Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

„Public Value und ‚public values‘ gehören zusammen“

„Public Value und ‚public values‘ gehören zusammen“

von am 04.12.2019

Öffentlich-rechtliche Sender sehen ihren Beitrag für die Gesellschaft selbstkritisch

04.12.2019. Von Prof. Dr. Karola Wille, Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks, MDR

Der MDR hat mit dem SRF aus der Schweiz, dem ORF aus Österreich, dem ZDF, WDR und Deutschlandradio sowie der Handelshochschule Leipzig am 3. Dezember 2019 den "Leipziger Impuls" auf den Weg gebracht. Darin beschreiben sie sechs Handlungsfelder, "auf denen
die öffentlich-rechtlichen Medien neu denken müssen, wie ein Gemeinwohlbeitrag in diesem Zusammenhang entsteht und geleistet wird, der nachweisbar alle Bürgerinnen und Bürger anspricht". Die Rede ist dabei von "Innovationen für die öffentliche Meinungsbildung generieren", "Qualität sichern und weiterdenken", "Gemeinwohlnetzwerke schaffen", "Verantwortung für Transparenz übernehmen", "Unabhängigkeit durch Einbindung sichern" sowie "Gemeinwohlorientierte Führung vorleben". So gehe es unter anderem darum, neuartige mediale Brücken zu bauen, die den Dialog zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen unterstützen und darum, gemeinwohlorientierte Kommunikationsräume zu entwickeln, beispielsweise durch Vernetzung der Mediatheken und Teilung von Inhalten.
Gleichzeitig regen sie eine Debatte zum Gemeinwohlbeitrag nach innen und außen an. Der "Leipziger Impuls" wurde im Rahmen einer Europäischen Public Value Konferenz beim MDR in Leipzig vorgestellt.
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Kooperation statt Dualität der Medienordnung

Kooperation statt Dualität der Medienordnung

von am 02.12.2019

Kooperationsorientierte Weiterentwicklung der Medienordnung aus rechtlicher Perspektive

02.12.2019. Von Prof. Dr. Tobias Gostomzyk, Professur für Medienrecht, TU Dortmund

Das Verfassungsrecht steht einer kooperationsorientierten Weiterentwicklung der deutschen Medienordnung nicht entgegen. Der Gesetzgeber besitzt dafür einen weiten Gestaltungsspielraum, den er teils bereits wahrgenommen hat. Bislang akzentuiert die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts stark die unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen sowohl zwischen Presse und Rundfunk als auch zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien. So kennzeichnet den Pressemarkt privatwirtschaftlicher Wettbewerb, der hinreichend Meinungs- und Medienvielfalt sicherstellte (dazu etwa BVerfGE 57, S. 295, 322). Solange es hier nicht zu erheblichen Vielfaltsdefiziten kommt, darf der Gesetzgeber die historisch bewährte Form der Pressefreiheit als Markt- und Unternehmensfreiheit nicht öffentlich-rechtlich ausgestalten. Die Presse unterliegt einem privatwirtschaftlichen Primat. Allein allgemeine Förderungen des Instituts der freien Presse wurden objektiv-rechtlich für geboten und zulässig erachtet, etwa die Förderung des Vertriebs durch Postzeitungsdienste oder die Existenz von Pressegrossos als vielfaltssichernde Maßnahme.

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„Wenn unsere Belegschaft jünger wäre, würden wir weniger zahlen“

„Wenn unsere Belegschaft jünger wäre, würden wir weniger zahlen“

von am 28.11.2019

ARD bestreitet KEF-Aussagen zur Gehaltsentwicklung

28.11.2019. Interview mit Jan Büttner, Verwaltungsdirektor des SWR

Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat im Zusammenhang mit der Ermittlung des Rundfunkbeitrages ab 2021 ein Gutachten über das Vergütungsniveau der neun ARD-Landesrundfunkanstalten, des ZDF und des Deutschlandradios eingeholt. Laut Gutachten fällt die Vergütung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern höher aus als bei den Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung. Die KEF schlägt deshalb in ihrem aktuellen Bericht vor, die Gelder für den Personalaufwand der Rundfunkanstalten zu kürzen. Die Rundfunkanstalten teilen die KEF-Interpretation des besagten Gutachtens nicht, weil die zwei wesentlichen Einflussfaktoren – Altersdurchschnitt der Belegschaft und eine unterproportionale Vergütungsentwicklung in der privaten Medienwirtschaft – nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. In Abstimmung mit der KEF wurde der gleiche Gutachter beauftragt, ein Ergänzungs-Gutachten zu erstellen und zu berechnen, zu welchem Ergebnis man kommt, wenn das Alter berücksichtigt werde. Bereinigt um diese Effekte, liegen, nach Aussagen der ARD, die öffentlich-rechtlichen Sender in fast allen Berufsgruppen sowohl unter dem Niveau der allgemeinen Wirtschaft und unter dem der kommerziellen Medienwirtschaft – als auch unter dem des öffentlichen Dienstes. Dennoch wurden, wie Jan Büttner, Verwaltungsdirektor des SWR in einem medienpolitik.net-Interview feststellt, diese Ergebnisse von der KEF nicht berücksichtigt.
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„Der Auftrag ist bisher nicht klar bestimmt“

„Der Auftrag ist bisher nicht klar bestimmt“

von am 27.11.2019

Neue Studie fordert Stärkung der KEF und Festlegung eines „Kostenmaßstabes“

27.11.2019. Interview mit Dr. Iris Henseler-Unger, Geschäftsführerin, WIK Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste GmbH

In einer Studie für die Mediengruppe RTL Deutschland GmbH und die ProSiebenSat.1 Media SE hat das WIK Wissenschaftliches Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste „Die Zukunft des dualen Mediensystems“ analysiert. Die Studie stellt fest, dass die proaktive Gestaltung der künftigen Medienlandschaft nur gelingen werde, wenn jenseits des gewollten Wettbewerbs von Öffentlich-rechtlichen und Privaten ein gemeinsames Verständnis für die Zukunft des dualen Mediensystems entwickelt wird. Das werde nur möglich sein, wenn der Rechtsrahmen nicht nur inkrementell von Rundfunkstaatsvertrag zu Rundfunkänderungsstaatsvertrag weiterentwickelt werde. Wie die bisherige öffentliche Fachdiskussion zeige, sei Dreh- und Angelpunkt vieler Vorschläge die Definition der Grundversorgung, also des Auftrags bzw. des Public Value. Nur seine konkrete Bestimmung ermögliche eine rationale Auseinandersetzung z.B. um die Festlegung der Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Zukunft und abgeleitet um seinen Finanzierungsbedarf. Eine unabhängige Kommission, die ausgewogen durch Vertreter aus verschiedenen Bereichen besetzt wird, solle die Ausfüllung der durch den Gesetzgeber im Grundsatz festgelegten Definition des öffentlich-rechtlichen Auftrags übernehmen bzw. operable und transparente Kriterien für die Bestimmung festlegen.

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„Mit Strukturkonservatismus kommt man nicht weiter“

„Mit Strukturkonservatismus kommt man nicht weiter“

von am 26.11.2019

Otfried Jarren: Der Bund sollte in der Medien- und Kommunikationspolitik die Führung übernehmen

26.11.2019. Interview mit Prof. Dr. Otfried Jarren, Kommunikationswissenschaftler, Professor mit besonderen Aufgaben der Universität Zürich

Die Plattformökonomie zwinge die Politik zu einem Paradigmenwechsel bei der Sicherung der Medienvielfalt vom Wettbewerb zur Kooperation, erläutert Prof. Dr. Otfried Jarren in einem Interview mit medienpolitik.net. „Einen Branchen- wie Industrieschutz kann und darf es nicht geben. Also muss man die erfolgreichen Plattformen zu Formen der Kooperation bringen - durch Regulierung.“ Das erfordere eine grundsätzliche Debatte über die zukünftige Medien- bzw. Kommunikationsordnung, so der Kommunikationswissenschaftler. „Wir sollten die Fortsetzung der deutschen Kleinstaaterei vermeiden - wenn wir starke publizistische Angebote haben wollen. Deshalb: Es bedarf neu einer Kooperation zwischen Bund und Ländern und auch zwischen den Akteuren im Markt. Und da sich die Länder immer schwer tun mit Kooperationen, sollte der Bund in der Medien- und Kommunikationspolitik den lead erhalten. Wir haben nicht viel Zeit, eine stabile Grundordnung zu finden, zumal diese europäisch sein muss - und hier agiert der Bund.“ Otfried Jarren ist einer der Autoren der Studie „Kooperationsorientierte Weiterentwicklung der Medienordnung“ im Auftrag der „Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft“.
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„Im Netz treffen Dokfilme auf ein jüngeres Publikum“

„Im Netz treffen Dokfilme auf ein jüngeres Publikum“

von am 19.11.2019

MDR wünscht sich mehr Vorschläge für investigative Dokfilme von den Produzenten

19.11.2019. Interview mit Dr. Katja Wildermuth, Programmdirektorin des MDR für Kultur und Wissen sowie die Jungen Angebote des MDR und MDR JUMP

Der Dokumentarfilm-Wettbewerb der ARD, „Top of the Docs“, zieht von Berlin nach Leipzig und gesellt sich ab 2020 zu dem dortigen Filmfest im Herbst. Während des Dokumentarfilm-Festivals DOK Leipzig sollen künftig die Kandidaten präsentiert und der Sieger verkündet werden. 2020 wird der Preisträger letztmalig bei der Berlinale in Berlin bekanntgegeben. An dem Wettbewerb „Top of de Docs“ sind die Landesrundfunkanstalten der ARD beteiligt. Sie übernehmen Produktionskosten in Höhe von 250.000 Euro. Außerdem gibt es für den ausgewählten Film einen Sendeplatz im Ersten. Sie sehen, der Stellenwert von Dokumentarfilmen ist bei uns plattformübergreifend hoch und nachhaltig. Wie Dr. Katja Wildermuth, Programmdirektorin des MDR, in einem Interview mit medienpolitik.net betont, sei der Stellenwert von Dokumentarfilmen beim MDR „plattformübergreifend hoch und nachhaltig“. Sie wünsche sich jedoch noch mehr Vorschläge für investigative Dokumentarfilme. „Denn aus meiner Sicht ist der Dokfilm als Genre geradezu prädestiniert, die aktuellen Themen unserer Zeit kritisch aufzugreifen.“
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„Das Fernsehen ist keineswegs tot“

„Das Fernsehen ist keineswegs tot“

von am 14.11.2019

Zehn Jahre ORF-TVthek - das lineare ORF-TV nicht verdrängt, sondern ideal ergänzt

15.11.2019. Interview mit Thomas Prantner, stellvertretenden Direktor für Technik, Online und neue Medien des ORF

Am 16. November 2009 startete die ORF-TVthek ihren Online-Betrieb und mit dem Launch begann eine außergewöhnliche Erfolgsstory. Seit nunmehr zehn Jahren stellt die Videoplattform des ORF modernes und innovatives Public Service bereit und zeigt, dass hochqualitativer, öffentlich-rechtlicher, österreichischer Content trotz der immer größer werdenden Konkurrenz durch Mediatheken und internationale Streaming-Plattformen höchst erfolgreich beim Publikum reüssieren kann. Dies zeigen knapp 1,7 Mio. Userinnen und User pro Monat, im Monatsdurchschnitt 8,3 Mio. Visits (interne Statistik), sowie 6,6 Millionen Nettoviews, 31,6 Millionen Bruttoviews und 137 Millionen Nutzungsminuten pro Monat. Damit ist die ORF-TVthek nicht nur längst zu einer starken ORF-Marke und einem wesentlichen Bestandteil der ORF-Multimedia-Strategie geworden, sondern wird mit ihrem Streaming-Angebot auch eine wichtige Säule des zukünftigen ORF-Players sein. Nachdem im Frühjahr 2019 mit dem großen Relaunch Design, Navigation und Technik auf den neuestens Stand gebracht wurden, wird die ORF-TVthek ein zentrales, aber gleichzeitig eigenständiges Modul des neuen ORF-Players werden, der im Mittelpunkt der Digitalisierungsoffensive des ORF steht.
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„Die Vorteile einer Indexierung sprechen für sich“

„Die Vorteile einer Indexierung sprechen für sich“

von am 12.11.2019

Nach Auffassung Hessens sollte das Indexierungsmodell „nicht scheitern“

13.11.2019. Interview mit Axel Wintermeyer, CDU, Staatsminister und Chef der Hessischen Staatskanzlei

In einem Interview mit medienpolitik.net verteidigt Axel Wintermeyer, Chef der Hessischen Staatskanzlei, das Index-Modell. In einem FAZ-Interview hatte vor wenigen Tagen der Chef der Sächsischen Staatskanzlei, Oliver Schenk, konstatiert, dass das Indexmodell gescheitert sei.
„Selbstverständlich“, so Wintermeyer, „sprechen die Vorteile einer Indexierung für sich: Neben der kostendämpfenden Wirkung führt die Indexierung doch zu einer erheblichen Verschlankung des Verfahrens, da nämlich der häufig enorme Aufwand von sich im Kern wiederholenden Änderungsstaatsverträgen und damit verbundenen aufwändigen Gesetzgebungsverfahren in 16 Landesparlamenten zumindest zeitlich gestreckt wird. Schon deshalb sollte das Indexierungsmodell nicht scheitern.“ Die Länder hätten es nun in der Hand, ob sie ein ‚weiter so' oder eine echte Reform wollten. Der hessische Medienpolitiker warnt davor, dass bei einer zu moderaten Beitragsanhebung ein Liquiditätsproblem bei kleineren ARD-Anstalten entstehen könnte.
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„Der Spar- und Effizienzdruck muss erhalten bleiben“

„Der Spar- und Effizienzdruck muss erhalten bleiben“

von am 11.11.2019

Sachsen-Anhalt sieht weiterhin kurzfristig die Möglichkeit, den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu ändern

11.11.2019. Interview mit Rainer Robra (CDU), Staatsminister, Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt und Minister für Kultur

In einem medienpolitik.net- Interview erläutert Rainer Robra, Chef der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt, die schwierige Situation, in der sich die Länder gegenwärtig bei ihrer Diskussion über Auftrag und Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks befänden. Die Länder hatten sich 2016 gegen eine Empfehlung der KEF ausgesprochen, den Beitrag erneut zu senken. „Sachsen-Anhalt hat schon 2016 keinen ausreichenden Grund gesehen, der Empfehlung der KEF nicht zu folgen“, erklärt Robra. „Wir haben deutlich gemacht, dass die Zustimmung zum Verzicht auf die Reduzierung des Rundfunkbeitrags auf der Erwartung beruht, dass die von allen erwarteten Strukturoptimierungen die langfristige Stabilität des Beitrags sichert. Seither haben die Rundfunkanstalten einige Vorschläge für Strukturanpassungen gemacht, die von der KEF als nicht ausreichend bewertet wurden, und die auch der Rundfunkkommission der Länder und mir nicht weit genug gehen.“
Aus verfassungsrechtlichen Gründen gebe es nun einen Diskussionsprozess, der alle Beteiligte und deren Argumente einbeziehen müsse. Der Staatskanzleichef betont, dass es kein starres „Index-Modell“ gäbe, sondern verschiedene Varianten von Beitragsfestlegungen, bei denen auch Elemente einer Indexierung eine Rolle spielen könnten.

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„Ein Mehrwert muss klar zu erkennen sein“

„Ein Mehrwert muss klar zu erkennen sein“

von am 08.11.2019

Heike Raab: Die KEF hat sich als wichtiges staatsfernes Korrektiv etabliert

08.11.2019. Interview mit Heike Raab, SPD, Staatssekretärin und Bevollmächtigte des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und für Europa, Medien und Digitales

Heike Raab, Medienstaatssekretärin in Rheinland-Pfalz, betont in einem Interview mit Medienpolitik.net, dass bei der Abwägung der Vor- und Nachteile eines neuen Systems - wie es von einigen Ländern mit dem Index-Modell gefordert wird - ein Mehrwert klar zu erkennen sein müsse. „Andernfalls“ so Heike Raab „scheint mir ein Wechsel nicht sinnvoll.“ „Das aktuelle Verfahren ist verfassungskonform und hat – auch wenn wir immer nach Verbesserungsmöglichkeiten Ausschau halten sollten – seine Eignung in der Vergangenheit unter Beweis gestellt“, betont die Koordinatorin der Medienpolitik der Länder. Die dem zu erwartenden KEF-Bericht zugrunde gelegte Bedarfsanmeldung der Rundfunkanstalten richte sich an dem bisherigen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks aus. Mögliche Änderungen des Auftrags hätten somit auf den für die Beitragsperiode ab 2021 ermittelten Bedarf keinen Einfluss.
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