Verlage

Unabhängigkeit und Journalismus sind nicht selbstverständlich

Unabhängigkeit und Journalismus sind nicht selbstverständlich

von am 16.09.2020

Verlage sollten mit „dauerhaft geringerer oder gar keiner Mehrwertsteuer“ unterstützt werden

16.09.2020. Von Dr. Mathias Döpfner, Präsident des Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger e.V. (BDZV), Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE

Wir leben in unübersichtlichen und unberechenbaren Zeiten. Die Weltordnung scheint sich aufzulösen. Europa und Amerika entfremden sich. China greift nach der globalen Vormacht. Russland agiert immer ruchloser. Islamisten stürmen die offene Gesellschaft. Populisten sind von London bis Budapest auf dem Vormarsch. Künstliche Intelligenz könnte die Menschen zu Dienern der Algorithmen machen. Ein Virus versetzt die Welt in den Ausnahmezustand und zeitweise in Stillstand. Und die Feuer von Kalifornien verdunkeln den Himmel über Berlin.
Gründlich recherchierte, wahrheitsgemäße Informationen werden in unübersichtlichen und unberechenbaren Zeiten immer wichtiger – das ist eine historische Chance für den Journalismus. Doch währenddessen wandelt sich unser Geschäftsmodell von einem analogen zu einem digitalen. Eine Transformation, die viele Verlage auch vor existenzielle Fragen stellt.

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„Ehrlich gesagt, finde ich das ein Unding“

„Ehrlich gesagt, finde ich das ein Unding“

von am 19.08.2020

Thüringen kritisiert Filmversicherungen, zeigt sich aber skeptisch gegenüber einem Ausfallfonds

19.08.2020. Interview mit Malte Krückels, Die Linke, Staatssekretär für Medien sowie Bevollmächtigter beim Bund des Freistaats Thüringen

Thüringens Medienstaatssekretär kritisiert gegenüber medienpolitik.net, dass die Versicherungen nicht für coronabedingte Produktionsausfälle aufkommen wollen. Allerdings ist er nicht davon überzeugt, dass der gegenwärtig favorisierten Ausfallfonds „das richtige Instrument“ sei. Die konzertierte Hilfsaktion von Bund- und Länderförderern im April und Mai, als kurzfristig eine große Zahl an Kino-Produktionen eingestellt werden musste, habe dagegen gut funktioniert. Durch die Corona-Pandemie sei die Medienvielfalt im Freistaat gefährdet, betont Malte Krückels: „Gerade durch seine spezielle Struktur ist der Medienmarkt in Thüringen eine sehr sensible Branche.“ Ziel einer staatlichen Förderung müsse es deshalb sein, pandemiebedingte Insolvenzrisiken einzelner Veranstalterinnen und Macher zu reduzieren, damit insgesamt langfristig irreparable Schäden von der Medienlandschaft abgewendet werden könnten. Thüringen hat deshalb ein Hilfs-Sonderfonds in Höhe von fünf Millionen Euro bereitgestellt. Von der 20-Millionen-Euro-Unterstützung für private Hörfunksender werden ca. 500.000 Euro nach Thüringen fließen.
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„Redaktionen und Verlag haben einen Kulturwandel vollzogen“

„Redaktionen und Verlag haben einen Kulturwandel vollzogen“

von am 18.08.2020

FUNKE NRW erreicht bei Digitalabos inklusive E-Paper einen Anteil von nahezu 20 Prozent

18.08.2020. Interview mit Thomas Kloß, Geschäftsführer von FUNKE NRW

Seit Neuaufstellung von waz.de, nrz.de, wp.de und wr.de vor genau einem Jahr verzeichnet FUNKE NRW eine Verdreifachung der Abo-Zuwachsrate für die Online-Inhalte auf seinen Nachrichtenseiten. Vor allem lokale und regionale Artikel sorgen für Abo-Abschlüsse auf den Markenportalen. Diese Artikel bedienen Themen wie Veränderungen im Stadtbild, Bauprojekte, Nahverkehr, Servicegeschichten zu neuen Restaurants, Ausflugszielen und den Entwicklungen im Lokalsport. Seit „User First“, so der Geschäftsführer von FUNKE NRW, „wird in den Redaktionen zuerst an die Onlineleser, dann an die Printproduktion gedacht. Wir schaffen es, über Daten und Analysen noch stärker als bislang auf die Leserinteressen zu reagieren, also die richtigen Themen aufzugreifen, aber auch dann schnell zu sein, wenn die aktuelle Nachrichtenlage das erfordert.“ Die Personalisierung sei ein Erfolgsfaktor, erläutert Thomas Kloß. Personalisierung sei ein Weg, den Lesern ein besseres, weil auf sie zugeschnittenes, Produkt zu bieten. „Je mehr interessante Beiträge wir ihnen aus ihrem Lebensumfeld anbieten, umso eher werden sie bereit sein, dafür zu bezahlen“, so Kloß. FUNKE NRW bewegt sich inzwischen bei den Digitalabos inklusive E-Paper auf die 20 Prozent-Marke zu.
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Ein „Spotify für Journalismus“?

Ein „Spotify für Journalismus“?

von am 10.08.2020

10.08.2020. Neue Studie: Ökonomische Perspektive abonnementbasierter Plattformen im Journalismus

Sind abonnementbasierte Plattformen, die bei Musik teilweise funktionieren, auch ein Weg für Presseverlage? Sollten alle Inhalte von FAZ, „Thüringer Allgemeiner“ und „Mühlacker Tagblatt“, also von überregionalen Zeitungen, Regionalzeitungen und Lokalzeitungen auf einer Plattform, mit einer Flatrate präsent sein? Bei Musik ist die Marke der Künstler und nicht das Label, bei Verlagen ist der Zeitungstitel die Marke und nicht der Journalist. Kann man die Musikbranche sowohl bei den Geschäftsmodellen als auch bei der Nutzung vergleichen? Ist Spotify für Journalismus, wie es sich der SPD-Medienpolitiker Martin Rabanus durch die 220 Mio. Euro Hilfe für Verlage jetzt erhofft, eine Illusion? Die Frage, ob die Plattformökonomie eine Rettung für Qualitätsjournalismus sein könnte, versuchen Christian-Mathias Wellbrock und Christopher Buschow in ihrer Studie „Money for Nothing and content for free - Paid Content, Plattformen und Zahlungsbereitschaft im digitalen Journalismus“, die sie im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW 2019 durchgeführt haben, zu beantworten.

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Kinder sind Medienprofis

Kinder sind Medienprofis

von am 30.07.2020

30.07.2020. Kinder Medien Monitor 2020 - Lesen hat einen hohen Stellenwert bei der Freizeitgestaltung

Mädchen und Jungen zwischen vier und 13 Jahren mögen es klassisch. Sie schätzen Zeitschriften und nutzen mindestens mehrmals pro Woche das laufende Fernseh- und Radioprogramm. Das ist ein Ergebnis des Kinder Medien Monitor 2020 , einer neuen Markt-Media-Studie, mit der die Verlage Egmont Ehapa Media GmbH, Gruner + Jahr, Panini Verlags GmbH, SPIEGEL-Verlag und ZEIT Verlag ihr Engagement für die Erforschung der Mediennutzung von Kindern – über alle Kanäle hinweg – fortsetzen. Die Untersuchung repräsentiert 7,38 Mio. Kinder in Deutschland im Alter von vier bis 13 Jahren. Der Kinder Medien Monitor 2020 bietet außerdem Einblicke in das Kommunikationsverhalten und Markenbewusstsein der Kinder und beleuchtet die Medienakzeptanz der Eltern.

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„Die Förderung alleine wird keine erfolgreiche Transformation bewirken“

„Die Förderung alleine wird keine erfolgreiche Transformation bewirken“

von am 29.07.2020

Die Werbeerlöse für Zeitungsverlage werden nach der Krise nachhaltig geringer sein als vorher

29.07.2020. Interview mit Alexander Kahlmann, Partner und Geschäftsführer der Schickler Unternehmensberatung

Innerhalb der Zeitungsbranche wird gegenwärtig kontrovers über das neue Hilfspaket der Bundesregierung in Höhe von 220 Millionen Euro für „eine Förderung der digitalen Transformation von Verlagen“ diskutiert. Am 6. August findet dazu eine Anhörung im Bundeswirtschaftsministerium statt. Stark steigende Kosten für die Zustellung von Abonnementzeitungen bei zugleich sinkenden Stückzahlen gefährden den Zugang zur gedruckten Tageszeitung in Deutschland dramatisch. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Schickler konnten die Verlagshäuser im Jahr 2014 noch alle (rund 11.000) deutschen Gemeinden zu betriebswirtschaftlich sinnvollen Konditionen mit Abonnements beliefern. Heute ist dies für fast 720 Gemeinden bereits nicht mehr der Fall. In fünf Jahren wären von dem Versorgungsengpass bereits 4.400 Gemeinden betroffen – dies entspricht rund 40 Prozent aller deutschen Gemeinden. Angesichts dieser Entwicklung beschloss der Deutschen Bundestag im November des vergangenen Jahres, die Verlage mit einer Zustellförderung in Höhe von 40 Mio. Euro zu unterstützen. Das ist nun hinfällig geworden. Digitale Technik statt Absicherung der Zeitungzustellung?
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Mehr als jeder zweite Deutsche ab 14 Jahren liest täglich die gedruckte Zeitung

Mehr als jeder zweite Deutsche ab 14 Jahren liest täglich die gedruckte Zeitung

von am 24.07.2020

Täglich verkaufen die Zeitungen mehr als zwei Millionen digitale Zeitungsausgaben

24.07.2020. Tag für Tag greifen 36,8 Millionen Bürger in Deutschland zu einem gedruckten Zeitungsexemplar. Die Reichweite der Tageszeitungen liegt damit bei 52 Prozent. Das heißt, mehr als jeder zweite Deutsche ab 14 Jahren liest täglich eine Printausgabe (Quelle: ma Tageszeitungen 2020). Ergänzt wird dies durch die steigende Reichweite der digitalen Zeitungsangebote: Sie verzeichnen täglich 16,3 Millionen Nutzer und erreichen damit 23,6 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung ab 16 Jahren (AGOF digital facts Juni 2020). Die E-Paper-Auflage der Zeitungen wächst um gut 20 Prozent. Täglich verkaufen die Zeitungen damit mehr als zwei Millionen digitale Zeitungsausgaben.
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„Diese Krise ist ein enormer Stresstest“

„Diese Krise ist ein enormer Stresstest“

von am 21.07.2020

Zeitschriftenverleger fordern „Belastungs-Moratorium“ der Politik, um Zukunft der Branche zu sichern

21.07.2020. Interview mit Stephan Scherzer, Hauptgeschäftsführer des VDZ

Um eine wirtschaftlich gesicherte Zukunft der Zeitschriftenbranche für die nächsten Jahre zu gewährleisten, mahnt der VDZ ein „Belastungs-Moratorium“ an. Damit sollen weitere Belastungen für das digitale oder klassische Verlagsgeschäft verhindert werden. Dazu zählt der Verlegerverband die E-Privacy-Verordnung, die sowohl die digitale Werbung der Verlagswebsites als auch die Werbung digitaler Abonnenten massiv bedroht. Auch ein kurzfristig geplantes, nationales Datenschutzgesetz dürfe keinesfalls die digitalen Verlagsangebote beeinträchtigen und der Vorschlag für ein gesetzliches Verbot längerer Abolaufzeiten müsse vom Tisch, so Stephan Scherzer. „Diese Krise ist ein enormer Stresstest für alle Systeme. Sie wird unsere vielfältige Zeitschriftenlandschaft deutlich zum Schlechteren verändern, wenn die Politik die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht fair gestaltet. Die Instrumente und gesetzgeberischen Mittel dafür sind vorhanden“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger. Die Corona-Pandemie hat die wirtschaftliche Situation der Verlage massiv verschärft. Die Werbeeinnahmen sind im April, Mai – je nach Sektor – zwischen 20 und bis in der Spitze über 80 Prozent eingebrochen.
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„Corona wird in der Film- und Fernsehbranche Spuren hinterlassen“

„Corona wird in der Film- und Fernsehbranche Spuren hinterlassen“

von am 16.07.2020

NRW fordert Unterstützung von Fernsehproduktionen bei Ausfallfonds

16.07.2020. Interview mit Nathanael Liminski, Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen

Seit Wochen fordern die Produzenten einen Ausfallfonds, der bei erneuten pandemiebedingten Produktionsstopps, für die damit verbundenen zusätzlichen Kosten aufkommt. Versicherungen weigern sich bisher, solche Risiken zu übernehmen. In der jüngst vom Bundestag verabschiedeten „Kulturmilliarde“ sind auch 50 Millionen für einen Ausfallfonds, jedoch nur für Kinoproduktionen, vorgesehen. Allerdings erwarten sowohl die Kulturstaatsministerin Monika Grütters als auch die Produzenten, dass sich an diesem Not-Fonds sowohl die Länder als auch die großen TV-Sendergruppen beteiligen. NRW will 10 Millionen Euro bereitstellen, auch Bayern hat Unterstützung zugesagt. NRW erwartet, so Nathanael Liminski gegenüber medienpolitik.net, „dass nicht nur Produktionsfirmen, die auf Kino spezialisiert sind, berücksichtigt werden können, sondern auch der Bereich der Fernsehfilmproduktion. Wenn der Bund das nicht machen kann oder will, sollten die Länder mit den großen Fernsehstandorten das selbst in die Hand nehmen.“ Im Zusammenhang mit der schwierigen Situation der Kinos verweist der Chef der NRW-Staatskanzlei darauf, dass ein Abstand von 1,5 Metern zwischen den Besuchern nicht notwendig ist, solange nachverfolgbar sei, wer auf welchem Platz gesessen habe.

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„Das Gießkannenprinzip wird uns nicht weiterhelfen“

„Das Gießkannenprinzip wird uns nicht weiterhelfen“

von am 15.07.2020

Bündnis 90/Die Grünen fordern bundesweit einheitliche Regelungen zur Systemrelevanz des Journalismus

15.07.2020. Interview mit Margit Stumpp, MdB, Sprecherin für Bildungs- und Medienpolitik & Expertin für digitale Infrastruktur der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Bündnis 90/Die Grünen kritisieren weiterhin die vom Bundestag beschlossene Bereitstellung von 220 Mio. Euro für die Presseförderung. „Es werden Tatsachen geschaffen“ so Margit Stumpp, „ohne dass die anderen Fraktionen im Bundestag die Möglichkeit haben, sich inhaltlich dazu zu positionieren. Dieses Vorgehen ist bezeichnend für die Planlosigkeit der Koalition in der Medienpolitik und schadet dem Vertrauen der Öffentlichkeit in die Politik insgesamt.“ Bei einem so wichtigen Thema wie der Medienförderung gehöre nach dem Demokratieverständnis von Bündnis 90 /Die Grünen das Parlament eingebunden. Es sei schlechter Stil, eine solch hohe Summe ohne vorherige Ankündigung, geschweige denn einer Debatte in den zuständigen Fachausschüssen im Nachtragshaushalt zu beschließen, betont die Sprecherin für Bildungs- und Medienpolitik der Bundestagsfraktion. Das Gießkannenprinzip helfe nicht weiter, so Stumpp. Ein unkompliziertes Mittel zur Stärkung der Medienvielfalt sei die Anerkennung von Non-Profit-Journalismus als gemeinnützig in der Abgabenordnung. Dies sei eine weitere Möglichkeit, neben den privaten und den öffentlich-rechtlichen Medien gesellschaftlich wertvollen Journalismus staatsfern zu fördern.
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