journalismus seien Schnelligkeit, das Zuspitzen von Überschriften, die Praxis des Clickbaitings, um gezielt Besucher auf die Seiten zu locken, ökonomisch erklärbar. Aber zwei Qualitätsdimensionen im Journalismus, nämlich Richtigkeit und Schnelligkeit, geraten so immer häufiger in Konflikt. Wenn ein Medium für glaubwürdig gehalten werde, beruht dies vor allem darauf, dass die Berichterstattung für kompetent und vertrauenswürdig gehalten werde. Auch in einem Medium, dem man vertraue, könnten einzelne Berichte unglaubwürdig erscheinen. Der Mediennutzer vertraue in der Regel nicht blind. Aber sollte das immer wieder passieren, werde das Vertrauen entzogen. Aus der Forschung zu TV-Nachrichten wisse man, dass Bewegtbildern mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde als gesprochenen Wort-Nachrichten. Sie vermittelten zunächst einmal den Eindruck von Authentizität. Aber die Glaubwürdigkeit sei nicht per se größer. Es liegt im Eigeninteresse des Journalismus, Informationen sorgfältig zu prüfen.

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„Alle Akteure müssen genau abwägen, wie berichtet wird“

„Alle Akteure müssen genau abwägen, wie berichtet wird“

von am 04.05.2022

Soziale Netzwerke verstoßen bei Kriegsbildern häufig gegen den Jugendmedienschutz

04.05.2022. Interview mit Dr. Marc Jan Eumann, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz und Direktor der Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz

Bei den Landesmedienanstalten sind Hinweise auf Verstöße gegen die Menschenwürde und den Jugendmedienschutz im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine eingegangen. Diese werden, nach Aussage der Landesmedienanstalten aktuell geprüft. Die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) ruft dazu auf, den Schutz von Kindern und Jugendlichen bei der medialen Berichterstattung zu berücksichtigen und Minderjährige vor expliziten Aufnahmen – insbesondere von Leichen – zu schützen. Vor allem auf Social-Media-Plattformen wird nach wie vor russische Propaganda verbreitet und mit Kriegsbildern die Menschenwürde missachtet. Bei Verstößen gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) ergreift die KJM Maßnahmen wie Bußgelder und Untersagungen. „Aktuell sind uns keine Fälle bekannt, in denen Medienhäuser unverantwortlich mit der Situation umgegangen sind“, sagt Marc Jan Eumann, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz der Landesmedienanstalten. Trotzdem gebe es Ausnahmen, explizite Leichenaufnahmen bei Suchmaschinen oder Social-Media-Plattformen. Zudem würden Influencer, gezielt russische Propaganda verbreiten.
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Medienpolitik ist Demokratiepolitik

Medienpolitik ist Demokratiepolitik

von am 29.04.2022

EU-Binnenmarktregulierung ersetzt keine Mediengesetzgebung in den Mitgliedstaaten

29.04.2022. Von Heike Raab, Medienstaatssekretärin in Rheinland-Pfalz

Es scheint grotesk, bei Twitter die Medienfreiheit in einem Ausnahmezustand zu wähnen, weil beispielsweise Donald Trumps Account gesperrt wurde. Doch stelle ich mir als Demokratin und Medienpolitikerin immer die Frage, wie frei ist die Medien- und die Meinungsfreiheit und wann müssen wir die Freiheit des anderen durch Regeln und Schranken schützen. Deshalb möchte ich mit der These starten: wenn Medienfreiheit in den Ausnahmezustand gerät, dann ist Demokratie in Gefahr. Qualitätsjournalismus und Medienkompetenz sind für mich wie eine Impfung für unsere Gesellschaft. Sie schützen uns alle vor Propaganda, Desinformation, Hass und Hetze. Die un-terschiedlichsten Facetten dieses schrecklichen Krieges im wahrsten Sinne des Wortes für die Nachwelt zu „dokumentieren“ ist eine verantwortungsvolle Arbeit, für die ich mich als Medienpolitikerin, aber auch ganz persönlich als Bürgerin bei Ihnen bedanken möchte.

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Die asymmetrische Macht der Algorithmen

Die asymmetrische Macht der Algorithmen

von am 21.04.2022

Russische Propaganda passt sich Empfehlungssystemen sozialer Netzwerke an

21.04.2022. Von Dr. Marco Bastos, City University of London

Facebook kann die russische Desinformation nicht bekämpfen. Das zeigen Daten, die WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" ausgewertet haben. Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen kritisiert die Maßnahmen des Unternehmens als unzureichend. Sie weist darüber hinaus auf ein grundsätzliches Problem hin: Die Algorithmen geben den extremsten Positionen die größte Reichweite. Unsere aktuelle Studie “Fact-Checking Misinformation: Eight Notes on Consensus Reality” kombiniert Datenanalyse mit mehrstufiger Verarbeitung visueller Kommunikation, um die visuellen Rahmen staatlich geförderter Propaganda in sozialen Medien zu klassifizieren. Dabei stützten wir uns auf die Wahlintegritätsdaten von Twitter, um Propagandaziele der russischen „Internet Research Agency“ zu untersuchen. Sie prüfen, inwieweit ihre Operationen von der kanonischen Staatspropaganda abweichen, die durch Symbole der nationalen Identität und heroische Männlichkeit gekennzeichnet ist. Die Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine in sozialen Medien bestätigt nachträglich unsere Analyse.
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„Nie zuvor waren wir professioneller aufgestellt“

„Nie zuvor waren wir professioneller aufgestellt“

von am 20.04.2022

Künstliche Intelligenz hilft den Landesmedienanstalten beim Kampf gegen Hass und Jugendgefährdung im Netz

20.04.2022. Interview mit Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW

Seit diesem Monat arbeiten die Medienanstalten mit einer für die Landesanstalt für Medien NRW entwickelten KI-Lösung. In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden der Medienanstalten in den anderen Ländern ist dieses technische Hilfsmittel in den letzten Monaten realisiert und jetzt deutschlandweit ausgerollt worden. Das KI-Tool beschleunigt, vereinfacht und verbessert die Medienaufsicht im Netz. Durch automatisiertes Monitoring von Social Media-Plattformen und Webseiten werden potenzielle Rechtsverstöße identifiziert und zur Prüfung durch die Mitarbeitenden der Aufsicht vorbereitet. „Diese KI beschleunigt, vereinfacht und verbessert die Arbeit der Medienaufsicht. Indem sie das Netz durchsucht und unsere Mitarbeitenden auf mögliche Rechtsverstöße hinweist. Sie vereint damit höchsten technologischen Standard mit menschlicher Expertise. Nie zuvor waren wir professioneller aufgestellt, um ganzheitlich den Kampf gegen Hass und Jugendgefährdung im Netz aufnehmen zu können“, erläutert Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, den Nutzen der KI-Lösung gegenüber www.medienpolitik.net.

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„Mit größtmöglicher Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit“

„Mit größtmöglicher Genauigkeit und Gewissenhaftigkeit“

von am 28.03.2022

Tageszeitungen mit hoher Glaubwürdigkeit bei der Vermittlung der Wahrheit über den Ukraine-Krieg

28.03.2022. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Seit 33 Tagen ist Krieg in der Ukraine. Soziale Netzwerke vermitteln über diesen ungleichen Kampf um die Freiheit und Unabhängigkeit des Landes ein vielfältiges, oft aber auch ein von beiden Kriegsparteien interessengeleitetes Bild, und verbreiten auch Fake News. Deshalb ist es wichtig, dass die Presse und der Rundfunk mit eigenen Korrespondenten vor Ort und kompetenten Beobachtern das Kriegsgeschehen und die Auswirkung schildern und bewerten. Wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom zeigt, vertrauen die meisten Menschen den klassischen Medien bei ihren Informationen über den Ukraine-Krieg. Tageszeitungen, Hörfunk- und TV-Sender informieren sowohl über die klassischen Verbreitungswege als auch auf ihrer Website und in sozialen Netzwerken nahezu rund um die Uhr aktuell und ausführlich über diesen Überfall durch Russland. Eine wichtige Rolle bei der Berichterstattung über den Krieg, die politischen, wirtschaftlichen, finanziellen und kulturellen Auswirkungen, die Einordnung in unseren gesellschaftlichen Wertekanon, kommt dabei nicht nur dem Fernsehen, sondern vor allem bei der Vermittlung von Hintergründen und Zusammenhängen, den überregionalen Tages- und Wochenzeitungen zu.
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