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„Eine gesunde Demokratie braucht gesunde Verlage“

„Eine gesunde Demokratie braucht gesunde Verlage“

von am 27.04.2022

Medienverband sieht die freie Presse ökonomisch gefährdet

27.04.2022. Dramatisch steigende Energie- und Papierpreise sowie kontinuierlich zunehmende Postzustellkosten belasten die Zeitschriftenverlage in Deutschland stark. Die 2021 erreichte Erholung relevanter Geschäftszahlen nach dem Corona-bedingten Einbruch 2020 wird durch die aktuelle Kostenexplosion weitgehend zunichte gemacht. Wie der Medienverband der freien Presse (MVFP) auf seiner Jahrespressekonferenz betonte, bedrohen diese nicht kompensierbaren Kostensteigerungen die Vielfalt der journalistischen Medien in Deutschland in ihrer Substanz. Die in der digitalen Transformation und der Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 erwiesene hohe Resilienz und Innovationskraft der Branche stehen vor der größten und komplexesten Herausforderung in diesem Jahrhundert.

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Eine Gefahr für die Pressefreiheit

Eine Gefahr für die Pressefreiheit

von am 26.04.2022

Digital Services Act der EU droht die Pressefreiheit und Meinungsvielfalt im Internet einzuschränken

26.04.2022. Von Helmut Hartung, medienpolitik.net

Die am 23. April 2022 erfolgte Einigung von den EU-Institutionen über denDigital Services Act (DSA) stößt bei Medienverbänden und Medienrechtlern auf Kritik. Sie sehen in der vorliegenden Vereinbarung eine Gefahr für die Presse- und Medienfreiheit. Der Deutschen Journalisten-Verband (DJV) spricht sogar von einem „verfassungswidrigen Gesetz“.
Mit dem neuen Gesetz will die EU Internetkonzerne dazu verpflichten, künftig schneller und besser gegen Hetze, Desinformation und gefälschte Produkte vorzugehen. Es soll für eine strengere Aufsicht von Online-Plattformen und mehr Schutz der Verbraucher sorgen. Ziel sind verbindliche Regeln für das Internet nach dem grundsätzlichen Prinzip: Was offline illegal ist, soll es auch online sein. Nutzer sollen derlei Inhalte einfach melden können. Auch sollen sie die Möglichkeit haben, die Lösch-Entscheidungen der Plattformen anzufechten und Entschädigung zu fordern. Für die Plattformen heißt das, dass sie mehr Verantwortung für ihre Inhalte und Angebote übernehmen sollen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach mit Blick auf die Regelungen von einer historischen Einigung.
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Die asymmetrische Macht der Algorithmen

Die asymmetrische Macht der Algorithmen

von am 21.04.2022

Russische Propaganda passt sich Empfehlungssystemen sozialer Netzwerke an

21.04.2022. Von Dr. Marco Bastos, City University of London

Facebook kann die russische Desinformation nicht bekämpfen. Das zeigen Daten, die WDR, NDR und "Süddeutsche Zeitung" ausgewertet haben. Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen kritisiert die Maßnahmen des Unternehmens als unzureichend. Sie weist darüber hinaus auf ein grundsätzliches Problem hin: Die Algorithmen geben den extremsten Positionen die größte Reichweite. Unsere aktuelle Studie “Fact-Checking Misinformation: Eight Notes on Consensus Reality” kombiniert Datenanalyse mit mehrstufiger Verarbeitung visueller Kommunikation, um die visuellen Rahmen staatlich geförderter Propaganda in sozialen Medien zu klassifizieren. Dabei stützten wir uns auf die Wahlintegritätsdaten von Twitter, um Propagandaziele der russischen „Internet Research Agency“ zu untersuchen. Sie prüfen, inwieweit ihre Operationen von der kanonischen Staatspropaganda abweichen, die durch Symbole der nationalen Identität und heroische Männlichkeit gekennzeichnet ist. Die Berichterstattung über den Krieg in der Ukraine in sozialen Medien bestätigt nachträglich unsere Analyse.
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„Nie zuvor waren wir professioneller aufgestellt“

„Nie zuvor waren wir professioneller aufgestellt“

von am 20.04.2022

Künstliche Intelligenz hilft den Landesmedienanstalten beim Kampf gegen Hass und Jugendgefährdung im Netz

20.04.2022. Interview mit Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW

Seit diesem Monat arbeiten die Medienanstalten mit einer für die Landesanstalt für Medien NRW entwickelten KI-Lösung. In Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden der Medienanstalten in den anderen Ländern ist dieses technische Hilfsmittel in den letzten Monaten realisiert und jetzt deutschlandweit ausgerollt worden. Das KI-Tool beschleunigt, vereinfacht und verbessert die Medienaufsicht im Netz. Durch automatisiertes Monitoring von Social Media-Plattformen und Webseiten werden potenzielle Rechtsverstöße identifiziert und zur Prüfung durch die Mitarbeitenden der Aufsicht vorbereitet. „Diese KI beschleunigt, vereinfacht und verbessert die Arbeit der Medienaufsicht. Indem sie das Netz durchsucht und unsere Mitarbeitenden auf mögliche Rechtsverstöße hinweist. Sie vereint damit höchsten technologischen Standard mit menschlicher Expertise. Nie zuvor waren wir professioneller aufgestellt, um ganzheitlich den Kampf gegen Hass und Jugendgefährdung im Netz aufnehmen zu können“, erläutert Dr. Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW, den Nutzen der KI-Lösung gegenüber www.medienpolitik.net.

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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk als Pionier in der Online-Medienlandschaft?

Öffentlich-rechtlicher Rundfunk als Pionier in der Online-Medienlandschaft?

von am 19.04.2022

Kann eine Reform des Medienstaatsvertrages den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zukunftsfest für die Online-Welt machen?

Von Valerie Rhein und Stephan Dreyer

19.04.2022. Über den Jahreswechsel 2021/2022 hat die Staatskanzlei des federführenden Landes Rheinland-Pfalz einen Entwurf für eine Reform des Medienstaatsvertrags zur Diskussion gestellt, mit dem die Länder den Auftrag und die Binnenorganisation der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland modernisieren wollen. Auch das Leibniz-Institut für Medienforschung | Hans-Bredow-Institut (HBI) hat im Januar eine Stellungnahme zum „Diskussionsentwurf zu Auftrag und Strukturoptimierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ abgegeben. Vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu öffentlich-rechtlichen Medieninnovatoren? Die Angebote der öffentlich-rechtlichen Anbieter sind längst nicht mehr auf lineare Fernseh- oder Radioprogramme begrenzt, seit vielen Jahren zählen Online-Angebote zum öffentlich-rechtlichen Repertoire. Dies unterscheidet ihn nicht von anderen Online-Angeboten, die von privaten Medienschaffenden zur Verfügung gestellt werden. Weil der öffentlich-rechtliche Rundfunk aber im Gegensatz zu privaten Angeboten über eine gesicherte, von aktuellen Marktbedingungen unabhängige Finanzierung verfügt, wird seit Langem diskutiert, ob ihm ein besonderer Auftrag zur Innovation zukommen sollte.

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„Der politische Wind hat sich gedreht“

„Der politische Wind hat sich gedreht“

von am 11.04.2022

DAB+ erfährt in den Ländern und auch bei privaten Veranstaltern mehr Unterstützung

11.04.2022. Interview mit Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM)

DAB+ gehört zu den Gewinnern der aktuellen Untersuchung der Reichweiten von Hörfunksendern. Im weitesten Hörerkreis kommt DAB+ mittlerweile auf einen Anteil von 24,5 Prozent (Hörer ab 14 Jahre, ma 2021 Audio: 20,4 Prozent). Allerdings ist die Relevanz dieser Ergebnisse für die Zukunft des Radios weiter umstritten. So sagte Marco Maier, Geschäftsführer von Radio/Tele FFH in einem medienpolitik.net-Gespräch: „Die drei Übertragungswege (UKW, IP, DAB+) werden mit veränderten Gewichtungen noch sehr lange parallel existieren.“ Vor allem mangelnde finanzielle Unterstützung wird von den privaten Hörfunkanbietern kritisiert. Bayern gehört zu den stärksten Befürwortern und Förderern von DAB+. Seit einem Jahr können alle UKW-Radioprogramme in Bayern auch über DAB+ empfangen werden. So werden von privaten Anbietern aktuell mehr als 80 lokale, landesweite und bundesweite DAB+ -Programme verbreitet. Zusammen mit den Digitalradioprogrammen des Bayerischen Rundfunks sind es insgesamt mehr als 100 DAB+ - Programme. Nach Einschätzung von Dr. Thorsten Schmiege, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) verliert UKW seit Jahren an Relevanz, während die Reichweite von DAB+ kontinuierlich wächst. Dies lässt sich auch immer besser kommerzialisieren. Dabei verweist Schmiege auch auf die höheren Kosten bei der UKW-Verbreitung.
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Die ARD in Panik

Die ARD in Panik

von am 08.04.2022

„Unterhaltung“ gehört nicht zu den öffentlich-rechtlichen Prioritäten

08.04.2022. Von Helmut Hartung, Chefredakteur medienpolitik.net

Nach der gestrigen Sitzung der ARD-Intendanten und -Intendantinnen informierte Christine Strobl, Programmdirektorin des Ersten, dass die ARD mit 25 neuen fiktionalen Serien in diesem Jahr ihre Mediathek weiter stärken wolle: „Alle zwei Wochen kriegen Sie eine neue Serie in der Mediathek.“ Im Oktober vergangenen Jahres hatte die ARD verkündet, mit einer Programmreform auch durch exklusive Formate die Mediathek ausbauen zu wollen. Zugleich beschloss die Intendantenrunde den Aufbau einer ARD-Kulturplattform in Weimar. Wenig später kündete die Intendantin des Bayerischen Rundfunks Katja Wildermuth den Umbau von ARDalpha zu einer Wissensplattform an. Im Februar folgten durch die neue ARD-Vorsitzende Patricia Schlesinger die Pläne für den Umbau von „Tagesschau24“ zu einem Newskanal, bei Beibehaltung von “Phoenix“. Dazu kommen laufend neue Apps, zusätzliche Podcasts, die Präsenz auf zahlreichen sozialen Netzwerken. Diese zusätzlichen Angebote, die fast im Monatstakt präsentiert werden, sollen durch Umschichtungen im laufenden Etat finanziert werden. Da stellt sich natürlich die Frage, wenn ständig „umgeschichtet“ wird, womit wird dann das Programm finanziert, das dem Auftrag entspricht und für das die KEF den Rundfunkbeitrag berechnet hat?
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„Existenzielle Gefahr für viele Zeitschriftentitel“

„Existenzielle Gefahr für viele Zeitschriftentitel“

von am 07.04.2022

Dramatisch steigenden Papierpreise, explodierende Energiekosten, höhere Postzustellkosten und die digitale Transformation belasten die Verlage

07.04.2022 Interview mit Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer MVFP Medienverband der freien Presse e.V.

Aus der Interessenvertretung der deutschen Zeitschriftenverlage ist in einem grundlegenden Reformprozess der Medienverband der freien Presse geworden. Der neue Verband übernimmt die Funktion des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) in der Vertretung der medienpolitischen Interessen von über 400 Verlagen mit mehr als 7.000 Zeitschriften- und Medienangeboten. Der Medienverband der freien Presse ist ein Bundesverband, in dem die Verlage direkt Mitglied werden – ohne föderale Struktur. Zu den dringenden medienpolitischen Aufgaben zählt Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer MVFP und zuvor in gleicher Funktion beim VDZ, die akute Papierkrise, die in ihrer Dringlichkeit alles andere überlagere: „Wenn das Erscheinen von Zeitschriften gefährdet ist, weil die Papierhersteller die Produktion einstellen oder zu wenig produzieren etc., müssen wir Sofortmaßnahmen zur Sicherstellung der Papierversorgung einfordern.“ Auch ein diskriminierungsfreier und fairer Zugang zu mächtigen digitalen Plattformen sei für die Zukunft des Digitalgeschäfts unabdingbar. Eine Förderung der Versorgung mit „periodischen Presseerzeugnissen“, wie im Koalitionsvertrag vorgesehen, ist für Scherzer „dringender erforderlich denn je“. Eine Kombination von Faktoren führe zu einer für sehr viele Zeitschriftentitel existenziellen Gefahr.
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„Das Jobportal ist praktische Solidarität“

„Das Jobportal ist praktische Solidarität“

von am 06.04.2022

Jobplattform für ukrainische Geflüchtete stößt auf großes Interesse

06.04.2022. Interview mit Dr. Christoph Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Produzentenallianz

Am 31.März ist das Jobportal für ukrainische Geflüchtete new-start.media an den Start gegangen. Zu den Initiatoren der Plattform gehört die Produzentenallianz, in enger Zusammenarbeit mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften der Kultur-, Film- und Medienbranche entstanden. Auf der Portalseite werden Kultur-, Film-, und Medienschaffenden aus der Ukraine offene Stellen auf dem deutschen Arbeitsmarkt mehrsprachig (ukrainisch, deutsch, englisch oder russisch) zusammengestellt. Bereits jetzt verfügt die Branche über knapp 50.000 offene Stellen. Ziel ist durch eine effektive Netzwerk-Arbeit laufend Stellen hinzuzugewinnen und die Plattform langfristig durch Community-Seiten und Sprachkurse auszubauen und weiterzuentwickeln. „Ganz praktisch Solidarität zu zeigen und in Anerkennung der häufig professionellen Kompetenzen der Ankommenden, wollten wir mit einer Plattform einen Baustein schaffen, der nachhaltig unterstützt“, so Christoph Palmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Produzentenallianz gegenüber medienpolitik.net.
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„Die Entwicklung des Radios muss technologieneutral erfolgen“

„Die Entwicklung des Radios muss technologieneutral erfolgen“

von am 05.04.2022

DAB+ ist für private Radios weiterhin kein Geschäftsmodell

05.04.2022. Interview mit Marco Maier, Geschäftsführer von Radio/Tele FFH und stellvertretender VAUNET-Vorstandsvorsitzender

Es müsse eine Finanzierung des Umstiegs auf DAB+ für beide Seiten des dualen Radiosystems geben und nicht nur für die in vielen Bereichen deutlich besser ausgestatteten ARD-Radiowellen, so Marco Maier stellvertretender VAUNET-Vorstandsvorsitzender in einem medienpolitik.net-Gespräch. Laut den Ergebnissen der aktuellen ma-Analyse Audi I 2022 erreichten klassische Radioangebote pro Werktag – montags bis freitags – rund 74Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren. DAB+ komme auf eine Tagesreichweite von 11,9 Prozent und 11 Prozent der Hörer nutzen IP-basierte Audioangebote (Webradio). „Damit ist der Vorsprung bei den terrestrischen Verbreitungswegen von UKW auf DAB+ weiterhin enorm“, der Geschäftsführer von Radio/Tele FFH. Bei der jüngsten Abstimmung im „Digitalradio Board“ hatte sich die rheinland-pfälzische Medienstaatssekretärin Heike Raab hatte für den DAB-Ausbau stark gemacht. Marco Maier kritisiert im Interview jedoch fehlende Voraussetzungen durch die Länder und den Bund: Der Zusatzaufwand für den Umstieg auf DAB+ sei für die Privatradios über Werbung nicht zu finanzieren. Das Digitalradio-Board hatte 2021 deshalb eine DAB+ -Infrastrukturförderung von jährlich ca. 60 Mio. Euro als angemessen erachtet.
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