Social Media

Verschwörungstheorien statt Falschmeldungen

Verschwörungstheorien statt Falschmeldungen

von am 05.05.2020

Kommunikationswissenschaftler analysieren Facebook-Posts von alternativen Nachrichtenmedien

05.05.2020. In Zeiten der Corona-Pandemie haben sogenannte alternative Nachrichtenmedien im deutschsprachigen Raum nur wenige Falschmeldungen (Fake News) verbreitet – stattdessen neigen sie stärker zur Veröffentlichung von Verschwörungstheorien. Zu diesem Ergebnis kommen Kommunikationswissenschaftlerinnen und Kommunikationswissenschaftler der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) in einer aktuellen Untersuchung. Das vierköpfige Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Thorsten Quandt untersuchte 120.000 Posts, die von Anfang Januar bis zum 22. März über den Social-Media-Kanal „Facebook“ veröffentlicht wurden – davon 15.000 von den alternativen Nachrichtenmedien, der Rest von klassischen Medienhäusern. Die Studie ist online erschienen.
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„Jedes Format lernt gegenwärtig viel über seine Zielgruppe“

„Jedes Format lernt gegenwärtig viel über seine Zielgruppe“

von am 30.04.2020

Weitere FUNK-Creatoren sollen in das Erste der ARD wechseln

30.04.2020. Interview mit Florian Hager, Programmgeschäftsführer von FUNK und stellvertretender Programmdirektor der ARD
Auch FUNK, das junge Angebot von ARD und ZDF, hat sich flexibel auf die Corona-Pandemie eingestellt. Um die Zeit für die junge Zielgruppe so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, hat funk #mitfunkzuhause gestartet. In täglichen Livestreams können die User sich so mit Creatoren aus unterschiedlichen funk-Formaten austauschen. „Wir merken“, so Florian Hager, Programmgeschäftsführer von FUNK in einem medienpolitik.net-Interview, „dass nicht nur die Nutzung bei Informationsformaten ansteigt, sondern auch bei unseren Orientierungs- und Unterhaltungsformaten eine höhere Nutzung zu verzeichnen ist.“ Beispielsweise hätten sich die Nutzungszahlen auf Facebook im März im Vergleich zum Vormonat fast verdoppelt - damit seien die Zahlen auf Facebook so hoch wie nie zuvor. „An den Abrufzahlen für die Videos im Informationsbereich sehen wir“, erläutert Hager, „wie relevant es für die Zielgruppe ist, verlässliche Informationen zu erhalten.“ Beispiele dafür seien die Beiträge von maiLab mit Mai Thi Nguyen-Kim, MrWissen2Go mit Mirko Drotschmann, STRG_F oder auch die FUNK-Hubs wie beispielsweise der Instagram-Hub, der innerhalb der letzten zwei Monate seine Abonnentenzahlen mehr als verdoppeln konnte.
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„Bei uns wird nicht zugespitzt sondern zugehört“

„Bei uns wird nicht zugespitzt sondern zugehört“

von am 15.04.2020

PHOENIX-Videos wurden im 1. Quartal auf YouTube rund 19 Millionen Mal aufgerufen

15.04.2020. Interview mit Michaela Kolster und Eva Lindenau, PHOENIX-Programmgeschäftsführerinnen

„Die Zuschauer können sich somit bei PHOENIX einen eigenen, sehr authentischen Eindruck des Krisenmanagements der Bundesregierung und der Länder verschaffen“, beschreibt Eva Lindenau, PHOENIX-Programmgeschäftsführerin, die gegenwärtig wichtigste Funktion des Ereignis- und Dokumentationskanals von ARD und ZDF. Dazu wurden und werden weiterhin alle wichtigen Pressekonferenzen der Bundes- und Landesregierungen sowie des Robert-Koch-Instituts (RKI) zur Corona-Krise live oder leicht zeitversetzt gezeigt. Dazu kommen die Pressestatements der Bundesminister und Ministerpräsidenten. Die Ereignisse würden jedoch nie für sich allein stehen, sondern vertieft und ergänzt, durch Hintergrundinformationen in Dokumentationen und Reportagen, durch Analysen, Interviews, Expertenmeinungen im Studio sowie durch Diskussions- und Gesprächssendungen, erläutert Michaela Kolster. Insgesamt erreichte der Sender im 1. Quartal einen Zugewinn von 400.000 Zuschauern täglich. In den sozialen Netzwerken haben insbesondere die Live-Videos der Pressekonferenzen einen hohen Zuspruch.
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Facebook’s Hausgericht

Facebook’s Hausgericht

von am 14.04.2020

Ein Oversight Board soll entscheiden, welche Inhalte verbreitet werden dürfen

14.04.2020. Von Prof. Dr. Otfried Jarren, Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung Universität Zürich und Prof. Dr. Tobias Gostomzyk, Institut für Journalistik TU Dortmund

Facebook errichtet derzeit ein Quasi-Gericht. Es soll verbindlich darüber entscheiden, welche Inhalte auf dem sozialen Netzwerk verbreitet werden dürfen – und welche nicht. Verlieren staatliche Gerichte ihre Entscheidungskompetenzen in Fragen der Meinungsfreiheit? Facebook ist mit der katholischen Kirche vergleichbar: Das Unternehmen ist global tätig, wie die Weltkirche. Die Setzung von Gemeinschaftsstandards erfolgt zentral und hierarchisch, nicht in einem demokratischen Prozess.
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„Ganze Zivilgesellschaften müssen jetzt radikal umdenken“

„Ganze Zivilgesellschaften müssen jetzt radikal umdenken“

von am 26.03.2020

Online-Angebote der Deutschen Welle mit Rekordzahlen bei der Nutzung

26.03.2020. Interview mit Peter Limbourg, Intendant der Deutschen Welle

Auf die Verunsicherung vieler User weltweit angesichts des Coronavirus reagiert die Deutsche Welle mit mehreren neuen Social-Media-Angeboten, die im Laufe dieser Woche starten. Die DW-Accounts bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube in vielen Sprachen verzeichnen derzeit hohe Abrufzahlen. Im täglichen COVID-19 Special im englischsprachigen TV-Programm und auf dem YouTube-Kanal von DW News analysieren internationale Experten, überwiegend Wissenschaftler, vielfältige Pandemie-Themen. Die erste Ausgabe befasst sich unter anderem mit der sogenannten Herdenimmunität. Eine Reportage zeigt, wie sich das Biotech-Unternehmen Qiagen auf die hohe Nachfrage nach seinem neu entwickelten Corona-Schnelltest einstellt. Wie Peter Limbourg in einem medienpolitik.net-Interview betont, stiegen die die Abrufe und Klickzahlen besonders stark in den Ländern, in denen es nur begrenzte Informationen zu Corona gäbe. „Sehr eindrucksvolle Zahlen gibt es dazu aus der Türkei, aber auch Abrufe aus Indien an unseren englischsprachigen Artikeln zum Thema sind kräftig angestiegen“; so der Intendant der Deutschen Welle.
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„Selbstregulierung ist in diesem Fall nicht effektiv“

„Selbstregulierung ist in diesem Fall nicht effektiv“

von am 25.02.2020

Der Gesetzgeber muss „Desinformation“ bei sozialen Netzwerken klar definieren

25.02.2020. Interview mit Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW

In einem Gutachten im Auftrag der EU-Kommission stellen vier Landesmedienanstalten fest, dass Plattformen wie Facebook, Twitter und Google ihre eigenen Selbstverpflichtungen, die sie gegenüber der Europäischen Union abgegeben haben, nicht einhalten würden. Demnach wird die bisherige Selbstregulierung der Plattformen weder als effektiv noch als verhältnismäßig eingestuft. Die Landesmedienanstalt NRW sieht sogar ein „Systemversagen Sie empfehlen deshalb weitreichendere Regulierungsmaßnahmen für soziale Netzwerke. Mehrere Social-Media-Konzerne hatten mit einer Selbstverpflichtung im Oktober 2018 unter anderem die bessere Bekämpfung von Fake-Accounts versprochen. Nach Auffassung von Dr. Tobias Schmid, Direktor der am Gutachten beteiligten Landesanstalt für Medien NRW versagt folglich das System, „weil die Kennzeichnungen nicht dienstübergreifend funktionieren und es außerdem keine verbindlichen Regeln für die Kennzeichnung von politischer Werbung gibt. Wir lernen einmal mehr daraus, dass es nicht die Aufgabe der Plattformen sein kann, diese Regeln zu setzen.“

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„Die Medienregulierung muss länderübergreifend agieren“

„Die Medienregulierung muss länderübergreifend agieren“

von am 19.02.2020

Das Nachrichtenrepertoire Heranwachsender setzt sich aus verschiedenen Offline- und Online-Quellen zusammen

19.02.2020. Interview mit Prof. Dr. Uwe Hasebrink, Direktor des Leibniz-Instituts für Medienforschung/Hans-Bredow-Institut

Die Mehrheit der europäischen Kinder und Jugendlichen im Alter von 9 bis 16 Jahren nutzt ihr Smartphone "täglich" oder "fast ständig". Damit ist sowohl der Anteil der Smartphone-Nutzer als auch die Dauer ihrer Internetnutzung im Vergleich zu 2010 erheblich gestiegen. In einigen Ländern hat sich die Zeit, die Heranwachsende jeden Tag online verbringen, sogar fast verdoppelt. Trotzdem erhalten viele Kinder bisher wenig Unterstützung und Hinweise für eine sichere Online-Nutzung - weder von Eltern noch von Lehrern oder Freunden. Dabei sind vor allem Eltern und Freunde als Ansprechpartner bei negativen Online-Erfahrungen gefragt, Lehrer oder Fachkräfte hingegen werden nur selten um Rat gebeten. Dies sind Ergebnisse der international vergleichenden EU-Kids-Online-Studie. Das Fazit von Prof. Dr. Uwe Hasebrink: „Das Ziel, dass alle Kinder und Jugendlichen Ratschläge und Hinweise zum sicheren Umgang mit dem Internet erhalten, ist noch nicht erreicht; die entsprechenden Initiativen der letzten Jahre sind daher fortzuführen und insbesondere mit Blick auf schwer erreichbare Gruppen zu intensivieren.“
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„Damit der Nutzer nicht zum Spielball der Interessen der Anbieter wird“

„Damit der Nutzer nicht zum Spielball der Interessen der Anbieter wird“

von am 18.02.2020

Die Medienanstalten entwickeln derzeit Regeln für eine Aufsicht über die Transparenzpflicht bei Anbietern von Medienintermediären

18.02.2020. Interview mit Prof Dr. Rolf Schwartmann, Leiter der Kölner Forschungsstelle für Medienrecht an der Technischen Hochschule Köln und Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein

Suchmaschinen und Soziale Netzwerke wie Google und Facebook nehmen über die Selektion, Anordnung und Präsentation von Inhalten in Suchergebnislisten und Newsfeeds Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung. Mit dem neuen Medienstaatsvertrag sollen sogenannte Medienin-termediäre daher einer Meinungsvielfaltsregulierung unterstellt werden, die durch die Medienan-stalten beaufsichtigt wird. Dies ist ein europaweit einmaliger Ansatz.
Die geplante Regulierung umfasst neben einem Diskriminierungsverbot vor allem die Verpflich-tung der Anbieter zu mehr Transparenz. Medienintermediäre sollen für den Nutzer verständlich und leicht auffindbar darlegen, aufgrund welcher Kriterien die Sortierung von Inhalten erfolgt.
Im Auftrag der MA HSH hat Prof. Dr. Rolf Schwartmann von der Kölner Forschungsstelle für Me-dienrecht ein Rechtsgutachten "Transparenz bei Medienintermediären" erstellt. Damit liegt erst-mals ein Gutachten vor, das sich im Detail mit den medienregulatorischen Fragen im Hinblick auf Transparenzvorgaben für Medienintermediäre unter Zugrundelegung des neuen Medien-staatsvertrags beschäftigt. Allerdings gibt es bei der Transparenzpflicht auch Grenzen. „Eine wesentliche Grenze der Transparenz“, so Prof Dr. Rolf Schwartmann, „bilden bspw. die Ge-schäftsgeheimnisse der Anbieter. Zudem darf nicht aus dem Auge verloren werden, dass mehr Transparenz auch eine Manipulationsgefahr bei Kenntnis des Systems durch Dritte erzeugen kann.“

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„Die Kommunikation ist entgrenzt, die Öffentlichkeit fragmentiert“

„Die Kommunikation ist entgrenzt, die Öffentlichkeit fragmentiert“

von am 29.01.2020

MDR will der Polarisierung der Gesellschaft ein Mehr an Vielfalt, Dialog und Gemeinschaft entgegensetzen

29.01.2020. Von Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, MDR

Miteinander leben – das ist unser publizistischer Leitgedanke für dieses Jahr. Miteinander leben – das bewegt auch die Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Schon vor über 2000 Jahren erkannten die beiden Philosophen Platon und Aristoteles, dass es in der Natur des Menschen liegt, die Gesellschaft und die Gemeinsamkeit mit anderen Menschen zu suchen und sich mit ihnen in einer Stadt oder einem Staat zusammenzuschließen. In der Gemeinschaft kann der Mensch mit seiner Gabe zur Vernunft geleiteten Kommunikation seine Lebensziele verwirklichen. So die beiden Gelehrten aus Athen in der Blütezeit der ersten Demokratie. Das hat seit über 2000 Jahren Gültigkeit, nicht nur in Athen, und an der Erkenntnis hat sich bis heute nichts geändert. Demokratie ist auf gelingende Kommunikation, auf lebendige Öffentlichkeit angewiesen. In unserer heutigen, ungleich komplexeren Welt vermitteln diesen Prozess die Medien, die die Fakten recherchieren, kritische Wahrheiten herausfinden, die Vielfalt der Meinungen und die Lebenswirklichkeit der Menschen abbilden und so den Diskurs und den Zusammenhalt in der Gesellschaft befördern.
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„Seismograph für die Entwicklung der digitalen Medienordnung“

„Seismograph für die Entwicklung der digitalen Medienordnung“

von am 23.01.2020

Medienanstalten erhalten mit dem Medienstaatsvertrag neue und erweiterte Aufgaben

23.01.2019. Interview mit Dr. Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) und Direktor der Landesanstalt für Kommunikation (LFK)

Ein Seismograph ist laut Wikipedia ein Gerät, das Bodenerschütterungen von Erdbeben und anderen seismischen Wellen registrieren kann. Als eine solche Institution verstehen sich die Landesmedienanstalten, wie der neue Vorsitzende Dr. Wolfgang Kreißig in einem Gespräch mit medienpolitik.net erläutert. Er benennt auch die „Erschütterungen“ und „Erdbeben“ die das Internet in unserer Gesellschafts- und Medienordnung ausgelöst hat: Bedrohung der Meinungsfreiheit und demokratischen Meinungsbildung, Desinformation und Hassrede, die Gefahr der „Aushöhlung“ des Jugendschutzes und der Regulierung von Inhalteanbietern. Kreißig sieht es als vordringliche Aufgabe der Medienanstalten an sicherzustellen, dass „die Medienvielfalt bei den Nutzerinnen und Nutzern ankommt.“ Deshalb sei es konsequent, dass der Medienstaatsvertrag erstmals einen Rechtsrahmen schaffe, der das Verhältnis zwischen Inhalteanbietern und Intermediären konkret regele und Bestimmungen zur Auffindbarkeit von Inhalten schaffe. In Bezug auf die Sicherstellung der Meinungsvielfalt im lokalen und regionalen Bereich fordert der DLM-Vorsitzende, dass bei Fördermaßnahmen „immer auch die Unabhängigkeit und Freiheit der Presse zu wahren ist, damit sie ihre gesellschaftspolitische Funktion weiterhin erfüllen kann.“
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